Man kann doch alles am PC/Laptop erledigen und es reicht doch, wenn man das einmal am Tag macht.
...genauso sehe ich das auch!
Zum Glück kann man ja selbst entscheiden, welche Funktionalitäten man auf Smartphones installiert, und welche nicht.
...ja, zum Glück können
wir noch! (...persönlich verwende ich das Smartphone ohnehin nur zum Telefonieren!)
Was aber mit jenen[sup]
10[/sup] die bereits (
wissenschaftlich erwiesen) süchtig sind?
Nicht die Technik an sich ist gut, oder schlecht, sondern der Kontext, in den sie von den Herstellern und Usern gesetzt wird.
...und genau hier glaube ich, verbirgt sich eine potenzielle Gefahr!
Hier ein Artikel von
Simon Hurtz (Redakteur im "Digital Team" der Süddeutschen Zeitung") zum Thema:
"Sind Smartphones vielleicht doch ein Problem?"
Diese neue Technologie ist gefährlich. Auf der Straße, in Konferenzen, sogar im Bett: Niemand achtet mehr auf seine Mitmenschen, alle starren nur noch nach unten. Das Ding in unseren Händen verschlingt unsere gesamte Aufmerksamkeit. Für unsere Umgebung haben wir keinen Blick mehr übrig. Der technologische Fortschritt macht uns krank.
Klingt übertrieben? Vielleicht glauben Sie ja einem Experten, der beschreibt, wie selbst unser Familienleben leidet: "Ein Mann setzt sich an den Frühstückstisch, und statt mit seiner Frau oder seinen Kindern zu reden, versteckt er sich hinter einer Art Bildschirm voller Klatsch und Tratsch aus aller Welt." Zurecht nennt Charles Cooley das ein "seltsames Verhalten".
Diese Technologie nennt sich Zeitung. Cooley war ein renommierter amerikanischer Soziologe, der sich vor mehr als 100 Jahren Gedanken über die Tageszeitung machte. Jede große Erfindung wird erst einmal misstrauisch beäugt. Buchdruck, Eisenbahn, Telefon, Fernseher, Computerspiele, Internet - sie alle galten einst als gefährlich. Insofern wäre es leicht, Smartphone-Kritiker als hoffnungslose Kulturpessimisten im Stile des Neurologen Manfred Spitzer darzustellen. Doch es gibt gute Gründe, sich jenseits der plumpen These der "digitalen Demenz" eine Frage zu stellen: Sind Smartphones nicht vielleicht doch ein Problem?
Im Gegensatz zu früheren Technologien begleiten uns Smartphones den ganzen Tag. Der erste Blick am Morgen gilt dem Handy neben dem Bett, und kurz vor dem Schlafengehen checken viele Menschen nochmal ihre E-Mails. Noch nie war Technik derart omnipräsent.
Vor knapp 20 Jahren formulierte
Douglas Adams drei Regeln:
1. Alles, was es schon gab, als du geboren wurdest, ist ganz normal.
2. Alles, was bis zu deinem 30. Lebensjahr erfunden wird, ist unglaublich aufregend und mit etwas Glück kannst du deine Karriere darauf aufbauen.
3. Alles, was danach erfunden wird, widerspricht der natürlichen Ordnung und bedeutet das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen - bis sich nach etwa zehn Jahren allmählich herausstellt, dass es eigentlich doch ganz in Ordnung ist.
Tatsächlich mag es sein, dass sich ältere Menschen überdurchschnittlich oft überfordert fühlen und neue Technik deshalb ablehnen. Die Furcht vor Smartphones ist aber keine Frage des Alters. Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich mich mit Dutzenden Freunden und Bekannten darüber unterhalten. Die meisten sind 25 bis 35 Jahre alt, und fast alle fragen sich, ob sie zu oft aufs Handy blicken.
"Vermutlich schon", sagt Tristan Harris. Er ist knapp halb so alt und mindestens doppelt so differenziert wie Spitzer. Anders als der deutsche Populärwissenschaftler lehnt Harris Smartphones nicht grundsätzlich ab. Technik aus dem Alltag zu verbannen, könne nicht die Lösung sein. Entscheidend sei, sie bewusst zu nutzen. "Smartphones und Social Media entwickeln sich gerade zu einer globalen Epidemie", sagt Harris. "Wir verlieren unseren freien Willen und werden massenhaft manipuliert." Eine Handvoll Menschen, die bei einer Handvoll Tech-Konzernen arbeiten, könnten mit ihren Entscheidungen beeinflussen, was eine Milliarde Menschen denken, warnte er bei einem
Ted-Talk.
Das klingt nach Verschwörungstheorie. Harris weiß aber genau, worüber er spricht. Er arbeitete früher bei Google und verschickte 2013 eine Präsentation an zehn Kollegen. Ihr Titel: "Ein Aufruf, Ablenkung zu vermeiden und die Aufmerksamkeit der Nutzer zu respektieren". Google, Apple und Facebook seien die mächtigsten Unternehmen der Geschichte, die psychische Gesundheit der Nutzer liege in der Hand weniger junger, überwiegend weißer und männlicher Nerds aus San Francisco. "Wir sollten eine enorme Verantwortung empfinden", schrieb Harris auf einer der 144 Folien.
Der Appell verbreitete sich schnell im Konzern. Tausende Mitarbeiter lasen ihn, darunter auch Larry Page. Der Google-Chef machte den Produkt-Manager Harris zum "Produkt-Philosophen" Harris. In seiner neuen Rolle sollte er erforschen, wie sich Apps so gestalten lassen, dass Nutzer nicht genötigt werden, täglich Dutzende Male das Smartphone aus der Tasche zu ziehen.
Sein Weckruf verhallte jedoch schnell. "Es war eines dieser Dinge, bei denen eine Menge Menschen zustimmend nicken und dann einfach weiterarbeiten", beschrieb ein Google-Mitarbeiter dem
Atlantic die Reaktion. Zwei Jahre lang versuchte Harris, seinen Kollegen beizubringen, wie ethisches Design aussehen könnte. Ende 2015 gab er auf und kündigte. Aber Google sei ohnehin nur Teil eines größeren Problems, sagt er. Harris wollte dem gesamten Silicon Valley Moral beibringen.
Als Gründer der Organisation
Time Well Spent hält er seitdem Vorträge und Seminare, um Menschen von seiner Idee zu überzeugen. Ihm schwebt eine Art digitaler Öko-Bewegung vor. Wer Bio kauft, verzichtet nicht aufs Essen - aber er macht sich mehr Gedanken darüber. Genauso reflektiert sollten wir mit Smartphones und sozialen Medien umgehen. Harris setzt an zwei Punkten an: Er gibt Nutzern Ratschläge, wie sie ihre Gewohnheiten hinterfragen und ihr Verhalten ändern können. Und er appelliert an Unternehmen, Apps und Geräte zu entwickeln, die nicht ständig um die Wette blinken, vibrieren und klingeln.
Wenn ich Harris zuhöre oder seine Auftritte anschaue, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits merke ich an mir selbst, bei meinen Eltern, Freunden und Bekannten, welchen Stellenwert das Smartphone im Leben vieler Menschen besitzt. Millionen Nutzer zahlen Geld für Apps wie
Freedom oder
Offtime, die ihnen gezielt das Internet abdrehen. In
Digital Detox Camps wollen junge Hipster lernen, analog zu leben. Offensichtlich würden viele Menschen gerne weniger Zeit mit ihren Smartphones verbringen, aber schaffen es nicht ohne fremde Hilfe.
Andererseits rege ich mich über Texte auf, die unterstellen, dass Smartphones "eine Generation zerstört" hätten. 650 000 Menschen haben
diesen Auszug aus einem Buch der Psychologin Jean Twenge gelikt, kommentiert oder geteilt. Ein Großteil der besorgten Eltern wird die
prompten,
fundierten und
differenzierten Entgegnungen niemals lesen. Bei ihnen bleibt hängen: Smartphones schaden unseren Kindern, deshalb sollten wir sie vor den Gefahren der Technik bewahren.
Manchmal erinnert mich Harris an Twenge. Im
Guardian nennt er die Abhängigkeit der Nutzer von ihren Geräten und Apps das "drängendste Problem der Gegenwart", das zwischenmenschliche Beziehungen und sogar die Demokratie zum Negativen verändere. Das Magazin
Technology Review zitiert ihn mit einem gewagten Vergleich: Das Suchtpotenzial moderner Technologien ähnle dem von Zigaretten, und die Auswirkungen seien genauso schädlich - nur, dass die negativen Folgen des Rauchens offensichtlicher seien als die "Erosion des menschlichen Denkens", die ein Smartphone mit Facebook, Youtube und Snapchat auslöse.