Gandalf995
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Vor knapp 100 Jahren stellte der Düsseldorfer Ingenieur Christian Hülsmeyer einer Reihe von Fachleuten ein Gerät vor, dessen vielseitige Nutzungsmöglichkeiten ihm vielleicht selbst noch nicht klar waren. Heute ist die Technik, die Hülsmeyer in seiner damals als „Telemobiloskop“ bezeichneten Apparatur angewandt hatte, aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken.
Eine für spezielle Zwecke entwickelte Variante machte zwar kürzlich wegen angeblicher gefährlicher Nebenwirkungen negative Schlagzeilen, aber ansonsten gilt das inzwischen weit verbreitete System als äußerst segensreiche Technik. – Dem Patentinhaber Hülsmeyer hat sein Gerät allerdings nicht einen Pfennig eingebracht.
Zwar erntete er bei der Vorstellung viel wissenschaftliches Lob, aber für die kommerzielle Auswertung des Geräts konnte sich jahrzehntelang kein Mensch begeistern. Nicht einmal die deutsche Reichsmarine war in der Lage, die Tragweite von Hülsmeyers Apparatur zu erkennen. Dem Ingenieur selbst fehlten dann die finanziellen Mittel für die Aufrechterhaltung seines Patents, und damit verschwand das Telemobiloskop in der Versenkung. – Mitte der Dreißigerjahre kam aber genau das, was er mit seinem gerät bezweckte, durch andere zur Anwendung und wurde jetzt weltweit anerkannt.
Der schottische Physiker Sir Robert Watson-Watt beschäftigte sich damals schon längere Zeit mit der Bestimmung von Richtung und Entfernung nicht sichtbarer Objekte. Die Methode, die nach ihm noch andere weiterentwickelten, wurde schon während des Zweiten Weltkriegs erfolgreich eingesetzt. Sie entsprach im Wesentlichen dem Prinzip des Hülsmeyerschen Telemobiloskops. Wie dabei wurden elektromagnetische Wellen benutzt, die durch Reflexion an den Ausgangsort zurückkehren. Die Entfernung zu einem Objekt errechnete sich aus Lichtgeschwindigkeit dividiert durch die Hälfte der Zeit zwischen Impulsaussendung und Empfang der Reflexion.
Christian Hülsmeyer hatte seine Erfindung einfach zum falschen Zeitpunkt gemacht, und heute kennt keiner mehr seinen Namen. Aber das unübertroffene, von ihm entdeckte System zum Aufspüren und Orten mit Radiowellen kommt seit über 50 Jahren beim Militär, in der Schifffahrt und auch in der Astronomie in unendlicher Vielfalt zur Anwendung.
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