Regierung dringt angeblich auf Sanierung der Kirch-Gruppe

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  • Regierung dringt angeblich auf Sanierung der Kirch-Gruppe

    München/Berlin (AP) Die Bundesregierung dringt laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwochausgabe) auf eine Aufspaltung des Kirch-Konzerns, um das Medienunternehmen vor der Pleite zu retten. Unter Berufung auf einen führenden Vertreter der Regierungskoalition berichtet die Zeitung, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) favorisiere eine «nationale Lösung» für die Kirch-Gruppe. Die Gläubigerbanken haben ihren Druck auf das angeschlagene Unternehmen erhöht.

    Laut «Süddeutscher Zeitung» befürwortet die Regierung ein Sanierungskonzept, das von den Banken und der Medienbranche schnell umgesetzt werden solle. Bislang scheitere dies aber an Kirch, hieß es. Das Konzept sehe vor, dass der Medienhändler nach einer Aufspaltung seines Konzerns Beteiligungen verkaufen solle, darunter Springer-Aktien und Formel 1. Anschließend solle das Unternehmen weiter gesundschrumpfen. Auch die halbstaatliche Bayerische Landesbank dringe auf eine umfassende Lösung der Probleme bis hin zum Verkauf von Firmenteilen, hieß es.

    Die Regierung hat dem Bericht zufolge Bedenken gegen die Geschäftsmethoden des australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch, der auf den deutschen Markt dränge. Murdoch kann laut Vertrag mit Kirch im Herbst aus Premiere aussteigen und bis zu zwei Milliarden Euro zurückverlangen, die der Münchner Medienhändler nach derzeitigem Stand kaum aufbringen kann.

    Auch der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen warnte im Berliner «Tagesspiegel» (Mittwochausgabe) vor einer Pleite der Kirch-Gruppe. Das Fernseh-System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern sei derzeit in einer guten Balance. «Wenn neue Wettbewerber wie Murdoch oder Malone auf den Markt kommen, wird diese Kultur Schaden nehmen», sagte Pleitgen und fügte hinzu: «Wir wünschen uns dass Kirch im Spiel bleibt.»

    Die Bayerische Landesbank als größter Kreditgeber des Münchner Medienunternehmens verlängerte unterdessen laut «Tagesspiegel» einen zur Rückzahlung fälligen Großkredit bis zum Jahresende. Der Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte zuvor gesagt, nach allem, was man lesen und hören könne, sei die Finanzbranche «unter den gegebenen Umständen nicht bereit, Kirch weitere Mittel zur Verfügung zu stellen».

    «Handelsblatt» und «Financial Times» berichteten, die Bayerische Landesbank wolle keine neuen Kredite an die Kirch-Gruppe vergeben. Der Sprecher der Landesbank, Matthias Lücke, wollte dazu nicht Stellung nehmen.

    Krisensitzung bei Landesbank
    Der «Tagesspiegel» berichtete unter Berufung auf Bankkreise, dass die prekäre Finanzsituation bei Kirch am Dienstag Thema einer Krisensitzung des Kreditausschusses der Bayerischen Landesbank gewesen sei. Dabei habe das Gremium, dessen Vorsitzender der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser ist, die Verlängerung des fälligen Kredits beschlossen. Dem Bericht zufolge will die BayernLB darüber am (morgigen) Mittwoch die Öffentlichkeit informieren. Die Kirch-Gruppe ist insgesamt mit etwa fünf bis sechs Milliarden Euro verschuldet. Ein Kredit der Dresdner Bank (Frankfurt: 804613.F, Nachrichten) für die Kirch-Gruppe von rund 460 Millionen Euro wurde nur bis April verlängert.


    Das ist doch wohl der Oberhammer oder,jeder Steurzahler hat also Quasi nen Abo bei PW

    kalle:mad:
  • Experten halten auch ein Aus für 'Premiere World' für möglich

    Kirch-Krise: Experten halten auch ein Aus für 'Premiere World' für möglich

    14.02.2002 21:37
    FRANKFURT/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Mit der Schuldenkrise der Kirch-Gruppe entscheidet sich voraussichtlich auch das Schicksal von Premiere World. Medien- und Bankexperten erwarten, dass der defizitäre Bezahlfernsehsender bald einen neuen Großinvestor bekommt oder spätestens im Herbst abgeschaltet wird. "Ob die Krise gelöst wird und wie die Kirch-Gruppe danach aussieht, ist derzeit aber noch reine Spekulation", sagte ein Analyst einer an den Verhandlungen beteiligten Bank der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX am Donnerstag.
    "Die Schlüsselfigur für die Zukunft von Premiere ist derzeit der Medienunternehmer Rupert Murdoch", sagte ein Analyst in München. Murdoch ist über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit über 22 Prozent an dem kränkelnden Abofernsehen beteiligt. Murdoch kann diese Anteile im Oktober zurückgeben und von Kirch dafür etwa 1,3 Milliarden Euro verlangen.

    WELCHE SICHERHEIT HAT MURDOCH?

    "Eine der wesentlichen Fragen für die Kirch-Gruppe wird es sein, wie diese milliardenschwere Forderung besichert ist", sagte ein Börsianer. Er gehe davon aus, dass sich Murdoch mit Werten im Bereich der KirchHolding, "auf keinen Fall aber bei Premiere selbst bedienen kann".

    "Es ist derzeitig schwer vorstellbar, wie Kirch diese Forderung im Herbst begleichen will", sagte der Analyst.

    LÖSUNG FÜR PREMIERE: INVESTOR ODER INSOLVENZ

    "Die Lösung für das Bezahlfernsehen kann nur heißen: Investor oder Insolvenz", sagte er. Die Zahl der Abonnenten sei in den vergangenen Jahren kaum gewachsen. Dazu kämen technische Probleme bei dem für den Empfang notwendigen Decoder und zu teuer eingekaufte Filmrechte.

    Nachdem Murdoch offiziell als Investor abgewunken habe, "dürfte zumindest der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media wieder mit im Boot sein", hieß es. Für Liberty, die auch in Deutschland mit Kabelnetzen Geld verdienen wollen, seien die Premiere-Inhalte ideal: "Das Kabel muss mit attraktiven Inhalten wie zum Beispiel den Fußball Bundesliga Rechten gefüllt werden". Einen Antrag beim Bundeskartellamt hatte Liberty erst Ende Januar zurückgezogen. "Das heißt allerdings nicht viel", sagte der Börsianer.

    Die Zukunft von Premiere World kann auch politische Folgen haben. "Vor den Bundestagswahlen im Herbst wäre ein Stopp der Fußball-Live-Berichterstattung bestimmt medienwirksam", sagte ein anderer Analyst. "Die Filmverträge könnten dann zwar neu ausgehandelt werden und für einen Investor wäre dies dann die preiswerteste Lösung. Dies zahlt dann aber wahrscheinlich der Steuerzahler, denn einen Wahlherbst ohne Bundesligafußball kann ich mir nicht vorstellen."/ts/hn/av

    Quellen: News (c) dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH.
  • Aus der FTD vom 25.2.2002
    Leo Kirch legt sein Schicksal in Gottes Hand
    Von Thomas Clark, Hamburg
    Leo Kirch hat sein Schweigen gebrochen. Der notorisch öffentlichkeitsscheue Unternehmer hat sich erstmals persönlich über die Lage und Zukunft seines milliardenschwer verschuldeten Medienimperiums geäußert. Dabei räumt er freimütig ein, dass das Schicksal der Kirch-Gruppe nun in den Händen anderer liege.

    "Der Herr hat’s gegeben, der Herr kann’s auch wieder nehmen", wird der 75-jährige Firmenpatriarch und Katholik im aktuellen "Focus" zitiert. Fast identisch sind seine Worte in einem Kurzinterview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Dort äußert er sich insbesondere zu etwaigen Übernahmeplänen des von ihm als "Haifisch" titulierten Medientycoons Rupert Murdoch. "Ich kann Rupert nicht böse sein, auch wenn er mich fressen will. So ist er nun mal. Wenn es notwendig sein sollte, halte ich ihm eben alles hin. Dann frisst er mich eben."

    Diese Äußerung mag auf den ersten Blick als Resignation oder gar als Kapitulation gedeutet werden. Tatsächlich sind Leo Kirchs Worte ein Hilferuf an die heimische Politik und die Banken.


    Hochrangige Politiker bis hin zum Kanzler diskutieren hinter vorgehaltener Hand schon seit Wochen mit Sorge die Folgen eines groß angelegten Einfalls des als ausgesprochen aggressiv geltenden Murdoch auf dem deutschen Fernsehmarkt. Das Tor dazu verschafft ihm eine Ausstiegsoption aus Kirchs Bezahlfernsehen Premiere, an der Murdoch im Moment 22 Prozent hält. Sollte er diese Option zur Fälligkeit im Oktober ziehen, müsste Leo Kirch 1,76 Mrd. Euro an Murdoch bezahlen. Da Kirch diesen Betrag aus eigener Kraft nicht aufbringen kann, baumelt diese so genannte Put-Option wie ein Damoklesschwert über Kirch.


    Statt (nicht vorhandenes) Bargeld könnte Murdoch Zugriff auf das Gesamtimperium von Leo Kirch bekommen - insbesondere auf die Free-TV-Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 sowie eine einzigartige Film- und Sportrechtebibliothek.


    Sollte Murdoch die Kontrolle über die gesamte Kirch-Gruppe erlangen, dann dürfte es mit der gemütlichen, drittelparitätischen Aufteilung des deutschen TV-Marktes zwischen Kirch, Bertelsmann (RTL, Vox, Anteile an RTL 2 und Super RTL) und den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF vorbei sein.


    Auf die Feststellung im "Spiegel", dass die Politik offenbar kein großes Interesse habe, Murdoch den deutschen TV-Markt erobern zu lassen, sagte Kirch: "Wenn ich Politiker wäre, hätte ich auch etwas dagegen. Aber das ist nicht mein Problem." Der konservative Kirch gilt als enger Freund von Ex-Kanzler Helmut Kohl, zudem hat er seit Jahren sehr gute Kontakte zu hochrangigen bayerischen CSU-Kommunalpolitikern.


    Vor einigen Wochen warnte ARD-Chef Fritz Pleitgen in einem Interview vor Rupert Murdoch, einem Unternehmer mit "radikal-kommerziellen Vorstellungen". Mit ihm als Wettbewerber würde das in Deutschland kultivierte duale System der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender "Schaden nehmen".

    Kirch setzt auf Solidarität


    Ähnliche Solidarität erhofft sich Kirch auch von seinen Gläubigerbanken, bei denen er - mit nun offiziell bestätigten - 6,5 Mrd. Euro in der Kreide steht. Hier laufen seit Tagen intensive Gespräche über eine Umschichtung der Milliardenschulden. Einige Banken sind offenbar bereit, ihre Darlehen in Unternehmensanteile bei der Kirch Holding oder Kirch Media umzuwandeln. Hier sind nach Informationen der FTD insbesondere die jeweils in München ansässige HypoVereinsbank sowie die Bayerische Landesbank an vorderster Front. Wenig kooperativ ist hingegen weiterhin die Deutsche Bank, deren Chef Rolf-E. Breuer vor einigen Wochen Kirch indirekt der Kreditunwürdigkeit bezichtigt hat.


    "Um es vorsichtig auszudrücken: Wir fanden seine Äußerung in höchstem Maße ungewöhnlich", zügelt Kirch-Vize Dieter Hahn im "Spiegel" seine Wut darüber. Leo Kirch prüft momentan eine Schadensersatzklage gegen Breuer. Auf den Vorwurf, er habe wegen Premiere sein ganzes Lebenswerk aufs Spiel gesetzt, meinte Kirch im "Spiegel": "Was heißt schon Lebenswerk. (...) Ich war nie ein Spieler, sondern allenfalls ein Unternehmer mit großem Sportsgeist. Mich leitete kein Größenwahn, sondern die Idee, maximales Eigentum zu erwerben, um Maximales zu bewegen."


    Maximales bewegen muss auch der seit 1. Februar im Amt befindliche Premiere-Chef Georg Kofler, wenn er am Montag und Dienstag Vertretern seiner Gesellschafter - unter ihnen britische Topmanager von Murdoch - den neuen Geschäftsplan für Premiere vorstellt. Der Fernsehpionier und Kirch-Vertraute Kofler hat in der augenblicklichen Situation nur wenige Monate Zeit, um zu beweisen, dass aus dem hoch defizitären Abo-Fernsehen doch noch das werden kann, was der Visionär Leo Kirch ("Da ich seit 25 Jahren wegen eines Augenleidens kaum etwas sehen kann, bin ich auf mein Gespür angewiesen") seit Jahren vergeblich prophezeit - ein hoch profitables Zukunftsgeschäft.



    © 2002 Financial Times Deutschland