Gedicht - Adelbert von Chamisso - Faust

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Gedicht - Adelbert von Chamisso - Faust

    Adelbert von Chamisso
    Faust


    Was bist du Mensch denn? Gier’ger Allumfasser
    Des Universums kühner Freier du
    Der blind, in Nacht, in zwiefach ew’gem Dunkel
    Gebannt zu irren, nichts erkennen kannst.
    Ein ewig ungelöstes Rätsel dir;
    Erschaffer deiner Welt nach ewigen
    Gesetzen, selbst von ihr erschaffen,
    Was bist du mächt’ger, nicht’ger Erdenwurm?
    Ein Gott in Banden, oder nur ein Staub.
    Was ist des Denkens, was der Sinnen Welt?
    Die Zeit, der Raum, die Allumfassenden und ihre Schöpfungen, durch die sie werden?

    Was außer ihnen, das Unendliche?
    Was ist die Gottheit jeder großen Kette
    Ein erstes, ewig unbegriffnes Glied,
    Das, nicht getragen, alle Glieder trägt?
    Erscheinung nur und Wahn ist alles mir.
    Er wirft das Licht, das innre, dort hinaus
    Auf ausgespannte Nacht die Bilder hin,
    ein leerer Widerschein des eignen Ichs.
    Und so entsteht die Welt, die ich erkenne.
    So hat – vielleicht der Zufall es geordnet,
    der große Bildner, den sie Gottheit nennen,
    und wenn, nicht bloß gedacht, dort Geist und Körper und Gottheit sind – wie fass ich sie?
    Umsonst!
    Es treten ewig zwischen sie und mich
    Der Sinne Lügen, der Vernunft Gesetze.

    Ihr ew’gen Rätsel, schrecklich grimm’ge Nattern,
    Die stets ihr euch erzeugt und euch verzehrt
    Und mir das Herz verzehrt im grausen Spiele
    Der stets verschlungnen und erzeugten Kreise;
    Ich kann euch nicht verscheuchen, nicht erdrücken
    Ihr stürmet rastlos mir die bange Seele;
    Weh’ dem, den ihr zum ernsten Kampfe reizet!
    Es furchtet tief des Denkers Stirne sich,
    und Zweifel ist der schwererrungne Preis.
    Nein länger soll der Schlangenbiss des Zweifels
    Nicht langsam mir am kranken Herzen nagen,
    nicht giftig reizen mehr der Wunden Schmerzen.
    Ich will gesunden in der Wahrheit Scheine,
    Erschwingen kühn das sternenferne Ziel,
    Das eitel strebend nimmer ich erklommen



    sehr "tolles" Gedicht. Eines der blödesten, welches ich jemals lernen musste.
    Aber, naja. Was solls.. muss wohl 'ne Nachtschicht einlegen





    :flag: :würg:
  • Ein kleiner Trost für dich. Ich musst diesen Scheiss in der 9. Klasse lernen.
    Es hat so weit ich weiß 23 Strophen. Hier hast dus, zum Vergleich.

    Die Kraniche des Ibykus: Friedrich von Schiller

    Zum Kampf der Wagen und Gesänge,
    der auf Korinthus' Landesenge
    der Griechen Stämme froh vereint,
    zog Ibykus, der Götterfreund.
    Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
    der Lieder süßen Mund Apoll;
    So wandert er, an leichtem Stabe,
    aus Rhegium, des Gottes voll.


    Schon winkt auf hohem Bergesrücken
    Akrokorinth des Wandrers Blicken,
    und in Poseidons Fichtenhain
    tritt er mit frommem Schauder ein.
    Nichts regt sich um ihn her, nur Schärme
    von Kranichen begleiten ihn,
    die fernhin nach des Südens Wärme
    in graulichtem Geschwader ziehn.


    "Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
    Die mir zur See Begleiter waren!
    Zum guten Zeichen nehm ich euch,
    mein Los, es ist dem euren gleich;
    von fern her kommen wir gezogen
    und flehen um ein wirtlich Dach.
    Sei uns der Gastliche gewogen,
    der von dem Fremdling wehrt die Schmach!"


    Und munter fördert er die Schritte
    und sieht sich in des Waldes Mitte -
    da sperren, auf gedrangem Steg,
    zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
    Zum Kampfe muß er sich bereiten,
    doch bald ermattet sinkt die Hand,
    die hat der Leier zarte Saiten,
    doch nie des Bogens Kraft gespannt.


    Er ruft die Menschen an, die Götter,
    sein Flehen dringt zu keinem Retter,
    wie weit er auch die Stimme schickt,
    nichts Lebendes wird hier erblickt.
    "So muß ich hier verlassen sterben,
    auf fremdem Boden, unbeweint,
    durch böser Buben Hand verderben,
    wo auch kein Rächer mir erscheint!"


    Und schwer getroffen sinkt er nieder,
    da rauscht der Kraniche Gefieder,
    er hört, schon kann er nicht mehr sehn,
    die nahen Stimmen furchtbar krähn.
    "Von euch, ihr Kraniche dort oben,
    wenn keine andre Stimme spricht,
    sei meines Mordes Klag erhoben!"
    Er ruft es, und sein Auge bricht.


    Der nackte Leichnam wird gefunden,
    und bald, obgleich entstellt von Wunden,
    erkennt der Gastfreund von Korinth
    die Züge, die ihm teuer sind.
    "Und muß ich dich so wiederfinden,
    und hoffte mit der Fichte Kranz
    des Sängers Schläfe zu umwinden,
    bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!"


    Und jammernd hörens alle Gäste,
    versammelt bei Poseidons Feste,
    ganz Griechenland ergreift der Schmerz,
    verloren hat ihn jedes Herz;
    und stürmend drängt sich zum Prytanen
    das Volk, es fordert seine Wut,
    zu rächen des Erschlagnen Manen,
    zu sühnen mit des Mörders Blut.


    Doch wo die Spur, die aus der Menge,
    der Völker flutendem Gedränge,
    gelocket von der Spiele Pracht,
    den schwarzen Täter kenntlich macht?
    Sinds Räuber, die ihn feig erschlagen?
    Tats neidisch ein verborgner Feind?
    Nur Helios vermags zu sagen,
    der alles irdische bescheint.


    Er geht vielleicht mit frechem Schritte
    jetzt eben durch der Griechen Mitte,
    und während ihn die Rache sucht,
    genießt er seines Frevels Frucht;
    auf ihres eignen Tempels Schwelle
    trotzt er vielleicht den Göttern, mengt
    sich dreist in jene Menschenwelle,
    die dort sich zum Theater drängt.


    Denn Bank an Bank gedränget sitzen,
    es brechen fast der Bühne Stützen,
    herbeigeströmt von fern und nah,
    der Griechen Völker wartend da;
    dumpfbrausend wie des Meeres Wogen,
    von Menschen wimmelnd, wächst der Bau
    in weiter stets geschweiftem Bogen
    hinauf bis in des Himmels Blau.


    Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
    die gastlich hier zusammenkamen?
    Von Cekrops' Stadt, von Aulis' Strand,
    von Phokis, vom Spartanerland,
    von Asiens entlegner Küste,
    von allen Inseln kamen sie
    und horchen von dem Schaugerüste
    des Chores grauser Melodie,


    der, streng und ernst, nach alter Sitte,
    mit langsam abgemeßnem Schritte
    hervortritt aus dem Hintergrund,
    umwandelnd des Theaters Rund.
    So schreiten keine irdschen Weiber,
    die zeugete kein sterblich Haus!
    Es steigt das Riesenmaß der Leiber
    hoch über das Menschliche hinaus.


    Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden,
    sie schwingen in entfleischten Händen
    der Fackel düsterrote Glut,
    in ihren Wangen fließt kein Blut;
    und wo die Haare lieblich flattern,
    um Menschenstirnen freundlich wehn,
    da sieht man Schlangen hier und Nattern
    die giftgeschwollnen Bäuche blähn.


    Und schauerlich gedreht im Kreise
    beginnen sie des Hymnus Weise,
    der duch das Herz zerreißend dringt,
    die Bande um den Frevler schlingt.
    Besinnungsraubend, herzbetörend
    schallt der Errinyen Gesang,
    er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
    und duldet nicht der Leier Klang:


    "Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
    bewahrt die kindlich reine Seele!
    Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
    er wandelt frei des Lebens Bahn.
    Doch wehe, wehe, wer verstohlen
    des Mordes schwere Tat vollbracht!
    Wir heften uns an seine Sohlen,
    das furchtbare Geschlecht der Nacht.


    Und glaubt er fliehend zu entspringen,
    geflügelt sind wir da, die Schlingen
    ihm werfend um den flüchtigen Fuß,
    daß er zu Boden fallen muß.
    So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
    versöhnen kann uns keine Reu,
    ihn fort und fort bis zu den Schatten,
    und geben ihn auch dort nicht frei."


    So singend tanzen sie den Reigen,
    und Stille, wie des Todes Schweigen,
    liegt überm ganzen Hause schwer,
    als ob die Gottheit nahe wär.
    Und feierlich, nach alter Sitte,
    umwandelnd des Theaters Rund,
    mit langsam abgemeßnem Schritte
    verschwinden sie im Hintergrund.


    Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
    noch zweifelnd jede Brust und bebet,
    und huldiget der furchtbarn Macht,
    die richtend im Verborgnen wacht,
    die unerforschlich, unergründet
    des Schicksals dunkeln Knäuel flicht,
    dem tiefen Herzen sich verkündet,
    doch fliehet vor dem Sonnenlicht.


    Da hört man auf den höchsten Stufen
    auf einmal eine Stimme rufen:
    "Sieh da! Sieh da, Timotheus,
    die Kraniche des Ibykus!" -
    Und finster plötzlich wird der Himmel,
    und über dem Theater hin
    sieht man, in schwärzlichetem Gewimmel,
    ein Kranichheer vorüberziehn.


    "Des Ibykus!" - Der teure Name
    rührt jede Brust mit neuem Grame,
    und wie im Meere Well auf Well,
    so läufts von Mund zu Munde schnell:
    "Des Ibykus, den wir beweinen,
    den eine Mörderhand erschlug!
    Was ists mit dem? Was kann er meinen?
    Was ists mit diesem Kranichzug?"


    Und lauter immer wird die Frage,
    und ahnend fliegt mit Blitzesschlage
    durch alle Herzen: "Gebet acht,
    das ist der Eumeniden Macht!
    Der fromme Dichter wird gerochen,
    der Mörder bietet selbst sich dar!
    Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
    und ihn, an dens gerichtet war!"


    Doch dem war kaum das Wort entfahren,
    möcht ers im Busen gern bewahren;
    umsonst! Der schreckensbleiche Mund
    macht schnell die Schuldbewußten kund.
    Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
    die Szene wird zum Tribunal,
    und es gestehn die Bösewichter,
    getroffen von der Rache Strahl.