Mein Lieblingsbuch ist häufig das, welches ich gerade lese - wenn es mich denn fesselt.
Bin in den letzten Zügen von Hallgrimur Helgasons "60 Kilo Sonnenschein", und das ist so ein feines Buch!
Eigentlich mag ich besonders Schräges und Satirisches, das ist auch die Region, in der Helgason vorwiegend schriftstellerisch tätig ist und deshalb hat meine Frau mir das Buch auch zu Weihnachten geschenkt. In Rezensionen wird das Buch meist als Historienroman eingeordnet, das trifft es wohl ganz gut. Trotzdem liest es sich außerordentlich gut - wenn man von den vielen fremden Eigennamen absieht - und ich lege das Buch auch nach längeren Leseabschnitten nur ungern aus der Hand.
Es gibt durchaus auch einige lustige und schräge Passagen, wie z.B. wenn ein Pastor bei einer Beerdigungsfeier in der vollbesetzten Kirche so betrunken ist, dass er über ein kleines Zäunchen vor dem Altar fällt und sogleich einschläft, wobei die versammelte Gemeinde verunsichert abwartet, weil die meisten glauben, es gehöre zur Zeremonie. Aber das Hauptthema ist eben die soziokulturelle Entwicklung im dünnbesiedelten Island an der Wende zum 20. Jahrhundert, dargestellt anhand der anfangs 2-jährigen Hauptfigur Gestur, der von Ziehvater zu Ziehvater weitergereicht wird, bis er, selbst noch nicht erwachsen, seinerseits die Vaterrolle annimmt.
Das ist beeindruckend und fesselnd geschildert - eine gute Empfehlung für einsame Corona-Zeiten im heimischen Wohnzimmer!