Die Lüge über die Finanztransaktionssteuer

  • Wirtschaft & Finanzen

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  • Die Lüge über die Finanztransaktionssteuer

    Schon seit Beginn der Finanzkrise ist eine Finanztransaktionssteuer im Gespräch, die hoch spekulative Finanztransaktionen unterbinden oder einschränken sollen, weil sie sich dann durch die Steuer nicht mehr lohnen.

    Die Rede ist von 0,5% Steuer, manchmal auch mehr.
    Damit sollen hochspekulative Geschäfte wenigstens teilweise unterbunden werden.

    Natürlich haben die Akteure an den Finanzmärkten keine Lust so eine Steuer zu bezahlen, und Milliarden von ihren Gewinnen abzugeben. Deswegen haben sie das Argument erfunden, am Ende würde diese Steuer auf den Bürger überwälzt ähnlich wie die Mehrwertsteuer - es handele sich also um ein Nullsummenspiel für den Bürger, bei dem er am Ende wieder das drauflegen muss, was er vorher einspart. Mit anderen Worten: Der Bürger profitiere nicht von so einer Steuer.

    Das stimmt jedoch so nicht. Dieses Argument der Banken und der Finanzjongleure kann man so nicht stehenlassen - weil es nicht stimmt. In der Tat würden "normale, seriöse" Finanzgeschäfte der Bürger, also der Bankenkunden, durch diese Maßnahme etwas verteuert. Das ist insofern durchaus richtig.

    Was aber dabei verschwiegen wird ist, dass längst nicht alle Finanzgeschäfte von Kunden in Auftrag gegeben werden.
    Gerade die Banken, aber auch Finanzfonds, Hedgefonds, Versicherungen, Großanleger nehmen auch in hohem Umfang Finanzgeschäfte auf eigene Rechnung vor. Um sich z.B. einen Arbitragegewinn zu sichern, oder um von anderen kurzfristigen Entwicklungen an den Märkten zu profitieren.
    Solche Transaktionen würden natürlich auch besteuert werden - da aber kein Kunde als Auftraggeber dahintersteht, können die Banken diese Kosten auch nicht weitergeben - und bleiben (gerechtfertigterweise) auf diesen Kosten sitzen. Die Finanztransaktionssteuer schmälert also durchaus die Gewinne der Banken, weil sie nur einen Teil der Kosten an den Kunden weitergeben können. Das wird aber gerne verschwiegen.

    Ist auch irgendwie kein Wunder: Es hört sich ja sympathischer an, wenn man sich als Bank für die Rendite der Kunden einsetzt, als für die eigene Gewinnmaximierung. Es sollte sich niemand von den Banken Sand in die Augen streuen lassen: Einen Teil der Kosten durch die Finanztransaktionssteuer müssen sicherlich die Kunden tragen, aber eben nur einen Teil.
    Der andere Teil aber, auf dem die Banken sitzenbleiben und den sie nicht auf die Kunden überwälzen können, der könnte durchaus dazu führen, dass hochspekulative Transaktionen reduziert werden. Damit wäre dann das Ziel der Finanztransaktionssteuer erreicht - auf Kosten der Gewinne der Banken.
    Schöne Aussichten! :D
    Dummheit frisst, Intelligenz säuft
  • Naja, die Kosten der Finanztransaktionssteuer wird schon an den Endkunden weitergegeben. Zwar nicht direkt, da gebe ich dir recht.
    Wenn allerdings die Versicherungsgesellschaft derzeit 4,1% an Überschüssen weitergibt, wird sie diese durch gestiegene Kosten in Zukunft senken. Das ganze ist vergleichbar mit Stromkosten, steigen diese, sinkt der Gewinn und somit (wahrscheinlich) die Dividende, etc.

    Damit sollen hochspekulative Geschäfte wenigstens teilweise unterbunden werden.
    Da glaube ich auch nicht so richtig dran. Bei hochspekulativen Geschäften betragen die Renditen mindestens 2 Stelligen Prozentzahlen. Ansonsten lohnt sich das Risiko fast nicht mehr.
    Und wenn ich durch hochspekulative Termingeschäfte 100% Gewinn erziele (was gar nicht so unrealistisch ist), dann stören mich 1% Steuer auch nicht besonders.
    Unterbunden werden solche Geschäfte damit nicht.

    Sinn macht das Ganze nur, wenn es weltweit eingeführt wird. Da sonst die Gefahr besteht, dass auf andere Börsenplätze ausgewichen wird.
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  • Snip3r schrieb:


    ..Sinn macht das Ganze nur, wenn es weltweit eingeführt wird. Da sonst die Gefahr besteht, dass auf andere Börsenplätze ausgewichen wird.


    Genau das ist der Haken. Wir können eine solche Steuer nur bei uns selbst einführen und schädigen damit nur den Börsenplatz Deutschland. Geld ist inzwischen "international" und in Sekundenbruchteilen an den Börsenplätzen, die gerade am günstigsten sind.