21 - Der Weg zur 'richtigen' Belichtung

  • Lektion

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  • 21 - Der Weg zur 'richtigen' Belichtung

    KLEINER FSB-FOTOKURS IN EINZELNEN KAPITELN

    21 - DER WEG ZUR 'RICHTIGEN' BELICHTUNG


    Die erste Einscheidung ist, welche Art Bild man überhaupt machen möchte und nicht immer ist eine ausgewogene Belichtung angesagt. Ein Low-Key-Akt ist sicherlich anders zu belichten als ein Schnappschuss auf der Strasse.

    Eine weitere Entscheidung ist die Wahl der Uhrzeit, denn jede Tageszeit hat anderes Licht. Mittags gibt es im Sommer hartes Licht und Schlagschatten, weswegen eine alte Fotografenweisheit lautet: 'zwischen Zehn und Zwei hat der Fotograf frei'.

    Nun kann man sich nicht immer daran halten, denn man hat nicht immer die Gelegenheit, stundenlang zu warten und manche Ereignisse haben ihre festen zeiten. So finden Sonnenuntergänge grundsätzlich abends statt und Regenbögen sieht man nachmittags, aber niemals mittags.

    Nun schaut man, wie die Dynamik der Szenerie ist. Ist sie sehr hoch, dann sollte man eventuell ins Auge fassen, drei unterschiedliche Belichtungen anzufertigen, um daraus anschliessend ein HDR-Bild zu erzeugen. Dazu später mehr. Aber wie beurteile ich die Dynamik einer Szenerie?


    Der Belichtungsspeicher


    Wenn ich leicht auf den Auslöser tippe und ihn leicht gedrückt halte, dann merkt sich die Kamera die Belichtung solange, bis ich entweder auslöse oder ihn wieder loslasse. Nützlich ist dies vor allem, wenn ich die Belichtungsmessung auf SPOT CENTER eingestellt habe, also einem kleinen Bildausschnitt in der Bildmitte (was meist der Voreinstellung entsprechen dürfte).

    Nun kann ich den hellsten Punkt der Szenerie anvisieren und mir die Werte anzeigen lassen. Danach visiere ich den dunkelsten Punkt an und lasse mir auch dessen Werte anzeigen. Je höher die Differenz, desto höher auch der Dynamikumfang.

    Wird mir das Bild zu hell (ich gehe immer vom A-Modus aus, wenn nicht anders erwähnt), dann visiere ich eben einen etwas helleren Teil des Bildes an, schwenke zum ursprünglichen Bildausschnitt zurück und drücke den Auslöser voll durch.

    Ein Problem kann es bei dieser Methode allerdings geben, denn oftmals ist es nicht der Belichtungswert allein, der hier zwischengespeichért wird, sondern ebenso der Fokus (und dies ist keineswegs immer erwünscht). Ob und wie ich dies einstellen kann, darüber kann ich an dieser Stelle nicht viel sagen, denn das ist bei den unterschiedlichen Kameramodellen recht unterschiedlich.

    Manche haben eine Taste, mit der ich (im Setup einstellbar) wählen kann, ob ich mit dieser nur den Belichtungswert, nur den Fokus oder aber beide Werte speichern kann. Dies erlaubt mir mitunter mehr Kontrolle als das simple Antippen des Auslösers.

    Es gibt natürlich Fälle, da möchte man beide Werte konstant halten, z.B. bei Panoramen. Dort belichtet man auf einen für alle Einzelbilder akzeptablen mittleren Wert und hält diesen konstant. Das macht man entweder manuell oder mithilfe der eben erwähnten Taste.


    Lichter oder Schatten?


    Idealerweise belichte ich so, daß die dunkelste Stelle des Bildes noch Zeichnung hat, die hellste Stelle des Bildes aber noch nicht überstrahlt. Denn ein leichter Verlust feiner Bilddetails in den Schatten lässt sich im Gegensatz zu überstrahlten Lichtern noch recht gut verkraften. Deswegen ist meine Standardeinstellung sicherheitshalber so, daß ich um eine Drittel Blendenstufe knapper belichte. Lässt mir ein Motiv ausreichend Zeit, dann kann ich den Wert gegebenenfalls korrigieren.

    Solange ich die Bilder (auch) im RAW-Format mache habe ich bei der anschliessenden 'Entwicklung' deutlich mehr Spielraum als im reinen JPG-Format, bei dem die Dynamik deutlich begrenzt ist. So ist es keinerlei Problem, die Dynamikurve nachträglich zu verändern und die Dynamik auf ein JPG-mögliches Maß zu reduzieren.

    Bei einem sehr grossen Dynamikbereich empfiehlt sich ohnehin, ein HDR-Bild aus mehreren (meist 2 bis 5) unterschiedlichen Belichtungen zusammenzusetzen. Es sei denn, es ist Bewegung im Spiel, welche diese Vorgehensweise mehr oder weniger unmöglich macht.

    Eine Zwischenform wäre, drei Belichtungen zu machen, die helle zu löschen und dunkle Teile der mittleren Belichtung durch ausgeschnittene Teile der dunklen Belichtung zu ersetzen.

    Die Dynamik lässt sich aber auch durch einen Grauverlauffilter reduzieren, indem ich die nur die hellen Bildteile (z.B. den Himmel) abdunkle. Graufilter sind ohnehin recht nützlich. Benötige ich (z.B. zum Freistellen) unbedingt die Offenblende, kann die Zeit aber nicht mehr verkürzen, dann kann ich die Lichtmenge mit Graufiltern reduzieren.

    Andererseits sind Graufilter aber auch ganz nützlich, um Zeiten verlängern zu können (Stativ!), z.B. bei fliessendem Wasser. Bei kurzer Belichtungszeit wirkt fliessendes Wasser wie eingefroren, bei längeren Zeiten hingegen weich und dynamisch, am Beispiel eines Brunnens:




    Die Unterstützung durch den Blitz


    An dieser Stelle geht es mir nicht darum, den Blitz als alleinige Lichtquelle zu verwenden, sondern lediglich als Unterstützung zum vorhandenen Licht. Spontan fallen mir da zwei unterschiedliche Anwendungsfälle ein.

    Der erste ist, das Bild an bestimmten Stellen partiell aufzuhellen (wozu sich übrigens oft auch ein Reflektor eignet). So kann ich z.B.das Gesicht bei Gegenlichtaufnahmen aufhellen. Dazu ist es nützlich, wenn der Blitz in seiner Stärke regelbar ist und ich ihn nur dezent dosiere.

    Der zweite Fall ist völlig anders. Dort ist der Blitz zwar die alleinige Lichtquelle für ein bestimmtes Objekt, aber keineswegs für das ganze Bild. Die gilt vorzugweise bei Langzeitbelichtungen.

    Ich mache in den Abendstunden eine Landschaftsaufnahme (Langzeitbelichtung mit Stativ), möchte aber auf dem Bild vor diesem Hintergrund posieren. Dazu benötige ich entweder den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser. Und einen Blitz. Der Blitz ist es nämlich, der mich für einen kurzen Moment von vorn ausleuchten soll, ohne den Eindruck der (langzeitbelichteten) Landschaft im Hintergrund zu schmälern.

    Ich könnte auch zweimal blitzen und inzwischen meine Position verändern, dann wäre ich zweimal auf dem Bild. Oder dreimal blitzen und die Position der Arme verändern, dann hätte ich auf dem fertigen Bild sechs Arme. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

    lg Konradin


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