Dishonored 2 angespielt: Besuch der bösen Tante

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  • Dishonored 2 angespielt: Besuch der bösen Tante

    Im Schleich-Actionspiel Dishonored 2 wird eine Tante zur Thronräuberin und stürzt das Reich ins Chaos. Der Spieler räumt auf: entweder in Gestalt der vertriebenen Kaiserin oder als deren kampferprobter Vater.

    Die Handlung von Dishonored 2 beginnt 15 Jahre nach dem ersten Teil, der ebenfalls von den französischen Arcane Studios entwickelt wurde. Die junge Kaiserin Emily nimmt an einer Zeremonie teil, in deren Verlauf ihre Tante Delilah als Überraschungsgast auftritt – und mit ihren Schergen ein Blutbad anrichtet. Der Spieler hat nun die Wahl, ob er als Corvo oder als Emily spielen will. Wir entschieden uns für die Möchtegern-Kaiserin.

    Schleichgänge im Süden
    Die Wahl wirkt sich auf die Spielmechanik aus: Corvo ist ein versierter Kämpfer und kann sich in Tiere verwandeln, Emily hingegen bewegt sich noch etwas flinker durch die Räume. Außerdem ist sie in der Lage, sich aufzulösen und in etwa 30 Metern Entfernung wieder zu materialisieren. Die Zauberkräfte der Protagonisten werden im Spielverlauf umso stärker, je mehr Runen sie einsammeln.

    Anfangs müssen wir mit Emily aus der Stadt entkommen, die sich mittlerweile fest in der Hand von Delilahs Leuten befindet. Die erste Station nach dem Tutorial und der Anfangsmission ist die große Hafenstadt Karnaca. Dort macht Emily Bekanntschaft mit neuen Feinden sowie mit Verbündeten, die ihr dabei helfen, mehr über die ominöse Delilah in Erfahrung zu bringen.

    Die Aufträge von Dishonored 2 gliedern sich in Haupt- und Nebenmissionen und lassen sich auf unterschiedliche Weise erledigen. So darf sich der Spieler überwiegend schleichend fortbewegen, wobei ihm die Helligkeitsanzeige hilft. Er kann sich auch ducken, hinter Vorsprüngen hervor lugen und durch Schlüssellöcher spähen. Wachen tötet er hinterrücks binnen weniger Sekunden; oder er betäubt sie, was ein wenig länger dauert. Doch die KI-gesteuerten Widersacher sind nicht dumm: Kleinste Geräusche versetzen sie in einen Alarmzustand, auf Bewegungen reagieren sie wachsam. Perfekt ist das Verhalten der Gegner aber nicht: Hat der Spieler einige Wachen getötet und einfach liegen gelassen, bewirkt das zwar mehrere Minuten lang Aufruhr, danach patrouillieren die Wachsoldaten aber fröhlich pfeifend an den Leichen ihrer erwürgten Kollegen vorbei.

    Während der Kämpfe kann Emily sich rasch auf ein Verandadach teleportieren, was die Gegner verwirrt und manchmal sogar dazu führt, dass die armen Söldner entsetzt Reißaus nehmen. Andererseits kann es bei Nähkämpfen gegen mehrere Kontrahenten leicht geschehen, dass der Spieler den Überblick verliert und plötzlich von allen Seiten angegriffen wird. Als Waffen dienen Schwerter, Armbrust, Pistole und Zaubermittel, die es etwa erlauben, drei Wachen mit einer Geste zu köpfen. Das Spiel hat die Alterseinstufung USK 18 verdient.

    Vier Schwierigkeitsstufen sind vorhanden, bereits die unterste verlangt waches Vorgehen. Sollten Emily beziehungsweise Corvo sterben, lädt man einen automatisch erzeugten Spielstand; zusätzlich kann man manuell Spielstände anlegen, um etwa das Eindringen in ein Labor einmal auf die harte, einmal auf die sanfte Tour zu bestreiten. Dennoch muss wohl selbst der vorsichtigste Schleicher hin und wieder kämpfen oder Reißaus nehmen, denn die zahlreichen Soldaten und anderen Gegner (Kampfroboter, Wachhunde, Blutfliegen-Schwärme!) machen ein vollständig gewaltloses Durchspielen sehr schwierig.

    Dampftechnik und Magie
    Die Hafenstadt Karnaca sieht ausnehmend hübsch aus und schickt den Spieler durch Kopfsteinpflaster-Gassen entlang hoher Sandsteingebäude mit Giebeln im Stil der Gründerzeit. Die neuzeitliche Welt ist angereichert mit Steampunk-Elementen, also stählernen Einschienenbahnen, wuchtigen Roboter-Drohnen und kuriosen Maschinen. Die Nebenfiguren laufen geschäftig hin und her, stehen hinterm Tresen oder filetieren Fisch in der Küche. Sie lassen sich ansprechen, doch mehr als ein, zwei Sätze sagen sie meist nicht. Dafür ist die Story unterhaltsam inszeniert, zumindest in den bislang gespielten Abschnitten. Die Nebenfiguren sprechen mit ausdrucksstarken deutschen Stimmen und zeigen entsprechende Mimik. Die Räume enthalten zahlreiche Gegenstände und Accessoires, und zwar gleichermaßen Flaschen und Tand sowie nützliche Dinge wie Gesundheitsspritzen, Armbrust-Bolzen und Münzen, die Emily in ihrem riesigen Inventar verstaut. Später kann sie aus Bauteilen Hilfsmittel basteln und Munition kaufen; die Lebensmittel indes muss sie sofort verzehren, was immerhin im Hinblick auf die Verderblichkeit von Rattenspießen sinnvoll erscheint.

    Tempoläufe und Ladepausen
    Emily, Wachsoldaten und andere Gegner bewegen sich meist flink durch die Räume, was im Fall der getesteten PS4-Version ohne merkliche Ruckler abläuft. Die Fernsicht ist enorm, wobei die Hintergründe statisch wirken. Abstürze gab es während der vier Spielstunden keine, dafür verhielten sich in zwei Fällen Wachsoldaten sonderbar und liefen gegen Wände. Der erste Patch ist rund 9 GByte groß und soll laut Hersteller die Darstellung von Licht und Schatten verbessern sowie die Ladepausen verkürzen, die mit etwa 30 Sekunden Länge eine Atempause bedeuten zwischen den aufregenden Schleichexkursionen.

    Neben der PS4 gibt’s das Spiel für Xbox One und Windows-PCs, die mindestens 8 GByte RAM und eine NVIDIA-GTX-660-Grafikkarte mit 2GByte V-RAM oder eine Radeon HD 7970 mit 3GByte auf die Waage bringen. Dishonored 2 muss auf Steam aktiviert werden, einen Mehrspielermodus gibt es nicht. Auf der Steam-Verkaufsseite beschweren sich allerdings zahlreiche Spieler über technische Probleme. Wir konnten diese bislang noch nicht überprüfen.

    Zwischenfazit
    Die ersten Spielstunden verheißen ein andauernd aufregendes Abenteuer. Die Arkane Studios haben die Handlung detailreich und abwechslungsreich inszeniert, wobei Rasanz und Actionlastigkeit den Schleich-Aspekt auf den zweiten Rang verweisen – noch merklicher als im Vorgänger.


    Quelle: Dishonored 2 angespielt: Besuch der bösen Tante | heise online