Abtreibung und die Alternativen Diskussion 

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Konradin

Registered +
Registriert
März 2008
Beiträge
2.942
Zunächst einmal ein liebes Hallo an alle, welche dieser Themenbereich interessiert und die gern Meinungen austauschen und darüber ernsthaft diskutieren wollen. Ich weiß, daß es einen offenen Thread zu diesem Thema bereits gibt, und zwar hier. Dennoch mache ich hiermit einen neuen auf. Meine Beweggründe im Einzelnen:

1. Ich finde die Reduzierung des Themas einzig und allein auf die Frage 'ist Abtreibung Mord' grundsätzlich kontraproduktiv. Dazu hätte eine schlichte Umfrage mit den drei Alternativen 'ja/nein/hängt von den Umständen ab' genügt.

2. Ein aus einem über 10 Jahre alten (übrigens äußerst tendenziösen) Text bestehender Beitrag mit einem einzeiligen Statementen ist in meinen Augen für eine ernsthafte Diskussion etwas wenig. Der Threadstarter hätte sich ruhig etwas mehr Mühe geben dürfen. Von und Diskussionwilligen wird ja auch mit Fug und Recht erwartet, daß unsere Beiträge aus mehr als aus lieblos aus dem Internet gefundenen Artikelschnipseln besteht. Ebenso wird erwartet, daß man zu seiner Meinung steht. Begründungen werden übrigens auch gern gesehen.

3. Ein Threadstarter, der ein Thema initiiert, sich aber innerhalb eines ganzen Monats nicht ein einziges Mal zu Wort meldet, ja, nicht einmal hier einloggt (Letzte Aktivität: 11.02.2009 07:01) disqualifiziert sich dadurch für ein ernstes Thema. Es sieht für mich ganz klar so aus, daß er sich eigens hier angemeldet hat, um durch seine Beitrag gegen die Abtreibung zu missionieren ohne Stellung dazu abgeben zu müssen. Ich finde es nicht ok, ein Thema zu starten und sich anschließend sofort zu verdrücken. Deswegen bitte ich auch den zuständigen Mod darum, den Thread von wes_craven mit Hinweis und Link auf diesen Thread zu schließen.

4. Wie gesagt, schon den Ansatz des alten Threads fand ich wenig gelungen. Erfahrungsgemäß artet so etwas dahingehend aus, daß radikale Abtreibungsgegner ihre Position schon per se als Begründung ansehen, sich auf der anderen Seite aber mit keiner noch so präzisen Begründung der Gegenseite zufriedengeben. Wohlgemerkt, es geht mir nicht darum, den anderen zu überzeugen oder sich selbst überzeugen zu lassen. Aber es geht sehr wohl darum, die andere Meinung als solche stehen lassen zu können, sofern sie auch nur ansatzweise konsistent ist.

5. Ein Hinweis an alle selbsternannten Moralapostel: der Standpunkt, nur die eigene Moral sei moralisch vertretbar ist sowohl moralisch als auch philosophisch gesehen ausgesprochen töricht.

6. Mir geht es hie NICHT um das ungeborene Leben an sich, sondern um die Relation vom ungeborenen Leben zum bereits geborenen. Es geht mir um die Situation der werdenden Mutter, die (mögliche) zu erwartende Situation des werdenden Kindes, aber auch die gesellschaftliche SItuation. Der ethisch-moralische Aspekt ist bei weitem nicht der einzig zu berücksichtigende.

7. Da die Beteiligung im alten Thread recht hoch war und sich zum Schluß gar einige sehr gut ausgearbeitete Beiträge befanden investiere auch ich ein wenig meiner Zeit in diese Thema und mache diesen Thread in der Hoffnung auf, daß diese Basis dem Thema sachlich gerechter wird als der alte Thread.

Meine Meinung zu diesem Thema habe ich ja bereits in einer frühen Phase des alten Threads kundgetan. In dieser Hinsicht sehe ich mich also nicht unter Zugzwang. Dennoch ein kurzes Beispiel, um meine persönliche Position zu verdeutlichen:

Gelegentlich kommt es vor, daß Neugeborene in der Mülltonne tot aufgefunden werden. Ich finde so etwas ohne Worte. Auch und gerade in Zeiten wie dene der Babyklappe. Wie verzweifelt muß eine Mutter sein, ihr Kind auf diese Weise zu 'entsorgen'?

Mir geht es bei dieser Betrachtung keineswegs in erster Linie um den Blickwinkel der Mutter. In meinen Augen wäre es für das Neugeborene erheblich humaner gewesen, rechtzeitig abgetrieben zu werden, als bis zur Geburt mit anschließender 'Müllkippen-Entsorgung' heranwachsen zu müssen. Dieses unsägliche Leid hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen!

Ich bitte um rege Beteiligung.

Gruß Konradin
 
Hallo erstmal,

Gelegentlich kommt es vor, daß Neugeborene in der Mülltonne tot aufgefunden werden. Ich finde so etwas ohne Worte. Auch und gerade in Zeiten wie dene der Babyklappe. Wie verzweifelt muß eine Mutter sein, ihr Kind auf diese Weise zu 'entsorgen'?

ich gebe Dir vollkommen recht und gehe davon aus das entweder hier bei die Aufklärung versagt oder einer der seltenen Fälle von Kindsabstoßung statt gefunden hat.

Es gibt mehrere Umstände ein Kind abzutreiben angefangen bei den medizinischen bis zu den privaten Gründen.

Bei den Alternativen zur Abtreibung (Babyklappe, Freigabe zur Adoption) ist oft die Angst der Frau dabei sich an das Kind zu sehr zu gewöhnen. Die nächste Sache ist natürlich noch der kulturelle Hintergrund der Familie. Und natürlich der Umstand er Zeugung (Vergewaltigung= psychische Belastung der Frau).

Es sollte sich die Frau auf jeden Fall vor der Entscheidung mit jemandem Reden (Partner, Freunde, Beratungsstelle, Arzt), um sich ein Bild über ihre Situation machen zu können.Es sollte aber kein staatlicher Zwang ausgeübt werden (meiner Meinung nach).

Ich bin bewusst nicht auf das Behalten des Kindes eingegangen, weil das nicht zum Thema passen würde.

Mfg

Jeremie105
 
Es gibt m.E. zur Abtreibung, wenn sie erst einmal – aus welchen Gründen auch immer – für notwendig angesehen und akzeptiert wird, keine Alternative.

Auch wenn durch soziale Sicherung und gute Ausbildung (damit meine ich nicht die Dressur, die gerade mal zur Besetzung eines Arbeitsplatzes am Fließband qualifiziert) ungewollte Schwangerschaften wahrscheinlich teilweise vermieden werden können, zeigen doch Beispiele aus den „gehobeneren“ Besitz- und Bildungsschichten, dass frau auch hier nicht gegen ungewollte Schwangerschaft gefeit ist. Allerdings geht hier das „Wegmachen“ dezent vor sich.

Nebenbei: Als ältester von acht Jungen bekam ich – trotz meiner damals noch recht mangelhaften Sprachkenntnisse – sehr gut mit, wie die bayerisch-katholische (!!!) Nachbarschaft über das asoziale Polackenpack (viele Kinder & Ausländer = asozial) herzog. Auch, dass meine Mutter von einer eifrigen Kirchgängerin mit der Frage angekeift wurde, ob sie zu blöd sei, die Kinder „wegzumachen“ (diesen Begriff musste mir damals meine Mutter noch erklären).
 
youngster schrieb:
Es gibt m.E. zur Abtreibung, wenn sie erst einmal – aus welchen Gründen auch immer – für notwendig angesehen und akzeptiert wird, keine Alternative.
Es mag durchaus sein, daß es zur Zeit so ist. Aber diese Gesellschaft behauptet von sich, daß sie Kinder brauche, weil Kinder unser aller Zukunft seine. Sie behauptet auch von sich, sie sei kinderfreundlich. Dann wäre es mal an der Zeit, etwas dafür zu tun. Nicht nur für die Kinder, welche bereits da sind.

Die Frage wäre, ob es möglich ist, Alternativen zu schaffen. Die Babyklappe ist ja ein erster Ansatz, zumindest besser als nichts, aber bei weitem nicht ausreichend. Das Angebot für Frauen in dementsprechenden Not- und Zwangslagen müsste entscheidend verbessert werden, wenn ich auch nicht unbedingt weiß, was ich mir darunter vorzustellen habe.

Zunächst einmal fällt mir auf, daß die werdenden Mütter zum Teil immer jünger werden, zum Teil sind sie selbst fast noch Kinder. Kann man von Menschen in dem Alter überhaupt eine entsprechende Reife und den notwendigen Weitblick erwarten und wissen sie überhaupt, was es heißt, real ein Kind zu haben und welche Verpflichtungen damit einhergehen?

Der Informationsstand gegenübergeschlechtlichen Dingen und auch Verhütung ist mitunter katastrophal. Früher durfte man darüber nicht offen reden, aber die Zeiten haben sich zum Glück etwas geändert. Dennoch wissen nicht alle das, was sie darüber unbedingt wissen müssten.

Die Entwicklung junger Menschen ist teilweise geprägt von einer tiefen Perspektivlosigkeit. Für viele ist es schwer, einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden, mit dem sie sich anfreunden können. Und viele haben auch nicht gelernt, was Verantwortung ist. Wie soll man von diesen Menschen erwarten können, daß sie in der Lage sind mit einem Kind umzugehen? Viele können es dennoch, einige aber eben nicht.

In einem anderen Thread hier im Forum habe ich von einem Kind gelesen, dem Produkt eines flotten Dreiers im Vollsuff. Von solchen Menschen erwarte ich nicht unbedingt, daß sie mit den daraus entstehenden Problemen zurechtkommen. Ob mit oder ohne Abtreibung, diese Probleme müssten eigentlich nicht sein.

Eine Problemlösung von den einzelnen Betroffenen zu erwarten ist in meinen Augen illusorisch. Die Gesellschaft als Ganzes ist hier gefordert und sollte sich überlegen, welcher Alternativen zur Abtreibung möglich wären und auch irgendwann entsprechende Angebote bereitstellen.

Parallel dazu ist es natürlich erforderlich, Jugendlichen mehr Verantwortungsgefühl mitzugeben, daß es zu vielen Situationen, welche später zu einer Abtreibung führen können, gar nicht erst kommt.

Nebenbei: Es ist bekannt, daß gerade die eifrigesten Kirchgänger sehr zur Doppelmoral neigen und das nicht nur in Bayern. Aber die Honoratioren haben eingedenk ihrer sozialen Stellung auch wenig Spielraum, von ihnen wird nuneinmal erwartet, daß sie sich radikalkatholisch geben. Ob und an welche Werte sie wirklich gleuben, das steht auf einem anderen Blatt.

Gruß Konradin
 
Erstmal vielen Dank an Konradin dieses wichtige Thema
aus der Lebensschützer-Ecke herausgeholt zu haben.

Zur Sache:
Es fällt mir schwer einen Anfang zu finden;
weil soviel damit zusammenhängt :
angefangen vom desolaten deutschen Schulsystem (dazu später mehr) bis zur
skandalösen Entlohnung von Frauenarbeit in sogenannten "Leichtlohngruppen".

zwar ist der erste Mann im Staat zur Zeit eine Frau,
was aber nicht verhindert, daß für viele Frauen Kinderkriegen
ob gewollt oder ungewollt zu einem Balance-Akt ausartet.

Eine spezifisch deutsche Geschlechtertrennung :
das "Heimchen am Herd" und der "treusorgende Ehemann"
wurden angereichert von alleinerziehenden Müttern (oder Vätern); "Patchwork Familien"
"schwulen oder lesbischen Lebenspartnerschaften".

Weder Politik noch Wirtschaft konnten bisher mit dieser Entwicklung Schritt halten .

Was hat das mit Abtreibung zu tun ?
Nun, ganz einfach : Frauen können sich heute entscheiden,
ob sie (jetzt) ein Kind haben wollen oder nicht!

Und die Entscheidungen aller Frauen summieren sich zu einem Armutszeugnis
für die meisten gesellschaftspolitischen Entscheidungen der letzten 20 Jahre.

Schaut "man" nur ein wenig über den deutschen Tellerrand hinaus
werden die Defizite des bundesdeutschen Systems offenbar :

Zum Unglück der heutigen Schüler verwechselte die CDU der 70er Jahre
Gesamtschule mit einer Vorstufe von Sozialismus.
Das gesamte Schulsystem basiert in seiner Grundstruktur auf Vorstellungen
des vorvorletzten Jahrhunderts : Hauptschule für die Arbeiter
(wo sich heutzutage Emigrantenkinder konzentrieren)
Realschule für die Mittelschicht - sozusagen in beiden Richtungen offen.
Gymnasium für die "Elite".
(nicht zu vergessen die sogenannten Sonderschulen)

Das es bei dieser ganzen Klassifizierung von Kindern, um individuelle Förderung ging
wurde leider vergessen.

Ich bin noch zu einer Zeit in die Grundschule gegangen,
in der es getrennte Schulen für evangelische und katholische Schüler gab.
NRW 60erJahre (kleiner persönlicher Einwand)

Was hat das alles mit Abtreibung zu tun ?
Naja, wenn Kinder ab dem 6.Lebensjahr ganztägig in der Schule versorgt weden,
erleichtert das vielleicht die Entscheidung für ein zweites oder drittes Kind.

Ich könnte jetzt stundenlang so weitermachen :
über die schlechte Ausbildung und geringe Bezahlung von Kindergärtnerinnen
(ohne zu pauschalisieren : der allermeisten sozialen Berufe)
über die wenigen Möglichkeiten Beruf und Kinder zu verbinden...

Sorry, das ist jetzt ein sehr politisches Statement geworden
aber es liegt in der Natur des Thema's.
 
Auch wenns nur Copy&Paste ist:
Meiner Meinung nach sollte Abtreibung legal bleiben. Die freie Meinung ist in meiner Ansicht das höchste Gut des Menschen sowie der einzige Beweis für eine wirklich fortschrittliche Welt.

ICH persönlich würde nicht abtreiben. Kinder sind in meinen Augen nach ein Geschenk, welches zwar Ärger bringt, mit einigem Aufwand jedoch zu einem Ergebnis führt auf das man stolz sein kann. Vernachlässigt man jedoch diesen Aufwand, d.h. Erziehung, so kommt das heraus was man leider immer öfter auf Deutschlands Straßen sieht - Bengel für die Erziehung wohl ein Fremdwort war.

Verzeiht mir übrigens das ich einen "Haufen nicht denkender, nicht allein lebensfähiger Zellen" nicht als eigenes leben ansehe. Daher ist es in meinen Augen kein Mord (bitte kommt mir jetzt nicht mit Bsps. wie dem Regenwurm oä oO).

Daher möchte ich keinem das Recht nehmen abzutreiben wenn er sich nicht "in der Lage" für ein Kind fühlt :)

Toleranz ist die Basis des Zusammenlebens:
Rosenrot

PS:
Eine Grundregel:
wer pimpern kann kann auch verhüten!
 
Meine Frau ist nun in der 12 Woche schwanger es kommt mehr oder weniger überraschend aber wir wollen das Kind auch wenn es wirklich dramatische umstellung mit sich zieht, wir haben nur ne 3 zimmer wohnung und ich bin alleinverdiener. Trotzdem haben wir nichtmal daran gedacht abzutreiben es ist irgendwie krank nur daran zu denken .Dieser ansicht bin ich allerdingst erst jetzt noch vor 12 wochen würde ich mich für die abtreibung aussprechen einfach aus dem grund weil ich keinen bezug zum thema hate und hielt mich schon immer für sehr liberal. Ich verstehe also beide meinungen und respektiere diese.
Was mich hier sehr verwirrt hat ist dieser Smiley im Titel der passt doch wohl garnicht hier rein oder???

":) Abtreibung und die Alternativen" was soll das?
 
Nein, Exkiller, so war das keineswegs gemeint. Kein lächelnder Smiley sondern ein den Mund auf und zu klappender, also erzählender.

@topic: Selbstverständlich sollte man im Normalfall nicht an eine Abtreibung denken. Auch mit wenig Geld und einer kleinen Wohnung ist es durchaus möglich, einem Kind das zu geben, was es braucht, vorausgesetzt, man selber hat die Situation im Griff oder bekommt tatkräftige Unterstützung. Am Geld jedenfalls sollte es nicht scheitern.

Wenn ich mir anschaue, wie hoch die Selbstmordrate gerade bei Kindern begüterter Eltern ist, die zwar enorme Erwartungen in ihren Nachwuchs setzen, aber dafür keine Zeit für ihn haben, dann ist es wohl besser, zwar eine kleine Wohnung, aber Zeit und Zuwendung für das Kind zu haben. Außerdem, so klein ist eine 3-Zimmer-Wohnung meist auch nicht, zumindest für den Anfang dürfte es wohl reichen.

Aber eure Lebensverhältnisse scheinen ja einigermaßen geregelt zu sein. An dem Notwendigen fehlt es ja nicht, ihr habt scheinbar alles im Griff und ich glaube, daß das entstehende Leben bei euch innerhalb kürzester Frist zum zukünftigen Wunschkind wird. Wer wird denn da an eine Abtreibung denken!

Gruß Konradin
 
@Konradin: Solche Threads sind schwierig zu führen, jeder hat seinen Standpunkt, und der kommt auch noch aus so vielen verschiedenen Ecken (Mann, Frau, Medizinischer Aspekt, Ethischer Aspekt...). Schön, dass du es hier auf sachlicher Ebene versuchst:)

Ich stand vor 7 Jahren vor der Entscheidung, abtreiben oder nicht. Und habe mich ziemlich zügig dafür entschieden. Das war immer klar. Sollte ich jemals schwanger werden, ich treibe ab. Ich wollte keine Kinder. Desweiteren waren die Umstände alles andere als ideal. Ich hatte mein Abi abgebrochen um nach London zu gehen (ja, die Liebe...), aus London kam ich schwanger wieder, keine Ausbildung, kein Abi, kein Geld, kein Mann..immerhin hatte ich einen Job. In einem kleinen Café, wo ich jeden Abend bis 4 Uhr nachts arbeitete und danach noch auf die Piste ging:D
Also sitze ich, süße 20 Jahre alt, eines Tages bei meiner besten Freundin auf der Toilette und mache den 87-ten Schwangerschaftstest meines Lebens. Natürlich sollte der wieder negativ werden, wie alle 86 davor. Tat er aber nicht. Positiv. Fuck. Darauf erstmal 'n Schnaps und 'ne Zigarette dachte ich, und danach ab zum Arzt. Das mit dem Schnaps habe ich dann gelassen, aber meine Freundin flößte mir erstmal literweise irgendwelche Rescue-Tropfen ein...Die Ärztin bestätigte mir die 8.Schwangerschaftswoche. Ich bestätigte ihr, dass es über die 12. auf keinen Fall hinausgehen würde.

Nach ein paar Gängen zur Caritas und wieder zum Doc hatte ich einen Schein in der Tasche, der mich zum Abtreiben berechtigte und einen Termin. (Den Schein habe ich immernoch...) Bis dahin war ich mit meiner Entscheidung zur Abtreibung noch per Du und auf Freundesfuß. (Der Gedanke es zu bekommen, und dann zu Adoption freizugeben ging gar nicht. Dick werden, Übelkeit und Schwangerschaftsstreifen für nix und wieder nix? Nein danke!)

Es stand allerdings noch ein abschließender Termin beim Arzt aus, und als ich dort hinging empfing mich nicht meine Frauenärztin, sondern eine Vertretung. Problem: Der hatte keine Ahnung, dass ich das Kind ja gar nicht wollte und legte los: Nein, wie schön. Schwanger! Das wird bestimmt ein Hübsches! Er fuchtelte wie wild mit dem Ultraschallknopf rum und war restlos begeistert: So groß wie ein Gummibärchen! Gucken Sie mal! Da schlägt das Herz! Na toll, dachte ich. Das war's jetzt. Jetzt muss ich auch noch nachdenken über den ganzen Mist, und dass ist etwas, was ich eigentlich tunlichst vermeiden wollte...

Ich also nach Hause, und mal 'ne Pro-Kind und Kontra-Kind Liste gemacht. Kann ja nicht so schwer sein, und logisch denken konnte ich ja schon immer...Im Endeffekt hatte ich so viele Kontras und gemurmelte Fucks wie Sterne am Himmel und nur ein Pro. Mein Pro war: Ich werde es nie bereuen. Kein geistig gesunder Mensch wird es jemals bereuen sein Kind bekommen zu haben.
Alle Kontras: Kein Geld, keinen Job, keinen Mann, was werden die anderen sagen...sind veränderbar. Geld kann man verdienen, Schulabschlüsse nachholen, Jobs findet man, die Gesellschaft kann einem egal sein, und Männer..na ja..an dem Problem arbeite ich noch.:D

Heute ist mein Sohn 6 1/2 und geht in die 1. Klasse.
In die Schule bin ich auch nochmal: Als mein Sohn ein halbes Jahr alt war, habe ich mein Abi nachgeholt, danach eine Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin gemacht und jetzt studiere jetzt VWL an der Uni. Geld habe ich bis heute keins:D, aber mein Sohn ist auch mit bescheidenen Schüler/Studenten-Einkommen groß geworden. Mann hatte ich auch keinen, geschweigedenn jemanden der mir Unterhalt gezahlt hätte. Er kennt seinen Vater und das ist ok so. Mein Sohn ist das perfekte Kind, hatte keinerlei große oder kleine Krankheiten, lacht den ganzen Tag und ist overall fit wie ein Turnschuh. (Sein Musikgeschmack ist das Einzige, was seine Lehrerin mal kurz stutzig machte. "Wer oder was ist Soundgarden und Linkin Park?" wurde ich da gefragt. "Hört ihr Sohn kein Rolf Zuckowski?")
Und ich habe es nie bereut meinen Sohn bekommen zu haben.

Was ich mit diesem kurzen Ausflug in meine persönliche Geschichte sagen möchte: Jeder kann tun und lassen was er möchte. Ich würde nie einer Frau das Recht absprechen abzutreiben. Ich würde niemanden dazu überreden ein Kind zu bekommen, das er gar nicht möchte, genauso wie ich niemanden davon überzeugen würde, es nicht zu bekommen. Aber bitte erzählt mir nicht, dass es mit Kind ja sooo schwer ist und dass man es ganz alleine nicht schaffen kann. Dass man als HartzIV-Empfänger endet und die Gesellschaft wird einen ächten...Alles Bullshit.

Ich sage nicht, dass es leicht ist. Man hat kein Geld, oder zumindest bedeutend weniger. Das Gebrüll den ganzen Tag, der wenige Schlaf, die Leute, die einen angucken wie 'ne Kakerlake sobald man das Wort 'alleinerziehend' fallen lässt, die Ärztegattinen im Kindergarten, die dich aufgrund deines Alters angucken als hättest du den IQ eines Brötchens, die Anwaltsgattinen in der Schule, mit ihrem gönnerhaften Getue, weil sie ja wissen, dass du (und jetzt flüstern sie) alleinerziehend bist. Alle Männer, die bei der Erwähnung eines Kindes so schnell auf's Klo müssen wie eine 87-Jährige mit Blasenschwäche oder dir erzählen, dass sie ja schon immer eine Großfamilie wollten. Mit Frau am Herd. Mit Kette in die Küche...

Eigentlich aber ist es doch recht einfach. Das Kind hört irgendwann auch auf zu brüllen und grinst. Dann brauchst du keinen Schlaf mehr. Den Anwalts- und Arztgattinen brülle ich ein entnervtes "Ich studiere!! Ja, ich bin schlau!" hinterher. Und wie schon erwähnt, an dem Männerproblem arbeite ich noch...Man bekommt einiges an Unterstüzung vom Staat (zumindest solage man zu Hause bleibt und nix tut. Als ich wieder auf die Schule wollte, fingen die Probleme erst richtig an...), aber es ist alles machbar und man steht nie ganz alleine da. Es gibt Vereine wie Caritas usw. Man muss die Hilfe nur annehmen.

Back to topic:
Wenn eine Frau also abtreiben möchte, sollte sie sich ihre wahren Beweggründe ansehen. Es gibt nur sehr wenige gute Gründe für eine Abtreibung. Eine Vergewaltigung wäre ein solcher Fall, und wieviele Fälle sind das prozentual? Der Rest der Rechtfertigungen sind bullshit und auf Angst begründet. Man sollte anfangen Frauen diese Panik vor dem Kinderkriegen auszureden und die Jugend anständig aufklären, damit eine Schwangerschaft erst gar nicht zustande kommt, wenn das 15-jährige Töchterlein meint, sie wäre jetzt emotional zum Sex bereit. :rolleyes:
Die Gesellschaft hat so schnell den Zeigefinger oben. Frauen werden verurteilt, wenn sie jung ein Kind bekommen, wenn sie alleinerziehend sind und wenn sie abtreiben. Man mag das Gefühl bekommen, eine Schwangerschaft ohne Mann, Haus und Ehering kann gar nicht gut ausgehen. Man ist entweder asozial oder ethisch und moralisch ein Miststück.
Ich bin für mehr Aufklärung (nicht über die primären Sexualorgane) und mehr Toleranz für jede Frau, die sich für eine Abtreibung entscheidet und für eine solche schwere Entscheidung dann auch noch 'Mörder' hinterhergerufen bekommt. Und ein bisschen mehr Willen und Ehrgeiz für alle Frauen, die meinen, eine Abtreibung wäre 'besser für alle'. Meistens haperts doch nur beim Arsch-Hochkriegen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Zunächst einmal finde ich es schön, saralx, daß du dich für das Kind entschieden hast. Du hast festgestellt, daß die Gründe gegen ein Kind alle überwindbar sind und vor allem, daß du in der Lage bist, einem Kind auch zu geben, was es braucht. Zumindest bei dir wären wohl keine Gründe zu einer Abtreibung vorhanden gewesen, welche du auch später hättest locker vor die und deinem Gewissen verantworten können, nehme ich einmal an.

Sicher hat die Gesellschaft schnell den Zeigefinger oben. Auf Alleinerziehende wird mit dem Finger gezeigt, auf Frauen, die abgetrieben haben, sowieso, auf Freuen, die zuviele Kinder haben wird mit dem Finger gezeigt, aber auch auf Frauen mit zuwenigen Kindern. Man kann es wirklich nicht jedem recht machen, aber wozu auch, da muß man einfach durch.

Ich finde, man sollte einem Kind in jedem Fall etwas bieten können und damit meine ich nicht das Geld. Ob ein Kind nun gesund oder behindert ist, die Lebensqualität fängt meines Erachtens in dem Augenblick an, in welchem es bemerkt, daß es geliebt wird. Warum hängen auch schwerstbehinderte Kinder an ihrem Leben? Ganz einfach, weil sie geliebt werden.

Anders hingegen die Kinder, welche vernachlässigt werden. Ich meine damit nicht die Kinder, deren Eltern teilweise überfordert sind und nicht mehr alles im Griff haben. In diesen Fällen gibt es Hilfen. Was ich meine, das sind die ungewollten Kinder, denen kein Gefühl entgegengebracht wird, oder wenn, dann nur Haß. Kinder zum Beispiel, denen die Mutter unverholen zeigt, daß sie unerwünscht sind, ebenso unerwünscht wie der Vater, der sich längst aus dem Staub gemacht hat.

Und jetzt sagt mir nicht, die Babyklappe sei als Lösung immer möglich. Ich glaube kaum, daß jede Mutter, welche die Enttäuschung und den Haß auf den Vater des Kindes, der sie verlassen hat, auf das Kind projiziert und jede Schwerstabhängige auf dem Straßenstrich in der Lage ist, ein Kind auszutragen und anschließend zu einer Babyklappe zu bringen. Die Fälle neben Mülltonnen aufgefundener Neugeborener zeigen dies eindringlich.

Ich finde es gut, wenn persönliche Alternativen gefunden werden und das Karriere-Denken hintenan gestellt wird. Das ist ein sehr guter persönlicher Beitrag. Nicht nur für das Gewissen, sondern für die eigene Famile, am Ende aber auch für unser aller Zukunft. Denn ohne Kinder keine Zukunft. Und bei all den Kindern, die zwar materiell ausreichend versorgt, aber ohne die nötige Nestwärme aufwachsen bin ich froh um jedes Kind, bei dem das anders ist.

Zweifelsohne liegt es aber auch an der Gesellschaft, gesellschaftliche Alternativen zu finden. Einige Angebote sind ja schon da. Aber unsere Gesellschaft müsste scho noch um einiges kinderfreundlicher werden.

Jetzt ist es aber schon spät und ich mach mich vom Acker...

Gruß Konradin
 
Nein, die Babyklappe ist als Lösung sicher nicht immer möglich.
Ich finde es gut, dass es sie gibt, glaube aber, dass sie viel zu spät ansetzt. Von dem Tag an dem du erfährst, dass du schwanger bist, bis zum Tag der Geburt macht eine Frau soviel mit, körperlich wie psychisch. Und dann machst du ein traumatisches Erlebnis wie die Geburt durch, womöglich noch alleine und ohne Hilfe.. und dann kommt jemand und sagt dir, wenn das Kind da ist: "Jetzt helfe ich!".
Eindeutig zu spät. Hilfe muss viel früher ansetzen und ist von Einzelfall zu Einzelfall verschieden.
Frauen brauchen mehr Unterstützung in ihrer Entscheidung, egal ob für das Kind oder dagegen.

Es wird immer vernachlässigte Kinder geben. Ich weiß, das ist keine Erklärung oder Rechtfertigung. Aber dieses Problem ist nicht aus der Welt zu schaffen, solange niemand Intelligenz, Willen und Liebe aus der Tüte erfindet.

Vielleicht sollten wir alle einfach die Augen aufhalten, und uns einmischen, wenn wir Anzeichen für Vernächlässigungen bei Kindern sehen? Wir sollten vielleicht darauf achten, ob eine Frau ihre Schwangerschaft verheimlicht und sich nicht eingesteht und es abzusehen ist, dass sie ihr Kind irgendwann auf 'ner Müllkippe entsorgt? Ja, ich glaube, das wären immerhin ein paar Tropfen auf dem heißen Stein.
 
saralx schrieb:
Nein, die Babyklappe ist als Lösung sicher nicht immer möglich.
Ich finde es gut, dass es sie gibt, glaube aber, dass sie viel zu spät ansetzt.
Ganz genau so sehe ich das auch. Das mit dem Einmischen übrigens ebenso. Viel ist es nicht, aber immerhin.
 
Beratungsregelung 113.774
Medizinische Indikation 3.072
Kriminologische Ind. 25

Nur damit mal klar ist, wovon hier geredet wird.

Die Anzahl der Abbrüche nach kriminologischer Indikation fällt offiziell kaum ins Gewicht, allerdings ist die Dunkelziffer solcher Delikte allgemein hoch und oft werden Schwangerschaften auch über die Beratungsregelung abgebrochen ohne Angabe des Grundes, dass sie infolge eines Verbrechens entstanden sind. Andere statistische Erhebungen[100] zur Altersverteilung der Frauen beim Schwangerschaftsabbruch zeigen, nach den vorläufigen Daten von 2006, dass gut 13 % der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, unter 20 Jahre alt sind. Abbrüche sind also nicht vor allem ein Phänomen sehr junger Frauen. Der Schwerpunkt der Abbrüche verteilt sich relativ gleichmäßig über die Altersklassen von 20 bis 40 Jahren mit einer abfallenden Tendenz bei höherem Alter der Frauen. Etwa 60 % der Frauen haben bei einem Schwangerschaftsabbruch bereits ein oder mehrere Kinder.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben Unten