Sorry. aber das klingt schon nach missionarischem Eifer, nach einer ansatzweise militanten Sicht der Dinge und nach festen Erwartungen an deine Mitmenschen (auch wenn eine solche Haltung im Hinblick auf deine angeführten Beispiele lobenswert und angebracht ist)
Man hat eben zu oft versucht, mich gewaltsam zu missionieren. Das hinterlässt Spuren.
Die einzige grundsätzliche Erwartung, die ich an andere habe, ist, daß sie mich (und gegebenenfalls auch andere) in Ruhe lassen. Bei Freunden ist dies natürlich anders, da habe ich schon mitunter ganz konkrete Erwartungen. Aber dies beruht dann auch auf Gegenseitigkeit.
Es gibt eine Entscheidung des dänischen Gleichstellungs-Ausschusses, der öffentliches Stillen als unsittlich bezeichnet, in den USA ist Stillen an öffentlichen Orten in vielen Staaten verboten, das Thema wird häufig heiß und kontrovers diskutiert. Offensichtlich scheidet das Thema die Geister. Woher nimmst du das Recht, allen Gegnern Verklemmtheit vorzuwerfen und zu behaupten, sie zwingen ihrer Umgebung Toleranz auf, ohne sie selbst an den Tag zu legen? "Die Kinder vor Nacktheit schützen" ist mir ein zu oberflächlicher Grund - ein stereotypisches Vorurteil.
Sorry, aber ausländische Beispiele, vor allem aus den USA spiegeln unsere hiesige Realität nicht wider und sind somit irrelevant. Dort gibt es heutenoch teilweise Gesetze, die selbst nicht-öffentliche Sexualpraktiken verbieten und prominente Stimmen, welche Schwule zwangskastrieren wollen. Eine völlig andere Situation als die unsere.
Mir ist der Grund 'die Kinder vor Nacktheit schützen' auch ein zu oberflächlicher Grund. Aber wie meinst du das mit dem stereotypischen Vorurteil? Ich habe diesen (meiner Meinung nach vorgeschobenen) Grund nicht erwähnt, weil er einem gängigen Klischee entspricht, sondern weil er mir in Diskussionen einige hundert Male genannt wurde. Insofern scheint er schon der Vorstellung 'dieser Leute' zu entsprechen.
Ich nehme mir nicht das Recht, 'allen Gegnern' Verklemmtheit vorzuwerfen, aber meines Erachtens zeichnen sich gerade verklemmte Menschen dadurch aus, jede Art Nacktheit vehement bekämpfen zu müssen - und dies erstreckt sich natürlich auch auf das öffentliche Stillen.
Als 'bekennender Nackter' habe ich in meinen Leben sicherlich schon einige Diskussionen über dieses Thema geführt und die gängigen Argumentationen sind mir ganz sicher geläufig.
Es muss natürlich nicht jedem gefallen, aber es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob mir etwas missfällt oder obe ich es gleich generell verbieten möchte.
Das hat auch wenig mit Recht haben oder nicht Recht haben zu tun, die Frage ist, ob man sich das Recht nimmt, anderen Menschen eine Lebensweise aufzuzwingen, die nicht die ihre ist. Ich jedenfalls zwinge niemanden, nackt herumzulaufen, das sollte jeder machen, wie er selber es für richtig hält.
Es gibt eine Reihe natürlicher Aktivitäten, die in der Öffentlichkeit eher verpönt sind; Rülpsen, Flatulieren, Urinieren, selbst öffentliches Küssen (mal abgesehen von Grußküssen) wird kontrovers gesehen. Stört mich nicht - brauch ich ja nicht hinsehen. Was anderes ist, wenn jemand angegriffen oder gar verletzt wird, ob verbal oder taktil, da hört's dann auf mit der Toleranz.
Die entscheidende Frage dabei ist, wo genau fängt im einzelnen Fall die konkrete Belästigung an. Mir gefällt es auch nicht, wenn mir in der U-Bahn jemand gegenübersitzt, der ständig rülpst. Aber solange er sich nicht auf meinen Schoß setzt und mir direkt ins Gesicht rülpst, solange werde ich wohl darüber hinwegsehen müssen. Das hat nicht mit öffentlichen Moralvorstellungen zu tun, sondern mit deutlich übergrifigem Verhalten.
Wenn jemand deutlich macht, dass er das Stillen meiner Frau so nicht ok findet, dann ist das kein Angriff, sondern Zeugnis einer anderen Denkweise, mit der ich mich zumindest auseinandersetzen kann.
Kann aber nicht muss. Es kommt ganz auf die Beweggründe an.