joungster schrieb:
[...]Nebenbei: Als man das letzte Mal Deine Brüder und Schwestern im Geiste (ich darf wohl davon ausgehen) zu lange gewähren (morden) ließ, sie letztlich durch interessierte Kreise (Kreise, die heute noch mächtig und aktiv sind) an die Macht gebracht wurden, sah das Resultat folgendermaßen aus:
Tote nach Staatsangehörigkeit:
[...]Republik China: 14.500.000[...]
Gesamt: 53.085.456
Und das waren die "Arschier" ? Wie ham die das nur angestellt?
Das ist doch ein starkes Stück für einen, der alle außer sich als unterbelichtet darstellt...[…]
Ich finde es „doch ein starkes Stück“, dass ich – als Fremdsprachler, wohlgemerkt – Eingeborenen gelegentlich ihre eigene Sprache erläutern muss (so viel zu „unterbelichtet“): Die von mir erwähnten 14.500.000 Toten der Republik China waren
eine Folge der deutschen Kriegspolitik. Einer Kriegspolitik, die dadurch möglich – bzw. mindestens erleichtert – wurde, dass die Deutschen ihre
braunen Horden an die Macht gewählt hatten.
Quellen (alle in deutscher Sprache!):
Kriegstote des Zweiten Weltkrieges
Chinas Rolle im Zweiten Weltkrieg | Politik | Deutsche Welle | 12.08.2005
60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus
2.Weltkrieg
1945 - Kriegsende: Die schreckliche Bilanz des Zweiten Weltkrieges - chroniknet Artikel und private Fotos
So „ham“ die das also angestellt.
muesli schrieb:
[...]Da die Ursachen für Rassismus und Neonazismus eh in der immer noch nicht völlig aufgearbeiteten Geschichte (und Handeln) der Deutschen zu suchen und zu finden sind
und diese nach wie vor weder in der Bildung, Wissenschaft noch in der Jurisdiktion oder Politik ihre entsprechende konkrete Beachtung und vor allem Kontinuität finden, [...]
Mit zweifelhaften Verboten von Parteien (oder eben Gedanken) wird es allerdings auch zukünftig kaum getan sein ...
Nun – ganz und gar nicht sarkastisch gemeint: Deutschland ist eben seinen Traditionen verhaftet; hierbei (immer noch) mehr seinen Richtern und Henkern als seinen Dichtern und Denkern.
In diesem Zusammenhang empfinde ich es als einen der üblichen Verdummungsversuche, wenn z. B. der „Spiegel“ zu dem Schluss kommt:
„Geheimdienste stehen unter Versager-Verdacht“.
Diese Annahme hätten sie gern. Tatsächlich haben die Dienste von Anfang an so funktioniert, wie sie soll(t)en. Wie ich zu dem Schluss komme? Ein Blick in ihre Geschichte kann diese Frage beantworten:
Polizei, Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz, Justiz und Militär wurden mit Mann und Maus aus dem Nazistaat übernommen. Nahezu alle NS-Polizisten blieben im Amt, den BND und die Ämter für VS gründeten und besetzten „bewährte“ Männer des Reichssicherheitshauptamts, der Gestapo und Fremde Heere Ost. Kein einziger der zahlreichen NS-Blutrichter wurde je verurteilt, die Bundeswehr wurde von Offizieren und Generälen aus Hitlers Vernichtungsfeldzug gegründet und „beseelt“.
Auch wenn dies schon lange zurückliegt: Die letzten Gründer waren noch in den 80ern in ihren Ämtern und haben geschult, was heute dort sitzt. Der Geist der Gründer ist in (fast) allen Köpfen.
Als Günther Jauch den Nazi-„Aussteiger“ Manuel Bauer fragte: „Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass es Neonazi-Sympathisanten auch in den Reihen von Polizei und Verfassungsschutz gibt?“ , bekam er die Antwort
straight from the horse's mouth: „ja. Wir haben von Polizeiangehörigen, die wir auch kannten, die Information bekommen, wann und wo ihre Kollegen Streife fahren.“ – „Warum?“ – „Man kannte sich halt. Da war eine bestimmte Sympathie da. […] das, was wir vertreten haben, haben die ja auch so empfunden“.
Tradition auch hier: Der Jurist Theodor Maunz - von 1957 bis 1964 bayerischer Kultusminister, Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst – gehörte zu den akademischen Juristen, die durch ihre Arbeiten dem NS-Regime juristische Legitimität zu verschaffen bestrebt waren (schrieb u. a.: „Was der Führer in Form von Rechtsangeboten der Polizei an Aufträgen zuweist, bildet die Rechtsgrundlage der Polizei“). Bis zu seinem Tod blieb er seiner Tradition treu, und schrieb z. B. anonym Beiträge für die Nazi-Zeitung seines Kameraden Gerhard Frey. Namentlich gezeichnete Artikel für seinen „Maunz-Düring“ schrieben – nach Maunzens Enttarnung als Alt-Nazi (Maunz trat als Minister zurück) der spätere Bundespräsident Roman Herzog, die Verfassungsrichter Udo di Fabio und Hans Hugo Klein sowie Hans-Jürgen Papier, bis 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts.
Im März 1999 kam es in Saarbrücken zu einem – ebenfalls – bis heute nicht aufgeklärten Terror-Anschlag auf die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“.
Ein früherer Nazi-Offizier, der an der Blockade Leningrads (1.1 Millionen Hungertote) beteiligt war, später zum Referenten in Hermann Görings Reichsluftfahrtministerium aufstieg (für das er als Beobachter beim Prozess gegen die Männer des 20. Juli anwesend war), bevor er als Batteriechef an die Westfront kommandiert wurde. Dieser (!) Oberleutnant hatte davor gewarnt, die 19 Millionen deutschen Soldaten als Angehörige einer Verbrecherorganisation zu bezeichnen und damit „die Leute in eine Ecke zu treiben, wo sie anfangen, sich vehement zu wehren. Keiner könne „die Wehrmacht als ganze und kollektiv als eine verbrecherische Organisation ansehen.“
Dieser Nazi-Offizier hieß Helmut Schmidt, ist mit dem gleichnamigen drogenabhängigen Bambi-Preisträger weder verwandt noch verschwägert, lediglich identisch.
Gelebte Tradition(en).