Neue Kriegsgefahr am Golf

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    Die Krise um Katar/Doha dauert nun schon mehr als 2 Wochen an.
    Vorgebliche gestellte Ultimaten - ein angebliches, faktisch kaum erfüllbarer 13-Punkte-Katalog -
    sowie erschwerend hinzukommende gesellschaftliche Normen (wie z.B. der Gesichtsverlust auch als politisches Instrument)
    erschweren Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung kriegerischer Auseinandersetzungen.
    Diplomatische Lösungsansätze selbst von us-amerikanischer Seite scheinen bisher gescheitert
    Die damit zusammenhängenden Folgen auch auf weltwirtschaftlicher Ebene - u.a. Katar/Doha, wei auch Teile der Nachbarstaaten als global-agierende Investoren sowie daneben die gesamt Region - d.h. alle Nachbarstaaten - als Öl-/Gasproduzent, komplizieren die Lage zusätzlich.
    Auch die Positionen und bisherigen politischen "Aktivitäten" eines us-amerikanischen Trump(-peltieres), wie u.a.Verträge über milliardenschwere Waffenlieferungen an Nachbarstaaten (wie Saudi-Arabien/Vereinigten Arabischen Emirate/Bahrain und auch Ägypten), andererseits der Unterhalt einer der wichtigsten us-amerikanischen Militärbasen in Katar tragen als bestehende Fakten nicht zu Lösungsansätzen bei.
    Hinzu kommt, dass Erdogan (die Türkei als Staat hier als Initiator zu nennen, geht zur Zeit noch zu weit) mit (auch vorgeblich geplanten militärischen) Unterstützungsmaßnahmen für Katar, kann eigentlich nur als Maßnahme begriffen werden, zusätzliches "Öl" ins bereits bestehende Feuer zu gießen.

    Kurzum, der global wachsende Irrsinn/Wahnsinn einer (wieder) zunehmenden hysterischen, egomanen Weltordnung, die sich durch den trump'schen, indifferenten "Rückzug" als Weltpolizist nicht vereinfacht hat,
    sowie zunehmend extremistische Meinungsbildungen in großen Teilen der Welt - an denen indirekt auch Deutschland, entgegen den in die Öffentlichkeit getragenen Absichtserklärungen einen Gutteil negativ ( z.B. auch durch massive Waffenlieferungen) - beiträgt -
    lassen das Schlimmste vermuten.

    Quellen und aktuelle Leseempfehlungen (bei regerem Interesse auch nachfolgend Buchempfehlungen :-)):
    Krise um Katar: Die Knechtung eines Störenfrieds | NZZ
    Naher Osten: Katalog zur Kapitulation Katars | Frankfurter Rundschau
    Katar: Meshal Al Thani wehrt sich gegen Bedingungen der Nachbarländer - SPIEGEL ONLINE
    sowie die teilweise Auflistung scheinbar "ultimativer" Forderungen
    Katar: Saudi-Arabien und Co. stellen Golf-Emirat Ultimatum - SPIEGEL ONLINE
    Cui bono? et ... Quis custodiet ipsos custodes?
    frei übersetzt: Wem nützt es? und ... Wer kontrolliert die Kontrolleure?

    Seit Sommer 2013 seltener online!
  • @muesli: Besten Dank für deine umfangreichen Ausführen. Einerseits frage ich mich, wie der aktuelle Stand der Dinge rund um Katar ist, andererseits werde einfach nicht schlau aus der Forderung den Sender Al Jazeera zu schliessen, ausser die Presse einzuschränken. Ich frage mich, wo der Sender politisch steht.
    Carpe diem - pflücke den Tag!
  • Moin ff :)

    Thema: "ausser die Presse einzuschränken"

    Zur letzten Frage zuerst:
    Wie ist Al Jazeera als politisches Medium einzuschätzen?
    Im Kontext bisher bestehender arabisch Nachrichten verbreitenden Medien ist Al Jazeera schwer in nur eine bestimmte politische Richtung einzuordnen.
    Zum Einen wird dem Sender die Nähe zu extremistischen Strömungen wie z.B. vorrangig der Muslimbruderschaft vorgeworfen, andererseits ist Al Jazeera einer der wenigen (ggfs. sogar der einzige) arabische Sender, welcher breit gefächerter informiert und auch vor der Darstellung kontroverser Standpunkte - bzgl. der offiziellen, rein staatlichen "Medienpolitik" anderer arabischer Staaten - bisher nicht zurückschreckte.
    Insofern ein Dorn im Auge aller faktisch diktatorisch geführten Nachbarländer bzw. dem gesamten (fast weltweiten) Verbreitungsgebiet dieses Senders.
    Das daneben Katar - wohlgemerkt als ebenfalls strikt autoritär geführter Staat - nicht nur intensivere diplomatische, wie auch ökonomische Kontakte zum schiitischen Nachbarn Iran unterhält und somit zumindest kommunikative Wege auch zur Verständigung offen hält, ist für nicht wenige (pan-)arabische Politiker wie Militärs ein aus "ihrer" Machtphalanx fallender Faktor.

    Denn das Internet als überregionale Informationsquelle lässt sich ja (doch noch) relativ leicht einschränken bzw. kontrollieren, wie nicht nur die VR China perfekt vormacht ... :(
    Bei einem Fernsehsender, der inzwischen von einem regionalen zu einem weltweit operierenden Medium gewachsen ist, ist der (vornehmliche Satelliten-) Empfang schon wesentlich schwerer zu unterbinden ...
    Mehr dazu u.a. hier:
    Al-Jazeera und die arabischen Revolutionen | Heinrich-Böll-Stiftung
    Al Jazeera – Wikipedia

    Insofern ist Katar dabei vielleicht ein wenig mit der Rolle der Schweiz (und ihrer unterschiedlichsten politisch akltiven "Bewohner") im Europa z.B. des 2.WK zu vergleichen. ;)

    Sowohl mit um Ausgleich/Information/Hilfe Bemühter wie auch wegschauenden Duldern im Inland beheimateter Unterstützer extremistischer Strömungen (z.B. dem "IS" und Vorgängern wie al-Qaida).

    so far
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