Ernsthaft, littleprof?
Ich werde mich hier bestimmt nicht über die Relevanz von einzelnen Kriegen und bestimmt auch nicht über tendenzielle
Neuformulierungen, die teilweise schon an orwellschen Neusprech erinnern, auseinandersetzen.
Und selbstverständlich klingt "Gewaltkonflikt" bzw. die dementsprechende Definition der UN von "gewälttätigen Konflikten"
- hier quasi in der deutschen Fassung
Krieg | bpb.de -
um einiges harmloser für Deutschsprachige als (alt-) "kriec" bzw. hochdeutsch "Krieg".
Siehe auch hier:
Krieg – Wikipedia
Wir haben ja auch seit Gründung der BRD - wie in den USA - ein Verteidigungsministerium, anstelle der vormaligen div. Kriegsministerien.
Aber ich widerspreche deutlich, was die völkerrechtliche Bedeutung z.B. nur die der Jugoslawienkriege angeht.
Ist es übrigens tatsächlich auch schon so lange her, dass die Erinnerung nicht nur an Sarajewo und Srebrenica verblast ist?
Oder ist es so, dass das jetzige Bedrohungspotential dieses aktuellen Krieges (ich bleibe bei dieser trad. deutschen Bezeichnung) ein anderes ist, da hier eine ehemalige wie eine aktuelle Nuklearmacht aufeinandertreffen?
Aber ja, in einem unterscheidet sich dieser Krieg substanztiell schon von so manchen Kriegen vorher.
Hier wird ein Staat überfallen, der gegen gewisse Gegenleistungen und "Sicherheitsgarantien" ab 1991 bis 1994 mit dem Budapester Memorandum seine Atomwaffen abschaffte!
Budapester Memorandum – Wikipedia
Na, später vielleicht noch mehr dazu.
Ich schäme mich
Zum Einen, weil ich in meinem Alter selbst kaum noch in der Lage bin, konkret physisch zu helfen,
des weiteren, weil alle Lehr- und anderen Tätigkeiten mein persönliches Versagen jetzt nicht kachieren können.
Und auch als Deutscher und Europäer, weil Politik wie Volk/Völker anscheinend kaum etwas Substantielles dazu gelernt haben.
Denn auch aktuelles Geld oder Hilfestellung, z.B. an meinem Wohnort, sind ja lediglich der allerkleinste Beitrag
- oder vllt. sogar nur ein Ablass? - welcher bestenfalls parallel zu konkreten, konstruktiven Hilfen bei der Verteidigung von Menschen, deren Rechten und einem evtl. noch möglichen, späteren Frieden in Konflikten beitragen kann.
"Fremde" Solidaritätsbekundungen sind also bestenfalls ein erster Schritt, ersetzen aber kaum konkrete Maßnahmen, um direkte wie strukturelle Gewalt einzudämmen und auch zukünftig zu verhindern.
Und Waffenlieferungen als Hilfe zum kriegerisch "letzten Mittel" einer Auseinandersetzung ...?
Weder grundsätzlich gut, noch wirklich je hilfreich, vor allem, wenn der Angegriffene bereits halb am Boden liegt und von einer Mehrheit von Gewaltbereiten umzingelt ist.
Da hilft nach meiner Erfahrung nur massive, konkret solidarische, physische Hilfe zur Selbstverteidigung von Betroffenen.
Dafür sollte man plädieren, anstatt dem Motto zu frönen: Hilf dir selbst.
Das zumindest war immer und ist mein Credo auch heute. Ich glaube, so etwas nennt man Zivilcourage
Nebenbei, was ist unter diesen Gegebenheiten eine NATO-Mitgliedschaft überhaupt (noch) wert?
Nicht nur das jetzt ein neues "Leningrad" und ein schon länger offen zur Schau gestelltes, zweites bzw. drittes, viertes faschistoides System in Europa sich ausweiten will.
Im Gegensatz zu "unserer" deutschen Geschichte wäre ja jetzt Hilfe noch möglich (oder ist es doch bereits zu spät?).
Dazu kommt, dass substantielle Demokratien sukkzesiv abnehmen!
I.P. gibt es inzwischen nur noch 10-15% "echte" Demokratien auf dieser Kugel (Stichwort: Demokratieindex) s.a.
Demokratieindex – Wikipedia
Was sind also alle wortreichen Beteuerungen zur Verantwortung deutscher bzw. europäischer Geschichte, mit allen Garantien zu Menschenrechten und der UN-Charta wert, wenn einerseits diese Beteuerungen betreff Sarajewo und Srebrenica zu einem NATO-Einsatz in Ex-Jugoslawien (niemals NATO-Gebiet m.W.n.) mit militärischem Eingreifen führten; unter damaliger Zustimmung der Deutschen (und Grünen), allerdings bei zeitgleich damals auch sehr "schwachen" Gorbatschov-Nachfolgern, wie Jelzin & Co.
Und andererseits um "die Freiheit am Hindukusch in Afghanistan zu verteidigen" was zu einem sehr langwierigen, militärischem Einsatz mit anschließender Flucht führte; nur weil die UdSSR inkl. Nachfolgerregime damit bereits schon abgeschlossen hatten?
Allerdings sahen die USA darin ja ihr vitales Interesse in Terrorismusabwehr gegenüber der freien Welt, ähnlich wohl wie in Vietnam, in Korea, im Irak etc. pp.
Allerdings drängt sich doch dann auch heute noch die Frage zumindest über die Definition von Terror auf, oder ging es schlicht nur um billige Rache bzw. Dominanz gegenüber scheinbar Schwächeren? Wie jetzt auch?
Dagegen heute also "einfach" daneben zu stehen,
um mit aufmunternden Worten und Protestnoten und mit etwas Kleingeld einem fast am Boden Liegenden und um Hilfe Schreienden zu "unter-stützen", kann ja wohl kaum als echte "Hilfe" verstanden werden, oder?
Ebenso wenig wie wortreiches Schweigen.
Solidaritätsadressen von Parlamenten oder Reden zur eigenen Nation werden für mich spätestens dann auch heuchlerisch, wenn Eigeninteressen vor konkreten Hilfsmaßnahmen rangieren.
Zwar wird einerseits so getan, als ob man dem bösen Gegner das Taschengeld inkl. Konto sperrt, aber gleichzeitig und sogar ganz offen kommuniziert, werden persönliche Deals mit der Gegner weiterhin milliardenfach gesponsert.
Wie bitte?
Weil man sonst eventuell selbst konkret mit "gewissen", eigentlich aber längst absehbaren, selbstverschuldeten Beschränkungen konfrontiert wäre?
Wohlstand weiterhin um jeden Preis?
Soll so etwas auch wirklich weiterhin als besonnene Konflikt und Problem vermeidende Politik verstanden werden?
Nun, stattdessen wird der Gegenseite signalisiert, dass er konkrete, ihn bedrohende Gegenmaßnahmen ganz bestimmt nicht zu befürchten hat.
Lediglich mit in der Vergangenheit bereits schon tausendfach geäusserten Gegendrohungen,
beschränkt aber eben nur für den Fall einer direkten Bedrohung bestimmter "eigener" terretorialer Gebiete, würden dann gewalttätige Mittel zur Verteidigung des eigenen Gartenzauns angewendet werden.
Brauchte es dazu in der Vergangenheit wirklich hochbezahlte Militaristen, Generäle wie Rüstungslobbyisten, die wohl alle allzu gerne ihre teuren taktischen Spielzeuge auch mal real ausprobieren wollten, allerdings nur dann, wenn sie selbst sicher im Bunker saßen?
Oder Regeln und Verträge, hier speziell bzgl. terrtorialer Integrität, an die die eine Seite (aus falsch verstandenem Selbstschutz?) manchmal weiter "festhält", selbst wenn der Kontrahent sie auf allen Ebenen bricht bzw. schon des Öfteren gebrochen hat? Gilt nebenbei für alle Seiten!
Und dies, obwohl beide Seiten eigenverpfichtende völkerrechtliche Garantien dazu abgegeben hatten!
Wie bitte funktioniert denn in einem solchen Kontext zudem auch noch eine sogenannte "atomare Abschreckung"?
Bei einem Gegner, der ggfs. nicht nur blufft, sondern vielleicht, wenn auch "nur" regional, zur derzeit ultimativen, wenn auch nur "taktisch begrenzten" Waffe greift.
Das man sich bisher nicht gegenseitig direkt an den Karren fuhr, sondern höchstens Stellvertreterkriege und andere, fremde Opfer zur Erhaltung des eigenen Status Quo agieren ließ, dient letztlich wozu?
Wenn also ultimative, nukleare Massenvernichtungswaffen auch nicht mehr (oder noch nie) zu "Recht" helfen, dann soll also noch mehr perfide Ausgeklügeltes, sogenanntes "Konventionelles" und "Menschen", die diese Waffen dann nicht nur "Stand by" halten,
"besitzen" und bewachen, sondern auch "nutzen" sollen, sprich also Milliarden-fache "Aufrüstung", zukünftig "helfen"?
Oder fällt das dann nur unter Konsum/Besitz bzw. unbedingt haben wollen?
Das so etwas aktuell wieder unter indirekter wie direkter Beteiligung von fünf der größten Waffen produzierenden Staaten der Welt diskutiert und beschlossen wird, im direkten Kontext eines bewaffneten Konflikts, ist mit rationalen Mitteln wohl kaum zu rechtfertigen, oder doch?
Wozu hat man denn dann bisher schon mit, wie vielen Milliarden noch, "aufgerüstet"?
Schön, die globale Waffenlobby, sprich die wenigen Profiteure, also Aktionäre und damit tw. auch mit Steuern und damit Machtpositionen versehenden Staaten wird es ja freuen. Und da mit der Ukraine mittelfristig jetzt auch noch ein mitproduzierender Konkurrent ausgeschaltet wird, ist es ja auch irgendwie eine "win win Situation", welche sich an so manchen Casinos, sprich Börsen, ja schon Verlust ausgleichend niederschlägt.
"Ersatzbeschaffung" auf allen Ebenen war immer schon ein Garant für neue "Einnahmen".
Nur win win ist ein Mythos der Verdummung, nothing more!
Und über welchen Zeitraum und unter welchem Verlust an anderen notwendigen Optionen soll überhaupt eine derartige, weitere Aufrüstung andauern?
Über Jahrzehnte?
Und dann auch noch gesetzlich festgeschrieben?
Wiederum zur Abschreckung?
Aber nur gegenüber denjenigen Gegnern, die nicht selbst ähnliches Potential besitzen?
Obwohl man bis jetzt schon um ein Vielfaches an militärischen Potential jeder ähnlichen "Verteidigungs-Konstallation überlegen war und ist?
Wer wirklich Friedens-bewegt agieren will, muss manchmal eben auch selbst den Kopf dafür hinhalten.
Ansonsten ist es nichts weiteres, als hippe Selbstbeweihräucherung aus reinem Eigennutz! Kurz, nichts wert!
Und Nein, kein Spruch, sondern bittere Selbsterfahrung.
Was nichts an meiner grundsätzlichen pazifistischen Einstellung ändert.
Ich erwarte nicht, dass aktuell noch viele Menschen aus dem alten EU-Europa die Situation in der Ukraine überhaupt verstehen oder bewusst nachvollziehen können.
Nur Soldaten, gewollt oder ungewollt, Helfer sowie direkt involvierte Journalisten sowie diejenigen Bevölkerungen, die ähnliches in ihren Wohnorten/ihrer Heimat selbst "überlebt" haben, können die augenblicklich erneut stattfindenden Greuel nachvollziehen, sofern sie nicht immer noch versuchen, solche Traumata zu verdrängen.
Selbst durch Naturkatastrophen, Brände u.ä. betroffene Menschen haben mir gleichlautend versichert, dass solche menschengemachten Kriegsgreuel alles andere an schrecklichen Erfahrungen noch weit übersteigt.
Von daher stellt sich nicht nur für Europa derzeit erneut die Frage:
Weiterhin ein Schrecken ohne Ende oder ein Ende mit Schrecken?
Da allerdings weitere, ähnlich gelagerte Probleme, gegen die dann mittel- wie langfristig weder neu zu entdeckende Vernunft, utopische Rettungstechniken oder Waffen weiter helfen
- andererseits aber eh auch schon länger als 50 Jahre genauso von einer großen Mehrheit verdrängt wurden -
habe ich faktisch keine Hoffnung, dass vermehrt Einsicht in Hinsicht auf Vernunft wie Mitgefühl basierte Lösungen wächst.
Denn die Uhr tickt eh dem Ende entgegen. Und nicht nur am Ende ist sicher Schweigen.
Aber da auch hier lieber nur "Kaffee getrunken" oder einfach nur small "post(ul)iert" wird, werde ich zwar nicht die Flucht ergreifen, aber migrieren.
Ein wirklicher Verlust - wie bei o.g.Katastrophen - ist es so allerdings kaum.
Verzichtet auch bitte auf nachträgliche Bekundungen zumindest mich betreffend.
Sie wären meist ebenso peinlich, wie so manches weiter oben oder an Tagesaktuellem.
Sorgt stattdessen lieber für sachliche und nettgemeinte Aufklärung gegenüber bisher Uninformierten bzw. Jugendlichen,
die bisher noch nicht erkennen konnten, dass ein globaler Krieg, auch wenn nur in manchen Weltgegenden offen sichtbar, längst im Gange ist.
Militärisch, ökonomisch, religiös motiert ... wtf
Und noch etwas Nachdenkenswertes zum Abschluß von einem Autor, der mich mit seinem Stoff seit meiner Kindheit begleitet hat und den ich, u.a. neben Brecht, sehr hoch schätze
„Man spricht durch Schweigen. Und man schweigt mit Worten"
„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“
„Erst wenn die Mutigen klug und die Klugen mutig geworden sind, wird das zu spüren sein, was irrtümlicherweise schon oft
festgestellt wurde: ein Fortschritt der Menschheit.“
„Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“
Und auch dies sollte man wohl wissen, wobei der Unterschied zu anderen Armeen wohl eher marginal sein dürfte
Gewalt in Russlands Armee - Die Herrschaft der grausamen Großväter - Politik - SZ.de
In diesem Sinne
auch wenn ich kaum weiß, wohin ich mich noch wenden soll 