
Mach ich!
Fest stand, dass das maximale Preislimit bei 800 Euro für den Ofen liegen sollte. Zum Einen, weil wir zur Miete wohnen und den Kamin nach Auszug nicht mitnehmen wollten, zum Anderen, weil wir keine Erfahrungen mit Holzheizungen hatten und mir das Risiko zu hoch war, eine größere Summe in den Sand zu setzen.
Ein guter freund hat ein Eigenheim und einen Kaminofen eingebaut. Allerdings ein 300-Euro-Baumarktteil und ohne Abnahme des Schornsteinfegers. Zumindest konnte ich mir da schon ein Bild machen und hab auch sofort beschlossen, dass es zumindest etwas wertiger sein soll, als der Ofen von ihm (Handgriff wird glühend heiß, keine Wärmespeicherung, weil "Blechdose" ohne Speichersteine, Scheibe gerissen, Tür dichtet nicht mehr richtig ab, zieht Nebenluft und verbrennt deswegen unsauber und unwirtschaftlich).
Ein kurzer Blick ins Netz ließ mir dann die Kinnlade runterfallen. "Markenöfen" können durchaus 2000 Euro und aufwärts kosten. Plus Schornstein und Montage wären das dann 3000 Euro geworden, die ich nicht ausgeben wollte.
Beheizt werden sollten mindestens zwei Räume (Wohnküche und angrenzendes Arbeitszimmer), insgesamt etwa 70m². Empfohlen wurde mir ein Ofen mit maximal 8 KW Heizleistung für diese Grundfläche (wählt man einen zu großen Ofen hat man das Problem, dass die Räume schnell überheizen oder man die Verbrennung so stark runterregeln muss, dass Flammrohr und Schornstein schnell versotten).
Wichtig war mir eine Ausführung mit Speckstein, damit man noch ein,zwei Stunden Wärme hat, wenn das Feuer ausgeht.
Meine Nächste Anlaufstelle war eBay.
Nach diversem Rumgeklicke und Testberichtgelese haben wir uns dann für den o.g. Ofen entschieden, die UVP lag bei 1.249,00 Euro, die Auktion habe ich dann bei 630 Euro gewonnen, gleich ein Flammrohr dazubestellt, incl. Lieferung waren es, glaube ich, so etwa 730 Euro.
Als der Ofen dann geliefert wurde (ACHTUNG: Der wird normalerweise nur frei Bordsteinkante geliefert und wiegt etwa 250 Kilo!), habe ich den Schornsteinfeger angerufen, der auch ein paar tage später zur Raumbegehung da war. Er hat den Aufstellort abgenommen und die Ofendaten aufgenommen, um Höhe und Durchmesser des Aussenkamins zu berechnen, damit der Zug stimmt und keine Abgase in den Wohnraum gedrückt werden.
Nachdem die Berechnung kam, wieder ins Netz, zum Schornsteinkauf.
Klar war, dass es ein Edelstahlkamin sein sollte, der aussen an der Wand angebracht wird. Entschieden haben wir uns für ein Rohr in 0,6mm Wandstärke (dünner soll nicht so beständig sein und es soll die Gefahr bestehen, dass bei einem eventuellen Schlotbrand der Kamin Totalschaden erleidet). Kostenpunkt lag so etwa bei 650 Euro bei 3 Metern Schlotlänge (Penthousewohnung mit Flachdach, deswegen keine größere Höhe nötig). Bei größerer Höhe wirds schnell vierstellig. Der Schornstein muss über den höchsten Dachpunkt ragen, sonst keine Abnahme.
Das Ausmessen der Anbauhöhe, Abstand zur Wand etc. habe ich selbst übernommen.
Der Kamin wurde dann, wie oben erwähnt, bei Schornsteinwelt.de bestellt und wurde schnell geliefert. Fragen (habe sowas ja noch nie gemacht) wurden schnell per Mail benatwortet, auch keine Selbstverständlichkeit bei "Billiganbietern". Der Kamin hat übrigens eine 15-Jahre-Garantie gegen Durchrostung. Das Steckprinzip ist simpel (die ein Meter langen Rohrelemente werden ineinandergesteckt und mit Überwurfschellen fixiert).
Mit einem bauversierten Kumpel habe ich dann den Wanddurchbruch gemacht, den Kamin angebaut und an den Ofen angeschlossen. Das Ganze funktioniert nach dem Steckprinzip, ich habe gelesen, dass man nur in Ausnahmefällen mit Dichtmasse arbeiten muss.
Nach Beendigung der Bauarbeiten (der Wanddurchbruch wurde von uns mit viel Steinstopfwolle sehr dicht verdämmt und anschließend mit Hochtemperaturgips zugegipst) wurde dann der Ofen in Betrieb genommen.
Ich wurde gewarnt (sowohl im Netz, als auch in der Bedienungsanleitung des Ofens), dass es die ersten Paar Befeuerungen stinken kann, da die Lacke auf Wasserbasis (Vorschrift!) sich einbrennen müssen, was Geruch verursacht.
Stimmte auch, es stank die ersten 3-4 Mal wirklich unangenehm, nahm dann aber schnell ab.
Holz haben wir anfänglich aus dem Baumarkt (schlechte Qualität, teils feuscht und schimmelig und sauteuer) geholt, dann über Ecken aber Holz "vom Bauern" kaufen können, Birke und Buche gemischt, Raummeter 25 Euro, Superpreis! Furztrocken und super Abbrand.
die Räume wurden von Oktober bis April jeden Tag ab etwa 16.00 Uhr bis 23.00 Uhr, am Wochenende ganztägig beheizt. Verbraucht haben wir insgesamt 4,5 Raummeter, entspricht einem Kostenrahmen von ungefähr 150 Euro (incl Anzünder). Dazu kommen Kosten für die Verarbeitung des Holzes (Abgeholt haben wir es als geviertelte, ein Meter lange Scheite) und Sprit zum Transportieren (Anhänger von Schwiegervater) und ein Wochenende Muskelschmalz und Tee.
Kosten für den Schorni: Etwa 160 Euro.
Hoffe, ich habe nichts vergessen und ihr könnt damit was anfangen. Wenn noch Fragen sind, fragt!
Gruß, Halycon