Lojax: Erstes UEFI-Rootkit in freier Wildbahn entdeckt

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  • Lojax: Erstes UEFI-Rootkit in freier Wildbahn entdeckt

    Das neue UEFI-Rootkit Lojax installiert Überwachungssoftware auf Windows-PCs und spioniert Nutzer aus

    Die Sicherheitsforscher ESET haben eine neue Malware entdeckt und sie auf den Namen Lojax getauft . Die Spionage-Software stammt den Mutmaßungen zufolge von der Hackergruppe Sednit (auch Fancy Bear oder APT28 genannt), die sich auf Cyber-Spionage spezialisiert hat. Die Gruppe soll unter anderem für Hacks im Bundestag und bei der Demokratischen Partei der USA verantwortlich sein. Lojax wird laut ESET nur sehr gezielt zu Spionagezwecken eingesetzt. Die Malware wurde von den Sicherheitsexperten unter anderem bei Hacks auf Regierungen in Zentral- und Osteuropa gesichtet.

    Bei Lojax handelt es sich um ein so genanntes UEFI-Rootkit und zwar das erste dieser Art in freier Wildbahn. Jean-Ian Boutin, Senior Security Researcher bei ESET äußerte sich folgendermaßen: "Obwohl uns bislang theoretisch bekannt war, dass UEFI-Rootkits existieren, bestätigt unsere Entdeckung nun, dass sie längst verwendet werden. Sie sind daher nicht mehr nur ein interessantes Thema auf Fachkonferenzen, sondern stellen eine reale Bedrohung dar."

    Darum ist Lojax so gefährlich
    Für die Infektion ist kein physischer Zugriff auf den Ziel-Rechner notwendig. Grundlage sind bei den Zielpersonen installierte Trojaner, die beispielsweise durch Spear-Phishing-Mails aufgespielt werden. Im Anschluss können die Angreifer über Sicherheitslücken eine modifizierte Firmware mit eigenem UEFI-Code im Flash-Speicher von Windows installieren. Diese ermöglicht weiterhin das Aufspielen von Überwachungssoftware in Windows, bevor das Betriebssytem gestartet wird. So hat die Schadsoftware Zugriff auf den gesamten Rechner und kann beispielsweise den Datenverkehr überwachen oder umleiten.

    Malware dieser Art ist besonders schwer zu erkennen und auch eine installierte Anti-Viren-Software ist oft wenig hilfreich. Zudem kann die Schadsoftware eine Windows-Neuinstallation oder sogar einen Festplattentausch überstehen. Laut den Sicherheitsforschern kann einem Befall durch Lojax in der Regel durch ein aktuelles UEFI bzw. BIOS und aktiviertes Secure Boot vorgebeugt werden.
    Das Gefährdungspotential von Lojax wird von ESET als extrem hoch eingestuft. Die Sicherheitsforscher warnen vor Angriffen auf Top-Ziele wie Regierungsnetzwerke, Unternehmen und Rüstungskonzerne. Laut ESET kommt erschwerend hinzu, dass es für BIOS bzw. UEFI kaum Updates gäbe und Administratoren oft schlecht über diese
    informiert seien. Da es sich bei Lojax um den ersten Angriff dieser Art handle, gibt es auch wenig Erfahrung auf die man zurückgreifen könne.

    Quelle: Lojax: Erstes UEFI-Rootkit in freier Wildbahn entdeckt - PC-WELT
  • LoJax: Erster echter UEFI-Virus gefunden
    LoJax: Erster UEFI-Virus entdeckt
    27.09.2018, 12:26 Uhr UEFI-Viren waren bisher eher eine Art Labor-Experiment. Jetzt ist der erste Virus dieser Art im Internet aufgetaucht. COMPUTER BILD verrät, warum der so gefährlich ist und was Sie tun können.

    von Andy Voß

    Das Sicherheitsunternehmen Eset hat erstmals einen UEFI-Virus in freier Wildbahn entdeckt. Diese Viren sind extrem gefährlich und es gibt kaum Schutzmöglichkeiten dagegen. Betroffen sind alle Computer ab 2006, die die sogenannte LowJack-Technologie einsetzen. Das sind unter anderem alle Notebooks der vergangenen Jahre. COMPUTER BILD erklärt, warum der Virus so gefährlich ist und wie Sie sich dagegen schützen.

    LoJax: Extrem gefährlicher UEFI-Virus greift an

    UEFI ist der Nachfolger vom BIOS und befindet sich in einem Chip auf dem Mainboard. Ein Virus, der sich dort einnistet, übersteht selbst den Wechsel einer Festplatte und wird aktiv, bevor das Betriebssystem sowie darauf laufende Schutzprogramme starten. Er kann also in der Regel ungehindert wüten und beispielsweise den gesamten Datenverkehr des PCs umleiten oder die Kontrolle darüber übernehmen. Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET Deutschland, sagt dazu: „Die von uns entdeckte Kampagne stellt eine neue Dimension der Cyberangriffe dar. Malware, die selbst das Austauschen der Festplatte übersteht, ist potentiell eine Gefahr für alle User, da sie selten in der Hand nur einer Gangstergruppe bleibt. Die Anwender sind jetzt aufgerufen, auch zukünftig regelmäßig zu prüfen, ob Aktualisierungen für das BIOS oder das UEFI bereitstehen und diese auch zeitnah einzuspielen.“ Bisher waren UEFI-Viren eher ein wissenschaftliches Experiment, das zeigen sollte, dass solche Schädlinge möglich sind. Nun ist mit LoJax aber der erste dieser extrem gefährlichen Viren in der freien Wildbahn gesichtet worden. Die meisten PCs sind diesem Virus ungeschützt ausgeliefert!

    Bisher nur gezielte Angriffe

    Die Sicherheitsexperten von Eset haben den neuen Schädling bisher nur auf sehr wenigen PCs gefunden, die hauptsächlich zu Regierungsorganisationen im Balkan, in Mittel- und in Osteuropa gehören. Von einer akuten Gefahr für die Masse ist daher vorerst nicht auszugehen. Allerdings tauschen Hackergruppen häufig Code-Schnipsel aus. Es ist also durchaus möglich, dass bald ein großangelegter Angriff mit Erpresserviren kommt, die sich im UEFI-Speicher festsetzen.

    Bekannte Hackergruppe steckt hinter dem Virus

    Wie Eset herausfand, steckt hinter dem noch laufenden Angriff die Hackergruppe Sednit (auch bekannt als APT28, Sofacy oder Fancy Bears). Diese vermutlich staatliche Hackergruppe ist extrem gut organisiert und wahrscheinlich auch für den Bundesnetz-Hack im vergangenen Jahr verantwortlich.

    LoJax war ursprünglich Diebstahlschutz

    LoJax ist eine manipulierte Version des Diebstahlschutzes LoJack. Dieser sollte selbst die Neuinstallation des Betriebssystems überstehen, weshalb die Hersteller ein BIOS/UEFi-Module gebaut haben, das von vielen Hardware-Herstellern als Teil der vorinstallierten Firmware an die Endkunden geliefert wurde. Den Diebstahlschutz LoJack gibt es immer noch und an der aktuellen Version ist auch nichts auszusetzen. Der Schädling LoJax basiert auf einer alten Version dieser Software, die von Hackern für ihre Bedürfnisse verändert wurde.

    Jetzt müssen Hersteller reagieren

    Die neue Schädlingsart macht es notwendig, dass Hersteller reagieren. Hersteller von Schutzprogrammen müssen eine Möglichkeit finden, das UEFI auch zu schützen, nicht nur Infektionen darauf zu erkennen. Und Hardware-Hersteller müssen Sicherheitslücken schließen sowie Firmware-Updates bereitstellen und zwar so, dass normale Nutzer auch benachrichtigt werden und nicht nach diesen Updates suchen müssen. Denn die Vergangenheit hat schon mehrfach gezeigt: Wenn ein Schädling eine raffinierte Angriffs- oder Verbreitungsmöglichkeit nutzt, tun das bald sehr viele – und darauf müssen die PCs der Nutzer vorbereitet sein!

    So schützen Sie sich vor LoJax

    Die einzige Möglichkeit, eine Infektion mit LoJax zu erkennen, ist ein UEFI-Scanner. Bisher gibt es den nur in den Schutzprogrammen von Eset, andere Hersteller ziehen nun – da es eine echte Bedrohung dieser Art gibt – sicher bald nach. Ist der PC erst einmal mit einem UEFI-Virus infiziert, lässt dieser sich nur noch durch Profis entfernen. Sie sollten daher alles dafür tun, dass das nicht passiert. So beugen Sie einer UEFI-Infektion vor:
    1. SecureBoot: Wenn SecureBoot aktiv ist, kann nur signierte Firmware starten. Das sind Viren normalerweise nicht, da es extrem aufwendig ist, eine solche Signierung zu fälschen. Sie sollten daher unbedingt SecureBoot aktivieren. Wie genau Sie das machen, erklären die BIOS- und UEFI-Tipps.
    2. Firmware-Updates: Bisher erscheinen zwar nur sehr selten UEFI-Firmware-Updates, schauen Sie aber trotzdem einmal beim Hersteller Ihres PCs nach, ob es für Ihr Gerät welche gibt. Falls ja, installieren Sie sie. Sofern die neue Firmware dabei die bisherige Firmware komplett überschreibt und nicht nur Kleinigkeiten aktualisiert, kann die Installation eventuell sogar UEFI-Viren überschreiben und damit entfernen.
    COMPUTER BILD hält Sie zu dem UEFI-Virus LoJax auf dem Laufenden und aktualisiert diesen Artikel, sobald weitere Informationen vorliegen.


    Quelle: LoJax: Erster UEFI-Virus entdeckt - COMPUTER BILD