wahl des studiums?wirtschaftsrecht?

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  • wahl des studiums?wirtschaftsrecht?

    hallo, ich wollte hier mir mal eure meinung einholen. da ich bald mein studium beginnen werde, einschreibungspflicht naht.
    ich hab zusagen für wirstschaftsrecht(konstanz) , sowie jura (konstanz) und bwl (offenburg)erhalten.
    das thema recht interssiert mich aufjedenfall, so dachte ich ich würde wirtschaftsrecht studieren, da mir vollem die verbindung mit der wirtschaft sehr interessant erschien.
    jedoch wurde bei meiner suche im netz oft erwähnt, dass der studiengang wirtschaftsrecht nichts halbes und auch nichts ganzes sei... wie seht ihr das, auch auf spätere anstellungschancenbezogen?
    generell kann ich mir jeden der 3 studiengänge gut vorstellen, wobei ich immer noch leicht zu wirtschaftsrecht tendiere.

    würde mich über eine antwort freun
    mfg
  • Heyho!

    Zuerst einmal: Der Bereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ist leider ein absolut überlaufenes Massenfach, d. h. die Chancen stehen schon rein massemäßig schlechter als in den stark gesuchten MINT-Fächern.

    Nichtsdestrotrotz ist der Bereich natürlich interessant und bietet genügend Chancen. Ich selbst habe Wirtschaftsrecht studiert (LL.B. und LL.M.) und nach einer kurzen Zeit nach dem Studium einen adäquaten, meinen Fähigkeiten entsprechenden und gut bezahlten Job gefunden. Ähnliches kann ich von meinen Kommillitonen berichten: Auch nach dem Bachelor hat man Jobs gefunden, die zum Studium passen und eine gute Lebensgrundlage bieten (Bspw.: Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Personalbereich, Finanzdienstleistungen). Inzwischen sind die Chancen in Kanzleien (Insolvenzrecht!) und Rechtsabteilungen auch nicht schlecht, dafür wird aber gerne der Master gesehen. Die Stellenlage für Berufseinsteiger ist allerdings - wie in fast allen "Verwaltungsberufen" - eher dünn. Nichtsdestotrotz bekommt man z. B. über XING desöfteren Anfragen von Headhuntern auch für Einstiegspositionen. Großer Vorteil ist hier das, was gemeinhin als Nachteil "nichts halbes und nichts ganzes" genannt wird: Schnittstellenkompetenz zwischen Wirtschaft und Recht, bspw. im Steuer- und Personalbereich, aber auch durchaus im Vertrieb (Finanzprodukte, Immobilien), Einkauf, Schutz geistigen Eigentums, Medien, etc pp. Die arbeitsteilige Welt erleichtert auch hier das dasein: Als Wirtschaftsjurist im Unternehmen ist man das Scharnier zwischen Unternehmen und der Justiz, bspw. als Hausjurist, der die Prozesse begleitet, die spezialisierte Anwaltskanzleien führen o. ä.

    Der Bereich Aufstieg ist natürlich eine andere Frage: Das kann ich - da erst Berufseinsteiger - noch nicht beurteilen. Nicht einfach ist es jedenfalls, nach dem Studium des Wirtschaftsrecht eine Promotionsmöglichkeit zu erhalten - wenn es die eigene Alma Mater ist, dürfte es noch besser funktionieren. Hier sind die klassischen Volljuristen deutlich im Vorteil. Im Beruflichen sieht das natürlich nicht unbedingt besser aus: Wer mit dem Berufsziel Richter oder Staatsanwalt plant, muss natürlich überragende Leistungen (doppeltes Prädikatsexamen!) erbringen, um Chancen zu haben. Ähnlich sieht es bei den großen Rechtsanwaltskanzleien aus: Dort wird natürlich blendend vergütet, mit einem schwach befriedigendem Examen wird es da aber auch nichts werden. Ähnlich dürfte es bei Unternehmen mit Rechtsabteilung und dgl. aussehen. Dann droht der Markt der selbstständigen niedergelassenen Anwälte in Eigen- und Kleinkanzleien - ein vollkommen überlaufener Markt mit rund 160.000 Anwälten und jährlichem Wachstum (2008: 558 Einwohner auf einen Anwalt!), auf dem man sich durchkämpfen muss.

    BWL ist natürlich inhaltlich anders ausgerichtet und bedient auch durchaus andere Fachbereiche (Controlling, Finanzen, Logistik, Marketing), die tendenziell zahlen- und mathelastiger sind. BWL gehört ebenfalls zu den hoffnungslos überlaufenen Fächern, entsprechend groß ist später die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Auch hier gilt, dass in wirtschaftlich angespannten Zeiten wohl eher Produktivkräfte (Ingeneure!) als Verwaltungsberufe gefragt sein dürften. Daher ist auch hier die Konsequenz, dass man sehr gut in seinem Fach sein oder die richtige Nische gefunden haben muss. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind aber natürlich äußerst vielfältig und nahezu überall anzutreffen, sodass sich hier auch Chancen ergeben können. Auch hier gilt, das weiß ich aus dem Familien- und Kommilitonenkreis, das auch der Bachelor durchaus angenommen wird und der Karriere nicht im Weg steht. Und man kann später immer auch noch nen Master draufsatteln.
    "Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu erlassen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu erlassen."

    Charles-Louis de Montesquieu