Thronfolger Franz Ferdinand

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Thronfolger Franz Ferdinand

    Hallo,

    neulich hörte ich was im Radio von wegen der Thronfolger von Österreich wurde umgebracht und dies wäre der Auslöser für den ersten Weltkrieg.
    Kann mich mal jemadn aufklären? Um was ist es da genau gegangen?
    Ich wäre froh wenn mir da jemand auf die Sprünge helfen könnte...

    liebe grüsse von saem
    [SIZE="1"]Signatur entsprach den Boardregeln und wurde nicht gelöscht.
    mfg saem[/size]
  • soweit ich weiß war das nen student aus ungarn der den erschossen hatund dann hat ösiland den ungarn gedroht und die deutschen zur hilfe gerufen und dann ham de ungarn immer nein gesagt un es kam zum krieg
  • Der österreichische Thronfolger wurde seinerzeit Opfer eines Attentats in SARAJEVO!!!!

    Ansonsten: stellt doch nicht immer so dämliche Fragen.
    Wozu gibt es online und offline Lexika. Ob Google oder Universitäten - ein schier unerschöpfliches Wissensreservoir. :rolleyes:

    Ich hoffe, der nachfolgende Artikel aus der Encarta klärt dich über die Hintergründe, den Verlauf und die Folgen des Ersten Weltkriegs restlos auf. ;)

    Encarta2005 schrieb:

    Erster Weltkrieg,
    1 EINLEITUNG

    Weltkrieg, Erster, militärischer Konflikt von 1914 bis 1918, der sich aufgrund einer Mischung aus gegenseitigen Bündnisverpflichtungen, übersteigertem Nationalismus, machtpolitischen und strategischen Erwägungen, wirtschaftlicher Rivalität und militärischem Wettrüsten der fünf europäischen Großmächte (Großbritannien, Frankreich, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Russland) von einer ursprünglich lokal begrenzten Konfrontation zwischen dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien (Serbien: Geschichte) zunächst zu einem europäisch und schließlich zu einem global geführten Krieg mit 32 beteiligten Nationen ausweitete.

    Der 1. Weltkrieg stellt in vielerlei Hinsicht einen historischen Einschnitt von epochaler Bedeutung dar: Das bis dahin unvorstellbare Ausmaß an Zerstörung und Leid durch moderne Waffentechniken (massiertes Artilleriefeuer, Einsatz von Panzern, Giftgasangriffe, Maschinengewehre, Aufklärungs- und Kampfflugzeuge (Flugwesen: Der 1. Weltkrieg), neue Methoden strategischer Kriegsführung, die erstmals auch die Zivilbevölkerung zu unmittelbaren Kriegsopfern werden ließ (Aushungerung durch Blockade der Lebensmittel- und Rohstoffzufuhr, uneingeschränkter U-Boot-Krieg), sowie eine ganz auf militärische Ziele und Erfordernisse ausgerichtete Umstrukturierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in den meisten der Krieg führenden Länder machten den 1. Weltkrieg zum ersten totalen Krieg in der Geschichte der Menschheit, den der Diplomat und Politikwissenschaftler George Frost Kennan als „die große Urkatastrophe unseres Jahrhunderts” bezeichnet hat.

    Die Beteiligung außereuropäischer Mächte, insbesondere das Eingreifen der USA in den Krieg, bedeutete die endgültige Verdrängung des europazentrischen Staatensystems durch ein Weltstaatensystem.

    Das territoriale Gesicht Europas veränderte sich grundlegend, alte Reiche brachen auseinander, zahlreiche neue Staaten entstanden.

    Die politischen und sozialen Ordnungen der Kaiserreiche Russland und Deutschland sowie der K. u. k.-Monarchie lösten sich auf und wurden durch Revolutionen in neue Staatsformen umgewandelt: das Zarenreich in eine sozialistische Räterepublik, das deutschsprachige Rest-Österreich und das Deutsche Reich in parlamentarische Demokratien.

    Etwa zehn Millionen Kriegstote, mehr als 20 Millionen Verwundete und ungefähr acht Millionen Kriegsgefangene und Vermisste, ein von hoher Staatsverschuldung und kriegsbedingter Inflation zerrüttetes europäisches Finanzsystem, die harten Friedensbedingungen für die Mittelmächte im Versailler Vertrag und den Pariser Vorortverträgen führten über Jahre hinweg zu teilweise bürgerkriegsartigen Richtungskämpfen um die künftige innenpolitische Ordnung zwischen demokratischen, kommunistischen und extrem konservativen Kräften. Diese wirtschaftliche Instabilität und politische Radikalisierung belastete auch die Weimarer Republik von Anfang an stark.

    2 URSACHEN UND AUSBRUCH DES KRIEGES
    2.1 Der äußere Anlass: Die Julikrise 1914

    Unmittelbarer Auslöser des 1. Weltkrieges war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 28. Juni 1914 in Sarajevo durch den Studenten Gavrilo Princip. Die politischen Motive des Attentats hingen mit dem ungelösten Nationalitätenproblem des österreich-ungarischen Vielvölkerstaates zusammen: Dort lebte neben den privilegierten und staatstragenden österreichischen und ungarischen Bevölkerungsschichten eine Vielzahl von Slawen, die ihre nationale Befreiung und Autonomie anstrebten. Vor allem die im Süden der Monarchie lebenden Serben, Kroaten und Slowenen forderten seit Anfang des Jahrhunderts, frei und unabhängig über ihre Existenz entscheiden zu können (siehe Balkankriege). Durch die zunehmend slawenfeindliche Politik vor allem Ungarns, das um seine Vorrangstellung in der Doppelmonarchie fürchtete, wurden die Slawen in ihren separatistischen Bestrebungen zusätzlich bestärkt, zumal sie sich der Unterstützung des Königreiches Serbien gewiss sein konnten. Dieses nämlich stand an der Spitze einer großserbischen Bewegung, die sich die Vereinigung aller Südslawen zu einem serbischen Großreich zum Ziel gesetzt hatte und sich dabei auf die Rückendeckung Russlands verlassen konnte, welches seinerseits als Schutzmacht des Panslawismus seine Einflusssphären auf dem Balkan vergrößern wollte, nicht zuletzt um endlich einen ungehinderten Zugang zum Mittelmeer zu erhalten. Diese zentrifugalen Kräfte stellten eine existentielle Bedrohung für die Habsburgermonarchie dar. Um ihr entgegenzuwirken, entwickelte Erzherzog Franz Ferdinand einen Plan, der den bisherigen Dualismus Österreich-Ungarn im Habsburgerreich zu einem Trialismus Österreich-Ungarn-Südslawien erweitern sollte und den einzelnen slawischen Bevölkerungsgruppen Gleichberechtigung und weitgehende innere Autonomie einräumte. Nur so, glaubte er, konnten sie überhaupt noch im Reichsverband gehalten und der Fortbestand des Vielvölkerstaats gesichert werden. Eine Umsetzung dieser Idee des Ausgleichs aber hätte die Ziele des Panslawismus gefährdet und die Hoffnungen auf ein großserbisches Reich zerstört. Um dem „Trias-Plan” seine Integrationsfigur zu entziehen, beschloss die von Serbien aus operierende, radikal-nationalistische Geheimorganisation Schwarze Hand, den Thronfolger zu ermorden.

    Die europäische Öffentlichkeit war von diesem Verbrechen schockiert. Praktisch alle Kabinette waren der Auffassung, dass Serbien der K.-u.-K.-Monarchie Genugtuung schuldig sei, denn eine zumindest indirekte Verantwortung der serbischen Regierung für das Attentat schien durch deren Duldung eines ganzen Netzes großserbischer Geheimorganisationen außer Frage zu stehen.

    Dieses für sie so günstige Klima wollte die Donaumonarchie nutzen, um mit einer harten militärischen Strafaktion Serbien (der russische „Brückenkopf” auf dem Balkan) „als politischen Machtfaktor auszuschalten”, wie Kaiser Franz Joseph in einem Brief an Wilhelm II. vom 5. Juli 1914 schrieb. Ein möglichst lokal begrenzter Konflikt in Südosteuropa, in dem Serbien zu einem abhängigen Staat herabgedrückt und so das Nationalitätenproblem ein für alle Mal gelöst werden sollte, war das machtpolitische Ziel der österreichischen Regierung, die damit auch das Risiko eines europäischen Krieges einkalkulierte. Denn Serbien konnte sich der Unterstützung Russlands sicher sein, und hinter Russland standen seit Gründung der Tripelentente (1907) Großbritannien und Frankreich.

    Das Deutsche Reich stand bedingungslos hinter einer österreichischen Militäraktion gegen Serbien und ließ Franz Joseph über den deutschen Botschafter in Wien zusichern, dass der deutsche Kaiser „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns stehen” werde. Bei der Erteilung dieser vorbehaltlosen Rückendeckung spielte auch eine Rolle, dass das sich von den übrigen europäischen Mächten „eingekreist” fühlende Deutsche Reich nicht auch noch seinen letzten Bundesgenossen verlieren wollte. Mit dieser „Blankovollmacht” im Rücken richtete die österreichische Regierung schließlich am 23. Juli 1914 ein äußerst hartes, auf 48 Stunden befristetes Ultimatum an Serbien, in dem sie u. a. die Unterdrückung jeglicher Aktionen und Propaganda gegen die territoriale Integrität der österreich-ungarischen Monarchie verlangte und eine gerichtliche Untersuchung des Attentats unter Mitwirkung österreich-ungarischer Beamter forderte.

    Serbien akzeptierte das Ultimatum in fast allen Punkten und wies nur die Mitwirkung österreichischer Beamter bei den innerstaatlichen Untersuchungen zurück, da dies einen Eingriff in seine staatliche Souveränität bedeutet hätte. Die überraschend entgegenkommende serbische Antwortnote hatte einen Stimmungswandel in den Hauptstädten Europas zur Folge. Sogar Wilhelm II. betonte, dass damit „jeder Grund zum Krieg” entfalle. Noch einmal kam es zu diplomatischen Vermittlungsversuchen; ein Frieden schien nach wie vor möglich. Doch Österreich-Ungarn sah sein Vorhaben der inneren Stabilisierung durch Niederwerfung Serbiens aufgrund der internationalen Verständigungsinitiativen gefährdet und erklärte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg.

    Damit wurde ein Räderwerk wechselseitiger Bündnisverpflichtungen und Mobilmachungen in Gang gesetzt: Am 30. Juli 1914 ordnete Zar Nikolaus II. die Gesamtmobilmachung in Russland an, worauf das Deutsche Reich einen Tag später mit einem auf zwölf Stunden befristeten Ultimatum reagierte, in welchem es die unverzügliche Einstellung der Mobilmachung gegen Deutschland und Österreich-Ungarn forderte. Da das Ultimatum unbeantwortet blieb, erklärte das Deutsche Reich am 1. August 1914 Russland den Krieg.

    Nun kam es durch den Primat strategisch-militärischer Belange über jegliche politische Vernunft zur Eskalation: Da der deutsche Generalstab keinen Aufmarsch- und Kriegsplan für einen Einfrontenkampf gegen Russland ausgearbeitet hatte, war Deutschland gezwungen, im Konfliktfall nach dem einzigen existierenden Feldzugsplan (Schlieffenplan) vorzugehen. Dieser noch vom einstigen Generalstabschef Alfred Graf von Schlieffen entworfene Plan, seit 1905 nur mehr geringfügig überarbeitet, war lediglich für einen drohenden Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland konzipiert und sollte den Krieg in zwei Phasen zerlegen.

    Zunächst wollte der Generalstab Frankreich im Zuge einer „Niederwerfungsstrategie” innerhalb von etwa sechs Wochen besiegen, um anschließend – noch vor der endgültig abgeschlossenen Mobilmachung Russlands – alle Truppen an die Ostfront zu werfen und den Krieg mit einem Sieg über Russland zu beenden. Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg. Um einen schnellen Sieg über Frankreich zu ermöglichen, sah der Schlieffenplan vor, die praktisch unüberwindbaren Befestigungen an der französischen Ostgrenze mit einem Einmarsch in das neutrale Belgien zu umgehen, dem französischen Heer von Nordwesten her in den Rücken zu fallen und es in einer Schwenkbewegung gegen die Moselfestungen, das Jura-Gebirge und die Schweizer Grenze zu drücken, um es dort in einer Umfassungsschlacht zu vernichten.

    Der völkerrechtswidrige Einmarsch in Belgien musste unweigerlich Großbritannien in den Krieg ziehen, das nicht nur das europäische Gleichgewicht und damit seine eigenen Sicherheitsinteressen bedroht sah, sondern auch als Garantiemacht der belgischen Neutralität seit dem Londoner Protokoll von 1831 zum Eingreifen verpflichtet war. Am 4. August erging ein britisches Ultimatum an das Deutsche Reich, in dem der sofortige Rückzug aus Belgien verlangt wurde; um Mitternacht folgte die britische Kriegserklärung an das Deutsche Reich.

    Damit war aus der Julikrise auf dem Balkan ein europäischer Großkonflikt und schließlich ein Weltkrieg geworden, in dessen Verlauf den vier Mittelmächten (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Türkei und Bulgarien) 28 alliierte bzw. assoziierte Mächte (darunter Großbritannien, Frankreich, Russland, Italien, Japan und die USA) auf beinahe allen Kontinenten und großen Meeren gegenüberstanden.

    2.2 Die inneren Ursachen: Imperialismus, Nationalismus, Militarismus

    Die Julikrise war jedoch nur der letzte Funke gewesen, der den seit längerer Zeit schwelenden Konflikt in Europa zur Explosion gebracht hatte. Die eigentlichen Ursachen des Krieges liegen tiefer und reichen zurück ins ausgehende 19. Jahrhundert mit seinen imperialistischen Spannungen zwischen den europäischen Mächten, mit den sich damals allmählich formierenden starren Bündnissystemen, mit dem forcierten Wettrüsten (insbesondere zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich), mit der Dominanz von Chauvinismus und Militarismus und mit dem schonungslosen Konkurrenzkampf der Industrienationen um Marktanteile und Einflusssphären auf der ganzen Welt. So gab es im Vorfeld des 1. Weltkrieges immer wieder Krisen und Interessengegensätze zwischen den Großmächten, die nicht selten an den Rand eines Krieges führten und eine spannungsgeladene Atmosphäre über Europa schufen.

    Das Deutsche Reich, die „verspätete Nation”, wurde erst 1871 als letzter der europäischen Nationalstaaten gegründet. Es entwickelte sich schnell zum zweitgrößten Industriestaat der Erde. Aufgrund des Vorsprungs der übrigen Mächte in der Kolonialpolitik strebte es ab etwa 1890 ebenfalls intensiv nach einem „Platz an der Sonne” (also nach Kolonien in Übersee) und dem Status einer Weltmacht. Das oft kriegerische und anmaßende Auftreten Kaiser Wilhelms II. verstimmte vor allem Frankreich und Russland so nachhaltig, dass diese bereits 1894 ein Defensivbündnis gegen Deutschland schlossen. Damit war jene Zangenkonstellation eingetreten, die Bismarck – dem die Gefahr der ungünstigen geographischen Mittellage Deutschlands stets bewusst war – immer hatte verhindern wollen. Als sich das Deutsche Reich mit seinem Ausbau der Kriegsflotte zusätzlich noch die Feindschaft der traditionellen Seemacht England zuzog, war es endgültig isoliert. Deutschland fühlte sich „eingekreist”, dabei hatte es sich durch aggressive und ungeschickte Machtpolitik selbst „ausgekreist”.

    In Frankreich beherrschte seit der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ein nie überwundenes Revanchedenken die Politik, die sich weigerte, den Status quo in Europa hinzunehmen (besonders in der Elsass-Lothringen-Frage), und stets auf eine Schwächung des deutschen Rivalen hinzielte.

    Im Verhältnis zwischen Österreich-Ungarn und Russland prallte das Interesse eines Vielvölkerstaates mit der Idee des Panslawismus zusammen: Beides machtpolitische Konzepte, um den jeweiligen Einfluss auf dem Balkan zu vergrößern.

    Großbritannien wiederum war daran interessiert, den deutschen Anspruch auf Weltgeltung einzudämmen; ein Sieg über das Deutsche Reich in einem Krieg war geeignet, endgültig die Gefahr einer mit England rivalisierenden Kriegsflotte zu bannen.

    Gemeinsam war allen Regierungen ein Hang zu nationaler Prestigepolitik, was die Bemühungen um Frieden und Verständigung zunehmend erschwerte, da diese als Schwäche ausgelegt werden konnten. Hinzu kam ein innenpolitisches Nachgeben gegenüber chauvinistischen Strömungen und nationalistischen Verbänden sowie der Glaube, die bestehenden Spannungen in Europa ließen sich nur noch durch einen militärischen Konflikt lösen.

    Gleichwohl gelang es allen Regierungen, ihre Völker von der eigenen Unschuld am Kriegsausbruch zu überzeugen: Serbien wies auf seine Kooperationsbereitschaft bei der Erfüllung des Ultimatums hin, Österreich-Ungarn warf Serbien panslawistische Umtriebe vor, die die Existenz des Habsburgerreiches gefährdeten; Russland erklärte, es habe nicht zulassen können, dass das slawische Brudervolk der Serben angegriffen und zu einem abhängigen Staat herabgedrückt werde. Deutschland warf Frankreich Revanchegelüste, England wirtschaftlichen Konkurrenzneid und Russland Kriegstreiberei vor (russische Gesamtmobilmachung). Frankreich und Großbritannien bezichtigten Deutschland eines aggressiven Hegemoniestrebens über Europa, welches sich während der Marokkokrisen 1905/06 und 1911, in der bosnischen Annexionskrise von 1908, der Julikrise sowie den Kriegserklärungen an Russland und Frankreich sowie der völkerrechtswidrigen Neutralitätsverletzung Belgiens überdeutlich gezeigt habe.

    3 DER VERLAUF DES KRIEGES

    Das Kriegsgeschehen lässt sich in vier Hauptphasen gliedern: Nach einer relativ kurzen Zeit des Bewegungskrieges im Herbst 1914 brachte die Jahreswende 1914/1915 im Westen den Übergang zu einer lang andauernden Phase des Stellungskrieges (1915-1917), die von Materialschlachten, Erschöpfungsstrategien und der Suche nach neuen Bundesgenossen geprägt war. Im Osten erstarrte die Front erst im Herbst 1915. Das Jahr 1917 markierte mit der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges und dem Eingreifen der USA eine vorentscheidende Wende des Krieges zugunsten der Alliierten, die auch durch das Ausscheiden Russlands aufgrund der Oktoberrevolution nicht beeinträchtigt wurde. Das letzte Kriegsjahr war gekennzeichnet von verschiedenen Friedensbemühungen, dem Entscheidungskampf im Westen und den Waffenstillstandsverhandlungen.

    3.1 Bewegungskrieg

    Da sie den Alliierten an wirtschaftlicher Leistungskraft, Bevölkerungszahl und Truppenstärke deutlich unterlegen waren (3,5 Millionen Soldaten der Mittelmächte gegenüber 5,8 Millionen Alliierten zu Kriegsbeginn), versprach nur ein schnell geführter Bewegungskrieg realistische Siegeschancen für die Mittelmächte. Mit zunehmender Kriegsdauer musste sich das Kräfteverhältnis weiter verschlechtern, hatten die Alliierten doch ungehinderten Zugang zu den Rohstoffquellen der Welt, während die (völkerrechtswidrige) britische Seeblockade Deutschland und seine Bundesgenossen von den Ressourcen aus überseeischen Kolonien abschnitt. Die Mittelmächte wiederum verfügten über den Vorteil der „inneren Linie”, d. h. über die Möglichkeit, ihre Truppen je nach Bedarf ohne große Reibungsverluste an den jeweiligen Brennpunkten des Krieges zu konzentrieren.

    Der Frankreichfeldzug begann im Sommer 1914: Unter massiver Verstärkung der Westfront (an der Ostfront wurde lediglich ein geringes Truppenkontingent zur notdürftigen Sicherung zurückgelassen) gelang den deutschen Truppen gemäß dem Schlieffenplan zunächst der schnelle Durchmarsch durch Belgien (handstreichartige Eroberung Lüttichs vom 6. bis 16. August) und der Vorstoß bis zur Marne. Dort führte eine starke britisch-französische Gegenoffensive aus Paris und von Süden her zur Marneschlacht (5. bis 12. September), die der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke trotz günstigen Verlaufs abbrach, als zwischen der 1. und 2. deutschen Armee eine Lücke entstand, in der die Briten durchzubrechen vermochten. Er gab den Befehl zum Rückzug hinter die Aisne. Damit war das Kernstück des deutschen Kriegsplanes, die rasche Umfassung und Vernichtung der französischen Truppen (Schlieffen nannte es „Cannae von gewaltigem Ausmaß”), gescheitert. Der nun einsetzende „Wettlauf zum Meer”, mit dem beide Seiten versuchten, eine Umfassung des Gegners durch weites Ausholen nach Norden bis zur Kanalküste zu erzwingen, endete ergebnislos. Mit dem Scheitern des deutschen Angriffs an der Yser und vor Ypern (September bis November 1914) erstarrte der Bewegungskrieg schließlich zum Stellungskrieg. Von der Nordseeküste bis zu den Alpen entstand eine geschlossene Front, an der sich die feindlichen Heere in schwer überwindbaren Befestigungen eingruben.

    Im Osten stand Österreich-Ungarn gegen Serbien und Russland in einem Zweifrontenkampf, der auch aufgrund strategischer Fehler des österreichischen Generalstabes zu großen Verlusten führte, von denen sich die Donaumonarchie während des gesamten Krieges nicht wieder erholen sollte. Nachdem ein Großteil der österreichischen Verbände gegen Serbien aufmarschiert war (der österreichische Generalstabschef Conrad von Hötzendorf war noch am 28. Juli nicht vollkommen von einem Kriegseintritt Russlands überzeugt gewesen), fehlten wichtige Kräfte an der galizischen Front, die der russischen Übermacht aus fünf Armeen nicht standhielt. Ostgalizien, Lemberg und die Bukowina mussten preisgegeben werden, bis die russische Offensive mit aus Serbien herbeigeeilten österreichischen Truppen und deutscher Unterstützung in den Karpaten zum Stillstand gebracht werden konnte.

    Während die Hauptmacht der deutschen Truppen in Frankreich gebunden war, gelang es zwei russischen Armeen, in Ostpreußen einzudringen. Der Befehlshaber der hier zurückgelassenen 8. deutschen Armee plante bereits eine Zurücknahme der Front hinter die Weichsel, als er durch den aus dem Ruhestand reaktivierten General Paul von Hindenburg und dessen Stabschef Erich Ludendorff ersetzt wurde. Diesen gelang es, trotz numerischer Unterlegenheit ihrer Truppen, einen Keil zwischen die russischen Armeen zu treiben und die im Süden operierende Narew-Armee in der Schlacht von Tannenberg (26. bis 30. August) zu umfassen und zu vernichten. In der darauf folgenden Schlacht an den Masurischen Seen (6. bis 15. September) wurde die (östliche) russische Njemen-Armee geschlagen und aus den deutschen Ostprovinzen hinausgedrängt. Auch ein erneuter Angriff von russischen Truppen auf Ostpreußen wurde in der Winterschlacht in den Masuren (4. bis 22. Februar 1915) abgewehrt. Nun startete der deutsche Generalstab zur Entlastung seines österreichischen Bundesgenossen eine Gegenoffensive im Osten, mit der es ihm gelang, die russischen Stellungen bei Gorlice-Tarnow zu durchbrechen und bis Juni 1915 Galizien, die Bukowina und Polen zu erobern sowie im Norden Kurland und Litauen zu besetzen. Im Oktober 1915 endete der deutsche Vormarsch, so dass schließlich auch im Osten eine geschlossene Frontlinie entstand, die von Riga bis Rumänien reichte.

    Im Südosten gelang es der im Oktober 1914 auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eingetretenen Türkei, die Dardanellen gegen britische und russische Offensiven zu halten und auch ihre asiatischen Besitzungen (Persien, Armenien, Mesopotamien) bis 1917 erfolgreich zu verteidigen. Die Eröffnung einer Südfront in den Alpen und am Isonzo durch den Kriegseintritt des anfänglich neutralen Italien am 23. Mai 1915 (ihm wurde von den Alliierten u. a. Südtirol, Istrien mit Triest und Süddalmatien versprochen) band zwar erhebliche österreichische Verbände, wirkte sich aber nicht kriegsentscheidend aus, da die italienische Offensive im verlustreichen Gebirgskrieg am Isonzo und in den Dolomiten stecken blieb.

    3.2 Stellungskrieg

    Das Scheitern der deutschen Blitzkriegsstrategie hing auch damit zusammen, dass sich die taktische Kriegsführung seit dem 19. Jahrhundert entscheidend verändert hatte. Im Zeitalter moderner Waffentechnik mit Maschinengewehren und schwersten Artilleriewaffen erwies sich – entgegen dem Diktum Clausewitz’ – die Defensive als die überlegene Form der Kampfführung, die durch das Anlegen von Schützengräben, Feldbefestigungen und Stacheldrahtsperren die Position des Angreifers zusätzlich schwächen konnte.

    Nachdem sich die Gegner in ihre Stellungen eingegraben hatten, waren die folgenden Kriegsjahre geprägt von Versuchen, durch immer größeren Einsatz von Menschen und Material wieder Bewegung in die Fronten zu bringen. An die Stelle der offenen Feldschlacht war der „Abnützungskrieg” getreten. 1915/16 versuchten die Alliierten mehrfach an verschiedenen Frontabschnitten, durch massiertes Artilleriefeuer ihren Infanterieeinheiten einen Weg freizuschießen, um endlich einen Durchbruch durch das Grabensystem des Gegners zu erzwingen, was jedoch nicht gelang.

    Eine der größten Materialschlachten, die alliierte Offensive an der Somme (Juni bis November 1916) kostete 400 000 Briten, 400 000 Deutsche und 200 000 Franzosen das Leben und brachte so gut wie keinen Geländegewinn. Ähnlich verlief die deutsche Großoffensive auf die französische Maasfestung Verdun (21. Februar bis Ende Juni 1916), mit welcher der Chef der Obersten Heeresleitung (OHL), Erich von Falkenhayn, das französische Heer durch „Ausbluten” zermürben wollte. Trotz gigantischen Materialaufwandes und ungeheurer Verluste auf beiden Seiten (in der „Hölle von Verdun” starben um 338 000 deutsche und 364 000 französische Soldaten) gelang dem deutschen Heer kein Durchbruch.

    Im Osten kam es von Juni bis Dezember 1916 auf alliiertes Drängen hin zu drei Großoffensiven Russlands unter der Führung General Brussilows („Brussilow-Offensiven”), deren erste die österreichisch-ungarische Front in der Bukowina durchbrechen konnte und Russland weit über 200 000 Kriegsgefangene einbrachte. Erst ein erneuter Wechsel in der OHL (der Falkenhayn durch die „Helden von Tannenberg”, Hindenburg und Ludendorff, ersetzte und diese mit fast diktatorischen Vollmachten ausstattete) konnte den Zusammenbruch verhindern und den russischen Vorstoß auffangen. In einer groß angelegten Gegenoffensive gelang den deutschen Truppen die Eroberung des größten Teiles von Rumänien (einschließlich seiner Erdölquellen), das mittlerweile auf Seiten der Entente in den Krieg eingetreten war.

    Wenngleich die Mittelmächte den Ansturm der Alliierten an den verschiedensten Fronten noch abzuwehren vermocht hatten, so zeigte der Kriegsverlauf des Jahres 1916 doch angesichts der Überlegenheit des Gegners an Menschen und Material, dass auf Dauer der Krieg für Deutschland und seine Verbündeten nicht zu gewinnen war. Es kam daher am 12. Dezember 1916 zu einem ersten Friedensangebot der Mittelmächte, das jedoch von den Alliierten als Propagandamanöver zurückgewiesen wurde, nicht nur, weil die Mittelmächte es versäumt hatten, ihre Kriegsziele offen zu legen, sondern auch weil sich ein Endsieg der Alliierten abzeichnete und diese sich die Aussicht auf territoriale Gewinne und Reparationszahlungen nicht mehr nehmen lassen wollten.

    3.3 Krieg zur See, uneingeschränkter U-Boot-Krieg und Eingreifen der USA

    Die ursprüngliche Absicht des deutschen maritimen Aufrüstens vor dem Krieg war es gewesen, Großbritannien durch den Bau einer „Risikoflotte” zur politischen Neutralität zu veranlassen. Falls es dennoch zum Krieg gegen den Inselstaat kommen würde, sollte eine englische Blockade der deutschen Nordseehäfen durch die stark ausgebaute deutsche Schlachtflotte verhindert werden. Doch anstatt der erwarteten Nahblockade der deutschen Häfen riegelten die Briten weiträumig die Ausgänge der Nordsee ab und hielten ihre Kampfschiffe („Dreadnoughts”) zurück. Nicht zuletzt der strategische Vorteil der Briten, bei einer Schlacht in der offenen Nordsee von ihren südenglischen Stützpunkten aus leicht den deutschen Rückzug abschneiden zu können, ließ nach langem internen Hin und Her die deutsche Marineleitung vor einer Entscheidungsschlacht gegen die überlegene britische Flotte zurückschrecken. So blieb die deutsche Hochseeflotte während des gesamten Krieges weitgehend wirkungslos. In der einzigen großen Seeschlacht des Krieges am 31. Mai 1916 vor dem Skagerrak konnte die deutsche Flotte unter Admiral Scheer trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit (21 deutsche Großkampfschiffe gegenüber 37 englischen) den Briten zwar einige Verluste beibringen, doch an der Gesamtlage änderte sich nichts: der deutschen Flotte gelang es nicht, die englische Fernblockade zu durchbrechen.

    So glaubten die Mittelmächte, nur noch über ein letztes Mittel zu verfügen, um den Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden oder zumindest einen günstigen Frieden zu erreichen: Die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges, d. h. der Versenkung sämtlicher Handelsschiffe ohne Vorwarnung in einem weiträumigen Sperrgürtel um die britischen Inseln. Dies war ebenso völkerrechtswidrig wie die englische Hungerblockade, doch der deutsche Generalstab hoffte, dadurch Großbritannien von wichtigen Lebensmittel- und Rohstoffzufuhren abschneiden und so zum Frieden zwingen zu können.

    1915 hatte das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg schon einmal aufgenommen, musste ihn allerdings nach wenigen Monaten wieder einstellen, als nach der Versenkung des britischen Passagierdampfers „Lusitania” (mit fast 1 200 Personen, darunter etwa 130 Amerikaner, sowie Munition und Waren an Bord) die USA aufs schärfste gegen diese Art der Kriegsführung protestierten und mit dem Kriegseintritt drohten.

    Angesichts der immer prekärer werdenden Lage auf den Kriegsschauplätzen zu Lande versuchte die Oberste Heeresleitung Anfang 1917, durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg eine Wende des Krieges herbeizuführen. Doch es gelang auch jetzt nicht, England entscheidend zu schwächen.

    Am 6. April 1917 erfolgte der – erwartete – Kriegseintritt der USA auf Seiten der Entente, der endgültig den militärischen Niedergang der Mittelmächte besiegelte.

    3.4 Entscheidungskampf im Westen, Revolution in Deutschland und Waffenstillstand

    Nach dem faktischen Ausscheiden des russischen Kriegsgegners durch die Oktoberrevolution, das am 3. März 1918 durch den Frieden von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland endgültig besiegelt wurde, kam noch einmal Hoffnung im deutschen Lager auf. Entlastet vom Zweifrontenkrieg, versuchte der deutsche Generalstab nun, im Westen die Entscheidung zu erzwingen, bevor die amerikanischen Truppen in voller Stärke in Europa Fuß gefasst hatten. Am 21. März 1918 startete eine große Frühjahrsoffensive der deutschen Truppen, die zunächst sehr vielversprechend war: Die Nahtstelle des französischen und britischen Frontabschnitts wurde durch den deutschen Angriff aufgerissen und die Front um 60 Kilometer nach vorn geschoben. Bei Ypern und am Chemin des Dames an der Aisne gelangen weitere Ausbuchtungen der Front; das deutsche Heer konnte erneut bis zur Marne vorstoßen. Doch damit waren die Kraftreserven der mittlerweile stark dezimierten deutschen Verbände aufgebraucht. Mit der am 18. Juli 1918 einsetzenden Gegenoffensive unter Marschall Foch, der seit dem 14. April den einheitlichen alliierten Oberbefehl führte, drängten alliierte Verbände das deutsche Heer, das der materiellen und numerischen Überlegenheit der Ententemächte nicht mehr gewachsen war, wieder hinter die Marne zurück. Vor allem das stetige Anwachsen der amerikanischen Truppen (zu Beginn der Offensive befanden sich 600 000, Ende Oktober 1918 etwa 1,8 Millionen US-Soldaten auf französischem Staatsgebiet) machte sich nun entscheidend bemerkbar. Als am 8. August 1918 etwa 500 britischen Panzern bei Amiens ein Durchbruch auf breiter Front gelang, bei dem sieben deutsche Divisionen aufgerieben wurden und rund 70 Prozent ihrer Soldaten in Gefangenschaft gerieten, war die Niederlage des Deutschen Reiches besiegelt. Nach diesem „schwarzen Tag des deutschen Heeres” begann auch die Oberste Heeresleitung die Aussichtslosigkeit der deutschen Situation zu erkennen.

    Doch dauerte es noch bis zum Zusammenbruch der türkischen, bulgarischen und österreichischen Verbündeten im September, ehe Hindenburg die militärische Katastrophe eingestand und am 29. September 1918 die Reichsregierung aufforderte, sofortige Waffenstillstandsverhandlungen einzuleiten.

    Das unvermittelte Eingeständnis des militärischen Desasters war zunächst für die politische Führung, bald darauf auch für die Bevölkerung ein schwerer Schock, hatten doch die Oberste Heeresleitung und die offizielle Propaganda vier Jahre lang nur Zuversicht und Siegesmeldungen verkündet. Ziel des Waffenstillstandsgesuches, das die Reichsführung am 3. Oktober an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson richtete, war es nun, einen Verständigungsfrieden auf der Grundlage seines im Januar vorgestellten 14-Punkte-Programms (u. a. Abbau von Handelsschranken, Freiheit der Meere, Räumung der besetzten Gebiete, Einrichtung eines Völkerbundes) zu erreichen. Doch der Demokrat Wilson lehnte in seiner Antwortnote vom 23. Oktober einen Verständigungsfrieden „mit den militärischen Beherrschern und monarchischen Autokraten Deutschlands” ab und forderte damit indirekt einen grundlegenden Wandel der Herrschaftsverhältnisse im Deutschen Reich. Kaiser Wilhelm II. dachte nicht daran abzudanken und floh ins Hauptquartier der Obersten Heeresleitung nach Spa.

    Zum inneren Zusammenbruch des Deutschen Reiches kam es, nachdem sich am 28. Oktober Matrosen in Wilhelmshaven weigerten, in eine von der Marineleitung geplante Schlacht gegen die britische Hochseeflotte zu ziehen. Schnell griff der Aufstand auf die übrigen Küstenstädte und schließlich auf ganz Deutschland über. Überall kam es zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten. Am 9. November 1918 verkündete Prinz Max von Baden eigenmächtig den Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. und übertrug sein Reichskanzleramt an den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert. Um 14 Uhr rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages die Republik aus.

    Am 11. November 1918 unterzeichnete der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger im Wald von Compiègne ein Waffenstillstandsabkommen, das einer bedingungslosen Kapitulation entsprach: Deutschland musste neben den besetzten Gebieten im Westen das gesamte linke Rheinufer (einschließlich Elsass-Lothringens) räumen, das von den Alliierten besetzt wurde. Rechts des Rheins wurde eine 35 Kilometer breite entmilitarisierte Zone geschaffen. Außerdem verlangten die Alliierten, dass die deutschen Truppen ihre Stellungen in Österreich-Ungarn, Rumänien und der Türkei verlassen sowie umfangreiches Waffen- und Munitionsmaterial, Fahrzeuge und Lokomotiven abliefern mussten, um eine Wiederaufnahme des Krieges durch die Mittelmächte unmöglich zu machen.

    4 INNENPOLITISCHE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGES

    Zu Beginn des Krieges wurden die meisten europäischen Länder von einer Woge nationaler Euphorie und Kriegsbegeisterung erfasst. Besonders in Deutschland verfiel nicht nur die breite Masse der Bevölkerung in einen für den heutigen Betrachter nur schwer nachvollziehbaren „Hurra-Patriotismus”, sondern auch die große Mehrheit der geistigen Führungsschichten des Deutschen Kaiserreiches, sowohl Hochschulprofessoren und Vertreter der Kirchen als auch Publizisten und Schriftsteller. Sie alle begrüßten – von wenigen Ausnahmen abgesehen – den Krieg als „sittlichen Erzieher der Nation”, als „Gewitterregen”, dessen vermeintlich reinigende Kraft nicht nur eine geistig-kulturelle Erneuerung des deutschen Volkes bewirken würde, sondern auch die innenpolitischen Spannungen des Kaiserreiches ein für alle Mal beseitigen sollte. Und im August 1914 schienen all diese Hoffnungen auch Wirklichkeit zu werden: im Rausch nationaler Aufbruchsstimmung strömten Tausende und Abertausende zu den Meldestellen der Regimenter, im Reichstag beendeten die Parteien ihre Zwistigkeiten und schlossen einen Burgfrieden, in dem sie einander feierlich versprachen, für die Dauer des Krieges auf jede öffentliche Opposition untereinander und gegen die Reichsregierung zu verzichten, um die Einheit der Nation nicht zu gefährden. Selbst die einst vom Kaiser als „vaterlandslose Gesellen” verunglimpften, eigentlich international ausgerichteten Sozialdemokraten stimmten im Parlament geschlossen für eine Bewilligung der Kriegskredite und erklärten, sie ließen „in der Stunde der Gefahr das Vaterland nicht im Stich”. Kaiser Wilhelm II. traf die Seelenlage der im Einheitsrausch befindlichen Nation, als er am 4. August verkündete: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!”

    Ähnliches geschah in Frankreich mit der Bildung der Union Sacrée aller Parteien unter Ministerpräsident Raymond Poincaré. Nur die Sozialisten Russlands und anfangs auch Englands hielten an den Ideen der Zweiten Internationalen fest, nach denen sich die sozialistischen Parteien aller Staaten geschlossen einem Krieg widersetzen sollten.

    Dieser einmütigen Geschlossenheit, mit der die Völker hinter ihren Regierungen standen, machte im Verlauf des Krieges zunehmend Ernüchterung und Protesten Platz. Die unerwartet lange Dauer des Krieges mit seinen starken finanziellen Belastungen, der wachsenden Inflation und der Rationierung von Lebensmitteln (besonders bei den von der britischen Blockade betroffenen Mittelmächten) ließ in den meisten Ländern die von der Kriegseuphorie nur vordergründig überdeckten inneren Spannungen wieder hervorbrechen. Die Ausweitung der Rüstungsproduktion sowie die Versorgung von Soldaten und Zivilbevölkerung führten in den meisten Staaten zu einer staatlich gelenkten Kriegswirtschaft, die die Freiheit von Unternehmern und Arbeiterschaft mehr und mehr einengte und spätestens seit 1916/17 immer wieder zu inneren Krisen, Massenprotesten und Streiks führte. Wurden trotz teilweise diktaturähnlicher Maßnahmen in Frankreich (unter Clemenceau) und Großbritannien (unter Lloyd George) die bereits bestehenden demokratischen Regierungssysteme bestätigt, so haben in keinem der europäischen Kaiserreiche die alten Verfassungsstrukturen den Krieg überdauert. Aufgrund der physischen und psychischen Strapazen des Krieges wurden immer größere Teile der Bevölkerung von Kriegsmüdigkeit und politischer Unzufriedenheit erfasst, die in einen Ruf nach Abkehr von den weit gesteckten Kriegszielen, nach sofortiger Beendigung des Krieges und inneren Reformen der gesellschaftlichen Verhältnisse mündete. Doch auch zögerliche, letztlich nur zur Stärkung der Kriegsmoral unternommene Versuche einer „Reform von oben”, wie sie Wilhelm II. ankündigte (Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen zugunsten freier und gleicher Wahlen), wurden im Verlauf der letzten beiden Kriegsjahre von den politischen Revolutionen in Russland, Deutschland (Novemberrevolution) und Österreich-Ungarn überrollt.

    5 DER VERSAILLER VERTRAG

    Am 18. Januar 1919 traten in Paris die Vertreter von 32 Staaten unter dem Vorsitz des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau zu einer Friedenskonferenz zusammen, welche die Neuordnung des wirtschaftlich, politisch und territorial schwer erschütterten Mittel- und Südosteuropa zur Aufgabe hatte. Um zu verhindern, dass die unterlegenen Staaten die Alliierten gegeneinander ausspielen konnten, wurde den Mittelmächten eine direkte Beteiligung an den Verhandlungen verwehrt; sie durften sich lediglich mit (zumeist wirkungslosen) schriftlichen Eingaben zu Wort melden. Im Verlauf der Konferenz zeigte sich, dass sich der vom amerikanischen Präsidenten auf der Grundlage seiner 14 Punkte geplante Friede nicht verwirklichen ließ. Um sein Ziel, die Schaffung eines verbindlichen Systems kollektiver Sicherheit durch einen weltumfassenden Völkerbund, nicht zu gefährden, musste Wilson viele Zugeständnisse an das starke Sicherheitsbedürfnis, die territorialen Ambitionen und das Revanchedenken der europäischen Mächte machen, die den Mittelmächten äußerst harte Friedensbedingungen auferlegten. Vor allem der Artikel 231 des Versailler Vertrages, der Deutschland die Alleinschuld am Kriegsausbruch anlastete und die rechtliche Basis für sämtliche Wiedergutmachungsforderungen der Alliierten (Reparationszahlungen, Demontage von Industrieanlagen, Naturalabgaben) bilden sollte, rief parteienübergreifend Empörung und Widerstand im Deutschen Reich hervor.

    Am 7. Mai 1919 legten die Siegermächte dem Deutschen Reich den Versailler Vertrag vor, der Deutschland etwa ein Achtel seines Staatsgebietes (u. a. Elsass-Lothringen, fast ganz Posen und Westpreußen) und sämtliche Kolonien kostete. Zudem wurde darin das deutsche Heer auf 100 000 Mann, die Flotte auf 15 000 Mann reduziert sowie der Besitz von schweren Artilleriewaffen, Panzern, U-Booten und einer Luftwaffe verboten. Rechts des Rheins entstand eine 50 Kilometer breite entmilitarisierte Zone. Als sich Deutschland weigerte, dieses schmachvolle „Friedensdiktat” anzunehmen, drohten die Alliierten am 16. Juni 1919 ultimativ, den Krieg wiederaufzunehmen, die Blockade fortzusetzen und das Reich zu besetzen. So unterzeichneten am 28. Juni 1919 die Reichsminister Hermann Müller (SPD) und Johannes Bell (Zentrum) unter Protest den Vertrag.

    Dieser stellte in zweierlei Hinsicht eine starke Belastung für die junge Weimarer Republik dar: zum einen durch die enorme Reparationslast, die den Wiederaufbau im hochverschuldeten und von galoppierender Inflation geplagten Deutschland erschwerte, zum anderen dadurch, dass er den extrem rechten politischen Gruppierungen im Reich bestes Propagandamaterial für die Agitation gegen die Weimarer Demokratie lieferte. Zusammen mit der schon bald in der rechtsgerichteten Presse aufkommenden Dolchstoßlegende, die behauptete, dass die sozialistischen Umtriebe in der Heimat der kämpfenden Truppe in den Rücken gefallen und letztlich für die Niederlage verantwortlich seien, waren fortan die Forderung einer „Revision des Versailler Vertrages” und die nach Beseitigung der „Erfüllungspolitiker”, die ihn unterzeichnet hatten, die meistgebrauchten Schlagworte der antidemokratischen Propaganda.

    In der gegenwärtigen historischen Forschung wird der Versailler Vertrag zwar als ein harter, keineswegs aber als „Karthagofrieden” gewertet, denn das Reich blieb in seinem Gefüge weitgehend intakt und hatte die Chance, relativ bald seinen Rang unter den führenden Mächten Europas wiedereinzunehmen.

    Die Pariser Vorortverträge von Saint-Germain-en-Laye (am 10. September 1919 mit Österreich), Trianon (am 4. Juni 1920 mit Ungarn), Neuilly (am 27. November 1919 mit Bulgarien) und Sèvres (am 10. August 1919 mit der Türkei), in denen die Alliierten den übrigen Mittelmächten ähnlich harte Friedensbedingungen auferlegten, zogen einen endgültigen Schlussstrich unter den 1. Weltkrieg, der nicht nur in territorialer Hinsicht das Ende des alten Europa bedeutete.

    6 DER 1. WELTKRIEG IN DER HISTORISCHEN FORSCHUNG

    Unmittelbar nach Beendigung des Krieges machten sich deutsche Historiker daran, durch umfangreiche Einzeluntersuchungen, Aktenpublikationen und Dokumentationen die These von der Alleinschuld Deutschlands am Kriegsausbruch zu widerlegen. Im Auswärtigen Amt der Weimarer Republik entstand ein eigenes „Kriegsschuldreferat”, 1921 kam eine private „Zentralstelle für die Erforschung der Kriegsursachen” hinzu und seit 1923 gab es mit der Zeitschrift Die Kriegsschuldfrage sogar ein eigenes Presseorgan, das sich nur mit der Erforschung der Kriegsursachen beschäftigte. Gemäß ihrer apologetischen Zielsetzung kam die deutsche Geschichtswissenschaft der Zwischenkriegszeit übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Politik des Deutschen Reiches ebenso wie die der Ententemächte 1914 ausschließlich von Sicherheitsbedürfnis und Gleichgewichtsdenken bestimmt worden sei und Deutschland in einen Verteidigungskrieg hineingezogen, allenfalls zu einem Präventivkrieg gezwungen worden sei. Dies wurde vom Großteil der Historiker aus den Siegerstaaten bestritten, wenngleich es auch unter ihnen prominente Vertreter des Faches – wie etwa Pierre Renouvin (1893-1974) – gab, welche die These von der Alleinschuld Deutschlands anzweifelten und darauf hinwiesen, dass auch die russische Politik zum Kriegsausbruch beigetragen habe.

    Die Debatte um die Kriegsschuld schien beendet, als beim deutsch-französischen Historikertreffen 1951 in Anlehnung an Lloyd Georges Formel, alle Mächte seien 1914 gewissermaßen unbeabsichtigt in einen Krieg „hineingeschlittert”, Einigkeit darüber erzielt wurde, dass die historischen Dokumente es nicht erlaubten, „im Jahre 1914 irgendeiner Regierung oder einem Volk den bewussten Willen zu einem europäischen Kriege zuzuschreiben”.

    Erst die Arbeiten des Hamburger Historikers Fritz Fischer brachen Anfang der sechziger Jahre diesen Konsens auf und lösten eine heftige, teilweise polemisch geführte Kontroverse aus, die nicht nur die historische Forschung, sondern auch weite Teile der Öffentlichkeit intensiv beschäftigte. In seinem mittlerweile zu einem Standardwerk der Weltkriegsforschung avancierten Werk „Griff nach der Weltmacht” (1961) stellt Fischer die These auf, dass die deutsche Staatsführung, getrieben von einflussreichen und an Expansion interessierten Gruppierungen (vor allem aus der Industrie), spätestens seit 1911 planmäßig auf einen Krieg zugesteuert sei. Der bereitwillig ausgestellte „Blankoscheck” (5. Juli 1914) für die österreichische Regierung zeige deutlich, dass Deutschland nicht nur den Krieg gewünscht, sondern ihn eigentlich erst möglich gemacht habe. Ziel der deutschen Politik zwischen 1911 und 1914, so die Kernthese Fischers, sei eine „Hegemonie Deutschlands über Europa” gewesen.

    Fischer wurde vorgeworfen, er habe nicht ausreichend berücksichtigt, dass auch die übrigen europäischen Großmächte mit imperialistischer Politik den Konflikt angeheizt hätten und diese ihrerseits einen Krieg zur Lösung ihrer innenpolitischen Spannungen durchaus einkalkuliert hätten. Der Historiker Gerhard Ritter trat in seinem Werk Staatskunst und Kriegshandwerk als prominentester Kritiker der Thesen Fischers hervor und betonte, dass vor allem die Rolle des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg als eher defensiv einzustufen sei, der keineswegs einen „Griff nach der Weltmacht” angestrebt habe, sondern vielmehr von der Absicht geleitet gewesen sei, mit einer „Politik der Diagonalen” die innere Spaltung der Nation im Krieg zu verhindern.

    Wenngleich auch heute die „Fischerkontroverse” noch nicht ganz ausgetragen ist, so hat sich doch die vorherrschende Auffassung herauskristallisiert, dass es sich nicht unbedingt um einen reinen Angriffskrieg Deutschlands mit Weltmachtstreben gehandelt habe, jedoch durchaus um „die Konzeption eines kalkulierten Risikos zur Durchsetzung machtpolitischer Veränderungen unter Ausnutzung von internationalen Krisensituationen” (Andreas Hillgruber).

    Nach dem Höhepunkt der breit angelegten Forschungen über politische Ursachen, militärischen Verlauf und Ergebnisse des Krieges in den sechziger und siebziger Jahren hat sich die Weltkriegsforschung der folgenden Zeit stärker den ökonomischen und gesellschaftlichen Problemen des Krieges zugewandt. Heute treten nach langen Jahren der Erforschung der „großen Politik” von Staatsmännern, Völkern und Bündnisverträgen zunehmend alltags-, mentalitäts- und technikgeschichtliche Fragestellungen in den Vordergrund, die u. a. die Erlebniswelt des „kleinen Mannes” im wilhelminischen Deutschland näher beleuchten, kulturphilosophische Voraussetzungen des Krieges untersuchen und technische Veränderungen während des Krieges erforschen.

    Verfasst von:
    Thorsten Krebs