Hans Roth - Eine immer noch aktuelle Geschichte von Berufsverbot, Datenschmutz und noch viel mehr

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  • Hans Roth - Eine immer noch aktuelle Geschichte von Berufsverbot, Datenschmutz und noch viel mehr

    Der Fall Hans Roth,
    selbstverschuldeter Leidtragender
    (jetzt mit 65 Jahren todkrank und nicht entschädigt im Exil in Frankreich) oder
    ein Beispiel für unser immer noch deformiertes Demokratie Verständnis?

    Hier ein mir immer noch von damals im Gedächtnis haftendes Zitat:
    Der Staat soll dem Bürger dienen,
    NICHT der Bürger dem Staat.


    Der ehemalige BW-Offizier wie auch spätere Schulreferendar Hans Roth,
    der sich 1968 als BW-Offizier weigerte,
    gegen friedliche Demonstranten mit Gewalt vorzugehen (was übrigens auch ein Verfassungsbruch gewesen wäre), darauf ohne Anhörung/Prozeß aus der BW als Kriegsdienstverweigerer entlassen wurde
    und als späterer bekennender "demokratischer Sozialist" studierte und sein Hauptschul-Referendariat ablegte,
    ist seit dem Jahr 1975 (1968) vom Berufsverbot (in Hessen) belegt,
    Keine der derzeit im Bundestag vertretenen Parteien hat dazu je offiziell,
    außer in wenigen Einzelfällen einzelner Abgeordnete, wie z.B. Gerhart Baum ? Wikipedia, Hans Koschnick (SPD) oder Bundespräsident Rau je dezidierter Stellung dazu bezogen.
    Siehe dazu auch wenige andere Abgeordnete in einer kleiner Anfrage im BT
    dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/104/1610435.pdf

    Der jetzige, wie vormals damit auch schon befasste CDU'ler Roland Koch hat bisher jede Stellungnahme dazu, selbst auf jährlich wiederkehrende Briefe von Hans Roth an ihn, strikt verweigert.
    Eine eigentliche ihm zustehende Entschädigung aus ihm entstandenen Nachteilen wegen unberechtigter Vorwürfe ist bis heute weder verhandelt noch je gezahlt worden.

    Übrigens ist dies nicht nur ein hochaktueller Beitrag
    zum Datenschutz, der Überwachung, dem Bundeswehreinsatz im Inneren und der Stigmatisierung von Bürgern durch den Staat und deren, auch oft damit verbundenen, katastrophalen finanziellen Konsequenzen,
    sondern
    auch bzgl. des jetzigen Wahlkampf in Hessen durchaus sehenswert
    (auch bzgl. des hier involvierten, sich blind und taub stellenden Roland Koch)
    sowie auch dem nächstjährigen Wahlkampf - vor allem bzgl. der CDU/CSU + SPD - geschuldet.

    Ich beschränke mich hier, auch auf vormaligen Rat mancher User ;),
    auf diese knappen Sätze...quasi als alternativen Geschichtsunterricht ;)
    Wobei Hans Roth auch nur als Beispiel für weitere 11.000 Einzelschicksale bisher immer noch unerledigter und nicht entschädigter (Unrechts-)Fälle in der BRD zu verstehen ist.

    Ich möchte der Diskussion hier keinerlei "Argumente" rauben ;)
    und enthalte mich deshalb hier eines dezidierten eigenen Statements,
    welches vllt. eine Diskussion vorwegnehmen könnte.

    Also
    Fröhliche Augenöffnerei und auf eine rege Debatte ;)
    Seht Euch die Beiträge, auch morgen im Report Mainz sowie im Net einfach mal an
    und schreibt hier etwas dazu :)

    muesli


    Nachfolgend einige Quellen und Videolinks

    Der Beitrag von 1978 im SWR
    REPORT BADEN BADEN berichtet 1978: Radikalenerlass - der Fall Hans Roth.
    REPORT BADEN BADEN berichtet 1978: Radikalenerlass - der Fall Hans Roth. - REPORT MAINZ | SWR.de

    Der aktualisierte Bericht von Report Mainz dazu wurde heute
    1. Dezember 2008
    21.45 Uhr, Das Erste gesendet
    REPORT MAINZ | SWR.de

    Wiederholungen finden morgen am
    2. Dezember 2008 um
    01.19 Uhr, SWR Fernsehen
    05.00 Uhr, Das Erste
    09.30 Uhr, rbb
    statt.

    Artikel: Die Zeit
    (Archiv)
    „Fallbeispiel": | Nachrichten auf ZEIT ONLINE
    Lesen: | Nachrichten auf ZEIT ONLINE

    Buch:
    Hans Roth (Autor)
    Aufrichten oder Abrichten. Erfahrungen eines Hauptschullehrers
    Aufrichten oder Abrichten. Erfahrungen eines Hauptschullehrers: Hans Roth: Amazon.de: Bücher

    Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von muesli ()

  • Daß Deutschland den internationalen Wortschatz bereichert ist sicher bekannt. Man denke z.B. an Kindergarten und Bratwursts. Leider auch an 'la Berufsverbot', wofür andere keine eigenen Begriffe haben und sich deutscher Begriffe bedienen müssen.

    Kein Grund, stolz darauf zu sein, ist es doch kein Zufall, daß Deutschland gerade solche Begriffe exportiert, die eigentlich keiner haben möchte.

    Damals in Hessen habe ich etliche Lehrer kennengelernt, welche sich bei christlichen Trägern ihr Brot verdienen mussten, da es ihnen im Staatsdienst verwehrt wurde. Und das waren noch diejenigen vom Berufsverbot Betroffene, welchen es am besten ging, schließlich hatten sie noch eine Arbeit, wenn meist auch nur befristet.

    Wenn ein Referendar seine Rechte kennt und auch zu ihnen steht, dann ist das eine Sache und wenn ein 'brutalstmöglicher Aufklärer' drumherumredet und lügt, daß sich die Balken biegen, dann ist das offensichtlich eine andere Sache. Und ein Bundesland, das einen Dregger ertragen musst, das hat sich einen Koch nun wahrlich redlich verdient. Vom Regen in die Traufe.

    Scheinbar hat man als Bürger (nicht nur in Hessen) Rechte - zumindest solange, bis man wagt, sie auch auszuüben.

    Gruß Konradin

    Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Konradin () aus folgendem Grund: Korrektur

  • Ein tragischer Fall - vielleicht noch nichtmal ein Einzelfall.
    Schade, dass es bisher noch wenig Stellungnahmen hier im thread gegeben hat.
    Ich habe in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis 2 Pädagogen, die über Jahre hinweg wegen ihrer politischen Überzeugung berufliche Probleme hatten, und gerade die beiden hätte ich mir auch gut als Lehrer meiner Kinder vorstellen können.
    Das ist für mich so'n Knackpunkt bei der Sache.
    Nüchtern betrachtet hat jeder Arbeitgeber ein bestimmtes Anforderungsprofil, nach dem er seine Mitarbeiter einstellt. Bei Beamten gehört zu diesem Profil, dass Bewerber eben nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung sein dürfen. Ich kann mir z.B. kein NPD-Mitglied an ner Schule vorstellen, genausowenig nen bekennenden Scientologen oder andere extreme Vertreter.
    Die grundsätzliche Beschränkung ist legitim und nachvollziehbar.
    Die Probleme kommen mit dem Vollzug.
    Was sind die Indikatoren für die extremistische Gesinnung?
    Wer schätzt ein?
    Wie oft kommt so'n Fall zur Wiedervorlage (wg. positiver Entwicklung z.B.)
    Was ist noch tragbar, was nicht mehr; wo liegen die Grenzen?
    Die Fragen machen deutlich (was sich ja in der Vergangenheit auch deutlich gezeigt hat), dass ne "Gesinnungsprüfung" net funktioniert und das es hier ne Menge Ungerechtigkeit und Willkür gibt.

    @ muesli
    Was willst du diskutieren?
    Den Fall Roth? - Wahrscheinlich nicht, es wird schnell klar, dass wir es hier mit himmelschreiendem Unrecht zu tun haben.
    Zulassungsbeschränkungen für Bewerber des öffentlichen Dienstes?
    Versuche der Gesinnungsprüfung?
    Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von littleprof ()

  • In meiner Jugendzeit war das alles noch viel einfacher. Eine linke Gesinnung allein war schon fast Garant dafür, daß einer nicht Lehrer werden darf. Oft reichten zum 'Beweis' dieser Gesinnung schon Fotos von Demontrationen. Aber Landtagsabgeordnete der NPD durften durchaus praktizierende Lehrer sein, damit hatte der Staat kein Problem.

    Die KPD war einige Jahre zuvor verboten worden und die NPD kämpfte unter anderem in Hessen um den Einzug in den Landtag. Damals war man auf dem rechten Auge anscheinend blind.

    Dazu ein Beispiel: der damalige NPD-Vorsitzende von Frankfurt/Main, seines Zeichens Mitglied der Bruderschaft einer christlichen Pfadfinderschaft durfte sich ungestraft auf den Spagat zwischen der Nähe zu 'seinen' 12-Jährigen und dem damaligen § 175 STGB einlassen und dabei auch noch fast schon messianisch verkünden: man kann nur dann wahrer Christ sein, wenn man NPD wählt. Heutzutage zu Zeiten der Pedo-Hysterie würde man so etwas kaum noch decken können.

    Vertrat jemand hingegen auch nur ansatzweise linke Standpunkte oder machte gar von seinen verfassungsmäßig garantierten Rechten gebrauch (siehe z.B. Hans Roth), dann war er oft schneller weg von Fenster, als man hinschauen konnte.

    Nicht, daß man heutzutage immer zimperlicher mit sogenannten Linken umgeht, aber zumindest die grundsätzliche Blindheit auf dem rechten Auge ist inzwischen einer eher partiellen gewichen. Nun, fast schon ein Fortschritt.

    Schade, daß die Beteiligung zu diesem Thema so gering ist. Aber am Ende interessiert es es wieder kein Schwein. Man müsste ja nachdenklich werden und wer lässt sich schon gern die vorweihnachtliche 'Zeit der Besinnung' versaue(r)n.

    Gruß Konradin
  • Hallo
    ich frage mich bei solchen Geschehnissen immer, was man/ich tun kann um es wieder gut zu machen oder zu verhindern das es sich wiederholen kann.
    Mir fällt nichts ernstes dazu ein. Nur das man statt einen "Bürgerkrieg" anzufangen , in Deutschland die Möglichkeit der demokratischen Wahl hat. Leider belohnt der Wähler immer die jenigen die das Übel ausführten. Für mich gibt es immer nur eine reelle Chance, das ist die nicht zu wählen die es verbrochen oder nicht verhindert haben. Das wird aber oft mit nicht wählen gehen verwechselt. Genau das ist aber nicht Ziel führend, man muß jemand anderen wählen, also nicht die CDU, SPD oder die FDP sondern ... aber auch nicht die Nazis.
    Die jetzigen Bedingungen in Deutschland haben die bis dahin in der Regierungsverantworung gewesenen herbeigeführt in dem sie nicht taten was zu tun war. Du und ich haben keinen Beitrag, keinen Einfluß auf Deutschland außer taktisch zu wählen.
    In meinen Augen ist Hans Roth ein Held, weil er auch Courage zeigte wo andere ihren kurzen Schwanz einzogen.
    Liebe Grüße
    Carmen