HansHenning schrieb:
… "Wer es schafft sich DAS ohne lachen anzugucken der ist gut"
… und im Gegensatz zu den meisten hier finde ich diese Musik einfach nur schrecklich!
Aber mein persönlicher Musikgeschmack tut hier nichts zur Sache; schließlich hattest du nach dem Tanz und nicht nach der Musik gefragt. Was den Humor bezüglich der Darbietung betrifft, so hängt das sicherlich auch mit dem zusammen, was
Crackspider bezüglich der mangelnden Professionalität meint. Ich werde versuchen, ein paar Aspekte aus meiner Sichtweise zu erklären.
Ich bin kein Jumpstyler, kann mir aber trotzdem eine semi-professionelle Einschätzung erlauben. Warum wirkt das eine professioneller als das andere? Es ist die vermeintliche Leichtigkeit der Darbietung; bei Profis sieht alles spielerisch leicht aus, obwohl es das selten oder besser gesagt (fast) nie ist; denn selbst wenn, so war es ein harter Weg, dorthin zu gelangen. Hinzu kommt der Minimalismus (keine unnötigen oder übertriebenen Bewegungen innerhalb) der Darbietung; alles soll harmonisch »fließen« – und unterstrichen statt betont werden. Eben jenes »Fließende« kreiert – je nach Genre – entweder eine Atmosphäre der Eleganz (z.B. Standardtänze beim Turniertanz) oder auch der Coolness (Breakdance, Jumpstyle). Wenn also z.B. eure Armbewegungen in einigen Sequenzen weniger ausladend und raumgreifend wären, würde das Ganze nicht mehr so sehr bemüht aussehen; eben so, wie gewollt und (leider) nicht gekonnt. Der zweite Tänzer wirkt in der Bahnhofshalle zeitweise, als wolle er das Gebäude buchstäblich in Grund und Boden tanzen – zu kraftvoll, zu konzentriert – zu bemüht.
Eine Choreographie zu können, ist nur eine Seite der Medaille. Die Technik sollte nicht vernachlässigt werden, also das »wie man die Choreo tanzt« – und zwar so, dass die Schrittfolgen vom Ablauf, aber auch von der Ausführung her sitzen. Einen argentinischen Tango oder auch eine Samba von den Schritten her tanzen zu können ist eine reine Lernsache. Damit es aber auch technisch ansprechend aussieht, muss es zu einer Fleißsache werden. Man kann/sollte auch nicht zwangsläufig die gleiche Choreo zu allen Liedern tanzen, sondern schauen, welche Bewegung an welcher Stelle passt oder eben nicht, damit der Tanz nicht beliebig wirkt, sondern wirklich zum Lied passt; genauso, wie Bands es mit ihren Liedern machen – da wird auch geschaut, wie man das Lied an welcher Stelle mit welchem Instrument wie akzentuieren kann. Bewegungen, die nicht zum Beat passen, sollte man in der Choreo also vielleicht überdenken.
Aber weiter im Text. Neben Bewegungen, die nicht zum Beat passen, gibt es teilweise auch Moves, die schlicht neben dem Beat (aber kein sogenannter Off-Beat) sind und ihr damit kurzzeitig nicht mehr im Takt seid. Einige Spins z.B. sind zu früh fertig oder werden abgebrochen bzw. sie werden nicht schnell genug ausgeführt; sind also unter- oder überdreht. Das gilt sowohl für die Soli als auch für den Duo-Jump; ihr findet zwar wieder in den Rhythmus rein (was ehrlich gesagt auch nicht weiter schwer sein sollte – einfach und deutlich genug ist er ja), aber das kann schon reichen, um weniger professionell zu wirken.
Und da wir gerade bei den Spins und Drehungen allgemein sind: Eine der Ursachen für das Über- oder Unterdrehen ist rein technischer Natur und hat mit mangelndem Körperbewusstsein und daraus resultierend fehlender Körperspannung zu tun: Ihr könnt eure Körperachse beim Spin (hieße beim Ballett »Pirouette«) und auch bei manch anderer Drehung leider nicht senkrecht (also vertikal) halten. Ihr kommt daher leicht ins Trudeln, sodass ihr teilweise den Spin nicht in der richtigen Zeit und auf der Stelle zu Ende bringen könnt, auf der ihr ihn angefangen habt und dies mittels eines leichten Ausfallschrittes korrigieren müsst und damit eure Choreo insgesamt raumgreifender wird, als sie es sein müsste und immer ein bißchen von links nach rechts bzw. umgekehrt schwankt, wobei man aber nicht den Eindruck vermittelt bekommt, dass das beabsichtigt sei. Es wirkt also eher unkontrolliert.
Da heißt es also üben, üben, üben, wenn es mal richtig gut aussehen soll. Den Begriff »professionell« spare ich mir jetzt aber mal, denn nicht alle Profis sind gut. Nur, weil man etwas schon tausendmal gemacht hat, muss man es deswegen noch lange nicht tausendmal richtig und demzufolge gut gemacht haben. Es sei denn, man versucht jedes Mal besser als beim vorherigen sein zu wollen. Dann könnte es klappen.
Liebe Grüße,
—CentCom