Ich weiß ja nicht, ob es hilfreich ist, aber ich schildere hier meine (zum Glück) kurze Geschichte.
Ich bin 32 Jahre alt und eigentlich eine schlanke Frau - wenn da nicht diese Fressmurmel am Bauch wäre. Diäten? omg nein - das hieße ja verzichten. Das kam gar nicht in Frage.
Unabhängig davon habe litt ich viele Jahre an einer Angststörung, das ging etwa los als ich 18 Jahre alt war.
Mal traten völlig unerwartet Panikattacken auf (beschleunigter Puls, nasse Hände, Atemnot und das Gefühl jeden Moment ohnmächtig zu werden und die Kontrolle über mich zu verlieren). Nach den ersten vereinzelten Attacken stellte sich eine bestimmte Denkweise ein. "Was wäre, wenn mir hier jetzt etwas passiert..." Ob ich im Auto an einer großen Ampelkreuzung halten musste, ob ich mich im Fahrstuhl befand oder in einer Autowaschanlage, immer dann, wenn ich mich in einer Situation befand, aus der ich nicht so ohne weiteres ausbrechen konnte, stellte sich dieser Gedankengang ein. Und urplötzlich hatte ich diese Panikschübe mehrfach täglich. Ich steigerte mich einmal so sehr hinein, dass ich mit der SMH abgeholt wurde - natürlich fand man keine körperlichen Ursachen.
Ich wusste also, dass alles rein psychischer Natur war und dass ich irgendwann einmal eine Therapie machen sollte. Irgendwann einmal... genauso wie mit dem Bauch, den ich irgendwann einmal durch Sport und Ernährungsumstellung "wegkriegen" wollte. Irgendwann einmal, eben.
Bei mir hat das eine nicht das andere bedingt. Auch steckte bei meinem "Gewichtsproblem" kein Leidensdruck dahinter.
Irgendwann einmal

vor etwa 5 Jahren hatte ich die Nase voll von den Panikattacken. Anders als bei Depressionen isolierte ich mich nicht, schränkte mich aber in den Dingen, die ich tat, sehr ein. Ich ging zum Hausarzt und sagte: Ich glaub, ich hab eine Angststörung. Gibt es nicht irgendein Johanisskraut-Baldrian-Zeugs, was Sie m ir verschreiben können?
Natürlich überwies mich mein Hausarzt an eine Psychologin und verabschiedete mich mit den Worten "Ich komm dich in der Klapper dann besuchen".

Noch am selben Tag (wenn auch widerwillg) fuhr ich persönlich in die psychologische Praxis und ließ mir einen Termin geben. Die Ärztin war freundlich und versuchte herauszufinden, woher meine Angst kommen könnte. Jedoch gab es bei mir kein einschneidendes Erlebnis, was diese Schübe hätte auslösen können. So kam eine Gesprächstherapie nicht in Frage und ich erhielt ein Medikament. Es dauerte etwa 3 Wochen, bis ich es in der Apotheke einlöste und weitere 4 oder 5 bis ich begann, die Tabletten zu nehmen.
Innerhalb der letzten 5 Jahre hatte ich maximal 4 weitere Panikattacken.
Auslöser könnte gewesen sein, dass ich zu einem Zeitpunkt, an dem ich sehr niedrigen Blutdruck hatte, zu sehr in meinen Körper "hineingehorcht" habe. Dieses sehr spezielle und genaue Betrachten aller Signale meines Körpers ließ mich dann sehr wachsam werden - naja... ich hab wohl viel fehlinterpretiert und mich anschließend selbst in die Angst gesteigert.
Seit 3 Wochen nehme ich keine Tabletten mehr und fühle mich so, als würde ich sie noch nehmen.

Was ich bis heute nicht verstehe: ich wusste, dass es rein psychischer Natur war, ich wusste, ich müsse zu einem Psychologen - und dennoch habe ich Jahre gewartet, bis ich tatsächlich einen aufgesucht habe. Im Nachhinein ärgere ich mich dumm und dusselig, dass ich nicht schon eher gegangen bin.
Meinen Bauch habe ich in dieser Zeit auch in Angriff genommen. Ich habe einfach Weight watchers probiert. Nein nein, ich will keine Werbung für irgendein Zeugs machen, was Geld kostet. Die Punktelisten findet man online sehr einfach (wenn auch nicht unbedingt das neuste Punkesystem). Ich habe mich eingelesen und mich verdammt nochmal daran gehalten. Was die Mengen des Essens anging, aß ich sogar mehr als vorher - nur anders. Verzicht? Nö. Ich wusste, wie viele Punkte ich täglich hab, ich wusste, wieviele Punkte ich für einen Burger zahlen musste und ich wusste auch, wie ich mir durch Sport Punkte dazuverdienen konnte. Klingt einfach und war es eigentlich auch. Ich habe gerade das abendliche Essen zelebriert und war danach randvoll. Die gefürchteten Heißhungerattacken hatte ich auch nicht. Und wenn ich Lust auf ein Stück Pizza hatte, dann bin ich eben dafür 30min auf den Crosstrainer gegangen (manchmal kürzer, manchmal länger). Ich habe jede Woche kontinuierlich 0.5 - 1 kg abgenommen. Ich habe auf rein gar nichts komplett verzichten müssen (maximal in der Häufigkeit und Menge) und Sport habe ich vordergründig auch nicht gemacht. Nach 3 Monaten hatte ich einen schicken Bauch - okay, an der Brust nahm ich auch ab. Ich benötigte über ein Jahr, um mir die Murmel am Bauch wieder anzufressen, von Jojoeffekt keine Spur.
Am Ende war weight watchers für mich eine tolle Mischung aus gesunder und vor allen Dingen bewusster Ernährung in Kombination mit Sport.
Ich komme mit der Fresskuller klar, gehe inzwischen ab und zu ins Fitnessstudio, um mich fit zu halten, esse aber einfach zu gern.... aber sobald ich die Nase voll habe von meinem Bauch, wird weight watchers wieder gestartet.
Ob deine Depressionen nun das Übergewicht als Ursache haben oder umgedreht, ist eigentlich irrelevant. Wichtig ist, dass du für dich etwas ändern musst (und da bist du schon einmal auf dem richtigen Weg, wie du und andere auch schon erkannt haben).
Lass deine Depression diagnostizieren und ergründe mit dem Therapeuten zusammen die Gründe und Ursachen. Vielleicht hilft dir eine Gesprächstherapie - vielleicht Antidepressiva. Glaub mir, du wirst es wirklich nicht bereuen. Heutzutage muss man sich nicht schämen, einen psychologischen Therapeuten aufzusuchen. Depressionen und Burn-out (was letztendlich auch nur ein Begriff für eine Depression ist - wennauch gesellschaftsfähiger) gehören zu unserer heutigen Gesellschaft. Lass dir helfen und du wirst sehen, wie sich dein ganzes Leben verändert, weil du nach und nach aktiver wirst und somit vielleicht auch dein Übergewicht aus eigener Kraft angehen kannst.
Liebe Grüße und alles Gute allen Leidensgenossen...