Sorry,
Cassandra, aber ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, daß du mir meine Aussage im Mund herumdrehst, weil sie dir nicht in deine Rechtfertigungsstrategie passen. Ausserdem lasse ich mir von dir ganz sicher nicht den Schwarzen Peter in die Schuhe schieben. Im Einzelnen:
Gewisse Zusammenhänge erlaubte ich mir zu erläutern, weil du sie scheinbar nicht richtig verstanden hast und nicht, weil sie unbedingt zur Sache gehören.
Es ist eine ausgesprochene Schwarz-Weiss-Seherei, aus der Tatsache, daß
einige Leute eBooks kostenlos herunterladen, zu folgern, daß es plötzlich
alle tun und du damit vom Markt verschwinden musst. Wenn, dann wird es sicher andere Gründe haben.
Im übrigen weise ich noch einmal deutlich auf meine Argumentation aus den vergangenen Threads hin, warum durch das Herunterladen an sich
kein finanzieller Schaden entsteht. Du behauptest das Gegenteil, bleibst die Argumente aber schuldig und auf meine gehst du wohlweislich erst garnicht ein (insbesondere auf die Frage im letzten Absatz meines letzten Threads).
Cassandra57 schrieb:
Das ist eine interessante Aussage, die man sich genauer betrachten sollte. Ein E-Book ist also keine Bezahlung wert, weil es physisch nicht existiert, was ich bestreiten möchte, denn etwas landet ja auf dem Reader, da ist auf einmal eine Datei, die man lesen kann und da ist eine Datenmenge, die messbar ist und Platz auf der Festplatte beansprucht. Also irgendetwas ist da schon.
Aber setzen wir mal voraus, diese Datei wäre tatsächlich nicht gegenständlich, also physisch nicht vorhanden und deswegen darf man sie gegen den Willen des Urhebers kopieren.
Dazu sollte man wissen, dass es auch beim gedruckten Buch nur ein einziges Original gibt, nämlich die fertige Druckplatte, von der dann die Bücher gedruckt werden. Kopien auf Papier, statt in KB.
Okay, jetzt wirst du sagen: Papier kostet aber und ist gegenständlich, der Drucker an der Maschine muss bezahlt werden und natürlich alle, die vorher an dem Buch gearbeitet haben. Der Autor, der Lektor, der Korrektor, der Setzer und der Coverdesigner usw. Und da gebe ich dir sofort recht.
Doch warum müssen der Autor und alle, die an dem Buch gearbeitet haben, nicht bezahlt werden, wenn das Buch nicht in Form von gedruckten, sondern digitalen Kopien auf den Markt kommt?
Weder habe ich behauptet, daß ein eBook nicht bezahlt werden soll, noch habe ich behauptet, geistiges Eigentum sei nichts wert. Im Gegenteil. Schon in meinem ersten Thread wies ich darauf hin, es ginge bei deiner Entlohnung ja nicht nur um die hineingesteckte Zeit und das dazugehörige Know-How, sondern auch um das geistige Eigentum. Verkehre also bitte diese meine Aussage bitte nicht ins Gegenteil.
Die Herstellung der Ware eBook unterscheidet sich gewaltig von derjenigen der Ware Auto. Um ein Auto zu bauen bedarf es vieler Rohstoffe und auch eine gehörige Portion Arbeitskraft. Wohlgemerkt, ich rede vom
Autobau, nicht von dessen
Konstruktion. Und wird das Auto gestohlen, dann ist es (aus Sicht des Verkäufers) weg.
Anders verhält es sich bei einem eBook. Der (illegale) Kopierer kopiert es mit eigenem Aufwand ohne Nutzung weiterer Ressourcen des eBook-Besitzers. eBooks lassen sich beliebig kopieren, ein Limit gibt es nur beim Speicherplatz.
Bei Beiden Produkten gab es eine Vorarbeit. Das Auto wurde nicht aus heiterem Himmel völlig planlos gebaut, es bedurfte einer umfassenden Konstruktion. Diese Konstruktion war mit Sicherheit sehr teuer und beinhaltete neben Material und Arbeitsleitung auch Patente und ähnliches. Der Autohersteller trat mit der Konstruktion in Vorleistung und lässt sie sich anteilig mit jedem verkauften Auto bezahlen. Ab einer bestimmten verkauften Stückzahl haben sich die Konstruktionskosten amortisiert.
Ähnlich ist es beim Autor. Auch er (ich lasse den Verlag bewusst einmal aussen vor) tritt in Vorleistung und möchte sich diese Leistung auch hgern bezahlen lassen. Verkauft sich nun das Buch (völlig egal, ob eBook oder Printausgabe), so sind die Kosten dieser Vorleistung anteilig in diesem Preis enthalten.
AUf der rein materiellen Ebene unterscheiden sich die Waren Auto und eBook drastisch. Die Herstellung eines Einzelexemplars ist beim Auto aufwändig, beim eBook geht sie gegen Null. Ebenso die Lagerhaltung. Analog ist nur die nicht-materielle Ebene als Grundlage des Produkts, quasi dessen Entwicklung.
Cassandra57 schrieb:
Okay, aber warum kopiert man das Buch dann doch, sobald man es kostenlos haben kann? Um es NICHT zu lesen?
Möglichkeit 2: Ich habe zu wenig Geld und kann mir das Buch nicht leisten. Okay. Da kann ich nur sagen: Tauschticket.de, eBay, Leihbücherei, die Freundin fragen, ob man sich das Buch borgen kann.
Wenn sich jemand mein Buch herunterlädt ohne es zu bezahlen, dann entsteht mir sehr wohl ein Schaden, denn ich bekomme nichts dafür.
Man kopiert sich ein Buch, liest es an, stellt dann fest, daß es einem nicht zusagt und löscht es anschliessend wieder oder man ist ein Sammler. In beiden Fällrn ist dir kein tatsächlicher Gewinn entstanden. Denn hätte der erste es in einer Bücherein angelesen und wäre zu dem gleichen Schluss gekommen, er hätte es sicher nicht gekauft. Derjenige hingegen, der alles sammelt, weil es umsonst ist (offenbar im doppeltem Wortsinn), ist vielleicht ein Datenmessie, aber er hätte es sicher nicht kopiert, wenn es etwas gekostet hätte. Auch in diesem Fall wäre er niemals einer deiner Kunden geworden.
Leihbüchereien sind für mich persönlich keine Alternative, um für mich Unbekanntes, Neues zu entdecken. Allein schin, weil deren Bestände nicht tagesaktuell und vom heimischewn PC aus für mich unerreichbar sind. Wenn ich jedesmal innerhalb einer Diskussion diese abbrechen müsste, um zur Leihbücherei zu fahren und nachzufragen, ob denn das Werk auch gerade ausleihbar ist, dann wäre mein Kenntnisstand auf dem Stand der letzten Jahre. Kluge Autoren wissen so etwas und stellen deswegen Probeseiten ihrer Werke oder ähnliches ins Netz, anstatt zu jammern. Man sollte eben mit der Zeit gehen. Aber das erwähnst du ja in deinem Absatz Amazon etc selbst.
In gewissen Sparten mag es durchaus sein, daß sich bei Amazon verschiedene Büchert anlesen lassen, ich habe jedenfalls gegenteilige Erfahrungen gemacht. Zumindest bei den Büchern, welche mich persönlich interessieren könnten. Und auf die Empfehlungen bei Amazon gebe ich ehrlich gesagt nicht die Bohne, eher im Gegenteil. Mainstream ist mir ohnehin ein Greuel.
Auch wenn ich mich wiederhole: wenn sich jemand dein Buch herunterläd, ohne es zu bezahlen, dann entsteht dir dadurch allein ganz sicher
kein Schaden, denn du bekommst zwar nichts dafür, aber weder nimmt er dir bereitgestellte Ressourcen noch bezahlt er etwas nicht, was er ohehin nie gekauft hätte.
Ein weiteres Problem sehe ich bei eBook generell. Ich habe nichts Materielles in der Hand, der Wiederverkaufswert ist also gleich Null. Habe ich eine gedruckte Augabe ausgelesen, dann kann und darf ich sie gebraucht weiterverkaufen (auch wenn es dem Autor und vor allem dem Verlag nicht genehm ist, da beide lieber weitere Exemplare absetzen würden). Genau um diesen Wiederverkaufswert wird man bei eBooks geprellt. Sind diese deutlich preiswerter als die gedruckte Ausgabe, dann kann man dies verschmerzen, bei einem ähnlichen Preis wäre man allerdings dumm, dies zu tun. Denn du vertrittst als Autorin deine Interessen. Der Leser hingegen seine.
Cassandra57 schrieb:
Würde heißen: Schund darf geklaut werden und die gute Literatur muss bezahlt werden.
Das sollte man sich doch mal genauer ansehen: Selbst wenn ich sagen würde, die Bücher, die ich nicht für gelungen halte, verschenke ich als E-Books und die gelungenen verkaufe ich, was würde denn passieren? Wie soll ich das praktisch umsetzen?
So habe ich das keineswegs gemeint. Wenn sich meine literarischen Werke nicht gut verkaufen, dann kann ich nicht davon leben. Schreibe ich aber nun Groschenhefte, dann kann ich dadurch meinen Lebensunterhalt bestreiten und auch das Schreiben von Literatur als Hobby finanzieren. So meinte ich das und nicht anders.
Cassandra57 schrieb:
Soll heißen? Jemand der sich ein erstes E-Book von mir kostenlos heruntergeladen hat und total begeistert war, der wird sich das nächste von mir kaufen? Glaube ich nicht. Hier, in eurem Borad, kann man alle meine Bücher kostenlos erhalten. Wer sich hier das erste geholt hat, wird sich auch alle anderen hier holen. Warum sollte er plötzlich bezahlen? Schön wäre es. Aber ich glaube nicht, dass das so funktioniert.
Bitte widersprecht mir, wenn das so ist. Gibt es hier Leser, die das erste Buch kostenlos runterladen und sich die anderen Bücher des Autors kaufen, wenn ihnen das erste gefallen hat.
Ich bin an käuflich zu erwerbenden eBooks wenig interessiert. Es kommt schon vor, daß ich mir ein eBook herunterlade und mir anschliessend genau dieses Buch als Printausgabe besorge.
Ebenso meine Lebensgefährtin. Sie diskutiert in Foren über Gott und die Welt und irgendjemand schickt ihr ein eBook. Sie liest hinein und es gefällt ihr. Wenige Tage später liegt die gedruckte Ausgabe in der Stube herum. Ich könnte noch weitere Fälle nennen...
Ich selbst habe kein Interesse, komplette Bücher am Bildschirm zu lesen und die Anschaffung eines Readers ist für mich nicht geplant. eBooks sind für mich gut, um hineinzulesen (und zwar an Stellen, die
ich heraussuche), aber auch zur Recherche. Aber zur Entspannung lese ich lieber auf dem Klo statt am Bildschirm. Zumal es für mich wesentlich augenfreundlicher ist.
Cassandra57 schrieb:
Ich werbe um Verständnis und bitte euch für unsere Bücher künftig zu bezahlen.
Das also ist der Sinn und Zweck dieses Threads und nicht die vordergründige Frage nahc der Bezahlung. Da habe ich von Anfang an erwartet. Denn wer fragt in irgendwelchen Foren nach der Bezahlung, wenn es wie du es selbst schreibst den Standardverlagsvertrag von Verdi gibt, der weit verbreitet ist. Und warum möchtest du uns nahelegen, wie aufwändig die Erstellung eines Buches ist? Als wenn wir es nicht ohenhin wissen (zumindest diejenigen, welche sich tatsächlich für diese Thematik interessieren).
Deine eigenen Werke werden also hier angeboten und genau aus diesem Grunde hakst du in Form dieses Beitrags nach. Ein für mich durchaus verständliches Anliegen.
Cassandra57 schrieb:
Ich werbe um Verständnis und bitte euch für unsere Bücher künftig zu bezahlen. Vielleicht nicht für jedes, das ihr lesen wollt. Aber für die meisten.
Das kann ich voll und ganz unterstützen. Zumindest für diejenigen, welche man auch behält.
lg Konradin