Messerundgang in Paris - Im Strom der Sorgen

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    Messerundgang in Paris - Im Strom der Sorgen

    Geplant war es anders. Der Autosalon in Paris als größte Messe der Branche 2009 sollte den lahmen Markt beschleunigen – mit Premieren wie VW Golf GTI, Renault Mégane, oder Toyota Avensis. Doch angesichts der Finanzkrise herrscht Krisenstimmung an der Seine.

    "Wir müssen das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen", sagt Carl-Peter Forster, Europa-Chef von General Motors auf der ersten Pressekonferenz des Autosalons in Paris (4. bis 19. Oktober). Schon kurz nach acht, die Hallen sind noch halb leer, ist die Stimmung ziemlich gedrückt. Die Zickzacklinie auf dem Großbildschirm hinter Forster weist geradewegs nach unten, und man kann das in diesen Zeiten als Symbol für Vieles nehmen, zum Beispiel für die dramatischen Verluste an den Börsen. Oder die einbrechenden Verkaufszahlen der Autohersteller in Westeuropa. "16,7 Prozent Rückgang allein im August", klagt Forster und fordert: "Wir brauchen jetzt die Hilfe der Politik."




    Bugatti zeigt den neuen Veyron 16.4 Grand Sport


    Er meint unter anderem eindeutige und schnelle Regelungen zum Thema CO2-Ausstoß. Doch das alleine dürfte kaum die Kaufstarre der Kunden lösen. Das weiß auch Forster, und so folgen auf das Lamento neue, spritsparende Ecoflex-Modelle. Im nächsten Jahr sollen die Sparversionen von Corsa (109 Gramm CO2 je km), Astra (119) und Insignia (unter 140) auf den Markt kommen. Auch Ford mit Fiesta und Focus Econetic oder VW mit dem Passat Bluemotion II sowie Audi mit dem A4 TDI zeigen frische Typen, die mit Kraftstoff geizen.

    "Das ist der große Trend hier in Paris: klein, klein, klein", sagt Nick Margetts vom Automarkt-Beobachter Jato Dynamics. Überall stehen neue Kleinwagen im Mittelpunkt. Bei Kia die Serienversion des Soul, bei Ford der neue Ka, bei Renault der Kangoo Be Bop, bei Toyota der iQ, bei Nissan der Pixo und bei Suzuki der neue Alto. Dazu gibt es eine Fülle von Autozwerg-Studien – etwa den Nissan Nuvu, Mazda Kiyora oder den Audi A1.

    Kleinwagen und Elektroautos sind ein großes Thema

    Das Thema Downsizing, nach dem zunächst die Ingenieure die Hubräume reduzierten und dadurch spritsparende Aggregate entwickelten, hat längst das komplette Automobil erfasst. Dabei geht es nicht nur um ganz neue Minimobile, sondern auch um Fahrzeuge wie das Mini Crossover Concept. Der Wagen soll 2010 als Serienauto auf den Markt kommen und die SUV-Klasse auf das Vier-Meter-Format schrumpfen; bereits im kommenden Jahr tritt der Toyota Urban Cruiser in diesem Revier an, das Auto ist in Paris erstmals in der Serienvariante zu sehen.

    Die andere große Story auf der "Mondial de l'Automobile" ist das Elektroauto. Damit eröffnen die Autobauer einerseits eine scheinbar vom Ölpreis unabhängige Zukunft der individuellen Mobilität, andererseits aber verunsichern sie die Kunden. Denn die fragen sich natürlich angesichts der Fülle an Elektrofahrzeugen, die in Paris gezeigt werden, ob die Anschaffung eines Autos mit konventionellem Motor überhaupt noch sinnvoll ist.

    Die S-Klasse wird bescheiden

    Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber kurvte zur Pressekonferenz vollkommen geräusch- und geruchlos mit einem Smart ED auf die Bühne. Das ED steht für "Electric Drive", die Reichweite beträgt laut Weber 150 Kilometer und im nächsten Jahr soll die Serienfertigung der Stromer beginnen. Nachdem in London bereits eine Elektro-Smart-Flotte mit Metall-Hybrid-Batterien unterwegs ist, sollen die neuen E-Knirpse mit Lithium-Ionen-Akkus ausgerüstet werden und zunächst in Berlin und Paris an den Start gehen. Dort arbeitet Mercedes mit Stromversorgen zusammen, um die nötige Infrastruktur aufzubauen.

    Immerhin teilweise elektrisch rollt auch Konzernchef Dieter Zetsche aufs Parkett. Er chauffiert den Mercedes S 400 Blue-Hybrid, das Auto "mit den niedrigsten Emissionen seiner Klasse", wie Zetsche hervorhebt. Es sind zwar immer noch 190 Gramm CO2 je Kilometer, doch alle anderen Oberklasse-Limousinen stoßen deutlich mehr Kohlendioxid aus. "Wir sind damit Pioniere einer neuen Ära der Mobilität", behauptet Zetsche. Das wird Toyota oder Honda gewiss anders sehen, doch immerhin ist das Thema Strom inzwischen industrieweit ganz oben auf die Agenda gerutscht.

    Die Messe in Paris stellt Weichen

    Kurzfristig allerdings ändert das nichts an den Sorgen. "Die nächsten drei Jahre werden sehr schmerzvoll", sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer. Danach, orakelt der Fachmann, würden die Automärkte wieder besser dastehen: "Generell aber wird Entspannung wohl erst dann eintreten, wenn künftige Modelle stärker mit Strom angetrieben werden. Paris stellt dafür wichtige Weichen."

    Es gibt aber Ausnahmen. Bei Rolls-Royce ganz im Eck der riesigen Halle 1 stehen nach wie vor nur Luxusschlitten vertrauter Bauart. Lamborghini sorgt mit dem Viertürer Estoque für Furore, Aston Martin mit dem limitierten Supersportler One-77 und Ferrari mit dem neuen California. Am Vormittag wurde übrigens der Preis des jüngsten Flitzers aus Maranello bekannt gegeben: 176.200 Euro. Einige der bisherigen Ferrari-Stammkunden aus der Finanzwelt werden sich das nicht mehr leisten können. Aber neue Kleinwagen gibt es ja mehr als genug.



    MESSERUNDGANG IN PARIS: KLEINWAGEN GIBT ES MEHR ALS GENUG



    Teilweise elektrifiziert: Daimler-Chef Dieter Zetsche rollte mit dem Mercedes S 400 Blue-Hybrid auf die Bühne. Das Auto mit Hybrid-Antrieb soll 190 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.



    Europachef: Carl-Peter Forster auf dem Autosalon in Paris. Unter anderem kündigte er an, dass der Stromer Volt in Europa maximal 40.000 Euro kosten soll.



    Honda Insight Concept: Der japanische Hersteller zeigt auf dem Pariser Autosalon unter anderem dieses Konzeptauto.



    Hybridpionier: Auf dem Messestand der Toyota-Tochter ist zum Beispiel der offene IS 250 C zu sehen.



    Nissan Nuvu: Auf dem Autosalon in Paris stehen Kleinwagen wie der Nissan Nuvu im Mittelpunkt.



    Kraftvoll: Natürlich sind auch die Sportwagenhersteller wie Ferrari in Paris vertreten.



    Auch mit dabei: Bugatti zeigt den neuen Veyron 16.4 Grand Sport.


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    [URL=http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,581926,00.html]Quelle[/URL]
    [COLOR="Blue"][FONT="Comic Sans MS"]Positiv denken, aber zackig ![/FONT][/color]