Leute, Leute, man kann Theman auch diskutieren, ohne gleich eine andere Meinung in persönlicher oder sachlicher Form anzugreifen. Wie wär's stattdessen mit einem Darstellen der eigenen Meinung und deren unterstützenden Argumenten? Wenn einer wirklich von etwas überzeugt ist, wird er sich auch von persönlichen Ansprachen nicht umstimmen lassen. Außerdem: schriftliches Beleidigen, wie schwul ist das denn? Trefft euch und haut euch auf die Fresse wie echte Männer!
Aber zum Thema (ob ich hiermit eine volkswirtschaftliche oder sonstwelche Sicht vertrete, ist mir ziemlich schnuppe), allerdings ein bisschen generalisierter, um eine Parolendiskussion zu vermeiden:
Zunächst zur
Einführung:
Wir leben zumindest nach dem Modell in einer sozialen Marktwirtschaft, d.h. unser Staat basiert darauf, dass die freie Wirtschaft eben nicht machen kann, was sie will, sondern einer gewissen staatlichen Kontrolle unterliegt, genauer: der Staat greift in bezug auf die Wirtschaft insbesondere genau dann regelnd ein, wenn soziale Belange, gleich welcher Gruppe, in irgendeiner Weise gefährdet sind. Wer mit diesem Grundprinzip ein Problem hat, sollte sich einen anderen Wohnort suchen, oder noch besser: ein besseres System erfinden (und bitte kommt mir nicht mit Sozialismus. Nein, der funktioniert nicht, hat er nie und wird er nie).
Meine Meinung dazu: abgesehen davon, dass ich die soziale Marktwirtschaft als Modell zwar gut finde, das Ziel, diese wirklich effektiv umzusetzen, aber recht träumerisch einschätze (und hier sei beispielhaft nur auf die Machtinteressen der Politik und ihre entsprechenden Entscheidungen zugunsten der einen oder anderen Lobby genannt) bin ich der Meinung, dass die staatliche Eingriffnahme in den meisten Fällen zu weit greift, d.h. der Staat sich viel zu oft in wirtschaftliche Bereiche einmischt, wo eine Selbstregulierungsfunktion der Märkte gesünder wäre (
! Ich rede hier nicht von staatlichen Eingriffen bei Gesetzesverstößen wie den zahlreichen Bespitzelungsskandalen der jüngsten Vergangenheit oder anderen Formen der Wirtschaftskriminalität
!).
Bsp. Braunkohlesubvention.
Seit Jahrzehnten werden Milliarden in einem schwarzen Loch versenkt, dass mit jedem Jahr größer wird. Braunkohleabbau (insbesondere über Tage, wie vielerorts in Deutschland praktiziert) ist nicht nur ein energetisches, sondern auch ein ökonomisches Auslaufmodell, deren Kosten und Nutzen in keinem Zusammenhang stehen (vom umweltpolitischen Standpunkt mal ganz abgesehen). Praktisch jedes Argument, außer ein paar Tausend Wählerstimmen, deren Job gefährdet ist, viel wichtiger aber: der Einfluss einer Industrie, die ihre Interessen seit Jahrzehnten erfolgreich wahrt, spricht dagegen. Es passiert - nichts.
Bsp. Mindestlohndiskussion:
Ein Arbeiter verdient in seinem Job Geld. Ist ihm dieses Gehalt zu niedrig, wechselt er zu einer anderen Firma, die mehr bezahlt (in Wirklichkeit spielen hier natürlich viele Faktoren eine Rolle, aber lassen wir das Modell mal so reduziert). Folge: im Laufe der Jahre bildet sich für jede Branche und für jeden Beruf ein Mittelwert, um den jedes Gehalt in dieser Branche mehr oder weniger stark schwankt. Ist dieser ermittelte Mittel-Lohn für eine Branche zu niedrig, wird ebendiese Branche Schwierigkeiten haben, genügend Arbeitskräfte anzuwerben, die für diesen niedrigen Lohn arbeiten gehen möchten. Folge: der Lohn muss angehoben werden, um die Attraktivität wieder zu steigern.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist gerade im Gesundheitswesen zu beobachten: es gibt immer weniger Ärzte in Deutschland. Die, die sich diese lange Ausbildung antun, gehen z.B. nach England, wo der Lohn deutlich höher ist. Die Branche hat in Deutschland also über kurz oder lang nur die Wahl, die Gehälter zu erhöhen, oder zuzusehen, wie sie vor die Hunde geht.
Was passiert nun, wenn der Staat dieser Entwicklung auf die Sprünge helfen will und einen, wie hoch auch immer anzusetzenden, Mindestlohn einführt? Unternehmen, die bisher unter diesem Mindestlohn lagen und dafür ihre Gründe hatten, werden, um die Kosten nicht ansteigen zu lassen, einen Teil der Mitarbeiter entlassen. Diese stehen nun auf der Straße. Unternehmen, die bisher über diesem Mindestlohn lagen, werden sich natürlich nach unten anpassen, um Kosten zu sparen. Ergebnis: der Status quo (in diesem Fall die Zahl der Arbeitsplätze) hat sich verschlechtert.
Zusätzlich werden die Unternehmen jammern, dass der Mindestlohn die Kosten erhöht und die Preise ihrer Produkte entsprechend erhöhen. Ergebnis: die Mitarbeiter, die ihren Lohn gekürzt bekommen haben, müssen nun auch noch mehr für die Produkte des täglichen Bedarfs ausgeben. Von den Entlassenen mal ganz zu schweigen.
Endergebnis: alle verlieren, bis auf die Unternehmen (die vielverfluchten "Big Bosse", die sich "mal wieder die Taschen vollmachen"). Trotz alledem wird der Mindestlohn in der Politik fröhlich diskutiert und teilweise bereits umgesetzt.
Und schließlich:
Bsp. aktuelle Finanzkrise:
Menschliche Gier und nichts anderes hat zu der aktuellen Krise geführt. Die der Amis, die sich ohne Kohle, und ohne Perspektive jemals welche zu haben, Häuser bauen wollten. Die der Anleger, die auch bei versprochenen 70% Rendite pro Jahr nicht stutzig werden und das Geld jedem noch so windigen Spekulanten fröhlich in den Rachen schmeißen. Und die der Banker/Broker, denen 0,5% Provision für einen läppischen Fonds nicht ausgereicht haben und die deshalb mit Hedge-Fonds und Leverage-Effekt und, nennen wir das Kind beim Namen, Roulette-Spielchen ihre Gewinne verzehnfachen wollten.
Zumindest zwei der genannten drei Gruppen haben das Finanzroulette ziemlich nachhaltig verloren und es steht zu erwarten (wobei man die menschliche Dummheit nie unterschätzen sollte), dass diese die begangenen Fehler nicht wiederholen wollen bzw. sie nicht wiederholen können.
Effekt: der Markt reguliert sich selbst. Der Immobilienmarkt in Amiland ist auf Jahrzehnte im Keller, Anleger haben kein Geld mehr zum sinnlos verpulvern und Banker/Banken sind pleite und haben zusätzlich jedes Vertrauen auf viele Jahre verspielt. So oder so: dieses Szenario wird sich, staatlicher Eingriff hin oder her, so schnell nicht wiederholen. Im Gegenteil: staatlicher Eingriff sorgt gerade in den USA dafür, dass einige Bankrottbanken genug Milliarden zugeschustert bekommen haben, ihren Managern satte Boni zahlen zu können. Ohne staatlichen Eingriff wären diese Boni gezwungenermaßen etwas dürftiger ausgefallen. Mit staatlichem Eingriff aber wird dafür gesorgt, dass nachweislich schlecht wirtschaftende (oder sogar unmoralische) Unternehmen/Banken da weitermachen können, wo sie beinahe aufgehört worden wären.
Noch ein Wort zu den sicherlich von euch nun lauthals beschrieenen Einzelschicksalen (Omas Rente, Fließbandarbeiter bei Opel):
Omas Rente ist futsch (wenn Oma dumm genug war, auf ihre alten Tage noch eine schnelle Mark mit finnischen Erdölzertifikaten machen zu wollen. Ja, klar war die Bank schuld. Vielleicht stimmt es ja sogar. Aber will ich dieser Bank nun auch noch das Überleben sichern???). Daran ändert auch keine staatliche Bürgschaft mehr was.
Und der Opel-Arbeiter? Zugegeben, dieser könnte für 3 Jahre gerettet werden. Nur aber, um dann durch eine neue bekloppte Fusion oder schlechtes Management endgültig rauszufliegen. Probleme wie das von Opel haben nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern sind viele Jahre alt und hausgemacht (z.B. aufgrunddessen, dass auch der deutsche Automobilmarkt schon seit vielen Jahren stark subventioniert wirdn und deshalb wie die Made im Speck auf entscheidende Innovationen verzichtet hat). Und ich bin wirklich heftig dagegen, schlechtem Geld nun auch noch gutes hinterherzuwerfen. Arbeitlosenzahlen hin oder her.
Also (um endlich zum Ende zu kommen und das Threadthema zu beantworten, ohne auf die sehr stammtischhaften Parolen von
mcm81 näher einzugehen):
Gewinne privatisieren, ja bitte! Verluste aber bitteschön auch!
Puuuuuhhh, laaaanger Post, aber so ein Thema lässt sich nicht in zwei Sätzen abhandeln (obwohl es noch soviel mehr zu schreiben gäbe). Bin auf eure Kommentare gespannt.
Ach ja: eine kleine Bosheit kann ich mir am Ende doch nicht verkneifen:
Aber das jetzt wieder zu verstehen, sprengt bei einigen Leuten schon wieder die Inteligenz...
Wie sehr ich es doch liebe, wenn jemand eines anderen "Inteligenz" anzweifelt...
:löl:
Greetz
MetalMatze