Schlimm! und das in den besten filmen^^!

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  • Schlimm! und das in den besten filmen^^!

    Schlimm! und das in den besten filmen^^!


    US-PORNOGRAFIE

    Bedroht von Aids und Ashcroft

    Von Christian Stöcker

    Die milliardenschwere Porno-Industrie in den USA sieht harten Zeiten entgegen. Zwar vermischen sich Hardcore-Szene und HipHop-Mainstream immer mehr, aber nun erschüttern HIV-Infektionsfälle die Branche. Zudem rufen US-Justizminister Ashcroft und die christliche Rechte zum Kreuzzug gegen die Sexfilm-Macher auf.



    REUTERS
    Kandidatin Carey: Porno wird Pop
    Vor der Kamera wird eine Afghanistan-Korrespondentin von muslimischen Terroristen entführt. Sie wird in eine Höhle verschleppt und dort geschlagen, bespuckt und vergewaltigt. Es sind drei Männer, von denen einer wie Osama Bin Laden aussieht. Nachdem tapfere US-Soldaten sie befreit und Bin Laden geköpft haben, wird es wieder pornografisch, aber diesmal mit dem Einverständnis der falschen Journalistin.

    "Ass Clowns 3" heißt das Machwerk aus der amerikanischen Sexfilmfabrik Extreme Associates. Seit Ende letzten Jahres stehen Produzent Robert Zicari und seine Verlobte Janet Romano wegen solcher Filme vor Gericht. Bei einer Verurteilung könnten den beiden bis zu 50 Jahre Haft drohen. Der Prozess ist ein Präzedenzfall, der die seit Jahren boomende Pornobranche Amerikas in ernste Bedrängnis bringen könnte - ausgerechnet jetzt, da Porno in den USA auf dem Weg zum Pop ist.



    Buena Vista
    Porno-Rapper Snoop Dogg: 150.000 verkaufte Videos
    Wer nachts den Fernsehkanal BET einschaltet, bekommt viel nackte Haut zu sehen. Der Sender zeigt sexlastige HipHop-Videos - und zwar in verschärften Versionen. "Uncut" heißt die Sendung, in der weibliche Hintern in Nahaufnahme wackeln, komplett textilfreie Damen zu Beats und Bässen zucken. Rapper Snoop Dogg, der gern als Zuhälter verkleidet auftritt, produziert derweil HipHop-unterlegte Hardcorestreifen - und darf bei MTV eine eigene Sendung moderieren. Sein Pornovideo "Doggystyle", in dem der Rap-Star als Conferencier auftritt, verkaufte sich weltweit 150.000-mal.

    Andere Rapper wie "Treach" Criss, früher bei Naughty By Nature, und Son Doobie (Funkdoobiest) haben selbst schon Hardcoreszenen gedreht. Der Kabelkanal des "Playboy"-Imperiums hat eine Sendung namens "Buckwild" im Programm, laut Eigenwerbung "die perfekte Mischung aus HipHop und Unterhaltung für Erwachsene". Die HipHop-Porno-Connection wird von Brancheninsidern wie Altstar Jenna Jameson als frischer Wind und Glücksfall für beide Seiten gewertet.



    AP
    Justitzminister Ashcroft: Kreuzzug für Moral
    Auch der weiße Mainstream gewöhnt sich immer mehr an das Geschäft mit dem Sex. Die brave Agententochter aus der Serie "24", Elisha Cuthbert, spielt in der soeben in den USA angelaufenen Film "Girl Next Door" eine Pornodarstellerin. Das Sex-Sternchen Mary Carey trat bei der Wahl in Kalifornien gegen Arnold Schwarzenegger an.

    Hotelketten wie Marriott machen substanzielle Umsätze mit verschlüsselten Pornoangeboten im Zimmer, große Medienkonzerne wie Rupert Murdochs News Corporation, Disney-Interessent Comcast und AOL Time Warner bieten über Kabel und Satellit heiße Ware aus dem südkalifornischen Pornomekka "Pornywood" im San Fernando Valley an. Insgesamt wird der Jahresumsatz der Branche auf etwa 10 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Vergleich: Hollywood setzte 2003 laut Motion Picture Association of America 9,5 Milliarden Dollar um.

    Trotz dieser Traumzahlen hatten US-Präsident George W. Bush und sein Justizminister John Ashcroft schon kurz nach der Wahl erklärt, sie würden mit der unter Bill Clinton eingerissenen Laxheit im Umgang mit Pornografie Schluss machen. Dann kam der 11. September - und plötzlich hatte man ganz andere Sorgen.

    Der Prozess gegen Zicari und Romano ist nun als Test für die lang geplante Attacke zu werten. Man hat sich dafür die übelsten Schmuddelkinder der Branche ausgesucht und dafür gesorgt, dass der Prozess im pornofeindlichen Pennsylvania stattfindet, damit möglichst das gewünschte Ergebnis erzielt werden kann.

    "Wir sind hinter den Bösen her"



    REUTERS
    Pornodarstellerin beim HIV-Test: Branche in Angst
    An Unterstützung für die konservative Kausa mangelt es nicht: Privat organisierten Moralhütern in den USA ist der Pornoboom naturgemäß ein Gräuel. Organisationen wie "Victims Of Pornography" fordern schon lange ein Verbot der Sexfilme, auf der Webseite von "Morality in Media" bekommt man vorbereitete Formulare für Strafanzeigen wegen Obszönität.

    In einem Büro in Washington sitzen derweil 32 Strafverfolger und einige FBI-Agenten vor ihren Computern und suchen nach nackter Haut im Internet. "Es ist nicht leicht, mit diesem Zeug umzugehen", zitiert die "Baltimore Sun" einen der Beamten, "aber ich glaube, wir sind hinter den Bösen her und wir können etwas erreichen und das macht es die Sache wert". Für ihren Feldzug für den Anstand haben die Pornojäger ein Millionenbudget zur Verfügung.

    Der Angriff trifft die Pornoindustrie in einem Moment der Schwäche. Vergangene Woche wurde bekannt, dass sich der Darsteller Darren James mit HIV infiziert hat. Nach der Infektion hat er noch mit 14 Darstellerinnen Hardcore-Szenen gedreht, diese wiederum mit mindestens 51 weiteren Männern. Eine seiner Partnerinnen hat James definitiv angesteckt. Viele große Produktionsfirmen haben inzwischen ein zweimonatiges Dreh-Moratorium verkündet.

    Porno mit Gummi verkauft sich nicht

    Das bringt viele Darsteller und Crewmitglieder in finanzielle Bredouille. Porno-Superstar Jenna Jameson forderte bereits dazu auf, für Not leidende Sex-Arbeiter zu spenden, und hat eine Stiftung gegründet. Eine Produktionsfirma will zusätzlich Vorabhonorare für Produktionen auszahlen, die erst nach der Porno-Pause gedreht werden, so der Branchendienst "Adult Video News".



    DPA
    Moralhüter Ashcroft, Bush: Gratwanderung zwischen Anstand und Geschäft
    Inzwischen melden sich in "Pornywood" auch die Gesundheitsbehörden zu Wort. Beamte fordern regelmäßige Inspektionen, verpflichtende HIV-Tests und eine gesetzlich verordnete Kondom-Pflicht. Bislang lassen sich Darsteller nur auf freiwilliger Basis testen. Produzenten fürchten aber, dass sich Filme mit Gummi schlechter verkaufen werden.

    Kein Wunder, dass die Industrie in dieser Lage wenig Sympathie für Extremisten wie Zicari und seine geschmacklosen Polit-Pornos hat. Selbst Branchenveteran Larry Flynt ("Hustler"), der selbst viele Obszönitätsprozesse führen musste und mehrmals im Gefängnis saß, lehnte ein Hilfsgesuch von Extreme Associates brüsk ab: "Wir bleiben beim guten alten Sex, und das hält uns Ärger vom Leib. Wenn die versuchen, die Grenzen zu verschieben, dann ist das eine Einladung für Strafverfolger."