Messerattacken in Deutschland Diskussion 

AnakinSky

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Es gibt scheinbar eine Zunahme von Körperverletzungen, die durch Messer verursacht werden. Es kommt mir momentan so vor, als käme es gerade in der letzten Zeit mehrfach wöchentlich zu solchen Attacken. Aber ist das wirklich so, oder entsteht dieser Eindruck nur durch die Art der Berichterstattung?

Wie ist euer subjektives Sicherheitsgefühl? Wie wahrscheinlich schätzt ihr die Situation ein, selbst mit einem Messer (ggf auch einer anderen Waffe) bedroht, oder angegriffen zu werden? Was ist in einer solchen Situation empfehlenswert? Was ist gefährlich? Was sollte vermieden werden?

Für mich wäre es zudem wichtig zu unterscheiden, ob das Messer/die Waffe die zur Bedrohung/Gefügigmachung/Einschüchterung genutzt wird um Geld, Handy und andere Wertgegenstände zu erpressen, oder ob es um einen direkten tätlichen Angriff geht, bei dem die Absicht die schwere Verletzung, vielleicht sogar mit Todesfolge, im Vordergrund steht.

Nach meinem Verständnis sind das grundsätzlich verschiedene Situationen in denen eine Messerspitze auf mich gerichtet ist. Aber wie seht ihr das?

Es würde mich interessieren, eure Gedanken dazu zu lesen. Bitte bleibt dabei sachlich, so gut es geht und respektvoll.
 
Offensichtlich sind solche Wahrnehmungen subjektiv und sehr unterschiedlich.
Nach meinem Empfinden kommen Angriffe durch in Menschenansammlungen gesteuerte Fahrzeuge häufiger vor als Messerangriffe. Zumindest gehen meine Gedanken während Großveranstaltungen (Stadtfest, Marathonlauf, Demo usw.) eher hin und wieder in diese Richtung, ohne mich allerdings weiter zu sorgen oder zu beeinträchtigen.

Ich bin da optimistisch. Die Gefahr, Opfer eines Amok-Fahrers zu werden - und hier entsteht eine Verbindung zu deinem hypothetischen Meserangriff - erscheint mir ähnlich unwahrscheinlich, wie die Möglichkeit, dass ich mit einem Flugzeug abstürze oder auf der Straße überfahren werde.
Alles kann passieren - aber doch nicht ausgerechnet mir. Nicht gerade rational, aber sehr hilfreich für das persönliche Sicherheitsempfinden!

Gesetzt den Fall, mir stünde wirklich mal jemand mit nem Messer gegenüber - was dann?
Als erstes würde ich über Flucht nachdenken, zumindest, wenn ich nicht in Begleitung unterwegs bin. Ich trainiere regelmäßig und rechne mir einige Chancen auf Entkommen aus.

Gäbe es keine Aussichten auf Flucht, wäre der nächste Gedanke, jegliche Konfrontation zu vermeiden, defensiv bleiben in Sprache und Haltung. Wenn der Angreifer mein Handy haben will, soll er's haben, lieber als meine Gesundheit!

Die Erfahrung zeigt leider, dass man immer erst hinterher weiß, was man hätte besser gesagt oder wie man sich besser verhalten hätte. Selten hat man in solchen Situationen die Ruhe und Gelassenheit, um effektive rationale Entscheidungen zu treffen. Ich fürchte, ich würde eher kopflos reagieren.
 
Die Instrumentalisierung von Autos als Waffe ist ein weiteres Szenario. Allerdings sind diese Angriffe relativ leicht zu vermeiden, indem man auf der richtigen Seite der Metallpoller steht, auf Kopfhörer und andere Ablenkungen verzichtet und darüber hinaus nicht vor dem Auto, in einer Linie zur Fahrtrichtung davonrennt.

In der Masse kann das noch etwas schwieriger werden, weil die Fluchtwege nur eingeschränkt zugänglich sind; (andere Menschen stehen im Weg) was für mich auch ein Grund wäre, zumindest zusammen mit meiner Frau, solche Ansammlungen zu vermeiden, wenn der Platz nicht über entsprechende Schutzvorrichtungen verfügt. Das dabei regelmäßig so viele Menschen zu Schaden kommen ist schrecklich.

Bei den Messerangriffen, ist es viel direkter, unmittelbarer. Wenn es dabei um einen bewaffneten Raub geht, gebe ich selbstverständlich alles ab, was verlangt wird und hoffe wie du auf das beste. Anders wenn meine Frau dabei wäre und ich Angst habe, das sie die Nerven verliert, der Räuber sich provoziert fühlt und es dann zu Dingen kommt, die ich mir nicht vorstellen möchte. In der Situation ist das wegrennen, was generell im richtigen Moment genutzt, eine hervorragende Idee ist, nicht möglich. Ich würde alles was als Waffe taugt einsetzen. Steine, Mülltonnen, Äste, Fahrräder, Jacke und dann gezielt den Kopf attackieren.

Beherzt mit der Handfläche unter das Kinn, oder falls gerade in der Hand das Handy wie einen Nothammer mit einer Ecke ins Gesicht schlagen ist wirksam.

Und besonders wichtig, nicht nach einem Schlag aufhören! Immer weiter schlagen bis der Angreifer auf dem Boden liegt.

Dann die Polizei rufen/den Rettungsdienst.

Natürlich ist alles was zu einer guten Reichweite führt, immer zu bevorzugen. Aber das ist nicht immer möglich, weil eben nicht vorhanden, In der Situation ist es hilfreich alles zu nutzen, mit allem zu kämpfen, was verfügbar ist.

Regenschirm ins Gesicht stechen, in den Hals ist eine gute Taktik. Aber auch die Knie kaputt zu treten ((Tritt von der Seite gegen das Gelenk mit der Ferse als Stampftritt ausgeführt) ist hilfreich, weil die Mobilität des Angreifers wirksam eingeschränkt wird. Dann kann auch das wegrennen wieder funktionieren.
Aber das erfordert, das man treten kann und nicht selbst das Gleichgewicht verliert oder plötzlich vor dem Messer steht.
Vor allem ist es wichtig sich immer wieder vor Augen zu führen, dass der Kampf nicht der Kampf gegen das Messer ist, sondern der Kampf gegen den Kopf dahinter. Den gilt es wirksam auszuschalten.
Ob der Angreifer das überlebt, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich habe keine Tötungsabsicht, aber mein eigenes Leben, insbesondere das Leben meiner Frau, ist wichtiger.
Anders vielleicht bei einer Attacke, die meinen Tod als Ziel hat. Da könnte ich für nichts garantieren.

Das ist alles sehr schwierig und theoretisch, weil es immer auf die Situation ankommt und darauf, wie geübt der Täter mit dem Messer ist. Wenn das jemand gut kann, wird es sehr schwierig.

Zusammgefasst:

-nicht gegen das Messer kämpfen
-Wegrennen wenn möglich
-Langwaffen einsetzen, oder Distanzwaffen wie Steine,
-Mobilität einschränken wenn möglich
-Große Angriffsfläche wählen (ganzes Gesicht). Wenn jemand gut gezielt schlagen kann sind Fauststöße zum Kehlkopf sinnvoll, oder Stiche in die Augen. Aber auch ein Schlüsselbund durchs Gesicht gezogen, kann sehr wirksam sein.

Aber das allerwichtigste ist, sich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Und die Entscheidung vorher zu treffen, was man bereit ist zu tun. Denn in der Situation ist für diese innere Auseinandersetzung keine Zeit mehr.

Ergänzend: wenn die Entscheidung getroffen wurde, lohnt es sich Gegenangriffe im Rahmen von professioneller Selbstverteidigung zu trainieren. Gerade auch die Schrittarbeit ist extrem wichtig. Das lernt man nicht in YT Videos, sondern in angeleitetem Training.

Sollte ich etwas vergessen haben, freue ich mich über entsprechende Hinweise. Die rechtliche Seite vernachlässige ich bewusst. Selbst mit langjähriger Erfahrung verschwende ich keine Gedanken daran, ob das angemessen ist, oder nicht. Der Angreifer hat die Entscheidung getroffen mich mit einer tödlichen Waffe zu bedrohen, oder sogar töten zu wollen. Und ich tue alles was in der Situation zur Beseitigung der Gefahr geeignet ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Man erkennt an deinen Ausführungen, dass du dich ein wenig mit Selbstverteidigung auskennst, wahrscheinlich auch entsprechend trainiert bist.
Daraus resultiert als Tipp auch die Empfehlung, entsprechende Kurse zu besuchen, wenn man darauf aus ist, in solchen Situationen angemessen reagieren zu können.
Was man zig-fach trainiert hat, ohne großes Nachdenken abrufen kann, hilft bei der Abwehr von Angreifern sicher weiter.
Ansonsten ist die Gefahr von kopflosen Reaktionen oder Schockstarre nicht unerheblich.
 
Ansonsten ist die Gefahr von kopflosen Reaktionen oder Schockstarre nicht unerheblich.
Absolut richtig! Beides kann buchstäblich lebensgefährlich sein. Gerade das handeln, welches kein Nachdenken mehr erfordert, bedarf einer endlosen Zahl von Wiederholungen. Deshalb ist das Training, auch zu Hause, nicht nur im Kurs sehr zu empfehlen. Zweimal in der Woche reicht bei weitem nicht aus. Besser wäre es jeden Tag mindestens eine halbe Stunde für Schritttraining und Schlagdrills einzuplanen. Und sich nach einem halben Jahr daran zu freuen, etwas mehr Handlungsfähigkeit dazu gewonnen zu haben.
 
Also ich kann nur jedem Ungeübten raten nichts zu tun so lange nicht ersichtlich ist, das es tatsächlich zur körperlichen Gewalt kommt, meist geht das nämlich für den Otto Normalo nach hinten los.
ich selbst hatte solch eine Begegnung auch schon wo ein Angesoffener auf der Herrentoilette mit dem Messer in der Hand mich nach meiner Geldbörse fragte,
der hatte allerdings mehrere Probleme die ihm nicht klar waren
1. er war angetrunken
2. die Hand mit dem Messer war nach unten gerichtet (nach dem Motto schau, was ich habe)
3. die Toilette war schmal und er stand zu dicht bei mir
das ging innerhalb von ein paar Sekunden nicht gut für ihn aus, wäre hier mehr Platz gewesen, der Angreifer nicht angetrunken und so dicht bei mir gestanden, dann hätte ich ihm einfach die Geldbörse hinübergeschoben und einen schönen Tag gewünscht
und was noch dazu kommt, ich bin kein ängstlicher Mensch
 
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