Musa: Robotergestützte Supermikrochirurgie erstmals an Menschen getestet

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  • Musa: Robotergestützte Supermikrochirurgie erstmals an Menschen getestet

    Das Robotersystem Musa kann Chirurgen unterstützen, kleinste Blutgefäße und Lymphbahnen zu nähen. Experten sind uneins, wie hilfreich das in der Praxis ist.

    Wissenschaftler haben den federführend von der TU Eindhoven entwickelten Assistenzroboter Musa erstmals am Menschen erprobt. Das System für Supermikrochirurgie soll Chirurgen bei Operationen etwa an Blutgefäßen, Nerven oder Lymphbahnen von bis zu 0,3 Millimetern Durchmesser unterstützen.

    Laut den im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Ergebnissen der Studie ist die Methode in der Praxis anwendbar. Ein erfahrener Chirurg erzielte bei einem herkömmlichen Eingriff ohne die kostspielige Roboterhilfe aber bislang in allen Vergleichspunkten entweder noch bessere oder zumindest annähernd gleiche Resultate.

    Hilfe für präzisere Bewegungen
    Im Rahmen der Pilotstudie stellte der behandelnde Mediziner lymphatisch-venöse Verbindungsgänge (Anastomosen) bei insgesamt 20 Patienten her. Ziel war es, den Lymphdurchfluss bei Kranken zu verbessern, bei denen sich nach Brustkrebsoperationen Flüssigkeitsansammlung zwischen Zellen in Form von Lymphödemen entwickelt hatten. Zwölf der Betroffenen operierte der Chirurg unter einem Mikroskop manuell, die restlichen acht mithilfe von Musa. Das Assistenzsystem soll die Bewegungen des Experten unterstützen, indem es deren Radius verkleinert und das Zittern der Hand (Tremor) verringert.

    Die Studienautoren verglichen beide OP-Methoden anhand einer Reihe von Punkten wie der Qualität der Ergebnisse, der Dauer des Eingriffs, der Zufriedenheit des Chirurgen, dem Komfort der Behandelten und deren Zustand einen und drei Monaten nach dem Eingriff. Auch bei den robotergestützten Operationen verbesserte sich laut den publizierten Resultaten der Zustand der Patienten nach 180 Tagen etwas. Bei der Gruppe der Behandelten, bei denen Musa zur Hand ging, brauchte der Mikrochirurg zudem teils nur noch 16 statt 33 Minuten, um die Anastomose zu vollenden. Andererseits war der Arzt beim rein manuellen Operieren mit seinem Werk zufriedener als bei OPs mit dem Robotergehilfen.

    Wie die Verfasser selbst kritisch anmerken, war der Nachuntersuchungszeitraum von drei Monaten sehr kurz und die Patientenzahl sehr klein. Bei Musa handelt es sich um eine Fortentwicklung des MicroSure Robot (MSR), die im Sommer 2019 ein CE-Kennzeichen in Europa erhielt, damit allen geltenden EU-Vorschriften entspricht und offiziell vertrieben werden darf. In deutschen, österreichischen oder schweizerischen Krankenhäusern kommt das System aber dem Vernehmen nach noch nicht zum Einsatz.

    Hoffnung bei Ärzten
    Die hiesige Fachwelt ist sich uneins, welchen Wert ein Roboter wie Musa hat. Raymund E. Horch, Direktor der Plastisch- und Handchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, erhofft sich angesichts der Studie "vielversprechende Ergebnisse für die Zukunft der rekonstruktiven Supermikrochirurgie". Im Prinzip werde die bereits komplexe mikrochirurgischen Technik durch eine verbesserte Apparatur erweitert. Gerade bei Blut- oder Lymphgefäße, die kleiner als 0,5 Millimeter im Durchmesser sind, spiele der Einfluss des menschlichen Tremors eine wichtige Rolle. Ferner könnten mit Musa künftig eventuell in tiefer gelegenen Körperstellen Anastomosen sicherer angelegt werden, "wohin man mit der Hand nicht ohne weiteres kommt".

    Jedes neue technische Verfahren, das die Sicherheit und das klinische Ergebnis von Patientenbehandlungen ohne den Nachteil unerwünschter Nebenwirkungen verbessere, "ist zunächst einmal ein Fortschritt", meint auch Hans-Günther Machens, Direktor der zur TU München gehörenden Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie. Der für Musa zu betreibende Materialaufwand sei zwar noch sehr groß, könne aber vermutlich durch "weitere technische Optimierungen geradezu logarithmisch" herunterskaliert werden. Das System sei imstande, technische Fehler zu vermeiden beziehungsweise operativ auf höchstem Niveau mit bestmöglicher Qualität zu arbeiten.

    Warnung vor Kosten
    Supermikrochirurgische Eingriffe seien an sich schon "sehr anspruchsvoll und können nur von sehr erfahrenen und trainierten Mikrochirurgen erfolgreich durchgeführt werden", meint dagegen Christian Taeger, Oberarzt der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Regensburg. Jede technische Unterstützung für derartige Eingriffe sei zwar willkommen, "muss aber hinsichtlich ihrer Relevanz und dem einhergehenden Aufwand korrekt eingeordnet werden". Aus eigener Erfahrung sei der Tremor bei derartigen Eingriffen nicht der eigentlich limitierende Faktor: Es gelängen zudem Anastomosen ohne Roboter "sogar in kleineren Dimensionen als in der vorgestellten Studie".

    Erfolgreiche Supermikrochirurgie ist Taeger zufolge an erhebliche monetäre Investitionen gebunden, die Einrichtung benötige sehr empfindliche "High-End"-Instrumente wie eine Fluoreszenzbildkamera und möglichst ein Operationsmikroskop mit intraoperativer Fluoreszenz. Man müsste nun also noch einmal viel Geld für Musa ausgeben, ohne dass die Eingriffe deutlich mehr brächten. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe er daher keine klinische Relevanz für derartige Systeme. Gegebenenfalls könnten aber künftige Generationen von Roboter-Operationsmikroskopen mit integrierter Künstlicher Intelligenz größere Vorteile bieten.

    Quelle: Musa: Robotergestützte Supermikrochirurgie erstmals an Menschen getestet | heise online
  • Mir ist ein guter Chirurg auch lieber denn ein Roboter. Bis die Roboter wirklich alles können, muss noch viel Geld in deren Entwicklung, aber auch in Einrichtung der Kliniken und Fortbildung der Chirurgen investiert werden. Und es vergeht sicherlich noch Jahre, zumal Investitionen und Kliniken ein Oxymoron ist... Aber iwann mal ist der Roboter eine tolle Ergänzung...