Firefox-Tuning selbstgemacht

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    Firefox-Tuning selbstgemacht

    "about:config" - Das Herz des Fuchses

    Dreh- und Angelpunkt aller manueller Einstellungen beim Firefox ist die integrierte Konfiguration. Diese rufen Sie auf, indem Sie einfach in der Adressleiste about:config eingeben. Jetzt öffnet sich
    ein Tab oder Fenster mit ziemlich vielen Befehlszeilen. Hier sind sämtliche Anweisungen an den Browser aufgelistet, vom verwendeten Cache bis hin zu Parametern Ihrer Erweiterungen. Diese unterteilen sich in Strings, Integer und Booleans.

    Strings sind komplexe Zeichenketten, Integer beinhalten im Gegensatz dazu nur Zahlenwerte. Booleans bieten lediglich eine "Wahr"- oder Falsch"-Abfrage, die geändert werden kann. Alle Optimierungen finden hier statt, indem Sie Werte ändern oder neu hinzufügen. Das Bearbeiten ist dabei denkbar einfach: Per Rechtsklick auf einen der Einträge können Sie über Neu eine neue Befehlszeile eingeben. Bereits bestehende Werte ändern Sie, indem Sie in der Zeile Wert über das Kontextmenü Umschalten (Boolean) oder Bearbeiten (String und Integer) wählen und dort modifizieren.

    Da die about:config sozusagen das Herz Ihres Browsers ist, können Sie durch unüberlegte Handgriffe auch ernsthaften Schaden anrichten, wenn Sie sich nicht an die Vorgaben halten, die Sie in dieser Anleitung bekommen. Daher sollten Sie im Vorfeld die Grundeinstellungen sichern, falls etwas schief geht. Die Dateien user.js und prefs.js finden Sie unter C: > Dokumente und Einstellungen> BENUTZERNAME > Anwendungsdaten > Mozilla > Firefox > Profiles. Kopieren Sie diese an einen sicheren Ort, bevor Sie loslegen. Im Zweifelsfall können Sie diese beiden Dateien einfach wieder zurück kopieren und alles ist wie zuvor.

    Schneller surfen für alle:

    Folgende Einstellungen können Sie direkt in der about:config vornehmen, und zwar ungeachtet Ihrer Bandbreite oder Computerleistung. Um die Einträge schneller zu finden, können Sie Teile der Zeilen in das Feld Filter eintragen. Taucht der gewünschte Eintrag hier nicht auf, müssen Sie ihn wie oben beschrieben neu anlegen. Nach dem Komma steht immer der Wert, den Sie setzen müssen:

    content.notify.backoffcount, 5
    plugin.expose_full_path, true
    ui.submenuDelay, 0


    Der erste Eintrag bewirkt, dass der Browser im Zeitraum vom Anklicken eines Links bis zum vollständigen Anzeigen der Seite höchstens fünfmal die Seite aktualisiert. Denn geschieht dies zu oft, leidet die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus immens. Der zweite Eintrag erlaubt die Anzeige des vollständigen Pfads von installierten Plugins, der dritte Befehl setzt die Zeitverzögerung beim Verlassen und Markieren von Untermenüs auf Null, um Zeit zu sparen.

    Modem oder DSL - Jedem sein Optimum

    Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Parameter, die Sie ändern sollten - nämlich je nachdem, ob Sie Modem-User oder Breitband-Benutzer sind. Vor allem die 56k-Fraktion dürfte von diesen Optimierungen enorm profitieren können. Die folgenden Einträge bieten sich daher für Leute mit einer langsamen Internet-Verbindung an.

    Modem und ISDN:

    browser.xul.error_pages.enabled, true
    content.interrupt.parsing, true
    content.max.tokenizing.time, 3000000
    content.maxtextrun, 8191
    content.notify.interval, 750000
    content.notify.ontimer, true
    content.switch.threshold, 750000
    network.http.max-connections, 32
    network.http.max-connections-per-server, 8
    network.http.max-persistent-connections-per-proxy, 8
    network.http.max-persistent-connections-per-server, 4


    Die genauen Erklärungen der einzelnen Befehle können Sie im FirefoxWiki nachlesen, wenn Sie Interesse haben. Den Link dorthin finden Sie wie immer in der Box am Ende des Artikels. Als Nächstes kommen die Einstellungen für DSL-Nutzer dran. Wichtig: Die folgenden Zeilen müssen anstatt der Modem-Konfigurationen in die about:config eingetragen werden, nicht zusätzlich. Auch hier kann das FirefoxWiki Ihre tiefergreifende Neugier befriedigen.

    DSL und Breitband:

    content.interrupt.parsing, true
    content.max.tokenizing.time, 2250000
    content.notify.interval, 750000
    content.notify.ontimer, true
    content.switch.threshold, 750000
    network.http.max-connections, 48
    network.http.max-connections-per-server, 16
    network.http.max-persistent-connections-per-proxy, 16
    network.http.max-persistent-connections-per-server, 8


    Pipelining: Rasante Beschleuningung mit Hindernissen

    Speziell für DSL-Nutzer gibt es noch einige Tweaks, die enorm an der Performance-Schraube drehen können - nämlich wenn Sie das Pipelining aktivieren. Normalerweise schickt Ihr Browser nur eine Anfrage gleichzeitig über das Internet-Protokoll an andere Webserver. Mit eingeschaltetem Pipelining wird dieser Wert erhöht und mehrere Anfragen gleichzeitig beschleunigen den Seitenaufbau spürbar. Auch die Reaktionszeit des Firefox, bis er die erhaltenen Informationen umsetzt, können Sie optimieren. Die unten stehenden Befehle landen ebenfalls in der about:config:

    network.http.pipelining, true
    network.http.proxy.pipelining, true
    network.http.pipelining.maxrequests, 30
    nglayout.initialpaint.delay, 0


    Die ersten beiden Einträge erlauben dem Firefox das Anwenden der Pipelining-Funktion, der dritte Befehl setzt die simultanen Anfragen auf 30 und die Reaktionszeit wird im letzten Integer auf Null festgelegt. Allerdings hat der enorme Geschwindigkeitsvorteil des Pipelinings auch seine Tücken: Da es keine Standardfunktion eines Browsers darstellt, sind auch nicht alle Websites in der Lage, mehrere zeitgleiche Anfragen verarbeiten zu können. Daher können unter Umständen Seiten nicht korrekt oder teilweise überhaupt nicht angezeigt werden. Der Prozentsatz ist zwar gering, das Problem allerdings Fakt.

    Auch das Herabsetzen der Reaktionszeit ist ein zweischneidiges Schwert: Zwar haben Sie nach deutlich kürzerer Zeit die ersten Inhalte auf der Seite, bis allerdings die komplette Website fertig geladen ist und angezeigt wird, kann es enorm dauern - teilweise sogar länger als vorher. Grund dafür ist, dass die Engine des Firefox Seiteninhalte sammelt und nach einer bestimmten Zeit an die CPU ausgibt, damit die Seite dargestellt werden kann. Bei einer niedrigen Reaktionszeit werden daher schnell die ersten Inhalte geschrieben, da aber in diesem kurzen Zeitraum kaum neuer Inhalt dazu kommt, verzögert sich der Gesamtaufbau der Seite.

    Dem Fuchs den Speicherhunger verderben

    Mit diesen Einstellungen dürfte der Firefox auf Ihrem Computer jetzt deutlich schneller arbeiten. Doch Geschwindigkeit ist nicht alles: Gerade Mozillas Browser ist dafür berüchtigt, bei vielen installierten Erweiterungen und einer Menge geöffneter Tabs ein wahrer Ressourcenfresser zu sein. Ein Blick in die Task-Manager der netzwelt-Redaktion bestätigt das: 74, 86, 105 und einmal sogar 178 Megabyte Arbeitsspeicher genehmigt sich der Firefox im laufenden Betreib - und je länger der Browser geöffnet ist, desto hungriger wird er.

    Doch drei kleine Veränderungen in der about:config können diese Ressourcenverschwendung um bis zu 70 Megabyte RAM reduzieren. Mit dem ersten Eintrag reduzieren Sie die Speicherbelastung des Firefox im minimierten Zustand um bis zu 30 Megabyte - dieser Wert wächst allerdings mit der Zeit langsam wieder an. Der zweite Befehl reduziert die gespeicherten Seiten, die Sie ohne Nachladen über die Vor- und Zurückpfeile aufrufen können; bis zu 20 Megabyte Ersparnis sind hier drin. Der letzte Eintrag setzt den Browser-Cache auf einen festen Wert, den Sie an den Arbeitsspeicher Ihres Computers anpassen sollten - und kann so noch mal etwa 20 Megabyte RAM freiräumen.

    config.trim_on_minimize, true
    browser.sessionhistory.max_total_viewers, 0
    browser.cache.memory.capacity, [14336 bei 256 Megabyte RAM oder weniger, 22528 bei 512 Megabyte und 32768 bei einem Gigabyte]


    Der perfekte Browser: Schnell und sparsam

    Mit diesen Änderungen der Firefox-Konfiguration können Sie Ihren Browser in einer Viertelstunde nicht nur schneller, sondern auch ressourcenschonender machen. Und der Vorteil gegenüber Tweak-Programmen liegt darin, dass Sie jede Modifikation von Hand wieder entfernen können und so ein auf Ihr System zugeschnittenes Ergebnis bekommen.

    Aber lassen Sie auch die Risiken mancher Optimierungen nicht außer Acht: Standardeinstellungen heißen nicht umsonst so - und funktionieren einwandfrei. Scheuen Sie also nicht den Schritt zurück, wenn Ihr Firefox plötzlich nicht mehr so zuverlässig arbeitet wie gewohnt. Doch das muss ja nicht so sein: Überlegen Sie sich lieber, wofür Sie den gesparten Arbeitsspeicher und die gewonnene Surf-Zeit sinnvoll nutzen wollen - denn das ist höchstwahrscheinlich die Folge dieser Tweaks.