Chrome 87 zum Download: Letztes Update des Jahres mit Speed-Kick
Das letzte große Chrome-Update des Jahres kommt nicht mit einem Feuerwerk, trotzdem gibt es einige Neuheiten. So hat Google einen neuen PDF-Viewer an Bord, der aber nicht gleich für alle zu sehen ist. Dazu gibt es viel Feinschliff, gezügelten Ressourcen-Verbrauch und mehr Sicherheit. Google selbst preist vor allem massive Performance-Gewinne an.
Chrome ist die klare Nummer 1 bei Browsern, das zeigen die aktuellen Zahlen bei den Marktanteilen, auch wenn es kleinere Schwankungen gibt. Genauso wie die Konkurrenz arbeitet Google aber trotzdem weiter fleißig an neuen Versionen des Browsers und damit auch an neuen Features.
Das letzte große Release dieses Jahres ist Chrome 87 und Google schraubt dabei wieder an verschiedenen Stellen. Schon allein aus Sicherheitsgesichtspunkten sollten Sie mit dem Update nicht allzu lange warten, immerhin werden wieder jede Menge Sicherheitslücken gefixt.
Chrome 87 ist die letzte offizielle Browser-Version von Google, die auch noch Flash unterstützt. Auf das drohende Support-Ende von Flash weist Chrome schon länger hin und bietet auch gleich einen Schalter an, um Flash zu deaktivieren.
Google selbst hat dem letzten Chrome-Release des Jahres sogar einen eigenen Blog-Beitrag spendiert, in dem satte Performance-Gewinne angepriesen werden. Dass es sich dabei um interne Benchmarks handelt, sollte man wissen, die Rede ist von schnelleren Starts (25% schneller), verbesserten Seitenladezeiten (7%) sowie optimierter Vor- und Zurück-Navigation. Was davon in der Praxis wirklich stehen bleibt, muss man über die nächsten Wochen sehen.
Neue PDF-Ansicht in Chrome 87
Leider macht Google auch unter Chrome 87 weiter mit seiner Salami-Taktik, Neuheiten Stückchen für Stückchen auszurollen. Ganz cool ist der neue PDF-Viewer. Der kann mehr als sein Vorgänger, zeigt bei umfangreicheren PDF-Dokumenten zum Beispiel eine Minivorschau der Seiten am linken Fensterrand an und erlaubt neben der einseitigen jetzt auch die doppelseitige Anzeige.
Das sind alles nette Sachen, die zu einem grundlegenden PDF-Viewer gehören und Chrome beherrscht sie jetzt. Leider kriegt nicht jeder die neue Ansicht gleich freigeschaltet. Aber Sie können die PDF-Anzeige über die Flags aktivieren. In Chrome rufen Sie dazu zunächst über die Adresszeile chrome

/flags die versteckten Schalter auf und suchen nach pdf-viewer-update. Stellen Sie das Feature auf "Enabled" und starten Sie Chrome neu. Von jetzt an sehen Sie den neuen PDF-Viewer. Sollte Sie noch über Bugs stolpern, deaktivieren Sie die Funktion einfach wieder.
Weitere Chrome 87 Neuheiten
Ein Dauerbrenner ist bei Chrome weiterhin das Thema Ressourcen-Verbrauch. Im letzten Browser-Test zeigte sich, dass Chrome zwar schnell arbeitet, aber eben auch verhältnismäßig viel CPU-Zeit und RAM in Beschlag nimmt. Ein Mittel dagegen ist unter anderem die Reduktion des Verbrauchs bei Hintergrund-Tabs.
Chrome 87 erlaubt Hintergrund-Tabs das Aufwachen nur einmal pro Minute und in diesen Fällen dürfen sie höchstens 1 Prozent CPU-Leistung in Anspruch nehmen. Laut Google soll der neue Chrome fünf Mal weniger CPU-Ressourcen verbrauchen, was bei akkubetriebenen Geräten zu einer längeren Laufzeit von über einer Stunde führen soll. Auch hier gibt Google wieder "interne Messungen" an.
Weitere Neuheiten in Chrome 87:
- Gezügelte DNS-Abfragen: Wenn Sie Begriffe in die URL-Zeile eintippen, passieren mehrere Dinge gleichzeitig. Unter anderem versucht Chrome eine DNS-Auflösung zu machen, damit Sie möglichst schnell auf den gewünschten Webseiten landen. Dabei gibt es jetzt eine Ausnahme. Wird nur ein Wort eingetippt, etwa "helpdesk", unterbleibt die Namensauflösung aus Datenschutzgründen.
- PDF- und DOCX-Warnungen: Chrome hat schon seit einigen Versionen Warnungen und Blocker für unsichere Downloads am Start. Mit Chrome 86 blockierte der Browser neben EXE- auch ZIP- und ISO-Dateien, mit Chrome 87 kommen PDF- und DOCX-Formate hinzu, wenn diese nicht per HTTPS ausgeliefert werden.
- Protokoll entfernt: Chrome 87 entfernt das für WebRTC verwendete Protokoll DTLS 1.0 aus Sicherheitsgründen.
- FTP-Einschränkungen: Die FTP-Nutzung in Chrome geht gegen Null. Dementsprechend hält Google es für überflüssig, das uralte und nicht verschlüsselte Protokoll noch zu unterstützen. Mit Chrome 87 wird FTP-Support für die Hälfte der Nutzer abgeschaltet. Wer FTP noch nutzen will, kann es aber über Flags aktivieren.
- Tab-Suche: Leider ist die Tab-Suche wieder so ein Feature, das erst über die kommenden Wochen kommt, denn praktisch ist sie allemal. Ein kleiner Pfeil über der Adressleiste offenbart ein Suchfeld, in den Sie einfach einen Begriff eintippen. Chrome macht dann einen Suchlauf quer über alle geöffneten Tabs.
- Chrome Actions: Auch diese Funktion ist heute bei den meisten Usern noch nicht angekommen, soll aber in den nächsten Wochen starten. Sie tippen dabei einfach Befehle in die URL-Zeile ein, die intern auf Chrome-Funktionen verweisen. So knnen Sie etwa schnell den Verlauf löschen oder Passwörter editieren. Eine Übersicht über die ersten Kommandos gibt es auf dieser Seite.
Google verteilt http/3 für Chrome
Wie Google in einem Blog-Beitrag mitteilt, hat man mit der Verteilung von http/3 für Chrome begonnen. Das Hypertext Transfer Protocol ist wohl jedem Internet-Nutzer schon mal über den Weg gelaufen, auch wenn es kein Mensch mehr explizit in die Adresszeile des Browsers eintippt. http/3 ist die neueste Ausgabe des Übertragungsprotokolls, die wiederum auf das Protokoll QUIC (Quick UDP Internet Connections) aufsetzt. Das Konzept: HTTP wird schneller, wenn es nicht auf TCP (Transmission Control Protocol), sondern auf UDP (User Datagram Protocol) setzt.
Unter dem Strich kriegt man schnelleren Verbindungsaufbau und auch eine schnellere Arbeitsweise, weil mehrere Datenströme parallel in eine UDP-Verbindung gepackt werden. Google macht nun Nägel mit Köpfen und schaltet http/3 in Chrome frei. 25 Prozent der Nutzer sollen es jetzt schon nutzen können, Google will die neue Technik aber über die nächsten Wochen für eine breitete Nutzerbasis aktivieren. Nach Google-Angaben sinkt die Latenz bei der Google-Suche durch die Umstellung um 2 Prozent, das YouTube-Rebuffering wird 9 Prozent schneller und der Durchsatz auf Desktop und Clients erhöht sich um 3 bzw. 7 Prozent.
Damit man von http/3 profitieren kann, müssen Webserver diesen Standard unterstützen. Das ist bei der Mehrheit an Webseiten bisher nicht der Fall. Nutzer können über diese Testseite ausprobieren, ob http/3 bei Ihnen schon aktiviert ist oder nicht.
Chrome Vorteile
Der großen Vorteile von Chrome sind Geschwindigkeit und die starke Unterstützung von Webstandards. Mit keinem anderen Browser sind Sie so schnell unterwegs und auch bei der Kompatibilität mit Webseiten und Diensten hat Chrome die Nase vorn. Das liegt einerseits an der guten Arbeit der Entwickler, andererseits ist Chrome auch mit großem Abstand der meist genutzte Browser, sodass auch alle Angebote auf Chrome ausführlich getestet werden.
Chrome Nachteile
Doch Chrome ist nicht perfekt, auch den letzten Browser-Test konnte er nicht gewinnen. Chrome ist als Google-Produkt natürlich eng mit dem Suchmaschinenriesen und seinen anderen Diensten verbandelt. Der Sync mit anderen Chrome-Inhalten läuft über ein Google-Konto und das dürfte Nutzern nicht gefallen, die auf Datenschutz bedacht sind. Auch einen Tracking-Schutz gibt es in Chrome noch nicht und im Betrieb rafft der Browser auch noch viele Ressourcen.
Quelle:
Chrome 87 bringt Speed-Kick - CHIP