Tja … die arabischen Despoten.
Die Politiker, Journalisten und Intellektuelle der freien Völkergemeinheit lieben Diktatoren, die vom Volk gefürchtet werden und für „Ruhe und Ordnung“ – hier vor allem in der Abwicklung von Geschäften mit eben dieser Völkergemeinheit – sorgen können. Entgleitet ihnen die Kontrolle, haben sie versagt und werden verachtet.
Hosni Mubarak (Ägypten) wurde im Mai 2010 von dem Repräsentanten Deutschlands – Außenminister Westerwelle – „als Mann von großer Weisheit“ gepriesen, der „die Zukunft fest im Blick“ habe. Nur sieben Monate später wurde er verspottet, weil er auf einen ‚lame duck‘ gesetzt hatte
Die Partei Ben Alis (Tunesien) war über 20 Jahre lang Mitglied der Sozialistischen Internationale. Vier Tage nach seinem Sturz wurde die Partei ausgeschlossen – gegenüber Versagern ist die SI genauso unerbittlich wie die ‚Ehrenwerte Gesellschaft‘.
Diejenigen, die ihre Gegner im stillen abschlachten, brauchen keine Kritik zu fürchten. Kaum vorstellbar, dass sich ein „Brennpunkt“ mit der Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien beschäftigt oder bei „Anne Will“ über die Vereinigten Arabischen Emirate debattiert wird. Helmut Schmidt traf sich zum Plausch mit Mobutu, Helmut Kohl ging mit Suharto angeln.
Da alle auf der Seite des Gewinners stehen wollen, liefert die Schwarmintelligenz der Journalisten brauchbare Hinweise darauf, wann ein „Machthaber“ die Position eines „Diktators“ erreicht: Wird jemand, über den vorher nie ein böses Wort fiel, plötzlich geschmäht, dann wird er wahrscheinlich bald seine Macht verlieren. Im Fall Gaddafis war es bisher so, dass seine Massaker zwar getadelt, seine Verdienste bei der Flüchtlingsabwehr (Europas)aber gelobt wurden.
Aus Sicht der Politiker der freien Völkergemeinheit galt es bisher, die Vor- und Nachteile der libyschen Diktatur gegeneinander abzuwägen. In der Vergangenheit überwogen die Vorteile.
So prahlte der Schweizer Soziologe, UN-Mitarbeiter und Autor Jean Ziegler in einem Interview gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ im März dieses Jahres damit, der Busenfreund Gaddafis gewesen zu sein („Ich war einer von den Intellektuellen, die er oft eingeladen hat“), andererseits nannte er ihn erstmals einen „wirren Tyrannen“. Ein Aspekt, der ihm all die Jahre zuvor offenbar entgangen war:
„Er kenne Gaddafi als einen‚ blitzgescheiten, argumentativen, analytisch begabten Menschen‘. Gaddafi spreche perfekt Englisch, lese sehr viel und sei früher ‚ein absolut brillanter Redner‘ gewesen, ‚das weiß jeder, der ihn bei den Revolutionsfeierlichkeiten auf dem Grünen Platz erlebt hat. Er hat die Menge gespürt, intuitiv begeistert‘.“
Gaddafi soll zurücktreten. Wovon?
Die wenigsten Politiker haben offenbar Ahnung über Gaddafis Herrschaftssystem: die Forderung, Gaddafi solle zurücktreten, ist unsinnig. Wovon soll er zurücktreten? Seine Macht beruht nicht auf einem Amt - offizielles Staatsoberhaupt ist Muhammad Abu I-Qasim az-Zuwai - sondern auf seinem Geld.
Sein Vermögen wird auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Als der in Wirklichkeit reichste Mann der Welt kann Gaddafi sich alle Unterstützung kaufen, die er braucht. Skrupel werden ihn wohl genau so wenig plagen wie seine christlichen Gegenspieler.
Andererseits bedeutet „Demokratie“ christlich-westlicher Prägung …
... für viele afrikanische Länder und Länder des nahen Ostens Bombardierung, Folterstätten, Todesschwadronen, Ausbeutung sowie – nicht zuletzt – Toleranz gegenüber allen israelischen Verstößen gegen das Völkerrecht.
Nebenbei: Die Massenmorde, die von den Besatzern in Irak und Afghanistan verübt werden, lassen nicht nur „ewig Gestrige“ alte Zeiten (unter den jeweiligen Diktatoren) zurückwünschen.
Wenn es um das Handwerk des Tötens geht, hier die Abwandlung eines bekannten Zitats (auf diesem Gebiet besteht unaufholbar kulturelle Führung):
„Der Tod ist ein Meister der freien Völkergemeinheit“.
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Dazu ein Video aus der Praxis (m.E. werden hier keine „Einzelfälle“ dokumentiert):
Danger, democrats at work!