Also, mein (Fach-)Wissen zu diesem Thema ist mit Sicherheit nicht elaboriert genug, um der Gefahr zu entgehen, mich jetzt auf argumentatives Glatteis zu begeben. Dennoch habe ich den von mir verlinkten
Artikel des Interviews mit Martin Allen Samuels (MD), Prof. der
Harvard Medical School und Chairman des Dept. of Neurology am
Brigham and Women's Hospital in Boston, USA, folgendermaßen verstanden [Anm.: meine Übersetzung des entsprechenden Auszugs]:
Wie kann eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion zum Tod führen?
Das autonome (oder auch vegetative) Nervensystem nutzt das Hormon Adrenalin, einen Neurotransmitter oder chemischen Botenstoff, dazu, Signale in verschiedene Bereiche des Körpers zu senden um die Fight-or-flight-Reaktion auszulösen. Dieser Stoff ist in großen Mengen toxisch; er schädigt viscerale (innere) Organe wie zum Beispiel Herz, Lunge, Leber und Nieren. Es wird angenommen, dass fast alle plötzlichen Todesfälle (Sudden Deaths) auf Schädigungen des Herzens zurückzuführen sind. Es gibt fast kein anderes Organ, das so schnell versagen und zum plötzlichen Tod führen kann. Nierenversagen, Leberversagen – diese Dinge töten nicht plötzlich.
Was genau passiert im Herz, wenn es mit zu viel Adrenalin überschwemmt wird?
Adrenalin aus dem nervösen System dockt an Rezeptoren der kardialen Myozyten (Herzmuskelzellen) an. Dies führt zu einem Öffnen der Calzium-Kanäle in den Membranen dieser Zellen. Calcium-Ionen strömen in diese Herzzellen, was zur Kontraktion des Herzmuskels führt. Handelt es sich um einen massiven, überwältigenden Ansturm von Adrenalin, wird fortgesetzt Calcium in die Zellen ausgeschüttet und der Muskel kann sich einfach nicht (mehr) entspannen.
Es gibt dieses speziell angepasste System von Muskeln und Nervengewebe im Herz: den sinoatrialen Knoten (auch Sinusknoten oder SA-Knoten), den atrioventrikulären Knoten (Atrioventrikularknoten oder AV-Knoten) und die Purkinje-Fasern – sie steuern den Rhythmus des Herzens. Wird dieses System mit Adrenalin überfordert, kann das Herz in abnorme Rhythmen übergehen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Wird einer davon ausgelöst, fällt man tot um.
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Mehlsack:
Wenn du sagst, dass man nicht am Adrenalin bzw. einer Überdosis dessen stirbt, dann hast du meiner Meinung nach Recht … und auch wieder nicht.
Es ist eine Frage des Standpunktes.
Genau genommen stirbt niemand am HI-Virus bzw. am daraus resultierenden
Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS), da es sich hierbei – wie der Name schon sagt – um ein erworbenes Immunschwäche-Syndrom handelt; man stirbt z. B. infolge einer Lungenentzündung, der das geschwächte Immunsystem nichts mehr entgegenzusetzen hat. Gemäß deiner Aussage stürbe man auch nicht an einem Blitzschlag, sondern nur durch die physiologischen Auswirkungen von Hitzestrahlung und Elektrizität auf Gefäße und Organe bzw. das Nervensystem. Ebenso wäre dann auch ein Schlagenbiss nicht tödlich, oder das in den Körper injizierte Venom, sondern die z. B. daraus resultierende Muskel- bzw. Atemlähmung oder das Multi-Organversagen.
Es geht wohl landläufig eher darum, was (ursächlich) bzw. hierarchisch eher zum Tode geführt bzw. ihn ausgelöst hat. Und die Ausschüttung von Adrenalin ist IMHO dabei nicht zu vernachlässigen, führt sie doch als eine der ersten körperlichen Reaktionen dazu, dass andere Prozesse ausgelöst werden, an deren Ende der Exitus stehen kann.
Das ist so ähnlich wie mit der Frage, ob die von einem Menschen abgefeuerte Waffe tötet oder aber der Mensch, der eine Waffe abfeuert. Wodurch stirbt man? Durch den Menschen, der den Finger am Abzug gekrümmt hat? Durch die Umstände, die ihn dazu veranlasst haben zu schießen? Durch die Kugel, die, durch chemische Prozesse und physikalische Effekte bedingt, die Waffe verlässt und einer präzisen Flugbahn folgend in den Körper eindringt? Durch verletzte Organe oder die durchtrennte Arterie, die auf der Flugbahn der Kugel lagen? Durch das Herz-Kreislauf-System, das weiterhin Blut durch die verletzten Organe und Gefäße pumpt? Oder durch die Neurotransmitter und Botenstoffe, die auf diese Situation bzw. das Trauma so reagieren wie sie eben reagieren und Reize bzw. Reaktionen triggern oder inhibieren? … Man kann immer vom Allgemeinen weiter auf das Spezielle herunterbrechen. Dennoch würde es in so einem Fall wohl meist heißen: Tod infolge Schussverletzung. Ergo sehe ich derzeit, nach dem Ursprungsereignis (Freude, Angst, Schreck, ect.), Adrenalin bzw. dessen übermäßige Ausschüttung als todesursächlich an.
Aber wie gesagt, ich bin kein Experte, lasse mich also auch gern vom Gegenteil überzeugen.
Liebe Grüße,
—CentCom