Braucht man unbedingt ein Smartphone?

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  • Grenouille
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  • Braucht man unbedingt ein Smartphone?

    Hallo Gemeinde,

    ich beschäftige mich schon seit längerem mit der Frage, ob ich mein Smartphone abschaffe und mir wieder ein Oldschool Handy ohne Schnickschnack einfach nur zum Telefonieren anschaffe.

    Ständige Erreichbarkeit, alles kann per Handy erledigt werden, immer Up-to date, schnell ein Foto schießen oder ein Video anschauen...braucht man das? Letztlich auch die Frage der Datensicherheit bzw. Privatsphäre. Die meisten haben ein FB Profil, hinterlegen ihre Handynummer und nutzen Whats App, so dass FB quasi über alles informiert ist.... Man kann doch alles am PC/Laptop erledigen und es reicht doch, wenn man das einmal am Tag macht.

    Wie denkt ihr darüber?

    MfG
    Grenouille
  • Nicht die Technik an sich ist gut, oder schlecht, sondern der Kontext, in den sie von den Herstellern und Usern gesetzt wird.

    In meinem Fall (beruflich bis zu 80% Reisetätigkeiten) bin ich froh, wenn ich berufliche Anfragen per Mail direkt aus dem Zug beantworten kann, ohne, dass ich dafür erst einen Laptop mit Netzanbindung öffnen muss.

    Wenn man sich der Gefahren bewusst ist, die eine Auswertungsmöglichkeit der genutzten Techniken mit sich bringt und das Risiko in Relation zum Nutzen stellt, lässt sich schnell entscheiden, ob die Nutzung Sinn macht.
    Eine Technik prinzipiell zu verteufeln kann auch dazu führen, dass man aus technischer und sozialer Sicht in gewisser Weise abgehängt wird ( das muss nicht immer von Nachteil sein :D )

    Zum Glück kann man ja selbst entscheiden, welche Funktionalitäten man auf Smartphones installiert, und welche nicht. So finden z.B. FB, WA, Instagram und SnapChat kein Zuhause auf meinem Smartphone, wohl aber Mail, Kalender, DB-App und Hotel-Reise-Portale.

    Cheers, Bogi
    IRC war gestern, ... heute haben wir den Chat

    realize your tasks, then take a deep breath and go for it!
  • Grenouille schrieb:

    Man kann doch alles am PC/Laptop erledigen und es reicht doch, wenn man das einmal am Tag macht.
    ...genauso sehe ich das auch!

    Bogomir schrieb:

    Zum Glück kann man ja selbst entscheiden, welche Funktionalitäten man auf Smartphones installiert, und welche nicht.
    ...ja, zum Glück können wir noch! (...persönlich verwende ich das Smartphone ohnehin nur zum Telefonieren!) :D
    Was aber mit jenen10 die bereits (wissenschaftlich erwiesen) süchtig sind?

    Bogomir schrieb:

    Nicht die Technik an sich ist gut, oder schlecht, sondern der Kontext, in den sie von den Herstellern und Usern gesetzt wird.
    ...und genau hier glaube ich, verbirgt sich eine potenzielle Gefahr!


    Hier ein Artikel von Simon Hurtz (Redakteur im "Digital Team" der Süddeutschen Zeitung") zum Thema: "Sind Smartphones vielleicht doch ein Problem?"

    Diese neue Technologie ist gefährlich. Auf der Straße, in Konferenzen, sogar im Bett: Niemand achtet mehr auf seine Mitmenschen, alle starren nur noch nach unten. Das Ding in unseren Händen verschlingt unsere gesamte Aufmerksamkeit. Für unsere Umgebung haben wir keinen Blick mehr übrig. Der technologische Fortschritt macht uns krank.

    Klingt übertrieben? Vielleicht glauben Sie ja einem Experten, der beschreibt, wie selbst unser Familienleben leidet: "Ein Mann setzt sich an den Frühstückstisch, und statt mit seiner Frau oder seinen Kindern zu reden, versteckt er sich hinter einer Art Bildschirm voller Klatsch und Tratsch aus aller Welt." Zurecht nennt Charles Cooley das ein "seltsames Verhalten".

    Diese Technologie nennt sich Zeitung. Cooley war ein renommierter amerikanischer Soziologe, der sich vor mehr als 100 Jahren Gedanken über die Tageszeitung machte. Jede große Erfindung wird erst einmal misstrauisch beäugt. Buchdruck, Eisenbahn, Telefon, Fernseher, Computerspiele, Internet - sie alle galten einst als gefährlich. Insofern wäre es leicht, Smartphone-Kritiker als hoffnungslose Kulturpessimisten im Stile des Neurologen Manfred Spitzer darzustellen. Doch es gibt gute Gründe, sich jenseits der plumpen These der "digitalen Demenz" eine Frage zu stellen: Sind Smartphones nicht vielleicht doch ein Problem?

    Im Gegensatz zu früheren Technologien begleiten uns Smartphones den ganzen Tag. Der erste Blick am Morgen gilt dem Handy neben dem Bett, und kurz vor dem Schlafengehen checken viele Menschen nochmal ihre E-Mails. Noch nie war Technik derart omnipräsent.

    Vor knapp 20 Jahren formulierte Douglas Adams drei Regeln:

    1. Alles, was es schon gab, als du geboren wurdest, ist ganz normal.
    2. Alles, was bis zu deinem 30. Lebensjahr erfunden wird, ist unglaublich aufregend und mit etwas Glück kannst du deine Karriere darauf aufbauen.
    3. Alles, was danach erfunden wird, widerspricht der natürlichen Ordnung und bedeutet das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen - bis sich nach etwa zehn Jahren allmählich herausstellt, dass es eigentlich doch ganz in Ordnung ist.

    Tatsächlich mag es sein, dass sich ältere Menschen überdurchschnittlich oft überfordert fühlen und neue Technik deshalb ablehnen. Die Furcht vor Smartphones ist aber keine Frage des Alters. Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich mich mit Dutzenden Freunden und Bekannten darüber unterhalten. Die meisten sind 25 bis 35 Jahre alt, und fast alle fragen sich, ob sie zu oft aufs Handy blicken.

    "Vermutlich schon", sagt Tristan Harris. Er ist knapp halb so alt und mindestens doppelt so differenziert wie Spitzer. Anders als der deutsche Populärwissenschaftler lehnt Harris Smartphones nicht grundsätzlich ab. Technik aus dem Alltag zu verbannen, könne nicht die Lösung sein. Entscheidend sei, sie bewusst zu nutzen. "Smartphones und Social Media entwickeln sich gerade zu einer globalen Epidemie", sagt Harris. "Wir verlieren unseren freien Willen und werden massenhaft manipuliert." Eine Handvoll Menschen, die bei einer Handvoll Tech-Konzernen arbeiten, könnten mit ihren Entscheidungen beeinflussen, was eine Milliarde Menschen denken, warnte er bei einem Ted-Talk.

    Das klingt nach Verschwörungstheorie. Harris weiß aber genau, worüber er spricht. Er arbeitete früher bei Google und verschickte 2013 eine Präsentation an zehn Kollegen. Ihr Titel: "Ein Aufruf, Ablenkung zu vermeiden und die Aufmerksamkeit der Nutzer zu respektieren". Google, Apple und Facebook seien die mächtigsten Unternehmen der Geschichte, die psychische Gesundheit der Nutzer liege in der Hand weniger junger, überwiegend weißer und männlicher Nerds aus San Francisco. "Wir sollten eine enorme Verantwortung empfinden", schrieb Harris auf einer der 144 Folien.
    Der Appell verbreitete sich schnell im Konzern. Tausende Mitarbeiter lasen ihn, darunter auch Larry Page. Der Google-Chef machte den Produkt-Manager Harris zum "Produkt-Philosophen" Harris. In seiner neuen Rolle sollte er erforschen, wie sich Apps so gestalten lassen, dass Nutzer nicht genötigt werden, täglich Dutzende Male das Smartphone aus der Tasche zu ziehen.

    Sein Weckruf verhallte jedoch schnell. "Es war eines dieser Dinge, bei denen eine Menge Menschen zustimmend nicken und dann einfach weiterarbeiten", beschrieb ein Google-Mitarbeiter dem Atlantic die Reaktion. Zwei Jahre lang versuchte Harris, seinen Kollegen beizubringen, wie ethisches Design aussehen könnte. Ende 2015 gab er auf und kündigte. Aber Google sei ohnehin nur Teil eines größeren Problems, sagt er. Harris wollte dem gesamten Silicon Valley Moral beibringen.

    Als Gründer der Organisation Time Well Spent hält er seitdem Vorträge und Seminare, um Menschen von seiner Idee zu überzeugen. Ihm schwebt eine Art digitaler Öko-Bewegung vor. Wer Bio kauft, verzichtet nicht aufs Essen - aber er macht sich mehr Gedanken darüber. Genauso reflektiert sollten wir mit Smartphones und sozialen Medien umgehen. Harris setzt an zwei Punkten an: Er gibt Nutzern Ratschläge, wie sie ihre Gewohnheiten hinterfragen und ihr Verhalten ändern können. Und er appelliert an Unternehmen, Apps und Geräte zu entwickeln, die nicht ständig um die Wette blinken, vibrieren und klingeln.

    Wenn ich Harris zuhöre oder seine Auftritte anschaue, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits merke ich an mir selbst, bei meinen Eltern, Freunden und Bekannten, welchen Stellenwert das Smartphone im Leben vieler Menschen besitzt. Millionen Nutzer zahlen Geld für Apps wie Freedom oder Offtime, die ihnen gezielt das Internet abdrehen. In Digital Detox Camps wollen junge Hipster lernen, analog zu leben. Offensichtlich würden viele Menschen gerne weniger Zeit mit ihren Smartphones verbringen, aber schaffen es nicht ohne fremde Hilfe.

    Andererseits rege ich mich über Texte auf, die unterstellen, dass Smartphones "eine Generation zerstört" hätten. 650 000 Menschen haben diesen Auszug aus einem Buch der Psychologin Jean Twenge gelikt, kommentiert oder geteilt. Ein Großteil der besorgten Eltern wird die prompten, fundierten und differenzierten Entgegnungen niemals lesen. Bei ihnen bleibt hängen: Smartphones schaden unseren Kindern, deshalb sollten wir sie vor den Gefahren der Technik bewahren.

    Manchmal erinnert mich Harris an Twenge. Im Guardian nennt er die Abhängigkeit der Nutzer von ihren Geräten und Apps das "drängendste Problem der Gegenwart", das zwischenmenschliche Beziehungen und sogar die Demokratie zum Negativen verändere. Das Magazin Technology Review zitiert ihn mit einem gewagten Vergleich: Das Suchtpotenzial moderner Technologien ähnle dem von Zigaretten, und die Auswirkungen seien genauso schädlich - nur, dass die negativen Folgen des Rauchens offensichtlicher seien als die "Erosion des menschlichen Denkens", die ein Smartphone mit Facebook, Youtube und Snapchat auslöse.

    "Schreiben ist die Kunst, ohne Pinsel Bilder zu erschaffen"
  • Ich kann mich den Ausführungen von Bogomir sehr gut anschliessen. Nicht die Technik ist das Problem, sondern unser Umgang damit und den Stellenwert, den wir diesen Hilfsmitteln einberaumen. Sicher ist jedoch, und hier kann ich Old_Wabble sehr gut verstehen, dass mit den Smartphones tatsächlich das digitale Suchtpotential gestiegen ist - insbesondere bei der jungen Generation (aber nicht nur). Wenn ich heute die Leute in der Strassenbahn beobachte, dann staune ich manchmal schon. Ich denke, dass gerade in den Schulen der Umgang mit den neuen Medien verstärkt thematisiert werden muss. Sprich, es braucht aus meiner Sicht auch pädagogische Massnahmen.
    Carpe diem - pflücke den Tag!

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von freefloating ()

  • freefloating schrieb:

    Ich denke, dass gerade in den Schulen der Umgang mit den neuen Medien verstärkt thematisiert werden muss.
    ...ja auch, aber ich denke dass den Eltern hier eine nicht zu unterschätzende Rolle, was den Einstig in die Digitale Welt des Smartphones betrifft, zukommt.

    Z.B.: Eltern, die selbst viel und gern das Handy und den Computer nutzen, werden ihr Kind kaum überzeugen können, anderen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. «Ihr Fernsehkonsum oder Ihre eigene Nutzung des Internets beeinflussen die Einstellungen und das Verhalten Ihres Kindes.

    Besser wäre, wenn Eltern ihre Kindern erst ab einem bestimmten Alter/Reife (~12 Jahre) an Smartphones heranführen würden und den Kindern zeigen/lehren würden, was man auch sinnvolles mit einem Smartphone machen kann, wie u. wo es jedem ein nützlicher Helfer sein kann. Eltern schenken od. überlassen ihren Kindern viel zu früh entweder ihre alten, oder wo Geld keine Rolle spielt neu gekaufte Smartphones unkontrolliert als Nanny-Ersatz um von den Plagegeistern Ruhe zu haben. :D Denn es ist eine eigene Welt, die sich unsere Kinder da erschließen und das ist gar nicht so leicht auszuhalten, weil wir Das selbst, So nie erlebt haben.
    "Schreiben ist die Kunst, ohne Pinsel Bilder zu erschaffen"

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Old_Wabble ()

  • Ich bin auch der Meinung, dass der Weg nur dahin gehen kann, dass die Dinger erst dann an die Kinder abgegeben werden, wenn diese den Umgang damit kontrollieren können. Dies wird allerdings auch äußerst schwierig sein, da der Druck von außen enorm ist.

    Aber wie soll ein Kind überhaupt den Unterschied wissen, wenn es eine Welt ohne Smartphone nie kennen gelernt hat?
    Mich überkommt das kalte Grausen, wenn ich schon Babys am Hoteltisch beim Frühstück oder im Restaurant sehe, die mittels Handybildschirm und Filmchen ruhiggestellt werden, damit die Eltern sich nett unterhalten können.

    Die technische Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein, aber nur die Eltern können mit ihrer Erziehung dazu beitragen, dass wir auch zukünftig noch freie und kreative Menschen großziehen.
  • Da gibt es viele Argumente für und wieder .
    Und auch eine menge Druck , ähnlich wie bei Markenklamotten .
    Und wenn man auf dm Land lebt , ist die Kommunikationsmöglichkeit mit dem Nachwuchs nicht zu unterschätzen .
    Meine Kids waren/sind glücklicherweise vernünftig und haben ihre Telefone sinnvoll verwendet .
    Allerdings ist man da auch gefordert , gewisse Regeln aufzustellen und auch durchzusetzen . Ich weis , nicht ganz einfach....

    Prinzipiell ist so ein Smartphone aber eine tolle Sache und auch sehr nützlich .
  • rhia62 schrieb:

    Aber wie soll ein Kind überhaupt den Unterschied wissen, wenn es eine Welt ohne Smartphone nie kennen gelernt hat?
    ...das es eine Welt ohne Smartphone nie kennen lernt, wird wohl nicht möglich sein, aber es liegt eben an den Eltern, dass sie dem Kind (je früher, desto besser) das Smartphone mit "konsequenter Disziplin" * vorerst mal, als totes Objekt präsentieren, sobald das Kind beginnt, sich dafür zu interessieren!
    Möglichkeit: Das eigene Handy so gut es geht aus dem Sichtfeld des Kindes verwenden und aufbewahren und dem Kind dann bei Interesse, (wenn möglich) ein ähnliches, aber kaputtes Smartphone zu überlassen, so entsteht ohnehin eine zeitlang Desinteresse dem Smartphone gegenüber.
    Damit das auch so bleibt, liegt dann einzig an der Einstellung der Eltern, wie viel Zeit man bereit ist zu Investieren, um sinnvolle/interessante Beschäftigungen mit den Kindern zu gestalten.

    Das Kinder auch im Schulalter nicht von Natur aus dazu neigen, sich vermehrt mit dem Smartphone zu beschäftigen und lieber mit ihren Eltern od. Freunden spielen, sieht man am folgendem Beispiel: Emil und die nervigen Smartphones :thumbup:
    Soziales Netzwerk hieß früher: draußen spielen!
    *Literatur: Roy Baumeister - Die Macht der Disziplin
    "Schreiben ist die Kunst, ohne Pinsel Bilder zu erschaffen"

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  • Ich persönlich finde, dass man sehr gut auf ein Smartphone verzichten kann- ich habe keins.
    Ich würde nie meine Nummer bei FB hinterlegen.
    Ich halte auch nicht besonders viel von WhatApp. Diese Erreichbarkeit hat viele negative Punkte. Zum einen meinen Leute, mal eben 5 Minuten vor einer Verabredung absagen zu müssen, weil sie meinen, dass jeder alle 5 Sekunden auf das Handy starrt, wie sie selbst. Dann wird spontan auch der Verabredungsort geändert etc. Es wird gezeigt, dass man etwas gelesen hat, und wird sofort angemacht, wenn man es nicht sofort gelesen hat und auch sofort angerufen hat.
    Man wird absichtlich ausgegrenzt, wenn man diese WhatApp nicht hat. Vor Smartphone gab es auch ein Leben, wenigstens hat man da sein Kind im Kinderwagen nicht vor den nächsten Laternenpfahlt gerammt, weil man ununterbrochen auf das Handy starrt. Was gibt es denn da so interessantes?
    Die meisten Leute leben in der Illusion, dass das Smartphone mehr Kontakte ermöglicht, tatsächlich beschränkt es ihn. Ich habe auch den Kontakt zu Leuten eingedämmt, die nur über Social Media leben, die braucht man sowieso nicht.
    Ich gehe ieber in der Bar einen Trinken, als zu Hause auf den Handy zu starren.