hi...
zum Thema Svv (von Boarderline hab ich weder persönliche noch Erfahrungen durch nahe bekannte)):
Meine kleine "ziehtochter" (Sie ist eigentlich nur eine 3 Jahre jüngere Freundin, die ich aber unter meine Fittiche genommen hab, da Ihre Mutter manisch Depressiv, Ihr Vater Alkoholiker ist und sie somit keinen Familiären Rückhalt und kaum soziale Kontakte hat), ritzt sich seit ca 3 Jahren, sie ist heute fast 18. Als ich sie kennenlernte hatte sie sehr viele Probleme für ein so junges Mädchen und ausser ihrer großen Schwester (die weit weg wohnt) niemanden dem sie sich mal anvertrauen oder bei dem sie Rat und Trost suchen konnte. Gleichzeitig war sie mit 15 schon Alkoholikerin, da sie bei Ihrem Vater (Eltern leben getrennt) wohnte und dieser einen frei zugänglichen Wein- und Whiskeykeller hatte. (Seine Ausrede, diesen nicht abzuschließen war, dass es nur oben eine Tür gäbe und unten jedoch das Bad mit Dusche/badewanne war. Meiner Meinung nach verantwortungslose Bequemlichkeit, aber ich gehe zu sehr ins Detail.) Da sie von ihm Vorgelebt bekommen hatte fing sie laut eigener Erinnerung (sie erinnert sich kaum an die Zeit vor ihrem 13. Lebensjahr) mit 13 an ab und an ein Bierchen zu stibitzen und merkte, dass sie dann nicht so viele Schmerzhafte Gedanken hatte. Kurz darauf fing sie, aufgrund einer durch einen dummen Zufall zerbrochenen Bierflasche auch noch an zu Ritzen/Cutten. Als ich sie dann mit damals 15 aufgabelte, war sie schon leicht Alkoholabhängig und schnitt wenn sie sehr depressive Tage hatte, gut und gerne bis zu 3 cm tief, versuchte aber zum Glück nie ernsthaft Suizid zu üben.
Als sie merkte, dass ich mich gerne um sie kümmere, für sie da bin und viel tun würde, um ihr zu helfen ging es ihr die Erste Zeit besser, sie schnitt sich weniger tief, reduzierte ihren Alkoholkonsum, fasste kein Haschisch mehr an (hatte sie auch ab und an bei Freunden mitkonsumiert) und schien im Allgemeinen etwas stabiler zu werden. Auf mein Anraten hin suchte sie sich auch eine Jugendtherapeutin, die ihr anfangs auch gut helfen konnte.
Dann auf einmal nach 3 monaten schlimmer als je zuvor, von einem Tag auf den anderen, schuld daran 2 Faktoren: Die erste große Liebe ( nicht auf Gegenseitigkeit beruhend) + ihre Therapeutin versuchte ihr einzureden, dass ich einen schlechten Einfluss auf sie hätte, nur weil ich Metal höre und dies ( ohne irgendwelche abgedrehten religiösen Überzeugungen) auch durch Langen Ledermantel und ausschliesslich schwarze Kleidung zum Ausdruckt brachte (und bis heute tue, ja ^^). Erster Suizidversuch, exzessives Konsumverhalten, schnell wechselnde Geschlechtspartner, offensichtliche Hilfeschreie die aber keiner ausser mir sehen wollte. Also habe ich wieder jeden Tag Tee mit ihr getrunken, geredet oder einfach dabei gesessen um zu verhindern, dass ihre Gedanken zu sehr abstürzen auch auf die Gefahr hin, dass mein Lebenspartner und ich (damals "nur" Freund) und ich uns entfremdeten. Wurde auch langsam wieder besser. Sie entschloss sich zu ihrer Mutter zu ziehen, was sich aber zum "vom Regen in die Traufe" herausstellte, da diese begann das arme Mädchen in den Scheidungskrieg mit einzubeziehen und sie gegen ihren Vater (mit dem sie sich heute wieder gut versteht) auszuspielen. Das ging dann eine ganze Weile so weiter und ich merkte zwar, dass ich sehr wichtig für sie war, konnte ihr aber nicht wirklich da raus helfen. Nun ist sie wie gesagt fast 18, führt seit einem halben Jahr eine intakte beziehung und lebt Zeitweise auch bei ihrem Partner, was ihr hilft, den verbalen Angriffen ihrer Mutter auszuweichen. Nun hat sie sich entschlossen in Stationäre Therapeutische behandlung zu gehen. Ich hoffe natürlich dass sie die richtige Institution findet und es auch hilft. Sie hat nun auch schon Phasen, wo sie wochenlang nicht Schneiden braucht und wenig Alkohol trinkt.
Wem dies zu Detailliert ist dem sei es nicht übel genommen, es zu überspringen.
Selber habe ich nur kurze Zeit Gecuttet, ca 2 Wochen lang, dann hab ich eingesehen, dass es mir nicht wirklich hilft und konnte noch aus eigener Kraft aufhören. Als ersatz begann ich Bilder zu malen/ zu zeichnen, zum Teil Manga-style zum Teil Selbstportraits und zum Teil andere Bereiche (nur angerissen). Die Selbstportraits halfen an schlechten Tagen. Ich konnte mich selber kaputtmachen ohne mir wehzutun, das Bild zerreissen, mich selbst verbessern (malerisch an meinem Körper rumfeilen) und nahm mich selber auch wieder bewusster wahr dadurch. Ob das bei jedem hilft weiss ich nicht. Aber ich denke den Versuch ist es Wert. Ausserdem begann ich zu schreiben -> Gedichte und Fantasy-Kurzgeschichten. Ausserdem hilft es manchmal, sich einen roten Filzstift zu schnappen und Schnittähnliche Striche auf die Arme zu malen. Das Bedürfnis die Farbe des Blutes am Körper wahrzunehmen, sich lebendig zu fühlen wird zumindest ein wenig befriedigt, bei starken Rückfällen aber recht Sinnlos fürchte ich.
Grundsätzlich: Wer auch immer dies liest und sich selbst Verletzt: Achtet wenigstens darauf, die Wunden halbwegs gut zu behandeln, sterile Auflage, u.U. Wundheilcremes. Mit Blutvergiftungen ist absolut nicht zu spaßen. Und große eiternde Wunden sind meist mehr Schmerz als man wollte.
Sonst: versucht es mit singen, Musik, anderen Hobbies, Sport (so anstrengend wie möglich, setzt ähnliche Hormone frei und tut gut), innige Hobbies eben, wo man sich ausleben kann und in denen man aufgeht.
Falls noch Fragen sind oder sich jemand zu meinem 'Beitrag äußern möchte sei er herzlich dazu eingeladen
Gruß Llynnya
___________________________________________________
Anmerkung: entschärfte, nicht-Triggernde Version Meiner eigenen Erfahrungen. da die vollen ereignisberichte u.U. Triggern könnten. wer möchte kann mir bei Interesse an meiner eigenen Geschichte auch eine PM schicken oder MSN/ICQ/Skype adresse hinterlassen.