10 - Die Sensorgrösse und Einteilung der Kameras in Klassen

  • Lektion

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  • 10 - Die Sensorgrösse und Einteilung der Kameras in Klassen

    KLEINER FSB-FOTOKURS IN EINZELNEN KAPITELN

    10 - DIE SENSORGRÖSSE
    UND EINTEILUNG DER KAMERAS IN KLASSEN


    Praktischerweise teilt man die Kameras in erster Linie nach der Grösse ihres Sensors ein. Das war zu analogen nicht anders, da ging es um das Filmformat (Kleinbild, Mittelformat und Grossformat).

    Die Grösse des Sensors bestimmt mehr oder weniger die erreichbare Bildqualität, denn je grösser die Sensorfläche ist, desto mehr Pixel passen bei gleicher Pixelgrösse darauf. Das heisst, die Auflösung steigt, ohne daß die Pixel deswegen kleiner werden müssen.

    Einer der Probleme ist, daß man die einzelnen Pixel nicht beliebig miniaturisieren kann, denn das Licht selbst als notwendiges Medium lässt sich nicht miniaturisieren. Man stösst also nicht nur an technologische, sondern auch an physikalische Grenzen.

    Aber die Grösse des Sensors hat auch noch anderer drastische Auswirkungen, eine davon ist die Grösse der Kamera und ebenso des Zubehörs.

    Die Brennweite eines Objektives gibt man üblicherweise in mm an. Die Normalbrennweite beim Kleinbildformat entspricht etwa 50mm und hat einen Bildwinkel von (diagonal) 47°. Das Kleinbildformat wählen wir als Referenz, damit wir untereinander vergleichen können und das Verhältnis von der Kleinbilddiagonale zur jeweiligen Sensordiagonale nennen wir Cropfaktor.

    Ich persönlich benutze meist das mft-Format (Mikro FourThirds), welches ich hier oft als Beispiel einbringen werde und es hat noch einen anderen Vorteil, der das Erklären recht einfach macht. mft hat nämlich einen Crop-Faktor von genau 1:2. Das heisst, die mft-Normalbrennweite ist um die 25mm, also genau die Hälfte des Kleinbild-Formats.

    Jeder kann sich leicht vorstellen, daß ein Objektiv mit 50mm realer Brennweite erheblich kleiner und leichter ist als eines mit nur 25mm. Der Bildwinkel ist aber tatsächlich der gleiche.

    Dies spricht eindeutig für das kleinere Format. Je kleiner der Sensor, desto weniger muss man schleppen. Es sind ja nicht nur die paar Gramm beim Kameragehäuse, auch die Objektive sind deutlich kleiner und auch ein passendes Stativ kann erheblich leichter sein, weil seine Belastbarkeit geringer ausfallen muss.

    Das heisst konkret, in meine mft-Fototasche passen 4 Gehäuse mit Objektiven und somit decke ich eine breite Spanne ab, wogegen ich bei einem deutlich grösseren Sensor gerade einmal eine einzige Kamera unterbringen könnte.

    Auf der anderen Seite aber haben grössere Sensoren natürlich auch Vorteile. Die erreichbare Bildqualität ist einfach besser (was aber keineswegs immer die entscheidende Rolle spielt). Die Lichtempfindlichkeit ist bei einem grösseren Sensor besser, was bei sonst gleichen Rahmenbedingungen deutlich weniger Rauschen produziert. Das Angebot an Profizubehör ist weitaus umfangreicher (dafür aber auch deutlich teurer).

    Ebenso ist die Eingangsdynamik bei grossen Sensoren meist deutlich besser, was sich gerade bei Motiven mit hohem Kontrastumfang deutlich positiv bemerkbar macht.

    Ein Wert ist übrigens neben dem Crop-Faktor noch interessant, nämlich das Auflagemass. Das ist der Abstand vom Objetivanschluss zur Sensorebene. Dieser Wert ist wichtig für alle, die Objektive eines anderen Kameraformats benutzen wollen und dafür Adapter benötigen (immer von gross nach klein).

    Ein Beispiel. Wenn ich an meiner mft ein Original-Kleinbildobjektiv verwenden möchte, dann benötige ich je nach Anschluss ein Adapter M42->mft oder OM->mft. Aus einem 135mm-Kleinbildobjektiv wird eines mit der Bildwirkung eines 270mm-Objektivs. Und nicht nur das. Weil ein Kleinbildobjektiv einen grösseren Bildkreis hat als ein mft-Objektiv nutze ich nur die qualitativ bessere Linsenmitte und habe auch mehr Potential für spezielle Zwecke wie TILT und SHIFT. Hierzu später mehr.

    Einteilung der Kameras in Klassen


    Getreu dem Motto 'die beste Kamera ist immer diejenige, welche wir auch tatsächlich dabeihaben' fangen wir bei den ganz Kleinen an. Kompakte haben den Vorteil, sehr kompakt zu sein und problemlos in die Jackentasche zu passen. Es gibt wirklich gute 'Edel-Kompakte' wie z.B. die LX7, welche als Immer-dabei-Kamera fast jeden Bereich (ausser dem Telebereich) abdecken. Ihr Nachteil ist, es ist kein Objektivwechsel möglich und eine Erweiterung hat ihre Grenzen.

    Weiter geht es mit FT und MFT (der Unterschied besteht darin, daß bei MFT der Kompaktheit wegen auf einen Spiegel verzichtet wurde, der Sensor ist von der Grösse her der gleiche). In meinen Augen ein brauchbarer Kompromiss von Grösse und Vielseitigkeit.

    Dann kommen APS-C und Vollformat-Kameras, welche von der Bauart meist Spiegelreflexkameras (DSLR) sind. Sie schliessen die Lücke weiter nach oben und die Kameras mit noch grösserem Sensor lasse ich einfach mal weg, sie sind sündhaft teuer und man nimmt sie nur dann, wenn man sie auch tatsählich braucht. Denn solch ein Ungetüm schleppt man nicht einfach mal so mit und allein für das dazu notwendige Stativ braucht man schon einen eigenen Lastesel.

    Bei den Bridge-Kameras handelt es sich um Zwitter, welche die Vorteile der Kompaktheit mit den Vorteilen der Grösseren kombinieren wollen. Man kann es aber auch genau anders herum ausdrücken. Sie verbinden erfolgreich die Nachteile beider Welten. Oft haben sie fest eingebaute Superzooms (auch Suppenzoom genannt), welche, zwar einen hohen Brennweitenbereich abdecken, leider aber oft bei mässiger Qualität. Die Hersteller nennen sie auch gern Reisekameras.

    Dann gibt es eine spezielle Klasse der Kompakten, die Outdoor- und Unterwasserkameras (nicht zu verwechseln mit einem echten Unterwassergehäuse bis zu einer Tauchtiefe von 40m und mehr). Sie sind schwimmbadtauglich und verkraften dank innenliegender Optik auch den einen oder anderen Sturz. Von der Bildqualität her sind sie eher mittelprächtig. Bei absolutem Sauwetter und im Wasser sind sie allerdings eine echte Ergänzung.

    Es gibt auch noch ganz andere Kameratypen, z.B. Infrarotumbauten. Oder Kameras mit einem anderen Sensortyp wie z.B. die Festbrennweiten-Sigmas. Recht interessant, aber gewöhnungsbedürftig.

    Moderne Kameras haben gelegentlich auch einen Sensor, der anders als der übliche Beyer-Sensor beschaltet ist (z.B. Fuji mit seinem EXR). Damit lässt sich z.B. Lichtstärke gewinnen auf Kosten der Auflösung.

    Aber offene Wünsche gibt es immer. Ich persönlich hätte gern eine mft-Kamera mit einem Nicht-Beyer-Sensor, der nur monochrom aufzeichnen kann (allerdings mit der 4fachen Anzahl Pixel).

    Nach dieser Einteilung gibt es keine guten und schlechten Kameras, entscheidend ist, inwieweit sie für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet sind.

    Zusammenfassung


    Grössere Kameras haben oft den Vorteil, über ein reichhaltiges Zubehörangebot zu verfügen, das allerdings auch schnell ins Geld gehen kann. Sie sind aufgrund des grösseren Sensors auch für höhere ISO-Werte geeignet (weniger Rauschen bei mässigem Licht) und besitzen meist eine bessere Eingangsdynamik und eine höhere Auflösung bei gleicher oder besserer Qualität. Ausserdem ist ihr Freistellpotential grösser als bei Kameras mit kleinerem Sensor.

    Ihr Nachteil ist ihre Sperrigkeit und ihr Gewicht (und ebenso das des Zubehörs), der hähere Preis sowieso.

    Kleine Kameras haben den Vorteil, klein und handlich zu sein. Mitunter ist ihr Handling allerdings gerade für grössere Hände gewöhnungsbedürftig. Vorteilhaft ist, daß man mehrere Kameras mit unterschiedlichen Brennweiten mitnehmen kann, ohne unterwegs Objektive wechseln zu müssen. Oder aber man nimmt ein Pancake-Objektiv, dann passt die ganze Kamera auch in die Jackentasche.

    Ihr Nachteil ist, daß sie oft nicht gerade vielseitig sind (z.B. keine Wechselobjektive).

    Von noch kleineren Geräten (Handy, Uhr mit Kamerafunktion etc.) kann ich eigentlich nur abraten. eignen sich deren Ergebnisse höchstens dazu, Blogs zuzumüllen oder unkritischen Zeitgenossen durch ihre Menge zu imponieren. Weder haben diese Geräte die passende Auflösung zur winzigen Sensorgrösse noch kann die Optik aufgrund ihrer Miniabmessungen mithalten. Ebenso bleibt die Eingangsdynamik vollkommen auf der Strecke. Letztendlich sind sie keine brauchbare Konkurrent zu recht kleinen Kompaktkameras.

    lg Konradin


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