2010: Willkommen (zurück), Generation Modem!

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  • 2010: Willkommen (zurück), Generation Modem!

    Wie sieht unser Internet-Alltag aus? Wir schalten den Rechner ein, fragen E-Mails ab, zappen durchs Web-TV, schießen ein, zwei Clips bei Youtube hoch, überprüfen die Rate unserer heißgelaufenen Torrent-Downloads, starren auf Videowerbung, öffnen den Radio-Stream für die Nachrichten und mittendrin bleibt immer noch Zeit für das eine oder andere VoIP-Telefonat. Der Draht glüht, das Netzwerk ächzt. Wie lange wird das noch gut gehen?

    Geschwindigkeitsextase bei 56 Kbit/s


    Wenn man den Analysten des Markforschungsinstituts Nemertes Research glaubt, nicht mehr lange. Laut seiner jüngsten Studie erlebt die Netzgemeinschaft spätestens im Jahr 2010 ein kollektives Déjà-vu: langsamer Seitenaufbau, ruckelnde Videos und abgebrochene Radio-Streams – Geschwindigkeitsextase bei 56 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Warum ist das so? Immer mehr Breitbandnutzer nutzen multimediale Dienste, die einen riesigen Datenverkehr verursachen. Alleine Youtube schießt derzeit monströse 27 Millionen Gigabyte (GB) Monat für Monat durch das Netz. Und da die Clip-Börse vor zwei Jahren noch ein Schattendasein führte und niemand an einen echten Boom glaubte, stagnierte auch der Ausbau der bereitgestellten Ressourcen für eine enstprechend lange Zeit.

    Amerikanische Provider kochen

    Die amerikanischen Provider – die nicht ganz uneigennützig die Nemertes-Studie in Auftrag gaben – suchen mittlerweile untereinander den Schulterschluss in der sogenannten Internet Innovation Alliance (IIA). Um den Datenansturm einigermaßen kontrollieren zu können, müssten Netzanbieter weltweit rund 137 Milliarden Dollar in die Leitungen und Backbone-Kapazitäten investieren. Alleine in Nordamerika läge die Summe bei 42 bis 55 Milliarden Dollar – 60 Prozent mehr als derzeit geplant. Diese Rechnung haben die Provider mit einem klaren Ellenbogenstoß in Richtung Google, eBay, Amazon und Co versehen: Es kann schließlich nicht angehen, dass die Unternehmen gewaltige und gewinnträchtige Datenschleudern im Netz installieren, es aber gleichzeitig ablehnen, sich an einer Finanzierung des Netzausbaus zu beteiligen, so der Tonus. Bereits jetzt denkt die IAA öffentlich über eine Abgabenpflicht für Traffic-Verursacher nach, einen Leitungszoll, den Website-Betreiber bezahlen sollen, damit Nutzer auch weiterhin ihre Angebote nutzen können.

    Speedgarantie in Deutschland


    In Deutschland äußerte sich der Verband der Deutschen Internetwirtschaft eco zu den Horrorszenarien eher gelassen. Die Fragestellung des diesjährigen Kongresses "Ist das Internet noch zu retten?" wurde letzte Woche in Köln einstimmig und recht entspannt mit einem "Ja!" beantwortet. Während die meisten Amerikaner noch per Telefonleitung oder Fernsehkabel ins Netz gehen, bereite man sich hierzulande auf den VDSL-Durchbruch vor. Dank der grauen Kästen, welche die Telekom schon seit Monaten in größeren Städten und Ballungsräumen aufstellt, sei bei 50-Megabit-Aschlüssen auch in Zukunft keine Verstopfung im Datenverkehr zu befürchten. Noch besser dürfte es werden, wenn das Monopol fällt und der Markt für alle Mitbewerber offen steht.

    Offene Netze als Wachtumsfaktor

    Über kurz oder lang werden sich in Deutschland die Next Generation Networks (NGN) durchsetzen, IP-basierte Universalnetze, die alle Dienste übertragen können: von der Telefonie über das World Wide Web bis zum Fernsehen. "Die bisherige Trennung etwa zwischen Festnetz und Mobilfunk, Telefonnetz und Internet wird es in zehn Jahren nicht mehr geben", erklärt Harald A. Summa, Geschäftsführer von eco. Mit Sicht auf die Maut-Pläne der IIA, die ja unter anderem Vorbildcharakter für deutsche Provider haben könnten, äußern sich die Internetwirtschaftler kritisch bis verärgert: "Die Offenheit war und ist der entscheidende Wachstumsfaktor für das Internet. Der Wandel zu einem geschlossenen Netz wäre der Wachstums-Killer. Es ist ein Irrtum der Netzbetreiber zu glauben, dass sie künftig weiterhin die Macht darüber haben, welche Dienste sie ihren Kunden anbieten."


    Quelle: onlinekosten.de

    ..die derzeitige entwicklung - gerade auch im hinblick auf die immer größer werdenden bandbreiten - lässt in der tat eine gewisse skepsis zu.