Konradin
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Gedanken zum Thema Selbstmord
Im Zusammenhang mit dem aktuellen Selbstmord des Schauspielers Robin Williams bin ich mit der Aussage konfrontiert worden 'Letztendlich lässt sich ein Suizid, wenn das jemand um jeden Preis möchte, nicht verhindern.', die ich in desen Kontext so nicht stehen lassen möchte.
Meines Erachtens gibt es grundsätzlich unterschiedliche Kategorien von Selbstmorden.
Erst einmal, die Selbstmorde, die eigentlich keine sind. Szenarien, die aufgebaut werden, der Wirkung Anderen gegenüber (sozusagen als dramatischer Schrei um Hilfe). Selbstmorde, die möglichst 'fast' klappen sollen, klappen sie aber doch, dann sind sie wohl eher ein Unfall.
Eine andere Kategorie sind die (mehr oder weniger unvermeidlichen) Selbstmorde, mit welcher man sich einer Situation zu entziehen versucht, die einem bedrohlicher erscheint als der Tod. Am 11.7. sprangen einige Leute in den sicheren Tod. Nicht, weil sie sich tatsächlich aus Überzeugung umbringen wollten, sondern weil die akute Bedrohung (lebendig verbrennen) schrecklicher erschien als der Tod. Dies lässt sich nicht verhindern (es sei denn, man ist in der Lage, die Bedrohung auszuschalten).
Die dritte Kategorie ist diejenige, in welcher das Leben zunehmend an Wert verliert, bis man irgendwann nur noch aus purer Gewohnheit weiterlebt. Das Leben wird als Strapaze empfunden und irgendwann fragt man sich, wie lange man noch bereit ist, diese Strapazen zu ertragen. Gebe so jemandem einen neuen Inhalt und er wird sich nicht mehr danach streben, sich umbringen. Dies ist aber leichter gesagt, als getan, denn der neue Inhalt müssen (nicht nur im Kopf) angenommen und auch ausgelebt werden.
Künstler verfügen einerseits über die Sensibilität, welche sie anfällig für Zweifel machen, und andererseits hindert sie keine Verantwortung grundsätzlich daran, dies zu tun. Eine Mutter wird sich kaum umbringen und ihre Kinder im Stich lassen (und wenn doch, dann nimmt sie ihre Kinder mit = erweiterter Selbsmord). Was der Mutter ihre Kinder, das ist dem Künstler sein Publikum. Allerdings trägt er keine Verantwortung für dieses, im Gegenzug wird ihm jedoch aber schon einiges von diesem abverlangt und aufgebürdet.
Bei Manisch-Depressiven pendelt die Situation auf Dauer stabil von einem Extrem in das andere (solange, wie es ohne Selbstmord klappt). Ein Selbstmord ist immer in der entsprechenden Phase ein nicht zu vernachlässigendes Restrisiko und spitzt die generelle Situation sich zu, dann nimmt die Häufigkeit zu. Ein Hindern an der Tat führt meist nur dazu, daß die Zeit zu einem etwas späteren Zeitpunkt nachgeholt wird. Denn die Zwänge der Situation sind wie ein Strudel, den ein Aussenstehender leicht übersieht.
Zwischen diesen beiden Personengruppen gibt es sehr häufig Überschneidungen, wie wohl auch in diesem konkreten Fall.
Nein, diese Aufzählung ist keineswegs vollständig und der Schwerpunkt meiner Aussage bezieht sich auf das eingangs genannte Zitat.
Für den konkreten Fall möchte ich euch aber noch eine andere Sichtweise aufzeigen, als nur darüber zu trauern:
Freut euch über das, was er euch (in der Vergangenheit) mitgegeben hat und denkt daran, daß er es nicht so hätte mitgeben können, hätte er sein Leben anders geführt, als er es tatsächlich gelebt hat. Denn ihr profitiert im Grunde genommen mit davon, daß er am Rande des Abgrunds jobglierte (und nun tut er dies eben von der anderen Seite).
Dieser Gedanke ist weitaus konstruktiver, als traurig darüber zu sein, daß er sein Werk jetzt nicht mehr fortsetzen kann (welches er bei anderm Lebenswandel wahrscheinlich erst garnicht geschaffen hätte).
Wie seht ihr die Situation?
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