13 - Unterschiedliche Objektive

  • Lektion

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  • 13 - Unterschiedliche Objektive

    KLEINER FSB-FOTOKURS IN EINZELNEN KAPITELN

    13 - UNTERSCHIEDLICHE OBJEKTIVE


    Die Brennweitenangaben beziehen sich übrigens immer auf die Kleinbild-Brennweite, sofern nicht anders erwähnt.

    Das Fisheye-Objektiv


    Es gibt unterschiedliche Arten von Fisheye-Objektiven, von denen ich das polare Fisheye bevorzuge. Im Gegensatz zum zirkularen Fisheye, welches eine kreisförmiges Bildformat erzeugt und den Rest schwarz lässt, nutzt es das komplette Bildformat.

    Es gehört zu den sogenannten 'Zuchtmeistern', denn der Umgang mit ihm erfordert ein gehöriges Maß Disziplin. Passt man nicht auf, dann sind schnell eigene Körperteile oder die Fototasche mit auf dem Bild, Schuhe, selbst wehende Haare. Das Bildfels ist so riesengross, daß es um die entsprechende Tageszeit schwer fällt, entweder die pralle Sonne oder aber den eigenen Schatten unfreiwillig mit auf das Bild zu bekommen.

    Wichtig für ein polares Fisheye ist eine hohe Auflösung, denn oft muss das Bild nachträglich grosszügig beschnitten werden. Warum das? Mit einem anderen Objektiv wähle ich einen Bildauschnitt und belichte. Fertig oder ich korrigiere anschliessend noch marginal.

    Bei einem Fisheye ist dies anders. Will ich eine geraden Horizont, dann muss ich ihn zwingend in die Bildmitte legen, denn sonst ist er deutlich gewölbt. Man stelle sich mal einen gewölbten Meereshorizont vor! Möchte ich nun eine Drittelteilung haben (zwei Teile Himmel und ein Teil Meer oder umgekehrt), dann muss ich dennoch präzise Halbe-Halbe belichten und anschliessend beschneiden, denn sonst wird's mehr oder weniger rund.

    Ich nutze das Fisheye gern für Innenaufnahmen, weil es einen wiesigen Bildwinkel hat und mir so kaum ein Objekt entgeht. Aber oftmals wirkt es besser, wenn ich gebogene Linien anschliessend per Software begradigen. Dazu gibt es die 3 exzellenten Hemi-Fisheye-Filter als PlugIn für Photoshop. Gegebenenfalls noch mit ShiftN stürzende Linien korrigieren und das Bild ist ok.



    das Original-Fisheye Bil1 - bearbeitet mit Hemi-Filter Full Frame Bild2 - dann noch ShiftN Bild3 -
    und zu guter Letzt noch auf den passenden Bildausschnitt beschnitten Bild4

    Noch eine Warnung. Es gibt zahlreiche preiswerte Fisheye-Konverter, welche man vor ein anderes Objektiv montiert, um damit den kreisrunden zitkularen Fisheye-Effekt hinzubekommen. Die Qualität dieser Teile ist so grottenschlecht, daß selbst das wenige Geld dafür herausgeworfen ist. Da sind selbst dubiose Software-Effekte schon um Klassen besser.

    Das Utraweitwinkelobjektiv


    Mittlerweile habe ich auch ein Ultraweitwinkel, allerdings nicht als Festbrennweite, sondern als Zoom (18-35mm), da mir bei mft keine entsprechende Festbrennweite bekannt ist. Reden wir hier also über die 18mm dieses Objektives.

    Der Bildwinkel ist riesig und löst bei mir das Fisheye zum Teil ab. Denn der Bildwinkel ist für viele Zwecke ausreichend, bedarf aber nicht des immensen Aufwandes der Nachbearbeitung, wenn ich das Fisheye nicht des Effektes wegen benutze, sondern lediglich wegen seines Bildwinkels.

    Die 18mm sind bei Innenaufnahmen, aber auch bei Architekturaufnahmen in engen Gassen eine gute Wahl. Lediglich die Lichtstärke lässt ein wenig zu wünschen übrig.


    Die Reportage-Brennweite


    Die Reportage-Brennweite schliesst die Lücke zwischen dem Weitwinkel und der Standardbrennweite oder dem Portrait-Tele. Es sollte eine ausreichende Lichtstärke haben, damit auch bei nicht optimaler Beleuchtung scharfe und unverwackelte Schnappschüsse möglich sind. Für mich macht ein 40mm-Objektiv die 50mm-Standardbrennweite überflüssig, sinnvoller wären da eher 60mm.


    Das Portrait-Tele


    Mit einer KB-Brennweite von 90mm ist das Portrait-Tele M.Zuiko Digital 45mm/1:1.8 ein lichtstarker Allrounder für Portraits und Freistellungen, um die Rosinen herauszupicken oder um mit einem 10mm-Zwischenring exzellente Nahaufnahmen zu machen. Sein Freistellpotential ist ausgezeichnet.

    Aber auch für zusammengesetzte Bilder à la Brenizer eignet es sich vorzüglich. Ich habe von meinem Lieblingsbaum schon ein Bild aus mehreren Dutzend Einzelbildern angefertigt. Zeigen kann ich euch das Ergebnis leider nicht, da es ein Problem ist, Bilder jenseits der 100 MegaPixel hochzuladen und in der Verkleinerung wirkt es auch kaum anders als ein Bild normaler Grösse. Nur der Detailreichtum ist natürlich ein völlig anderer.

    Das Portrait-Tele war mein erstes originäres mft-Objektiv, da ich zuvor ausschliesslich mit der kompakten LX3 unterwegs war und es dieser gerade im Telebereich mangelte. Ausserdem war das Portrait-Tele für seine ausgezeichnete Qualität recht preiswert und handlich genug, um immer dabei zu sein (mittlerweile hat es eine eigene Kamera spendiert bekommen).

    Dieses Objektiv harmoniert recht gut mit dem Telekonverter Kenko Digital Tele 1.7x LHG-17 und ergibt eine Brennweite von 153mm, entspricht also einem leichten Teleobjektivs.


    Das Spiegel-Tele


    Ein Spiegeltele ist bauartbedingt wesentlich kürzer als ein normal gebautes Teleobjektiv und meist auch deutlich leichter. Meist haben sie eine feste Blende und um die Helligkeit zu steuern benutzt man mitunter Graufilter.

    Aber nicht nur der Verzicht auf unterschiedliche Blenden ist ihr Manko, sondern meist auch die limitierte Qualität. Dennoch, so unbrauchbar, wie es sich im ersten Moment anhört, sind sie nun auch wieder nicht.

    Im Gegensatz zu Linsenoptiken, welche im unscharfen Bereich meist Kreise erzeugen, sind es bei Spielgeloptiken Ringe. Ein Bildbeispiel:




    TILT- und SHIFT-Objektive


    Neben den 'normalen' Objektiven gibt es noch TILT- und SHIFT-Objektive, mit denen sich die optische Achse nach dem Scheimpflug-Prinzip korrigieren lässt.

    Da hierbei der der Achse des Objektives gedreht bzw. verschoben wird muss der Bildkreis des Objektives grösser sein als bei einem Objektiv gleicher Brennweite ohne diese Funktionen. TILT und SHIFT gibt es sowohl einzeln als auch in Kombination.

    Man kann diesen Effekt auch mit Adaptern erreichen, allerdins muss darauf geachtet werden, daß der Bildkreis des Objektives dafür ausreicht. Deswegen nimmt man dafür gern Objektive eines grösseren Formats, z.B. bei mft OM- oder M42-Objektive (beide im Kleinbildformat).

    Mit dem SHIFT-Effekt lassen sich stürzende Linien begradigen oder man kann auch seitlich an einem Hindernis vorbei fotografieren oder einen erhöhten Kamerastandpunkt simulieren, der tatsächlich unerreichbar ist. Dieser Effekt wirkt sich vorzugsweise bei kürzeren Brennweiten aus.

    Der TILT-Effekt beruht darauf, daß das Objektiv schräg gestellt wird (bei meinem Adapter bis zu 8°). Das heisst, die Schärfe liegt nicht mehr parallel zum Horizont, sondern schräg. Je weiter ich aufblende, desto stärker macht sich dieser Effekt bemerkbar und er wirkt stärker bei längeren Brennweiten.

    Ich kann mit ihm den Schärfeverlauf über einen Weg legen, der sich diagonal von links vorn nach hinten rechts durch das ganze Bild zieht, den Rest des Bilders aber halbwegs unscharf lassen. Dann kann ich bei einem hohen Gebäude das Objektiv gemäss der stürzenden Linien mitkippen lassen, um den scharfen Bereich zu vergrössern (also genau der gegenteilige Effekt vom Beispiel zuvor).



    Gern benutzt wird der TILT-Effekt als 'Spielzeugeffekt'. Das heisst, er nimmt der Umgebung eines Objektes soviel Schärfe, daß es wie eine Miniaturwelt wirkt.

    Per Adapter heisst dies, daß TILT von der Wirkung her kein Problem darstellt, denn bei einem Crop-Faktor von 1:2 bei mft heisst dies, daß aus einem 50mm-Kleinbildobjektiv ein 100mm-TILT-Objektiv für mft wird. Bei SHIFT ist dies wesentlich problematischer, denn um ein weitwinkliges mft-SHIFT-Objektiv zu simulieren bräuchte ich ein Ultraweitwinkel-Kleinbildobjektiv mit enormer Lichtstärke, welches aber kaum zu bekommen sein dürfte. Also herrschte Bedarf für eine originäre SHIFT-Lösung für jenes Format.


    'Altglas'


    Als 'Altglas' bezeichnet man mitunter alte Kleinbildobjektive (z.B. M42), welche sich per Adapter auch an digitalen Kameras gut nutzen lassen. Allerdings muss man mangels elektischer Übertragung auf Features wie den Autofokus verzichten und Handarbeit ist angesagt.

    Auch ist der Kamera die Blende nicht bekannt. Dennoch funktioniert die Belichtungsmessung, weil die Kamera ja die Lichtmenge mitbekommt, die bei ihr ankommt. Dazu haben übrigens viele M42-Objektive eine Umschaltung von A auf M. Diese ist dazu gedacht, möglicht bei Offenblende auf den Punkt genau scharf stellen zu können und das Ergebnis per Arbeitsblende dann auf Tastendruck noch vor der eigentlichen Belichtung sehen zu können.

    Altgläser benutze ich aus drei Gründen. Entweder weil ich sie für € 1,- bekommen habe und sie ihren Zweck recht gut erfüllen, wie z.B. das Porst Tele auto D 135mm/2.8 und ich kein passendes Objektiv für diesen Brennweitenbereich habe (jetzt 270mm an mft), ausser einem Zoom (den ich nehmen muss, wenn ich auf Autofokus nicht verzichten kann).

    Diese Lösung funktionier aufgrund des Crop-Faktors gut, wenn ich längere Brennweiten benötige, bei kurzen aber eher nicht. Ausserdem ist ein weiterer Vorteil der, daß Altgläser meist einen grösseren Bildkreis haben und aufgrund der grösseren KB-Brennweite überwiegend die Bildmitte benutzen, was der Abbildungsqualität durchaus zugute kommt.



    Oder ich benutze sie, weil das Objektiv besondere Eigenschaften hat, welche mir ein modernes Objektiv nicht bieten kann, wie z.B. der Drehteller-Effekt des Zeiss Biotar 75mm/1.5 aus den 30er-Jahren (ein mittlerweile fast unbezahlbares Objektiv) mit einer für diese Brennweite aussergewöhnlichen Lichststärke.

    Der dritte Grund ist die Möglichkeit, ein Objektiv per Adapter zu einem TILT-Objektiv zu machen, wofür es sich des grösseren Bildkreises wegen durchaus eignen dürfte. SHIFT ginge grundsätzlich zwar auch, ist in der Praxis des Cop-Faktors wegen aber nicht so sinnvoll, da die besten Ergebnisse eher bei geringen Brennweiten zu erzielen sind.

    lg Konradin

    DIeser Beitrag wird später möglicherweise noch ergänzt.


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