Günter Grass

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    Günter Grass ist tot. Eine der größten moralischen Stimmen Deutschlands erlag im Alter von 87 Jahren einer Infektion.

    Kaum eine der öffentlichen Personen seit Ende des 2. Weltkrieges hat mit so viel Herzblut an der Aufarbeitung des deutschen Erbes gearbeitet wie dieser Schriftsteller. Als Literaturnobelpreisträger gehört er auch weltweit zu den Persönlichkeiten, die für ein Deutschland stehen, welches sich seiner dunklen Vergangenheit auf kritische und ehrliche Art stellt. Auch ging Grass stets mit harter Kritik voran und scheute sich auch nicht, mal der Buhmann zu sein. Eine Eigenschaft, die auch in der Politik schmerzlich vermisst wird.

    Seine mitunter harten Worte machten auch vor Literaturkollegen, namenhaften Politikern, ja sogar aggressiven Ländern keinen Halt. Wobei, wenn man sich die Welt, wie sie sich aktuell darstellt, ansieht, würde ich ihm durchaus zustimmen. So führte Grass in einem Interview vom Februar 2015 seine Besorgnis aus und bezeichnet uns als quasi schon im 3. Weltkrieg befindlich. Gemessen an den gigantischen Konflikten, die schon seit einiger Zeit toben oder unlängst auf aggressive Art beendet wurden, komme ich nicht umhin, ihm Recht zu geben. Die Welt reibt sich in extrem vielen kleinen oder weniger kleinen Konflikten auf verschiedenen Ebenen auf und befindet sich quasi schon im Krieg mit sich selbst. Es hat ein Gutes, dass Grass nicht gezwungen sein wird sich das Ergebnis der aktuellen Miseren anschauen zu müssen.

    In den Nachrufen rund um die Welt gibt es kaum Kritik für den namenhaften Autor. Nur Israel stellt sich hier als Opfer dar, indem es nach wie vor sein vermeintlich antisemitisches Werk „Was gesagt werden muss“ angreift. Grass kritisierte in diesem Werk und im speziellen im Gedicht aus der Süddeutschen Zeitung die kriegerischen Handlungen des Israelischen Staates und im Besonderen benennt er die Gefahr eines Erstschlages durch Israel gegen den Iran, welche den nächsten Weltkrieg auslösen könnte. Anstatt sich aber mit den Kritiken von Personen wie Günter Grass auseinander zu setzen, verunglimpft Israel diese Personen lieber. Es ist wohl ein Wunder, dass Grass nicht auf der Liste des Simon-Wiesenthal-Center der Top 10 Antisemitischsten Verunglimpfungen gelandet ist, dafür wurde er zur Persona non Grata erklärt.

    Trotz solcher Umstände hat Günther Grass mit Werken wie z.B. dem Weltbestseller „Die Blechtrommel“ seine eigene Aufarbeitung der Kriegszeiten behandelt und so auch das öffentliche Bild Deutschlands nach außen ungemein bewegt. In diversen Talkshows stets als Griesgram aber mit ungemein fundierter Meinung versehen, war er immer ein gern gesehener Gast, der mit seinem eigenen Humor punkten konnte. Beeindrucken konnte er in solchen Runden vor allem mit Fragen, die als Tabu galten, aber alle interessierten. In fast 60 Jahren Schaffenszeit hat sich Günter Grass als unmöglich zu ersetzende Figur im internationalen Parkett der Literatur und Lyrik etabliert und wird eine Lücke hinterlassen, die größer kaum sein kann. Trotzdem endet irgendwann jedes Leben und so können wir nur dankbar sein, dass sich so ein Mensch nicht von den Widrigkeiten der Welt in einer der finstersten Epochen hat abhalten lassen und zu dem geworden ist, der er war.



    Der Text ist von mir nun, wüsst ich gern was ihr da so denkt ;)

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  • Hallo Caspian,

    in den meisten Punkten, die du zu Günter Grass anführst, gebe ich dir recht.
    Er war ein genialer Schriftsteller und hat zu Recht den Literaturnobelpreis gekriegt.
    Er war unbequem im positiven Sinne, einer, der wichtige Impulse und Denkanstöße geben konnte.

    Einziger Kritikpunkt ist sein (auch jetzt in Nachrufen immer mal wieder aufgegriffenes) Eingeständnis seiner freiwilligen Kriegsteilnahme und der Mitgliedschaft in der Waffen-SS (auch wenn der Ausdruck weit mehr Unheil verheißt, als seine damalige Einheit wohl anrichtete)

    Ich glaube nicht, dass es seinen Einfluss wesentlich geschmälert hat, aber bestenfalls war dieses Vorgehen eher unklug, weil es ihm aus manchen Ecken den Vorwurf des Pharisäertums eintrug.
    Es nie zu spät für eine glückliche Kindheit! (Erich Kästner)