Hallo Manu0503,
ich stimme dem zu, dass es nie verkehrt ist, eine zweite Meinung einzuholen. Einfach, um vielleicht ein besseres Gefühl bei der Sache zu bekommen. Schau auch ruhig weiter im Internet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mehr Eltern mit ähnlichen Problemen und Ängsten (auch in Bezug auf eine mögliche Hormonbehandlung) gibt, die vielleicht irgendwo eine Plattform haben.
Natürlich ist die ganze Situation schon etwas ungewöhnlich und schwierig – für Dich als Elternteil und natürlich auch für Deine Tochter; sollte ihre Menarche tatsächlich so früh einsetzen; aber um Panik zu schieben besteht derzeit kein Grund; wenngleich die unterschiedlichen Aussagen der Ärztin schon etwas verwundern und alles andere als vertrauensbildend scheinen. Aber warte erst mal den Bericht des Arztes/der Ärztin ab. Außerdem könnte sich Deine Unruhe auch auf Deine Tochter übertragen; sie merkt ja, dass etwas passiert, was Dich sehr beschäftigt. Und Angst zu haben oder zu bekommen hilft ihr nicht wirklich.
Zuerst einmal zur Zielgröße Deiner Tochter. Dafür wird im Allgemeinen die Körpergröße (in cm) von Mutter und Vater addiert, durch 2 geteilt und dann für Jungen 6 addiert und für Mädchen der gleiche Wert subtrahiert. Somit erhält man normalerweise die Zielgröße eines Kindes. Hierbei spielt natürlich auch die körperliche Entwicklung und eventuelle genetische Prädispositionen eine Rolle. Für Deine Tochter würde dies prinzipiell eine Zielgröße von 176,5 cm bedeuten.
Der Arzt bestimmt mittels einer Röntgenuntersuchung der linken Hand den Reifegrad der Knochen (sog. Knochenalter); dies lässt dann Rückschlüsse auf das verbleibende Wachstumspotential zu. Die körperliche Entwicklung Deines Kindes hat vorzeitig eingesetzt, was man in Anbetracht des Alters Deiner Tochter als Pubertas praecox bezeichnet. Ob dies tatsächlich so ist und es sich um eine Erkrankung (Pubertas praecox vera) oder nur um einen einmaligen Schub handelt, der dann in dem vorhandenen Stadium stehenbleibt, um sich später fortzusetzen, kann natürlich nur ein Arzt – der ich nicht bin – diagnostizieren. Ansonsten scheint es sich aber zumindest der Reihenfolge nach um einen normalen Ablauf zu handeln, der mit der Thelarche (Brustentwicklung) beginnt und über Pubarche (Entwicklung der Schambehaarung) und Wachstumsschub zur Menarche (erste Regelblutung) führt. Doch über welchen Zeitraum diese Entwicklung ihren Fortgang nehmen wird, muss sich erst noch zeigen.
Die Besonderheit liegt hier (bzw. bei ihr) darin, dass meist auch das Skelett vorzeitig reift, sodass es zu einem vorzeitigen Schluss der Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) der Röhrenknochen kommt. Daher führt eine Pubertas praecox oftmals zu einem Minderwachstum bei »normalen« Menschen. Wodurch auch immer bedingt, so hat bei Deiner Tochter das Längenwachstum eher und stärker eingesetzt. Mit dem Einsetzen der Menarche wird daher das Längenwachstum bei Deiner Tochter auch so gut wie abgeschlossen sein und wahrscheinlich nicht die eigentlich avisierte Zielgröße von 176,5 cm erreichen; daher der niedriger angesetzte Wert der Ärztin, wie ich annehme.
Sollte tatsächlich die Menarche so früh bei ihr einsetzen, ist es sicherlich erst einmal sehr schwer, ihr begreiflich zu machen, was mit ihr geschieht. Da ist viel Einfühlungsvermögen und vielleicht auch Rat von berufener Stelle gefragt. Wenn sie erfährt, dass Mutti »das« auch hat, es in diesem Fall also nichts Schlimmes oder gar Lebensbedrohliches ist, nimmt es ihr vielleicht etwas von der Angst, die aufkommen könnte.
Was die Aussage zum Zusammenhang von Körpergewicht und Einsetzen der Menarche betrifft, so sagt der Wert von 45 kg per se nichts oder nicht viel aus. Vielmehr sind hier relativer und absoluter Körperfettanteil zu unterscheiden; nicht zuletzt in Abhängigkeit von der Körpergröße. Landläufig ist es jedoch so, dass bei Mädchen/Frauen mit weniger als 45 kg meist der Reifungsprozess unterdrückt wird, sodass die Regelblutung ausbleibt, was zu einer verspäteten Menarche oder ausbleibenden Regelblutungen führen kann, z. B. infolge von Unterernährung (Nahrungsmangel) oder Anorexie (Appetitlosigkeit) bzw. der davon abzugrenzenden, psychisch-bedingten Anorexia nervosa (Magersucht); aber auch infolge von Leistungssport.
So viel von mir. Ich wünsche Dir/Euch alles Gute und dass ihr diese nicht gerade einfache Zeit gut meistert. Ein paar Links zu dem Gesagten schicke ich Dir gleich noch per PN.
Liebe Grüße
— CentCom