Angemessene Bezahlung? Diskussion 

1 Birne = 1 Euro, 1 Apfel hingegen = 50 Cent. Also 1 Euro = 50 Cent?

lg Konradin

P.S. seit wann fliesst für illegale Kopien eigentlich Geld?
 
1 Million verkaufte E-Books a 20% für den Autor = ca. 1 Euro proE-Book = 1 Million Euro für den Autor.
10.000 Euro = 1.000.000 Euro?
Das ist doch eine Milchmädchenrechnung, denn du gehst dabei wieder von der zweifellhaften Prämisse aus, dass jeder illegale Downloader das Buch ohne illegales Angebot real erwerben würde, was nach meiner Einschätzung nur bei einem sehr geringen Prozentsatz der Fall wäre.
 
Ich stimme littleprof zu, ich würde mal eher davon ausgehen, dass die meisten Vielleser ihre Bücher wohl über die onleihe besorgen würden und nicht kaufen.
 
Es geht aber nicht im könnte, hätte oder würde.



Wenn 10000 Leute ein eBook kaufen und bezahlen, dann fliesst 10000mal der Betrag x. Klauen 20 Leute jeweils ein Buch, dann fliesst kein Geld, aber 20 Bücher fehlen. Wollen nun 3000 Leute ein Buch kaufen, es sind aber wegen der 20 gestohlenen Büchern sind nur noch 2980 Bücher da, es fliesst also nur 2980 mal der Betrag y. Denn die 20 Bücherdiebe haben ja 20 Bücher dem Warenkreislauf entzogen. Inzwischen haben 5000 Leute das eBook illegal kopiert. Kein Problem für die zahlungswillige Kundschaft, das eBook ist ja immer noch da (und zwar sooft man will). Wo ist dabei der Denkfehler?

Ganz so einfach wie oben beschrieben ist es mit der mögliche Wechselwirkungen zwischen Buchdiebstählen und Buchverkäufen allerdings nicht. Wenn eine Buchhandlung 10 Exemplare eines Buches hat und alle 10 sind verkauft, dann muss nachbestellt werden und ein möglicher Kunde hat das Nachsehen. Das heisst allerdings keineswegs, daß er das Buch nicht kaufen kann (solange nicht die ganze Auflage ausverkauft ist). Er kann es bestellen und darauf warten oder er geht in eine andere Buchhandlung. Ob nun alle 10 Exemplare ausverkauft sind oder nur 9 und der restliche Band gestohlen, das ändert für den zahlungswilligen Kunden nichts.

Was sich freilich ändert, das ist die Tatsache, daß plötzlich ein Band fehlt, dessen Herstellung, Transport und Lagerung natürlich etwas gekostet hat (ich rede von den tatsächlichen Kosten dieses Exemplars). Ganz im Gegensatz zum eBook.

Ich fürchte, hier wird auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Einerseits Fakten, andererseits Ängste und Spekulationen. Ich persönlich halte mich lieber an die Fakten:

Wenn ich behaupte 'Wenn zehntausend Kunden zahlen, dann können selbst eine Million illegaler Kopien daran nichts ändern. Das Geld, das fliesst, ist schliesslich genau das gleiche.', dann rede ich von simplen Fakten, von einfacher Mathematik.

10000 Kunden zahlen Betrag x (z.B. für ein bestimmtes eBook). Davon bekommt der Autor den Anteil y. Nun kopieren sich 1000000 Leute das gleiche eBook kostenlos. Was passiert nun? Richtig, das Geld der 10000 Kunden ist immer noch unterwegs und der Autor bekommt immer noch den Anteil y, nicht einen einzigen Cent weniger. Und dies bei gleichen Kosten und gleichem Aufwand.

Anders wäre es nun, wenn die 10000 Kunden nicht bezahlen würden. Aber sie bezahlen doch. Völlig unabhängig von den illegalen Downloads.

Die Rechnung wäre übrigens genau die gleiche, wenn zwar auch 10000 Kunden das eBook käuflich erwerben würden, es aber nur 200mal kostenlos heruntergeladen wird. Es fliesst die gleiche Summe x und der Autor bekommt davon den Anteil y. Bei gleichen Kosten und gleichem Aufwand.

Noch Fragen?

Es kommt eben beim Cash-Flow nicht auf die Anzahl der illegalen Downloads an, sondern einzig und allein auf die Anzahl der bezahlenden Kunden. Denn diese bringen das Geld und alles andere ist pure Spekulation, denn es ist weder der Fall, daß Downloader die Ware eBook verknappen noch andere vom Bezahlen abhalten.

Wenn irgendwelche Leute im ALDI Brötchen klauen, dann hält dies den Großteil der Kundschaft auch nicht davon ab, ihre Brötchen redlich zu bezahlen, und zwar aus Überzeugung (wobei die Wechselwirkung in diesem Falle aufgrund der eintretenden sukzessiven Verknappung marginal grösser sein dürfte als beim Download).


P.S. einen klaren Vorteil haben eBooks aus Sicht des Autors allemale: es gibt im Gegensatz zum Büchermarkt keinen Gebrauchtmarkt, der zahlungswillige Kundschaft davon abhält, sich ein Neuexemplar zu zulegen. Denn nur am Neukauf verdient er.
 
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@ Konradin
klingt nüchtern und überzeugend.

In zwei Punkten möchte ich dir widersprechen:
Ich persönlich halte mich lieber an die Fakten

Die von dir angenommenen 10.000 Kunden sind auch eine Annahme, ebenso die Zahl der Millionen Leute, die das Buch illegal saugen. Bei diesen Prämissen sieht es für den Autor nicht ganz so übel aus.

Was aber, wenn nur 100 oder weniger Bezahlkunden den Millionen Downloadern gegenüber stehen?
Dann sieht der Autor, sein Werk ist begehrt, aber er kriegt nur wenig dafür.

Noch bezahlen ebook-Leser auch, aber je häufiger sie mit der Frage konfrontiert werden: Bist du blöd? Warum kaufst du die Dinger denn?, desto mehr mögen sie ans Grübeln kommen.

Ich glaube nicht, dass du Hypothese und Spekulation aus der Diskussion raus halten kannst.

Wenn irgendwelche Leute im ALDI Brötchen klauen, dann hält dies den Großteil der Kundschaft auch nicht davon ab, ihre Brötchen redlich zu bezahlen, und zwar aus Überzeugung
Da bin ich anderer Meinung! Sie bezahlen nicht aus Überzeugung (zumindest nicht alle), sondern aus der Gewissheit heraus, damit komm ich nicht durch!
Könnten illegale Downloader so leicht geschnappt werden wie Brötchendiebe, dann würden einige Bereiche unseres Boardes verwaisen :D
 
Also noch mal langsam und deutlich, eure Argumente fürs Saugen:

Ich will die Katze nicht im Sack kaufen.
Wer das nicht will, kann sich über Rezensionen und Foren informieren und in der Regel ins eBook reinschmöckern.
Dieses Argument zieht also nicht, um das eBook für lau zu saugen.

Ein eBook kann ich nicht umtauschen oder zurückgeben.
Wer sich dennoch beim eBook-Kauf vertan hat, kann das eBook sehr wohl zurückgeben. Genau wie ein gedrucktes Buch. Siehe bspw. hier: Amazon.de Hilfe: Kindle Rückgaberichtlinien
Dieses Argument zieht also nicht, um das eBook für lau zu saugen.

Ich habe aber kein Geld für Bücher übrig.
Auch kein Grund ein eBook zu klauen. Denn es gibt Leihbüchereien, Tauschticket, eBay, es gibt Freunde, die einem das Buch leihen können … usw.
Wenn ihr kein Geld übrig habt für eine Pizza, dann klaut ihr die ja auch nicht.
Dieses Argument zieht also nicht, um das eBook für lau zu saugen.

Ich habe das Buch als print gekauft und will es nun auch für meinen Reader haben und sehe nicht ein, dass ich doppelt dafür bezahle.
Gutes Argument. Für mich total nachvollziehbar. Wie ich schon schrieb, bereiten Verlage sich darauf vor, künftig mit dem Kauf eines gedruckten Buchs einen Code für den kostenlosen Download des eBooks mit zu liefern.
Künftig also kein Argument mehr, um das eBook für lau zu saugen.

Ein pBuch kann ich gebraucht weiterverkaufen. Ein eBook nicht.
Gutes Argument. Für mich total nachvollziehbar. Da muss sich etwas ändern.
Doch aktuell ist es so, dass ich ja weiß, dass ich das eBook nicht secondhand weiterverkaufen kann. Es ist also meine Entscheidung, ob ich mir das Buch dann besser doch gedruckt kaufe, um es später weiterverkaufen zu können. Kaufe ich das eBook, weiß ich worauf ich mich eingelassen habe. Es für lau zu saugen, ist so also nicht zu rechtfertigen.

Meine Vermutung: Kaum einer von euch würde im Supermarkt auch nur einen Kaugummi mitgehen lassen. Die Gefahr, erwischt zu werden ist einfach zu groß. Doch im Internet geht das ganz einfach und noch dazu anonym. Man muss sich nicht verstohlen umblicken, ob man beobachtet wird, das Herz klopft nicht vor Angst wie verrückt, die Hände werden nicht feucht. Man muss nicht mit dem Diebesgut in der Tasche eine Kasse passieren und dabei möglichst cool gucken, und man muss nicht auch noch den Ausgang mit der Angst überwinden, dass gleich Alarm geschlagen wird. Man muss nicht darauf gefasst sein, dass man gleich losspurten muss, wie verrückt, weil ein Kaufhausdetektiv hinter einem her ist. Im Internet ist die Gefahr erwischt zu werden gering und die Versuchung groß.
Und weil man ja doch weiß, dass man Unrecht tut, sucht man verzweifelt nach Argumenten, um das eigene Handeln zu legitimieren, s.o.

LG,
Cassandra
 
Cassandra, es werden in allen Bereichen Dinge getan, wo man zurecht sagen kann, es gibt viele gute Gründe, die dagegen sprechen.
Egal ob im Bereich gesunde Ernährung, Sport, lernen, rauchen (wahlweise anderes), Steuererklärung, Verbrechensaufklärung, Schwarzarbeit und viele andere Bereiche.
Ich sage damit nur, dass es stattfindet, auf einer feststellenden, beschreibenden Ebene.

Rationale Argumente haben - in aller Regel - noch nie dazu geführt, etwas (ggf unvernünftiges/ungesundes/illegales) zu lassen und/oder etwas anderes zu tun.

Nichtmal die Todesstrafe hilft.

Insofern, Deine Auflistung in allen Ehren, geht dies glaube ich an der eventuellen mindestens so interessanten Grund-Frage, warum tun Menschen überhaupt irrationale oder a-rationale Dinge, was motiviert Mensche, auch sachlich/juristisch gesehen (im Blick der jeweiligen Zeit) falsche oder als falsch (oder ungesund etc) definierte Dinge zu tun - und dies immer wieder, seit Jahrtausenden - vorbei.


:)

im weitesten Sinn fällt auch die Frage nach angemessener Bezahlung in diesen Bereich, wenn ich nochmal auf das "Prestige" und den Lohn von essentiell wichtigen Berufen zurückkomme....
 
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@ Cassandra57

Ein Deutschlehrer würde dir wahrscheinlich vorwerfen Thema verfehlt.
Es geht doch um Autorenhonorare und die Frage, in wieweit sie durch Raubkoien geschmälert werden.

Ich finde es sehr schade (wenn auch nicht abwegig ;) ), dass du nur mit dem erhobenen Zeigefinger den ebook-Lutschern ihr frevelhaftes Tun vor Augen führen willst und im Grunde genommen die nicht uninteressante Diskussion nur zu diesem Zweck ausnutzt.

Aspekte, die sich nicht für dein Ziel ausschlachten lassen, bleiben unbeachtet.
Das ist für den Fortgang einer Diskussion außerordentlich demotivierend :(
 
@ Cassandra57

Ich finde es sehr schade (wenn auch nicht abwegig ;) ), dass du nur mit dem erhobenen Zeigefinger den ebook-Lutschern ihr frevelhaftes Tun vor Augen führen willst und im Grunde genommen die nicht uninteressante Diskussion nur zu diesem Zweck ausnutzt.
Zumal Crossposting unerwünscht ist und ich dich (TE) für dein spezielles Anliegen auf die (spezielle) Leseecke und den vorhandenen Diskussionsstrang verwiesen habe (der parallel zu diesem hier in die selbe Richtung wandert).

Dennoch meinst du, du könntest per Schlupfloch (ungeschickt) hier eine weitere Diskussion vom Zaun brechen, indem du vermeintlich allg. beginnst und dann gezielt in die von dir beabsichtigte Richtung steuerst?

Es geht doch um Autorenhonorare und die Frage, in wieweit sie durch Raubkoien geschmälert werden

Irrtum!
Laut Startpost geht es um:
TE schrieb:
... was wäre eurer Meinung nach eine angemessene Bezahlung für 1500 Arbeitsstunden?
Was daraus entstanden ist ... s.o.


MfG
 
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littleprof schrieb:
In zwei Punkten möchte ich dir widersprechen:
Ich persönlich halte mich lieber an die Fakten

Die von dir angenommenen 10.000 Kunden sind auch eine Annahme...
Da hast du mich offenbar missverstanden. Die 10000 Kunden sind keine Annahme, sondern lediglich eine willkürlich ausgedachte Zahl und eine konkrete Relation dieser Zahl zu den illegalen Downloads ist ebensowenig beabsichtigt. Ich hätte auch jede andere x-beliebige Zahl nennen können.

Gibt es 10 legale Käufer, dann fliesst eine konkrete Summe auf Basis dieser 10 legalen Käufer. Wären es stattdessen 100, dann wäre dieser Betrag ein anderer, nämlich derjenige auf der Basis von 100 legalen Käufern. Diese Beträge erhöhen sich, wenn die Anzahl der legalen Käufer steigt (denn nur durch sie fliesst Geld). Aber sie verändert sich durch illegale Downloads weder in die eine, noch in die andere Richtung - selbst wenn Hunderttausende saugen sollten. Der Betrag, den die 10 oder meinetwegen 100 Käufer zahlen, der bleibt konstant (oder gibt es ein biblisches Wunder, eine sagenhafte Geldvermehrung?).

Weiter will ich dies an dieser Stelle nicht ausführen (ich tue es legiglich, um ein Missverständnis zu korrigieren).

Gern diskutiere ich an geeigneter Stelle auch über die Moralität des Saugens (oder wie immer man das Thema nennen möchte). Aber - wie Nehe schon zutreffend meint - es geht an dieser Stelle um Anderes.

In diesem Zusammenhang finde ich es zielführender, die unsägliche Arbeitsleistung eines Autors auch mit Konkurrenzberufen wie Friseuse oder Altenpfleger in eine gesunde Relation zu setzen (ungeachtet der Tatsache, daß bei Autoren natürlich noch zusätzlich geistiges Eigentum - wie auch immer - vergütet werden muss).

lg Konradin
 
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Hallo Cassandra,

ein paar Dinge möchte ich anführen:

Manchmal kann man Leistung und deren Wertigkeit leider nicht monetär ausdrücken, zumal m.M. nach in die Gesamtkalkulation auch die Gegenseite eingerechnet werden sollte.

Das selbstbestimmte Leben, die zeitliche Flexibilität, das Erfüllen eines Lebenstraumes und damit einhergehend eine innere Zufriedenheit, die viele Angestellte im Leben nie erreichen, denn auch diese Faktoren haben ja sicher in Deine Berufswahl hineingespielt.

Gleichwohl bin ich absolut Deiner Meinung, Autoren von guten Büchern sollten genug verdienen, um weiterschreiten zu können und zu wollen.

Im näheren Bekanntenkreis kenne ich viele Fachbuchautoren,
die einzigen, die davon leben können, sind die "Zuträger" der Branche-
die Verlage, die Layouter etc.
Nicht die Autoren, die machen das alle als Liebhaberei nebenbei- und für die Wissenschaft.
Kein einziger könnte von wirklich guten Büchern leben, traurig, aber wahr.


Ich kenne genügend Fälle, da hat der Layouter mehr für die Arbeit an einem (eigentlich schon gut bearbeiteten) Buch bekommen, sofort nach Abgabe, als der Autor, der erst nach Verkauf der Bücher bezahlt wird.

Absolut pervers.

Trotzdem bleibt die Feststellung, jeder hat die Wahl, und wenn es einem ein Herzensanliegen ist zu schreiben, dann kann man nur hoffen, daß genug verkauft wird, damit es sich lohnt.

Zum Thema ebooks, diese stellen natürlich das geistige Eigentum des Autors dar, welches unbedingt vergütet werden sollte, sind aber doch nur eine Datei.

Und jetzt kommt das für mich Entscheidende:

Überall werden mittlerweile neue Büchern zu Remittenden gemacht, um die Buchpreisbindung zu umgehen, der Kunde kann also praktisch neue Bücher, oftmals auch hochaktuelle, zu Niedrigpreisen (meist 2,99 €, selten 5-7,99€) erwerben.

Damit hat er etwas in der Hand, was er lesen, verleihen, tauschen, verkaufen oder vererben kann, das Buch hat somit einen bleibenden Wert.

Das verkäufliche Ebook dagegen ist meist nur unwesentlich günstiger als die reguläre Printausgabe, ohne dem Leser wirkliche Rechte zuzugestehen, davon abgesehen, daß er irgendein Gerät braucht, um die Datei überhaupt nutzen zu können, sich also auf eigene Kosten noch etwas besorgen muß.
Diese Diskrepanz Wert und Leistung zu Preisen von Ebooks ist nicht akzeptabel.

Ich verstehe auch nicht so ganz, warum es für einen Autor ok ist,
wenn ein Buch per Bibliothek verliehen wird oder privat im kompletten Bekanntenkreis verborgt wird, an Schulen/Unis/in Firmen legal durch zig Leserhände gehen darf (im schlimmsten Fall nachdem man es bei Ebay für 1 € legal erworben hat ),
warum es Dir aber gleichzeitig solche Angst macht, daß ebooks vielleicht ohne Entgelt weitergegeben werden.

Ich bin überzeugt, daß das Klientel der kostenlos-Nutzer immer einen Weg gefunden hat und findet, daß diese aber sowieso niemals Bezahl-Kunden waren, egal auf welchem Weg.
Also entgeht den Autoren damit nicht ihr wohlverdientes Honorar.
 
Dem kann ich eigentlich nur beipflichten, Ladybug. Aber insbesondere ein Punkt scheint mir eine besondere Betrachtung wert.

Du schreibst: 'Kein einziger könnte von wirklich guten Büchern leben, traurig, aber wahr.' Genau das ist das Problem, welches ich schon zuvor ansatzweise bei Studiomusikern angeschnitten habe. Guten Werke lebt man als Hobby aus und von den 'nicht ganz so guten' lebt man (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).

Schaue ich mir z.B. das Fernstehprogramm an, dann sehe ich, daß (hart ausgedrückt) Massen-Müll die Quote bestimmt, die hochwertigeren (ausser auch wirklich kritischen) Produktionen ein Nischendasein fristen oder auf absolut unattraktive Sendezeiten verschoben werden. Oberflächliche Comedy, welche nicht nur die Zeit totschlägt, sondern auf Dauer jeglichen kritischen Blick unterbindet und einlullt macht sich allenthalben breit. Nicht ohne Grund ist selbst beim Tatort das Münsteraner Team mit seinem (übrigens politisch völlig unkorrektem) Low Level Humor der Quotenrenner. Und dieser Verblödungstrend geht offenbar ungebrochen weiter.

Ich wollte jetzt nicht zu sehr in den TV-Bereich abschweifen, aber dort sieht man den Trend recht gut. Die Quote ist dort das Mass aller Dinge und je einfältiger eine Sendung ist, desto quotentauglicher ist sie.

Was dem Fernsehen die Quote, das sind dem Autor die Verkaufszahlen. Möchte er hohe Verkaufszahlen, dann sollte er das Niveau nicht zu weit nach oben schrauben. Zusaätzlich dann noch gewisse Themen bis zum Erbrechen überstrapazieren, und dann wird selbst aus Dreck noch ein ein Bestseller (ich könnte, um mich vollends unbeliebt zu machen auch konkrete Beispiele benennen).

Legt man auch qualitativ hochwertige Werke wert, dann produziert man sie entweder als Hobby, oder man hat ein zweites Standbein (und sei es durch eher populär orientiertes Geschreibe). Es sei denn, man hat einfach nur Glück.

lg Konradin
 
Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum du, Cassandra, davon ausgehst, dass alle, die eines deiner Bücher als E-Book illegal herunterladen, es auch gekauft hätten.
Ich bin beispielsweise auf der Suche nach neuen Büchern, gucke mich um und entdecke dein Buch. Ich ziehe es mir als E-Book aus dem Netz, weil ich es lesen möchte. Bin also potentieller Kunde. Jetzt lese ich die ersten 10 Seiten, mittendrin 10 und die letzten 10 und finde dein Buch aber doof. (Da ich nicht weiß welche Bücher du geschrieben hast, ist das ganze theoretisch ;-)) Ich lösche das E-Book von meiner Festplatte. Wo ist der Schaden??
Du schlägst statt dessen folgende Varainte vor: Bei amazon kaufen, testen und zurück geben. Wo ist der Unterschied? Verdienst du an dem verkauften Buch, obwohl ich es zurück gegeben habe? Ich schädige HÖCHSTENS die Bücherei, bei der ich das Buch auch hätte anlesen können. Oder die Buchhandlung, die manchmal auch Leseexemplare anbieten. Aber ich schädige doch nicht dich!

Des Weiteren habe ich eine Buchreihe im Regal stehen, die ich sehr gerne lese und auch besitzen möchte (als gedrucktes Buch im Regal). Jetzt steige ich auf E-Books um und muss alles noch einmal bezahlen. Ich bezahle den Autor (und Verlag etc) also zweimal für das gleiche geistige Eigentum. So gern wie ich Kathy Reichs und J.K. Rowlings Bücher lese, aber irgendwie sehe ich das (bei den Preisen) auch nicht ein. Ich habe jetzt also mehrere Möglichkeiten:
1. Ich leihe mir die E-Books im Internet aus, weil ich sie eh nur in der Bahn lese, zu Hause schlage ich dann doch lieber das Buch selber auf. Aber: 450 Seiten habe ich in spätestens 3 Arbeitstagen durch, amazon bietet mir pro Monat ein Buch kostenfrei an, Skoobe für 10 Euro 2 Stück (zumindest ab dem 1.3.) Damit komme ich nicht weit.
2. Ich leihe mir das E-Book von Freunden (die das erstmal haben müssten...) und frage alle 3 Tage nach einem neuen Buch
3. Ich ziehe sie aus dem Netz, wenn ich sie nach dem Lesen lösche, ist gar kein großer Unterschied zur Ausleihe. Ich kann sie auch auf meinem PC behalten und irgendwann nochmal lesen. Dann ist das quasi als ob ich sie mehrfach ausleihen würde.
Ich habe bei allen 3 Varianten kein schlechtes Gewissen, gebe ich ehrlich zu.

Ich habe noch kein E-Book heruntergeladen, obwohl ich es kaufen wollte. Entweder ich habe das Buch bereits im Schrank stehen oder ich möchte reinlesen und gucken, ob es mich interessiert. Wenn es gut ist, kaufe ich es mir.
 
Hallöchen,

ohne mich groß in die Diskussion eingelesen zu haben:
Es entsteht ein Schaden am Autor, wenn die Bücher "im Internet" ausgeliehen werden, statt aus der Bücherei. Es gibt die sog. Bibliothekstantieme, die den Autoren einen Pauschalbetrag auszahlt, anhand der Anzahl der Ausgeliehenen Büchern

Die Bibliothekstantieme ist eine im Rahmen des Urheberrechts (§ 27 Abs. 2 UrhG) vorgesehene Regelung über die Vergütung von Urhebern durch Bibliotheken.

Dabei müssen alle Bibliotheken rund 3-4 Cent pro Ausleihe an die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) zahlen. Der so gesammelte Betrag (2010: 11,2 Millionen Euro) wird nach Abzug der Verwaltungskosten der VG Wort auf die Urheber in Form von Tantiemen ausgeschüttet. Diese Ausschüttung geschieht nach einem jährlich vom Deutschen Bibliotheksverband und der VG Wort festgestellten Schlüssel, der durch Auszählung der Ausleihen an ausgewählten Bibliotheken ermittelt wird.
by Wikipedia


Und um nun meine Milchmädchenrechnung aufzustellen:
12€/Stunde * 1500 Arbeitsstunden = 180.000€
Das wäre für mich aus rein Arbeitnehmerischer Milchmädchenrechnungs-Sicht ein angemessener Preis.
Da (meines Wissens) Autoren mit den Verlagen aber ihre Zuschläge und Honorare selber aushandeln und diese sich auf die Qualität und "Marktakzeptanz" beziehen ist eigentlich jeder Autor seines Glückes Schmid.

Wenn der Threadersteller wissen möchte, wie viel WIR bereit sind sein Werk zu bezahlen, dann sollte diese Frage auch so gestellt werden, ansonsten gilt meine Rechnung oben.
Ganz einfach!


Grüßle
LesS
 
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Ich habe die Fragestellung keineswegs so verstanden, daß die Threadstarterin ausloten wollte, wieviel sie für ein bestimmtes Buch als Verkaufspreis verlangen könnte (bisher dachte ich immer, der VP fiele in die Zuständigkeit des Verlags).

Die direkte Umrechnung eines (unregelmässigen) Arbeitsaufwands in klingende Münze halte ich für nicht sehr sinnig, denn weder möchte ich die Arbeitsleistung aller Autoren über einen Kamm scheren, noch sehe ich einen adäquaten Studenlohn, welcher mir auf Anhieb plausibel erscheint.

Plausibler erscheint mir vergleichshalber ein Mohnatslohn. Wenn ein Journalist z.B. soundsoviel im Monat verdient (und selbstverständlich davon diesen Monat auch leben muss), dann kann ich mich als Autor möglicherweise damit vergleichen. Um wieviel stehe ich besser/schlechter da? Inwieweit sind meine Arbeitsbedingungen besser/schlechter? Wieviel Sicherheit hat der Journalist und wieviele habe ich? Wie gesagt, das ist nur eine grobe Annäherung. Um mehr sagen zu können müsste man den Charakter (wenn man es so nennen darf) des konkreten Buches kennen.

P.S. Die Bibliothekstantiemen habe ich übrigens wohlweislich unter den Tisch gekehrt, da der Autor ja wohl kaum davon lebt und ich sie im Gesamtzusammenhang eher marginal finde. Tausend Bücher sind ja auch nicht gleich tausend Bücher (oder genauer der Umsatz derselben), wenn ich einmal vom Einzelverkaufspreis ausgehe, ein anderes Mal von gleich tausend Stück (für die ich sicher einen angemessenen Mengenrabatt erwarte). Wie gesagt, mir geht es um Grundsätzliche, nicht um Kleinigkeiten, welche die Diskussion nur unübersichtlich gestalten, aber an der wesentlichen Realität überhaupt nichts ändern.

P.P.S. Es gibt natürlich Bereiche, in denen ein Stundenlohn völlig unsinnig ist. Manches würde dann z.B. überhaupt nicht mehr gemacht, da unwirtschaftlich. Die Frage ist eher, kann man es sich (noch) leisten, es zu tun und sieht man darin einen Sinn darin. Das kann z.B. bei Existenzgründern der Fall sein, die mitunter bis zur bitteren Pleite unsägliche (selbstauferlegte) Arbeitsbedingungen auf sich nehmen, denn die Hoffnung stirbt bekanntermassen zuletzt. Es kann sich aber ebensogut um z.B. Altenpfleger handeln (die sich trotz teils saumässiger Entlohnung nicht auf Kosten der Alten sang- und klanglos zurückziehen wollen).

lg Konradin
 
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Also ich bin freiberuflich tätig und muss mindestens 18 euro/stunde nehmen wenn ich ein hauptgewerbe angemeldet habe.... das wären bei 1500 arbeitstunden 27000 euro davon gehen dann ca 400 für die geseltzliche krankenkasse ab pro monat, 19% umsatzsteuer und einkommenssteuer ..... also in 10 monaten 4000 für kk und 4700 einkommenssteuer und ca 5000 umsatzsteuer da bleiben mir dann 13300 für 10 monate also 1330 im monat

das ist nicht viel aber es reicht zum überleben wenn man alleinstehend ist ...allerdings ist dann auch noch kein cent für die rente bezahlt ..... ein angemessener stundenlohn für einen selbstständigen ist also um die 30 euro die stunde finde ich...

jetzt stellt sich natürlich die frage ob einem autor mehr geld zu steht als einem einfachen handwerker z.B ....aber ich finde wenn man umgerechnet auf 30 euro die stunde kommt brutto klingt das fair für jemanden der ein buch geschrieben hat ...

allerdings ist das irgendwie schon ein komischer vergleich den man so eigentlich gar nicht machen kann :) aber so lautete ja die frage ... ich vermute allerdings das der TE eher daran interessiert war hier deutlich zu machen das sie nicht gerne beklaut wird ...
weil wenn jemand klug genug ist 8 romane zu schreiben sollte man auch erkennen können das vom filesharing keine existenzen bedroht werden
 
Cassandra57 #19 schrieb:
Ich erwarte nicht für das LESEN meiner Bücher bezahlt zu werden.
[...]
Ich erwarte also für den ERWERB meiner Bücher bezahlt zu werden.

Hierin
- ohne pragmatische Diskussionsansätze von Konradin u.a.m. negieren zu wollen -
liegt für mich eher des Drudels Kern :)

Und da man mich ja hier auch grüblerisch kennt,
frage ich mich als Erstes,
warum Dir die Verbreitung deiner Arbeit (scheinbar) weniger wert ist,
als deren "Besitz" (durch Erwerber)? ;)
und
verweise damit auch gleich mal auf die Basis aller Literatur ;)
Das Geschichtenerzählen

Neben der Funktion eines Nachrichtendienstes von Neuigkeiten, aber auch kultureller Historien wurde
- und wird teilweise heute auch noch in manchen Gegenden des Globus - dabei natürlich auch Fiktives, Erträumtes erzählt.

Die Möglichkeit des Erwerbs dieser Erzählungen lag dabei entweder in der Erinnerung (des mehrfach Gehört habens
und des möglichst guten Erinners),
aber auch in der "Fähigkeit",
Gehörtes möglich interessant wiederzugeben.
Mehrheitlich stand natürlich das Genuss und die Unterhaltung im Vordergrund.

Besitz (materieller Art; in heutigen Sinn) war aber ganz sicher nicht prioritär damit verbunden.
Es sei denn, man einigte sich auf das "Copyright" und die Nutzung bestimmter Erzählungen untereinander
(möglichst einvernehmlich; im Konsens).
Ähnlich übrigens,
wie es heutzutage (wieder) mit Inhalten von Boards, Foren oder (nur) sogenannten "social networks" gehandhabt wird.

Den Gegensatz
von Arbeit in Relation zum Lebensunterhalt an der (reinen) Besitzfrage festzumachen,
ist eh schwer
und sozial-gesellschaftlich schwerlich "gerecht" zu arrangieren.
zumindest unter "kapitalistischen" Maximen.

Von daher verweise ich gerne auf das Recht,
für angefragte Arbeit (z.B. Romane, Erzählungen aller Art)
einen gesellschaftlich akzeptierten Gegenwert zum Lebensunterhalt einzufordern...

Aber...
das setzt zeitgleiches, vor allem aber direktes Entlohnen des Arbeiters (hier Geschichtenerzählers) durch
Konsumenten voraus.
Neben dem zumindest früher damit einhergehenden, hohen gesellschaftlichen Ansehens

Wie Konradin ja schon (vor #19) bemerkte:
Wie auch immer bezüglich gesellschaftlicher Strukturen die Bewertung/Entlohnung von Arbeit) erfolgt.
Sie bemisst sich auch heute wie früher
immer noch an der Nachfrage.
Die Frage ist dabei nur,
WER bewertet (und kontrolliert) den Gegenwert der/dieser Arbeit? ;)

Gerade im Zeitalter digitaler Kopien
- die übrigens immerhin (enorme) Energie und auch diesbezügliche Ressourcen (neben Inhalten) benötigt -
stellt sich hierbei die Frage gesellschaftlich geregelter und vor allem breit akzeptierter Vergütung.

Bisherige Modelle (kapitalistischer/frei gehandelter Form) haben dafür immer noch keinerlei befriedigende Perspektiven aufgezeigt.

Es wird aber dringend dafür Zeit...
Und Regulierungen a la Acta halte ich diesbezüglich für gar nicht Ziel führend.

so far

PS
ich wünschte,
Du Cassandra57 würdest unter den von mir oben genannten, angerissenen Aspekten
noch einmal zur Diskussion zurückfinden :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Und da man mich ja hier auch grüblerisch kennt,
frage ich mich als Erstes,
warum Dir die Verbreitung deiner Arbeit (scheinbar) weniger wert ist,
als deren "Besitz" (durch Erwerber)?

Also ich bin Musiker und habe durch die Verbreitung im Internet nur profitiert.
Als das erste Album überall zum Download zur Verfügung stand kamen immer mehr Anfragen für Interviews, Konzerte etc. und dann sind auch die Verkaufszahlen gestiegen.Es gibt bestimmt ne menge Leute die für diese cd nicht bezahlt haben, aber im Endeffekt sind wir als Band nur bekannter geworden.Das wichtigste daran ist aber das man sehr viele Leute erreicht die sonst vielleicht nie auf die Idee gekommen wären sich die Musik anzuhören und das ist schliesslich das Ziel.

ich denke mit Büchern oder anderen Kunstformen ist das ähnlich.Wenn man seine Kunst oder Arbeit präsentieren will, ist die Verbreitung durch boards wie diese die beste Werbung die man haben kann und man zahlt nichtmal einen cent dafür.Also was ich damit sagen will ist: Die Verbreitung egal in welcher form sollte immer an erster Stelle stehen, dann kommt der Verkauf von allein.
 
Was ist überhaupt die angemessene Bezahlung für eine Arbeit?

In unserer Gesellschaft gibt es mittlerweile sehr viele Menschen, die "von ihrer Hände Arbeit" nicht leben können. Entweder sie benötigen Sozialzuschüsse oder haben zusätzlich noch weitere Jobs.
Andererseits gibt es Menschen, die riesige Summen für ihre "Arbeit" erhalten, seien es nun Künstler, Sportler, Banker, Vorstandsvorsitzende u.a.

Was rechtfertigt solche Unterschiede?
An der Arbeit selbst kann es wohl nicht liegen. Vielleicht ist es eine Frage von Angebot und Nachfrage? Vielleicht aber auch davon, wie viele Menschen mit daran verdienen?

In einer gerechten Welt erhielte jeder genug für seine Arbeit, um davon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können - 30,-€ brutto pro Stunde klingen da für mich realistisch.
Eine kapitalistische Gesellschaft ist aber nicht gerecht, wie wir alle jeden Tag erleben können. Es geht immer um Gewinnmaximierung, es wird dabei also immer auch Verlierer geben. Damit ist es auch nur logisch, dass viele Menschen die Möglichkeiten nutzen kostenfrei an alle möglichen Dinge, eben auch eBooks heranzukommen.
Warum bezahlen, wenn man es auch umsonst haben kann? Das ist auch Gewinnmaximierung!
Letztendlich zahlen wir alle nur den Preis für diese "Geiz ist geil"-Mentalität der letzten zwei Jahrzehnte.
 
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