Bewusste Manipulation? Diskussion 

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StaryWojownik

„Deutsche Top-Manager lehnen kräftiges Lohnplus ab“

Mein erster Gedanke, als ich diese Überschrift las, war, dass auch Top-Manager über Restbestände an Moral verfügen.

Doch lest selbst:

Deutsche Top-Manager lehnen kräftiges Lohnplus ab - SPIEGEL ONLINE

Was meint ihr, handelt es sich um bewusste Manipulation (viele – so auch ich – lesen oftmals nur die Titel eines Berichts), oder „lediglich“ um eine sprachliche Schluderei?.

Fröhliches Diskutieren ...
 
Was soll man dazu sagen?
Klar pro Arbeitnehmer geschrieben!
Schon im Untertitel wird das deutlich...
Der Titel geht jedenfalls bewusst weit am Inhalt vorbei.
 
Es wäre wohl ein Leichtes gewesen die Überschrift eindeutig zu gestalten und "für Arbeitnehmer" einzufügen. Wer hier wirklich nur die Überschrift liest, wird absolut in die Irre geführt. Nachdem es sich bei den Spiegelredakteuren nicht um Laien ihres Fachs handelt, mutmaße ich persönlich schon diese Absicht.
 
Schwer zu sagen.

Du hast recht, viele lesen nur die Überschriften, ich oft genug auch, ABER bei interessanten Überschriften bleib ich hängen und lese alles. Und naja, dies ist eine solche Überschrift. Ob der Journalist uns durch Erweckung der Neugier manipuliert? Wahrscheinlich, aber zeichnet guten Journalismus nicht aus, (etwaige) Leser zum lesen und zum nachdenken zu animieren? Wäre die Überschift "eindeutiger" gewesen, hätte ich nur gedacht typisch Top-Manager, bekommen selbst dann riesen Abfindungen, wenn sie richtig Mist bauen, aber dem normalen Arbeitnehmer gönnen sie den Brotaufstrich nicht und hätte den Artikel eben nicht gelesen, weil nichts "Neues" drinsteht. Also ist die Überschrift doch gut gewählt - oder?
 
Also ist die Überschrift doch gut gewählt - oder?
Nein, das finde ich nicht. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Es ist in etwa das Gleiche, als wenn sich Werbung als wichtige Post tarnt, um zur Kenntnis zu gelangen und in meinen Augen ist dies Gossenjornalismus.

Ein seriöser Redakteur weckt (bei seiner Zielgruppe) Interesse mit seinen Überschriften, ein Unseriöser setzt auf Mogelpackungen.

Im Gegensatz zu einigen Anderen schaue ich nicht nur auf die Überschrift, sondern im Zweifelsfall auch auf das Kürzel des Redakteurs. Man macht eben im Laufe der Zeit seine Erfahrungen und die Meinung ganz bestimmter Redakteure interessiert mich inzwischen einen feuchten Kehrricht. Sei es im lokalen Kreisblatt, in den grossen 'seriösen' Tagezeitungen, oder eben auch wie hier im Spiegel.
 
Die Überschrift erreicht ihr Ziel und generiert so mehr Klicks (= Werbeeinahmen), als eine sachlichere Überschrift.

Btw über was diskutieren wir hier eigentlich?

- Ist die Überschrift manipulativ?
- Sind Lohnerhöhungen bei der derzeitigen Wirtschaftslage sinnvoll?
- Soll sich die Deutsche Bundesbank in dieses Themengebiet einmischen?
- Haben Top Manager Moral?
 
Ich dachte, diskutiert wird, ob Überschrift manipulativ ist, so verstand ich den Einstieg
 
[...]Btw über was diskutieren wir hier eigentlich?
- Ist die Überschrift manipulativ?
- Sind Lohnerhöhungen bei der derzeitigen Wirtschaftslage sinnvoll?
- Soll sich die Deutsche Bundesbank in dieses Themengebiet einmischen?
- Haben Top Manager Moral?
Das wird wohl – wie es bei Diskussionen (zumal in der „Plauderecke“) nicht ganz unüblich ist – der Diskussionsteilnehmer in hohem Maße (mit)entscheiden.

Warum also nicht „vom Hundertsten ins Tausendste kommen“ (oder besteht – auch hier – die „Gefahr“ gekickt zu werden)?
 
Die Überschrift erreicht ihr Ziel und generiert so mehr Klicks (= Werbeeinahmen), als eine sachlichere Überschrift.
Unbestritten.

Gossenjournalismus generiert auch höhere Umsatzzahlen als seriöser Journalismus. Legen wir jetzt noch die letzten Hemmungen ab und orientieren uns schonungslos an der Quote?

Aber bitte nicht vergessen, Quote = Populismus. Und hinterher dann nicht jammern.
 
„Deutsche Top-Manager lehnen kräftiges Lohnplus ab“ ....... Doch lest selbst: Deutsche Top-Manager lehnen kräftiges Lohnplus ab - SPIEGEL ONLINE
Hmmm, hab ich eine andere Überschrift als der Rest hier? Bei mir steht "Lohnplus gegen Deflation: Deutsche Manager lehnen Weidmanns Forderung ab"
Also daraus schließe ich keinesfalls, das Manager auf mehr Geld verzichten würden. Und der zweite Satz des Artikels sagt doch eigentlich schon alles aus "Bundesbank-Chef Weidmann fordert mehr Gehalt für deutsche Arbeitnehmer - und irritiert damit eine große Mehrheit der deutschen Top-Manager. Sie lehnen das von ihm befürwortete Lohnplus strikt ab."
Spätestens hier sollte doch wohl jedem klar sein, worum es geht. Oder etwa nicht?
 
hmmm Konradin, einerseits gebe ich dir und deiner Argumentation durchaus recht, andererseits finde ich deine Argumentation aber auch überspitzt: Zwischen neugierig machender Überschrift und Gossenjournalismus (alla Bild, Express und Co) liegen noch Welten (zum Glück) und auch seriöser und guter Journalismus muss Käufer finden, sonst kann er nicht aufrechterhalten werden, denn auch gute Journalisten müssen Geld verdienen.

Abgesehen davon wurde die Überschrift ja verändert/angepasst.
 
hmmm Konradin, einerseits gebe ich dir und deiner Argumentation durchaus recht, andererseits finde ich deine Argumentation aber auch überspitzt: Zwischen neugierig machender Überschrift und Gossenjournalismus (alla Bild, Express und Co) liegen noch Welten (zum Glück) und auch seriöser und guter Journalismus muss Käufer finden, sonst kann er nicht aufrechterhalten werden, denn auch gute Journalisten müssen Geld verdienen.

Abgesehen davon wurde die Überschrift ja verändert/angepasst.
Nein, ich finde es keineswegs überspitzt, denn eine vorsätzlich irreführende Überschriftv finde ich ebensowenig ok wie z.B. werbende Textbeiträge, welche nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Es gibt eben Dinge, die gehen nicht (sofern man seriös bleiben möchte).

Was den konkreten Fall angeht: offenbar hat man gemerkt, daß man den Bogen überspannt hat und rudert jetzt schnell zurück (wohl um den Schaden zu begrenzen). Nein, ich halte es für ausgeschlossen, die Irreführung nicht geplant, sondern jetzt erst bemekrt zu haben. Aber es ist immer noch besser, spät darauf zu reagieren als überhaupt nicht.

Also nicht Gossenjournalismus, aber im konkreten Fall doch schon recht grenzwertig. Schade, daß sie glauben, so etwas nötig zu haben.
 
Deinen letzten Satz kann ich unterschreiben.

hmmm vorsätzlich irreführend... würde bedeiuten, dass die Überschrift weitgehenst falsch war, ABER sie war richtig, nur bewusst verkürzt... Versteh aber was du meinst und ja, die neue Überschrift ist passender
 
Ich sehe das gleich wie Henry - mir geht es jetzt weniger um die Ueberschrift als darum, die Löhne der Arbeitnehmer zu verbessern... was aus meiner Sicht wünschenswert wäre. Dadurch würde sich die Kaufkraft von Herrn und Frau Müller verbessern und die Gesamtwirtschaft würde wiederum von erhöhten Umsätzen profitieren. Als Folge davon würden auch die Steuereinnahmen des Staates profitieren. Aber um das Gemeinwohl geht es ja den meisten Verantwortungsträgern schon lange nicht mehr. Die Schere zwischen arm und reich wird immer grösser und der Mittelstand verschwindet langsam. Wen wundert es, dass die Manager dieses Anliegen vehement ablehnen? Seit jeher generieren sie ihre fetten Boni auf Kosten der kleinen Mitarbeiter. Ich finde es mutig, dass sich Herr Weidmann hier gegen den "Manager-Strom" stellt.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Da geb ich dir recht, zumal darf nicht jeder seine Meinung kundtun, auch ein Herr Weidmann? Und überhaupt, je ärmer die Armen ( die ja zugleich das Gro ausmachen) desto schlechter die Gesamtwirtschaft in meinen Augen *dir und Herrn Weidmann zustimm*
 
hmmm vorsätzlich irreführend... würde bedeiuten, dass die Überschrift weitgehenst falsch war, ABER sie war richtig, nur bewusst verkürzt... Versteh aber was du meinst und ja, die neue Überschrift ist passender
Nein, es geht mir nicht darum, ob die neue Überschrift passender ist (passender hiesse, die alte Überschrift war passend, nur die neue passt eben noch etwas besser). 'Bewusst verkürzt' trifft den Sachverhalt nicht so ganz, 'bewusst verdreht' trifft ihn wesentlich besser.

Hier haben wir es mit ausgebildeten Journalisten zu tun, die ganz genau wissen, wie sie ihre Zielgruppe sprachlich an der Nase herumführen oder eben auch nicht. Es kommt nicht darauf an, ob die Überschrift buchstabengetreu (neben vielen weiteren Deutungsmöglichkeiten) richtig ist, sondern wie sie von der Zielgruppe verstanden wird.

In der Werbebranche ist die Kluft zwischen dem, was tatsächlich gesagt wird und wie es verstanden wird (verstanden werden soll) übrigens noch deutlich ausgeprägter. Und auch dort arbeiten fast ausschliesslich Profis, die ganz genau wissen, was sie tun.

@freefloating: genau so sehe ich das auch.
 

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