Das Methusalem-Komplott, Frank Schirrmacher

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  • Das Methusalem-Komplott, Frank Schirrmacher

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    Das Methusalem-Komplott, Frank Schirrmacher

    Leseprobe

    Sie gehören dazu

    Sie wissen es zwar noch nicht: aber Sie gehören dazu. Da Sie imstande sind, dieses Buch zu lesen, zählen Sie zu denjenigen, denen der Einberufungsbescheid sicher ist. Die große Mobilmachung hat begonnen. Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Sammeln Sie sich und seien Sie getrost: Sie gehören auf die Seite der Menschen, denen es in den nächsten Jahrzehnten aufgegeben ist, eine Revolution anzuzetteln.

    Es klingt dramatisch, und das ist es auch. Tatsächlich ist unsere Lage unhaltbar geworden. Noch befestigen wir unsere Rettungshaken am Alltag. So schlimm, sagen wir, kann es nicht sein. Der Nachrichtensprecher liest die Nachrichten und flüchtet nicht verstört aus dem Studio. Die Redakteure schreiben ihre Leitartikel und Kolumnen. Die jungen Leute auf der Straße sind zivil und umgänglich. Mütter schieben ihre Kinderwagen. Man hört noch keine Einschläge, die Front, sagen wir, ist noch fern.

    Am Horizont der Zukunft aber baut sich eine der erbittertsten Streitmächte gegen die Alten auf, die es je gegeben hat. Sie marschiert auf uns zu, die wir heute 20, 30 oder 60 Jahre sind, denn wenn der Krieg beginnt, werden wir die Älteren sein. Und die Gesellschaft, die wir geschaffen haben, nimmt dem Alternden alles: das Selbstbewusstsein, den Arbeitsplatz, die Biographie. Unsere Lebensentscheidungen basieren auf Grundrissen und Daten eines vergangenen Jahrhunderts. Gingen wir mit dem Raum so um wie mit unserer Lebenszeit, würden wir mit Postkutschen reisen.

    Wir müssen jetzt handeln. Nur noch wenig Zeit trennt uns selbst von der Stigmatisierung. Bis dahin sollten wir die Vorstellungen des Alters aus der Steinzeit - wo sie jetzt sind - in die Zukunft geholt haben. Es geht um nichts weniger als eine Revolution, vergleichbar mit den großen Befreiungsbewegungen der Vergangenheit.

    Im Augenblick sammeln wir noch kritische Masse. Wenn in fünf bis zehn Jahren der Punkt des Umschlagens erreicht ist, wird wie mit Zauberhand eine veränderte Gesellschaft im Gesichtskreis jedes Einzelnen erschienen sein. Wie oft berichten Menschen von der Plötzlichkeit, mit der das Alter sie wachrüttelt. Ungläubig schlägt man die Augen auf, als wäre man nicht seit Jahren vorgewarnt, und plötzlich ist man alt. So wird es unserer Gesellschaft ergehen. Die unerschütterliche Logik der Abreißkalender sagt uns, dass die Drohung mit jedem neuen Geburtstag für uns alle wächst. Und doch tun wir so, als wäre es nicht unsere Zeit, die gerade abläuft.

    Es ist die Erfahrung, die Ihnen seit Kindesbeinen vom Straßenverkehr geläufig ist. Irgendwann fahren nur noch die jeweils neuesten Modelljahrgänge herum, und gerade diese Abfolge präpariert für uns das Gefühl vergehender Zeit. Der Opel Rekord von 1962, die Ente von 1968 und der VW-Käfer sind wie die Ziffern auf einem Kalender. Uns geschieht das Gegenteil: Immer mehr Menschen bleiben immer länger beieinander, und die Zeit scheint stillzustehen. Viele von uns werden gleichzeitig mit ihren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern auf der Welt sein. Zum ersten Mal entsteht etwas, was in der Evolution nicht vorgesehen, ja von ihr mit allen tödlichen Tricks verhindert werden sollte: eine nicht mehr fortpflanzungsfähige Gruppe, die ihren biologischen Zweck längst erfüllt hat, nicht mehr repariert wird und von der Natur auf Abruf gestellt wird, bildet die Mehrheit innerhalb einer Gesellschaft. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wird die Zahl der Älteren größer sein als die der Kinder.

    Sammeln Sie sich und seien Sie getrost, denn Sie gehören auf die Seite dieser Älteren. Wir alle haben die große Aufgabe unseres Lebens noch vor uns. Wir werden vielleicht schwächer sein als jetzt, aber wir werden in der Überzahl sein.

    Es geht um unsere Seelen, aber es geht nicht um Sentimentalitäten. Es geht um unser Selbstbewusstsein und unsere Sicherheit und damit um die Stabilität der Gesellschaft, in der wir leben werden. Und es geht um Eigennutz auch im Interesse der kommenden Generationen. Die Diskriminierung des Alterns und des Alters wird weltweit zu einem ökonomischen und geistigen Standortnachteil. Im Jahre 2050 werden allein in China so viele über 65-Jährige leben wie heute auf der ganzen Welt. Angesichts solchen Wachstums an Alter wird jene Gesellschaft am erfolgreichsten sein, deren religiöse oder kulturelle Überzeugungen das Alter schöpferisch machen können. Wir sind, so paradox es klingen mag, als Alternde in einer alternden Gesellschaft zugleich Anführer und Opfer einer neuen Globalisierungswelle. Im Kern geht es um das Bestreben jedes einzelnen Menschen auf dieser Welt, so lange leben zu können wie möglich. Das ist das eine. Das andere aber ist das wachsende Bedürfnis der Welt, den Menschen genau dieses Bestreben auf mehr oder minder deutliche Weise auszureden. In manchen Ländern dieser Erde nimmt man den Älteren Haus, Hof und Nahrung; in anderen Gesellschaften, zu denen wir gehören, beraubt man sie des Selbstbewusstseins und der Lust am Leben.

    Auch mit der Umwälzung all unserer Erfahrungen, Werte, Erkenntnisse ist es nicht getan. Was wir für richtig und gut halten, was wir Erfahrung nennen, was uns groß und stark gemacht hat - all das zerreiben die Walzen des Alterungsprozesses. Er ist der rücksichtslose Gleichmacher. Denn was zählen vergangene Erfolge, Schönheit, Lebenserfahrung und selbst Reichtum im Zeichen des Alters? Wie die Hobbits im Auenland leben wir ahnungslos dahin, bei Spiegeleiern, Pfeifentabak und all dem, was zur Wärme des Lebens gehört. Aber am Horizont zeigt sich schon die neue Macht, die unser Leben und unsere Lebensform für immer ruinieren will.

    Nehmen Sie es ernst: Es geht um die Hälfte Ihres gelebten Daseins, um eine Lebensspanne, die mindestens so lange dauert wie Geburt, Kindheit, Jugend und Ausbildung. Vergessen Sie all die Fehlalarme der letzten Jahrzehnte. "Anders als etwa bei der Klimakatastrophe, kann es keinen Zweifel geben, wann und wo das globale Altern beginnt", schreibt der ehemalige amerikanische Wirtschaftsminister Peter G. Peterson, und die Bevölkerungsforscher geben ihm Recht. Unser Altern wird nicht gemütlich sein. Es wird keine Ohrensessel, Kaminfeuer und Vorratskammern geben. Wir können nicht zu Hause bleiben. Wir müssen losziehen, solange wir noch stark und selbstbewusst sind. Selten hat eine Gesellschaft so klar sagen können wie die unsere: Wir müssen in den nächsten 30 Jahren ganz neu lernen zu altern, oder jeder Einzelne der Gesellschaft wird finanziell, sozial und seelisch gestraft. Es geht um die Befreiung jenes unterdrückten und unglücklichen Wesens, das wir verdrängen und das heute noch nicht existiert. Es geht um unser künftiges Selbst.

    Unsere Zukunft

    Kein Mensch wird gerne alt. Diese persönliche Empfindung wird in den nächsten fünf Jahrzehnten auf nie gekannte Weise zu einer öffentlichen, die individuelle Verwundung durch das Altern wird zu einer Massenerscheinung werden.

    Jeder, der jetzt schon älter ist als Mitte 30, kennt die privaten Tragödien: Er beginnt in unserer Gesellschaft zu leiden. Er leidet an seinem Aussehen, am Arbeitsmarkt, an ersten Leistungseinbußen und Krankheiten, an der Sterblichkeit schlechthin.

    Es gibt ein Leiden, das uns der älter werdende Körper verursacht. Wie ein Auto, das einmal der Stolz der Straßen war und alle Blicke auf sich zog, nun, im Laufe seines Älterwerdens seinem Besitzer zwar noch nützlich, aber zunehmend eine Last und sogar peinlich wird; und gewiss kennen Sie die Modelle, die mit Spoilern und zusätzlichen Scheinwerfern jene Kraft und Jugend ausstrahlen sollen, die sie laut Zulassung längst verloren haben. Aber es gibt ein noch gefährlicheres Leid, das die Gesellschaft dem alternden Lebewesen bereitet. Sie jagt das alternde Auto auf der Autobahn, wenn es nicht freiwillig zur Seite geht, sie stört sich an seinen Geräuschen, sie hält es für eine Umweltbelastung und entzieht ihm am Ende aus Sicherheitsgründen die Zulassung, auf öffentlichen Straßen und Plätzen in Erscheinung zu treten. Wir brechen den Vergleich hier ab; es reicht zu wissen, dass wir aus Gründen, auf die wir später eingehen werden, Verachtung und Wut herausfordern, wenn wir uns in einem alten oder verbrauchten Körper, Gehäuse oder Kostüm bewegen.

    Wer heute lebt, nimmt an einem in der Menschheitsgeschichte einzigartigen und von uns allen nicht vorhersehbaren Abenteuer teil. Nicht nur Menschen, ganze Völker werden altern. Die Bewohner des alten Europa erleben dabei ein besonderes Paradox, nämlich den Angriff von zwei Fronten. Sie leben länger, und sie bekommen weniger Kinder. Die Bevölkerungsdynamik wird vom Sterben geprägt sein, nicht mehr von der Geburt. Gesellschaft und Kultur werden so erschüttert sein wie nach einem lautlosen Krieg. Deutschland wird älter und zahlenmäßig schwächer werden - nach Schätzungen der UN im Jahre 2050 um zwölf Millionen Menschen. Das sind mehr als die Gefallenen aller Länder im Ersten Weltkrieg. Im Tierreich wäre diese Population zum Aussterben verurteilt. In der Anthropologie nennt man solche Arten: lebende Tote.

    Politik zählt nicht, jedenfalls nicht im Augenblick. Die politische Lebensspanne beträgt 46 Monate, die Dauer einer Legislaturperiode. Gegen den Rat der Bevölkerungswissenschaftler rechnet sie sich mit der Lebenserwartung der Menschen reich - sie setzt sie niedriger an und gewinnt damit in der Gegenwart Luft zum Atmen. Peter G. Peterson berichtet in einem Artikel für 'Foreign Affairs', wie die Politiker im 20. Jahrhundert auf das unmittelbar bevorstehende Problemunserer kollektiven Alterung zu reagieren pflegten. "Von privaten Gesprächen mit den Regierungschefs der großen Wirtschaftsmächte kann ich bestätigen, dass sie alle sehr genau darüber Bescheid wissen, welche erschreckenden demographischen Trends sich ankündigten. Aber bislang wirken sie wie paralysiert." Petersons Aufsatz, der sich noch heute wie das Manifest einer alternden Welt liest, ist, wie wir sehen werden, nicht zufällig dort erschienen, wo einige Jahre zuvor ein Text publiziert wurde, der die amerikanische Politik tief greifend verändern sollte: Samuel Huntingtons 'Clash of Civilizations', der nach dem Ende des Ost-West-Konflikts einen neuen Krieg der Kulturen, einen existentiellen Konflikt zwischen einem fundamentalistischen Islam und einem technologischsäkularen Westen heraufziehen sah.

    Wir helfen den Politikern bei ihrem kollektiven Selbstbetrug durch unsere merkwürdige vorauseilende Koketterie mit dem Tode. Aus irgendwelchen Gründen tun wir nämlich so, als wären wir nicht gemeint. Viele glauben, sie erleben diese Zukunft nicht mehr. Andere misstrauen grundsätzlich der Demographie, obgleich die Gegenstände der Berechnung - die geborenen Menschen - ja schon mathematische Tatsachen geworden sind. Nicht nur die Politik, wir selbst rechnen uns unsere Lebenserwartung herunter, gerade so, als könnten wir die letzten Lebensjahrzehnte nur im Nebel ertragen. Jeder, der lesen kann, weiß, dass das Problem unserer Zukunft als Europäer und als Deutsche das gleiche Problem ist, das wir als Individuen haben: das Problem unserer gestiegenen Lebenserwartung. Wir aber, als gelte es einen aufkeimenden Verdacht zu zerstreuen, beeilen uns ungefragt, jedermann zu versichern, dass wir so alt gar nicht werden wollen.

    Seien Sie - merkwürdige Bitte - einmal für einen Augenblick ganz und gar Egoist. Vergessen Sie für einen Augenblick die Altersrhetorik, die sich in Wendungen wie "So alt will ich gar nicht werden" und ähnlichen rhetorischen Ersatzhandlungen manifestiert - ein innerer Selbstabschaffungs-Monolog, auf dessen tiefere Ursachen wir noch zu sprechen kommen werden -, übersetzen Sie einfach in Alltagssprache, was Ihnen heute über Altern, Alter, Rente, Demographie ans Gehör dringt. Das Ergebnis dieser Übersetzung lautet: Ihr eigenes Altern, nicht das abstrakte Altern des statistischen Bundesamtes, wird bereits heute als Naturkatastrophe behandelt.

    Die Rechenfehler der Politik sind verheerend für die wirtschaftliche Planung des Einzelnen wie für die Zukunft aller. In Wahrheit werden schon bald, wie das statistische Jahrbuch des Spiegel meldet, die ersten Lebenszeitmillionäre auftauchen. Im Alter von 114 Jahren hat ein Mensch eine Million Stunden gelebt. Uns wird die Paranoia der reichen Erblasser befallen, weil wir nichts anderes zu vererben haben als die Befreiung der Erde von unserer Existenz. In den Mienen und im Augenspiel der wenigen Jungen lesen wir das Urteil oder den Vorwurf, die Hoffnung oder Frage, in jedem Fall die Erinnerung an unser großartiges Versprechen: Warum seid ihr nicht tot?

    Und dann sind da noch die Kinder der Kinder, jene, die ab dem Jahre 2025 zur Welt kommen müssten. Unsere Enkel. "Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten's besser aus." Der Spruch aus dem Bauernkrieg, von dem uralten Philosophen Ernst Bloch populär gemacht, galt immer als Beispiel dafür, wie die Abfolge der Generationen Zukunft schafft. Wir werden 'nicht' sein: ein Volk von Großvätern und Großmüttern. Wenn Sie an Schaukelstühle, Märchen und den Strickstrumpf denken, sind Sie in einem falschen Jahrhundert. Es wird zwar noch Großeltern geben, aber viel weniger Enkel. Der Soziologe Peter Schimany spricht bereits von einem "historisch neuen Knappheitsverhältnis", in dem es zu einem Mangel an Verwandten überhaupt, insbesondere aber zu einem Verschwinden der Enkel kommt. Die Großelternrolle, mit der so viele Ältere früher ihre gesellschaftliche Nützlichkeit unter Beweis stellen konnten, wird seltener gespielt werden können. Viele Großeltern teilen sich wenige Enkel. Die 12-Jährigen von heute werden einmal nicht nur die am stärksten besetzten Jahrgänge der 60-Jährigen sein. Sie werden in einer Gesellschaft leben, in der die 80-Jährigen und Älteren nicht mehr wie heute vier Prozent (3,2 Millionen), sondern zwölf Prozent der Bevölkerung (9,1 Millionen) stellen. Die Hälfte des Landes wird älter als 48 Jahre alt sein, nach anderen Berechnungen sogar älter als 52 Jahre. Das ist eine Gesellschaft, die fast nichts mehr mit der heutigen zu tun haben wird. Sie wird noch über die gleichen Autobahnen und Eisenbahnschienen verfügen, aber ihre seelische Infrastruktur - die Beziehungen zwischen den Generationen - wird völlig verwandelt sein.

    Die gesprengten Fesseln der Lebenserwartung

    Unser Alltags- und politisches Bewusstsein unterschätzt nicht nur das Ausmaß des demographischen Bebens, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Risse in unserer Welt zeigen werden. Der Eintritt der Babyboomer ins Rentnerdasein wird in der ganzen westlichen Welt einen Altersschub auslösen und wie ein nie verglühender Raketentreibsatz über Jahrzehnte Millionen von Menschen, Einzelne, die sich zu ganzen Völkern summieren, über die Datumsgrenze des 65. Lebensjahrs katapultieren; nicht nur in eine neue ökonomische und soziale, sondern auch in eine fremde seelische Welt. Den Countdown dieser gewaltigen Mission haben die amerikanischen Bevölkerungsinstitute mit großem Alarm vordatiert: "In den USA haben die Versuche, den Terrorismus zu bekämpfen, andere eminente soziale Probleme in den Hintergrund gerückt. Aber die Uhr tickt, und die Babyboomer nähern sich der Pensionierung ... Bisher glaubte man, dass die ersten Boomer im Jahre 2011 in den Ruhestand treten, und die Alterswelle uns dann erst erreicht. Heute ist die Annahme realistischer, dass die erste Welle uns bereits im Jahre 2008 trifft."

    Übersetzt man sich die Schätzungen in Bilder, dann wird die Erde wie ein riesiges Altersheim durchs Weltall kreisen. Wie viel Senilität, Vergesslichkeit, Altersdemenz, wie viel Krankheit wird in diesem kollektiven Bewusstsein sein? Wie viel Angst und schlechtes Gewissen, Selbsthass und - Hass?

    In den USA wird alle 7,5 Sekunden ein Babyboomer 50. Alle 7,5 Sekunden ereignet sich eine Mikrokatastrophe. Alle 7,5 Sekunden bekommt das Leben, in den Worten Mark Aurels, schlechte Gesellschaft. Die Babyboomer, die zwischen 1950 und 1964 geborenen Generationen, werden spätestens in dem Moment, in dem sie in Rente gehen, die ganze westliche Welt in einen Ausnahmezustand versetzen.

    Dessen revolutionäre Sprengkraft kann die Statistik nicht erfassen. Wie jeder weiß, ist die Statistik seelenlos. Sie nennt den alt, der in Rente geht. Der Altenquotient beziffert das Verhältnis von Ernährern und Ernährten. Aber die Geister des Alterns kommen viel früher als der Bescheid der Rentenanstalt, ja, sie siedeln sich oft schon Jahrzehnte vorher im Seelenhaushalt der Menschen an, erst noch versteckt in den dunkelsten Nischen des Kellers, bald zwischen Schränken und hinter Spiegeln, schließlich beherrschen sie das Haus und alle seine Versorgungskanäle.
    [size=2]Alles ist schwer, bevor es leicht wird.[/size]