Ich selbst wurde ausgemustert, aufgrund "psychologischer Bedenken" und "massiver Kurzsichtigkeit". Gut, ich bin auf einem Auge mit 6,75 Diotrin recht blind, aber bei dem Test war ich bei 8,5 Dio. - gemütlich ein bissal geschummelt, fällt einem Brillenträger in der Regel nicht sehr schwer.
Die "psychologischen Bedenken" waren schon unterhaltsamer:
Wehrberater (Hippi-Typ mit Natursandalen): "Wollen Sie zur Bundeswehr?"
Ich darauf: "Na eigentlich nicht." *etwas verkniffen, eingeschüchtert, im Schulbubenoutfit*
Er: "Eigentlich?"
Ich: "In unserer Familie wird es erwartet, dass man zum Bund geht."
Er: "Es gibt aber noch Alternativen, z.B. Zivildienst."
Ich: "Die mag es geben, sind aber in unserer Familie inakzeptabel."
Er: "Weshalb? Es schadet dem Ansehen doch in keinster Weise."
Ich: "Mein Urgroßvater war General von ..., in meiner Familie bin ich seit 60 Jahren der Erste, der ein Gymnasium besucht hat. Es wird erwartet, dass ich der Tradition treu bleibe und meinem Land diene. Mein Vater ist Beamter."
Er: "Mit einem sozialen Dienst dienen Sie auch Ihrem Land."
Ich: "Der soziale Dienst war im Krieg den Frauen vorbehalten."
Er: "Na dann sehen wir mal, was der Arzt sagt..."
Arzt: "Irgendwelche Beschwerden?"
Ich: "Ein bisschen Kurzsichtigkeit und ab und an ein kleines Zucken."
Arzt: "Zucken?"
Ich: "Bei heiß-kalt-Unterschieden oder unter Anspannung."
Arzt: "Schonmal was dabei passiert?"
Ich: "Hab mir mal versehentlich eine Gabel in die Oberlippe gerammt."
Arzt: "Ist diese Krankheit aktenkundig?"
Ich: "Wieso? Ist doch nichts."
Arzt: "Sollte aber untersucht werden."
Ich: "Ne, am Ende hindert es mich noch, zum Bund zu gehen."
Arzt: "Wollen Sie denn?"
Ich: "Unbedingt, es wird in meiner Familie so erwartet."
so ging das dann noch einige Zeit...
Nach knapp zwei Stunden bekam ich einen Wisch in die Hand gedrückt:
"Nach dem Ergebnis der Musterung vom ... sind Sie nicht wehrdienstfähig. ... Sie werden nicht zum Wehrdienst herangezogen"
Bei der Abmeldung beim Wehrberater:
"Na dann ist es für Sie ja nochmal gut gegangen. Für seine Tauglichkeit kann keiner was. Ich hoffe Ihre Familie akzeptiert das. Und bitte suchen Sie den Arzt auf, den ich Ihnen empfohlen haben."
Jaja, für eine Tauglichkeit kann keiner was - aber für seine Untauglichkeit
P.S.: Nein, ich hab keine dominante Familie, dadurch dass ich seit 60 Jahren der erste Gymnasiast bin, hab ich Narrenfreiheit.