Individuum & Gesellschaft

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  • Individuum & Gesellschaft

    Mir sind heute beim Joggen ein paar interessante Zusammenhänge gedanklich über den Weg gelaufen; ich will sie gerne mal zur Diskussion stellen.

    Wir leben in einer Gesellschaft zunehmender Vereinzelung; der einzelne zählt viel, die Gruppe/Gemeinschaft folgt höchstens an zweiter Stelle.
    Dieses Phänomen lässt sich an vielen Erscheinungen ablesen, z.B. gibt es viel mehr Singles, Ein-Kind-Familien, Alleinerziehende als vor 10-15 Jahren (auch wenn hier sicherlich noch andere Variablen ne Rolle spielen), die Bereitschaft, sich in Vereinen als Übungsleiter/Funktionär zu engagieren nimmt ab, ebenso bei der Mithilfe in Schulen oder Kindergärten, die Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt (als einem Gemeingut) nimmt dafür zu.
    Man könnte diese Reihe fortsetzen, Fakt ist jedenfalls, dass der Gemeinschaftssinn mehr und mehr verloren geht, was für die gesellschaftliche Entwicklung nicht positiv sein kann.

    Die Frage stellt sich, ob man diese Entwicklung aufhalten kann.

    Ist es vielleicht so, dass wir diese Tendenzen eher verstärken?

    In Erziehung und Bildung werden die Schlagworte "Individualisierung" und "Differenzierung" ganz groß geschrieben. Schon im Kindergarten sollen die Kinder in ihrer Einzigartigkeit erkannt und ihren individuellen Anlagen gemäß gefördert werden, ein Prozess, der sich später in der Schule fortsetzt.
    Gibt es hier Zusammenhänge oder ist das zu weit hergeholt?
    Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)
  • Moin prof ;)

    tja, das beste Beispiel wie manche Menschen/Kids ihre Individualität und potentielle Macht ausspielen,
    erleben wir ja gerade - voll aus dem Boardleben gegriffen - hier

    Gerade jetzt in unserer seit Jahrzehnten befriedeten - deutschen bzw. europäischen - hochtechnisierten Industriegesellschaft scheinen solidarisch handelnde Gruppen nicht mehr den Stellenwert zu besitzen wie zu vergangenen 'Notzeiten'.

    Die Geschichte zeigt allerdings, daß derartige Prozesse immer wieder in allzu priviligierten Gesellschaftssystemen zyklisch auftauchen....
    und am Wendepunkt zum 'Schlechteren' dann meist für diese Gesellschaften erstmal fürchterlich nach hinten losgehen.

    Wer eben nie gelernt hat, gemeinschaftlich zu denken und dementsprechend in Zwangslagen auch so zu handeln, steht - auch als Gesellschaft - irgendwann vor einer massiven Front Andersdenkender.

    Ob nun z.B. Konstantinopel, Rom, Moskau, Berlin, Teheran, wieder Moskau oder zukünftig vllt. Washington....die entsprechenden Gesellschaften haben geschichtlich zumeist während ihres Wandels harte Zeiten durchlebt.

    Da uns in der Zukunft nicht nur regionale oder nationale Probleme ins Haus stehen, sondern vmtl. nur noch globale Veränderungen, wäre es eigentlich zwingend notwendig, nur noch in Kategorien wie 'menschliche Gemeinschaft' zu denken....
    aber....vllt. kommt dies ja noch....
    nach einer Phase des...... Rette sich jetzt eben, wer noch kann ;)
  • Endlich mal wieder ein schöner Thread, ein gutes Thema, keine Einzeiler oder undurchdachten Posts. :)

    Leider muss ich dir da Recht geben, die Verhältnise sind im Moment alles andere als gut und es wird vermutlich immer schlimmer.

    Es ist natürlich auch schwer ein entsprechendes Gleichgewicht zu schaffen, zum Beispiel bei individueller Förderung, andererseits Gleichberechtigung, wobei sich das ja nicht unbedingt widerspricht sondern überschneidet.
    Insofern ist eine Lösung sofern man will durchaus möglich. :)

    Das sich die meisten einzelnen selbst bevorteilen war ja schon immer der Fall, allerdings entstehen erst in der heutigen Zeit die meisten Probleme.

    Erst durch die Technik können wir weltweit und sehr viel effektiver Schaden ausrichten, ein Beispiel sind die Computer, ein anderes die totale Überwachung oder auch die unbewusste Steuerung von Menschen durch Strahlen, Beeinflussung des Unterbewusstseins und vielem mehr, was heutzutage von einigen Menschen(gruppen) genutzt wird.

    Entwicklungstechnisch ist das ganze auch sehr interessant, früher waren wir alle Einzellebewesen, irgendwann kam es zur Gruppenbildung, die immer stärker wurde und jetzt wäre durch die Technik der nächste Schritt notwendig (der leider noch sehr weit entfernt ist), dass alle Menschen nur für die Gemeinschaft handeln und sich selbst unter diese stellen.

    Damit meine ich jetzt nicht, das wir ein Volk werden und uns alle gleichschalten, sondern vielmehr im Gegenteil, wir entfalten uns alle als Individuen, sind uns aber unserer Gemeinschaft bewusst und sehen diese als das höchste an.

    Daraus ergeben sich sehr viele Vorteile, so das man auch als Individuum besser lebt, als wie wenn man egoistisch wäre.
    Das klingt an sich unlogisch, allerdings muss man bedenken, wieviel sinnlose Arbeit nur verrrichtet wird, weil wir alle egoistisch handeln.

    Neben Kriegen sei das gesamte Finanzwesen, die sinnlose Produktion von Wegwerfartikeln, Überproduktion, Kriegsmitteln, Sicherheitseinrichtungen und vieles mehr zu nennen.

    Auch ein Staat wäre an sich nicht mehr nötig.

    Konkret ausgedrückt würde das zum Beispiel bedeuten, dass wenn alle Menschen hier in Europa oder weltweit plötzlich nicht mehr egoistisch sondern für die Gemeinschaft denken würden, sämtliche Banken, Versicherungen, deren indirkten Arbeitsplätze, wie zum Beispiel auch Kassierinnen nicht mehr arbeiten müssten, legidlich ein Teil der produzierenden Arbeiter müsste weiterarbeiten.

    Es würden also plötzlich nur noch 20 % arbeiten müssen und dennoch würde alles weiterhin so funktionieren wie bisher.

    Oder anders ausgedrückt, jeder von uns müsste nur noch ein Fünftel arbeiten, mit dem Ausbau der Technik zwischen einem Zehntel und gar nicht mehr.

    All diesem steht aber entgegen, das die wenigsten Menschen dieses System verstehen wollen und können und wir so vermutlich auf die nächste Zerstörung zulaufen.

    Inwieweit es danach weitergeht ist schwer zu sagen, aber wenn sich der momentane Trend weiternetwickelt wird es nicht schön.

    Die sinnvollste und einzig richtig Alternative wäre meiner Meinung nach, den Menschen das denken zu zeigen, das sie nicht mehr wie Wesen in einer Herde sind, sondern das sich jeder einzelne entfaltet, sich seiner selbst und der Gemeinschaft bewusst wird.

    Anders ausgedrückt, den Menschen müssten endlich mal mit ein paar Hundert Jahren die Gedanken der Aufklärung beigebracht werden. ;)

    Hoffen wir mal, das dieses Thema nicht auch wieder sinnlos zugespammt wird und daran kaputtgeht. ;)

    mfg
    neo
    Glauben Sie wirklich, Sie kämpfen für etwas, für mehr als ihr Überleben? Freiheit, Wahrheit, Friede, Liebe - Illusionen! Vorrübergehende Konstrukte eines schwächlichen menschlichen Intellekts, der verzweifelt versucht, eine Existenz zu rechtfertigen, die ohne Bedeutung oder Bestimmung ist!
    momentan hungernde Menschen: 1 Milliarde
    an Hunger sterbende Menschen: alle 3 Sekunden jemand
  • Die Crux bei solchen gesellschaftlichen Phänomenen ist ihre Komplexität: Dem Zustand geht eine lange Entwicklung voraus und die beeinflussenden Variablen sind vielfältig.
    Da kommt man schnell zu dem frustierenden Urteil: Ist zwar shice, aber da kann man halt nix ändern. :(
    Noch erschlagender erscheint die Problematik, wenn man globale Zusammenhänge herstellt, wie Mr_Anderson dies in seinem Beitrag tut. Das verstärkt das Gefühl von Ohnmacht.
    Andrerseits ist bei allen Problemen immer die entscheidende Frage: Was kann ich verändern, ich in meiner Familie, ich in meinem Freundeskreis, ich in meinem beruflichen Umfeld, usw.
    Wenn ich das Problem einer zunehmenden Vereinzelung in der Gesellschaft erkenne und was ändern will muss ich mich bemühen gemeinschaftsdienlich zu denken und zu handeln, wo immer mir dies möglich ist (auch z.B. bei dem von muesli angesprochenen thread net wortlos oder gar belustigt zuschau'n, sondern Stellung beziehen).
    Ansonsten ist eine der wichtigsten Keimzellen für Veränderungen die Erziehung mit den entscheidenden Einflussgrößen Kindergarten, Schule & Familie.
    Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)
  • littleprof schrieb:

    Was kann ich verändern....

    JAAAA, genau :)
    der entscheidende Punkt für mich ist dabei, sich beizeiten - also wirklich rechtzeitig - einzumischen und klar Stellung zu beziehen bzw. zu kritisieren,
    und zwar sowohl in Taten als auch in Worten
    Jeder, der (mit-)verantwortlich handeln will, sollte also in seinem Umfeld dementsprechend genau zuhören, analysieren und gegebenenfalls auch deutlich (Gegen-)Position beziehen.
    Nur darin bestehen vor allem Führungsqualitäten und -kompetenzen von Eltern, Erziehern, Lehrern, und auch... :D Moderatoren...kurzum möglichst ALLEN Mitgliedern der Gesellschaft
    Denn der Keim allen Übels liegt eben immer in den Anfängen :D
    ob dies nun in der (Klein)Kindheit, dem Kindergarten, der Schule, dem Beruf oder auch...in diesem board geschieht ;)

    'Belustigt' oder nur 'amüsiert' zuzuschauen, zeigt meist nur die eigene Perspektivlosigkeit/Hilflosigkeit auf, etwas konkret ändern zu wollen/zu können.

    Sich nur hinter den (subjektiven) Eigeninteressen zu 'verstecken', nicht über den eigenen Horizont hinauszusehen und vorrangig nur nach persönlichen Annehmlichkeiten (Ruhe, Beliebtheit, Vorteile) zu schielen,
    erweist sich zumeist im Nachherein als fataler Fehler ;)

    Ob es im Alter nun die Vereinsamung durch Kinderlosigkeit oder Verlassenwerden ist oder die Vereinsamung im Alltag, wo jeder scheinbar nur der Verwirklichung des eigenen Selbst hinterherläuft,
    irgendwann wird jeder (mal) erkennen, das wir - wie auch immer definiert - soziale, auf Gesellschaft und Vertrauen angewiesene Wesen sind....
    so schwer diese Erkenntnis manchen dann auch fällt.

    Für mich gilt zu Thema 'Individualisierung' ganz schlicht die Weisheit :)
    zeitweise getrennt^^...sich zu entwickeln, um dann aber gemeinsam mit Anderen das Erlernte und Erfahrene zu teilen und umzusetzen.
  • wirkt die entwicklung des internet nun der vereinzelung der individuen in der gesellschaft entgegen (jeder hockt nur in seinem room etcetc) oder vereinfacht sie den prozes der gemeinschaftsbildung und hilft so die individualisierung der menschen aufzuhalten (globales dorf völlig fremde menschen lernen sich kennen zb games foren chats etcetc)
  • jeder hockt nur in seinem room

    und kann nicht mal mehr seine Muttersprache sprechen :rolleyes:


    Das mit dem Internet ist nicht so einfach zu klären, im Moment streiten sich da eh gerade alle darüber, da ja auch das Web 2 am kommen ist.

    Es findet auf jeden Fall ein Zusammenwuchs statt, man kann mit dem anderen schreiben, mit ihm reden und ihn hören, sogar sehen.

    Andererseits, und dem steht das ganze entgegen, ist man im Internet ein neuer Mensch.
    Die meisten Menschen sind im Internet nicht so wie im wahren Leben sondern ein komplett anderer Mensch, vom Geschlecht, Alter, Benehmen, kultureller Art und vielem mehr.

    Und dem steht das ganze wieder entgegen, da man sich so entfremdet und die entsprechende Person an sich nicht kennen lernt.

    Die eigentliche Frage (zu diesem Thema) ist aber viel mehr eigentlich, wie sich das Internet auf die Gesellschaft auswirkt, und da findet glaube ich schon ein Zusammenwuchs statt.

    mfg
    neo & Smith

    //edit:

    Habe gerade noch einen schönen Artikel zu diesem Thema gefunden:
    TP: Web 2.0 fördert den Narzissmus

    mfg
    neo
    Glauben Sie wirklich, Sie kämpfen für etwas, für mehr als ihr Überleben? Freiheit, Wahrheit, Friede, Liebe - Illusionen! Vorrübergehende Konstrukte eines schwächlichen menschlichen Intellekts, der verzweifelt versucht, eine Existenz zu rechtfertigen, die ohne Bedeutung oder Bestimmung ist!
    momentan hungernde Menschen: 1 Milliarde
    an Hunger sterbende Menschen: alle 3 Sekunden jemand
  • Im Verlauf des Threads hat sich eine interessante Teilfrage ergeben:
    Welche Auswirkungen hat die web-Kommunikation auf den Zustand der Gesellschaft?

    Ganz sicher eröffnet das Internet neue, globale Kommunikationsmöglichkeiten. Ich bin zum Beispiel member in einem spanischen und in einem bosnischen board; das gemeinsame Interesse ist die Musik und die Verständigung ist nicht immer einfach, aber es funktioniert. :)
    Das Positive an allen so entstehenden communities ist, dass sie abgesehen von sprachlichen Schwierigkeiten wesentlich einfacher funktionieren als die Gemeinschaften im real life, weil viele potentielle Barrieren für das Zustandekommen von Beziehungen (Aussehen, Alter, Hautfarbe, Geschlecht, usw.) entfallen. :P

    Im web ist nur der Inhalt wichtig, weniger die Verpackung!
    Hier liegen Chancen, von daher glaube ich, dass das web gemeinschaftsfördernd ist.

    Andrerseits kann das Internet natürlich auch die Vereinzelung von Menschen verstärken, weil jede Menge von Aktionen per Mausklick erledigt werden können, für die man sich vor einigen Jahren noch mit Menschen persönlich auseinander / zusammen gesetzt hat.

    Das Internet hat Potential in beide Richtungen, hängt halt doch sehr von der Nutzung ab.
    Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)
  • Die "Vereinzellung" fängt doch schon über das Internet an.
    Beispiel LAN-Parties: Man spielt zwar mit anderen, aber jeder sitzt alleine am PC.
    Ausserdem wird unsere Gesellschaft mehr und mehr zur Ellenbogen-Gesellschaft, wo jeder leider sehen muss, wo er bleibt.

    Durch Arbeitslosigkeit etc. geht immer mehr das Vertrauen zu anderen Menschen verloren.

    Gruss,
    blow666
  • Ganz genau so isses!

    Jeder ist sich einfach selbst der nächste. Und ich denke, das es auch daran liegt, das die allgemeine zufrieden heit in unserem Land immer schlechter wird.

    Weil es mittlerweile echt schon so ist, das die armen immer ärmer werden und die reichen immer reicher.
    Die großen Firmen schreiben alle schwarze zahlen im Millionenbreich und der kleine Mann bekommt nichts mit.
    Bestes Beispiel die Renter: Das sind 0,54 Prozent die die jetzt mehr bekommen, das ist doch nen Witz! das sind vielleicht 6 € wenn überhaupt.

    Naja das ist wieder nen anderes Thema.

    Grüße
  • ..ist es da ein Wunder dass wir aussterben?

    Immer wieder bekomme ich zu hören das ich das Aussterben unserer Nation mitverschulde, wenn ich keine Kinder auf die Welt stelle. Meine Vorfahren kommen aus Deutschland, Oesterreich, Italien und der Schweiz. Also wird halb Europa wegen mir aussterben?
    Für ein paar Generationen vor uns war die Familie überlebenswichtig, man hatte viele Kinder, es lebten auch bis zu 6 Generationen im gleichen Haushalt. Zusammen arbeitete, lebte man, kam möglicherweise nie weiter von zu Hause weg als bis zum nächst grösseren Dorf. Hatte kaum Abwechslung, Freizeit etc.

    Heute im modernen Zeitalter sind wir Einzelkämpfer, auch Frauen machen im Beruf Karriere, die Familie kommt oft zu kurz. Aber wir benutzen z.B.Handys um noch mehr und überall miteinander komunizieren zu können, haben aber kaum noch Zeit, weil unsere Möglichkeiten in Beruf und Freizeit beinahe unbegrenzt sind, so das wir sie kaum ausschöpfen können..

    Manchmal frage ich mich, ob der Fortschritt nicht eher ein Rückschritt ist.