Rechtsfälle zum Kannibalismus im modernen Europa[Bearbeiten]
Zu den bekanntesten Mehrfachmördern in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehört Karl Denke. Er ermordete während des Ersten Weltkrieges 26 Männer und 5 Frauen. Bei ihm wurden Behälter mit gepökeltem Menschenfleisch gefunden.[55]
Einer der bekanntesten Kannibalen der deutschen Rechtsgeschichte ist der aus Hannover stammende Fritz Haarmann. Es ist allerdings nie geklärt worden, ob der Fleischer seine Opfer selbst aß oder ausschließlich als Dosenfleisch verkaufte. Beides ist jedoch nicht erwiesen. Der Fall wurde unter dem Titel Der Totmacher mit Götz George verfilmt.
Zu den spektakulärsten Fällen in der deutschen Nachkriegszeit gehörten die Taten des Serienmörders Joachim Kroll Mitte der 1960er Jahre, der von der Polizei auf frischer Tat ertappt wurde, als er die Hand seines letzten Opfers zum Verzehr zubereitete.
Issei Sagawa tötete 1981 in Paris die 25-jährige Renée Hartevelt und aß Teile.
Der ukrainisch-russische Serienmörder Andrei Tschikatilo wurde 1994 als Monster von Rostow wegen 53 Morden vor allem an Frauen und Kindern, die er teilweise gegessen hatte, hingerichtet.
Im März 1996 hatte in Deutschland ein 33-jähriger Mann während des Prozesses behauptet, seinen 81-jährigen Lebensgefährten ermordet und dessen Innereien gegessen zu haben. Der Fall wurde jedoch nicht aufgeklärt.[55]
In Italien sorgte 1998 ein Prozess gegen einen 30-jährigen Mann für Aufsehen, weil dieser seine zwei Jahre alte Tochter ermordet und den Leichnam teilweise gegessen hatte — jedenfalls warf ihm das seine ältere Tochter vor.[55]
In Finnland mussten sich im März 1999 drei junge Männer und eine Frau wegen Kannibalismus und Mordes vor Gericht verantworten: Die Anhänger eines Satanskults hatten ein Gruppenmitglied gefoltert, getötet und Körperteile verzehrt.
Im Oktober 2001 nahm die Polizei in Weißrussland sechs Menschen fest, weil sie einen Mann getötet und seine Leber gegessen hatten.[55]
Im Jahr 2002 wurde im Rheinland die Tat eines 21-jährigen Elektrikers bekannt. Der als Kannibale von Koblenz bekannt gewordene Thomas S. soll seine Cousine umgebracht haben. Die Polizei fand Teile der Leiche zubereitet mit Reis im Backofen des mutmaßlichen Täters. Bis heute bestreitet der Mann die Tat, jedoch konnten einige Teile der Leiche nie aufgefunden werden, was die ermittelnden Behörden zu der Annahme veranlasst, dass diese vom Beschuldigten bereits verspeist wurden.
Im Jahr 2003 erregte ein weiterer Fall von Kannibalismus in Deutschland Aufsehen. Der Berliner Bernd Jürgen Armando Brandes antwortete auf eine Internetanzeige und stellte sich als Opfer für ein kannibalisches Essen zur Verfügung, das der Rotenburger Armin Meiwes vornahm. Meiwes wurde auch als Kannibale von Rotenburg bekannt. Mit Einwilligung des Berliners hat Meiwes ihn nach eigener Aussage (bereits 2001) vor laufender Kamera getötet und Teile seines Körpers gegessen. Im Mai 2006 wurde Meiwes zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes und Störung der Totenruhe verurteilt. Es gibt in Deutschland kein explizites gesetzliches Verbot von Kannibalismus.
Im Jahr 2005 ermordete der als Kannibale von Schweden bekannt gewordene Lennart Persson auf bestialische Art zwei Bekannte, trank deren Blut und verspeiste kleine Teile der Leiche. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.[56]
Im Jahr 2007 wurde in Tschechien durch Zufall ein Kannibalismus-Fall aufgedeckt. Eine Familie folterte ihre beiden Söhne im Keller, schnitt ihnen Fleisch ab und häutete eines der Kinder teilweise, um es zu verspeisen.[57] Die Gralsbewegung, der diese Familie zugerechnet wurde, hatte sich 11 Jahre zuvor von der Gruppe distanziert.[58]
Ebenfalls im Jahr 2007 wurde ein Kannibalismusfall in Österreich bekannt: Der 19-jährige Robert Ackermann hatte am 26. August in Wien seinen 49-jährigen Mitbewohner Josef Schweiger erschlagen und ihn anschließend vom Hals bis zum Schambereich aufgeschnitten. Danach entnahm er seinem Opfer einige Innereien und aß diese. Das Hirn des Toten wurde auf einem Teller gefunden. Ackermann wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und in die Sondervollzugsanstalt Göllersdorf eingewiesen.
Im Jahr 2009 ereignete sich ein Kannibalismusfall in Russland: Drei Russen hatten im Herbst in der Stadt Perm einen 25-jährigen Mann mit mehreren Hammerschlägen und Messerstichen ermordet und das Menschenfleisch an einen nichtsahnenden Dönerbudenbesitzer verkauft, der es zu Dönern verarbeitete und es seinen ahnungslosen Kunden verkaufte. Zwei der Russen wurden zu 18 Jahren, der dritte zu 13 Jahren Straflager verurteilt.[59]
Im Jahr 2010 ereignete sich ein Kannibalismusfall in der Slowakei: Der 43-jährige Matei C. hatte zwei Frauen ermordet und deren Fleisch teilweise gegessen. Es handelt sich hierbei um die 20-jährige Lucia Uchnárová und Elena Gudjáková, deren Alter nicht bekannt ist. Uchnárová war psychisch krank und suchte im Internet einen „Schlächter“, welchen sie in Matei C. fand. Am 3. September fuhr sie nach Kysak, wo er sie tötete. Auch Gudjáková wollte sterben und fuhr am 22. Juli nach Kysak. Aber Matei C. machte nicht Halt: Er suchte sich per Internet ein sterbenswilliges Opfer. Ein Schweizer antwortete darauf und wollte sich beim darauf folgenden Treffen in Kysak freiwillig aufessen lassen. C. wollte den Mann töten, vierteilen und verspeisen. Doch dann meldete sich der Schweizer bei der Polizei. Statt ihm kam beim Treffen in Kysak ein Polizist. Nach einer Schießerei konnte die Polizei den Mann überwältigen, der später seinen Verletzungen erlag. In einem Rucksack fand die Polizei ein Grill-Gewürz, eines für Steaks und eine Mischung für Schweinefleisch-Braten. Außerdem wurden noch mehrere Packungen Pfeffer und kleine Wodkaflaschen gefunden. Die Polizei fand auch die Mordwerkzeuge: Grill-Aluminium-Schalen, Kabelbinder, Betäubungstabletten, eine Knochensäge und mehrere Messer.[60]
Im Jahr 2011 tötete in Russland am 2. Mai ein 35-jähriger Mann namens Nikolai Sch. seinen 40-jährigen Bekannten, zerstückelte ihn, bereitete Teile der Leiche als Essen zu und aß dessen Organe als Ragout. Andere Stücke des Opfers warf er in den Fluss. In seiner Wohnung wurden die Mordwerkzeuge und im Tiefkühlfach Organreste gefunden. Der psychisch kranke Nikolai Sch. wurde beim Essen des Menschenfleisches in seiner Wohnung festgenommen. Unter den zubereiteten Organen war auch Leber. Die Polizei war Sch. auf die Spur gekommen, als Passanten Anfang Mai an der Moskwa Leichenteile fanden.[61]
Am 23. September 2011 verletzte die Köchin des Pater-Rupert-Mayer-Gymnasiums in Pullach, die 40-jährige Blessing O., ihren Kollegen, den 41-jährigen Date D., indem sie ihm im Streit die halbe Unterlippe abbiss und herunterschluckte.[62]
Im Jahr 2012 wurde ein Kannibalismusfall in Russland bekannt: Vier Goldsucher brachen zum Goldsuchen auf. Währenddessen töteten zwei der Männer ihre beiden Kameraden, zerhackten die Leichen mit einem Hammer und aßen sie.[63]