Man kann den Eiertanz wagen, sich unter allen Umständen geschlechtsneutral und somit "politisch korrekt" auszudrücken, aber in meinen Augen macht man sich damit lächerlich.
Wem es wichtiger ist, daß seine Schreibweise geschlechtsneutral ist und somit "politisch korrekt" erscheint, als daß es der Inhalt seines Textes ist, der hat etwas zu verbergen. Nur wer ständig Angst davor hat, als nicht korrekt zu erscheinen (weil er im Grunde genommen garnicht 100%ig korrekt ist), der muß um jeden Preis korrekt scheinen wollen.
Wer moralisch nichts zu verbergen hat, der hat diesen ganzen Zinnober auch kaum nötig.
Im Grunde genommen ist es frauenfeindlich, (unabhängig von der Schreibweise) Ressentiments gegen Frauen zu haben, nicht jedoch, die Sprache so zu verwenden, wie sie nun einmal ist.
Übrigens ist die Betrachtungsweise, eine geschlechtsspezifissche Ausdrucksweise sei frauenfeindlich keineswegs korrekt. Denn wenn eine geschlechstspezifische Audrucksweise frauenfeindlich sein kann, dann kann sie ebenso auch männerfeindlich sein.
Aber in dieser unserer Gesellschaft liegt einiges im Argen, was die Gleichberechtigung betrifft. Für viele heißt Gleichberechtigung, daß Frauen gleiche Rechte wie Männer haben sollen/müssen und nicht mehr. Aber wer die gleichen Rechte hat, der muß auch die gleichen Pflichten haben, sonst ist es pure Heuchelei.
Vieles in unserer Gesellschaft ist eigentlich männerfeindlich und es ist ein Tabu, über die Benachteiligung der Männer zu schreiben. Immer mehr Einrichtungen sind "nur für Frauen". Irgendwie erinnert mich dies an Südafrika zur Zeit der Apartheid.
Es ist beinahe selbstverständlich, daß es Fahrschulen "nur für Frauen" geben muß. Aber wehe, man macht eine Fahrschule "nur für Männer" auf. Sofort gilt man als frauenfeindlich.
Man hat sich an das Primat der Frauen schon soweit gewöhnt, daß eine "Frauendisko" als selbstverständliche Einrichtung für Frauen gilt, die unter ihresgleichen sein wollen. Benutzt man analog dazu Begriffe wie "Negerdisko" oder gar "Judendisko", kein Mensch käme auf die Idee, so etwas als selbstverständliche Freizeiteinrichtunge und Begegnungsstätte von "Negern" (darf man sie überhaupt so nennen?) oder Juden anzusehen.
Interessant auch, daß überall von Quoten gesprochen wird, vor allem die Frauenquote muß schließlich erfüllt werden. Männerquoten gibt es hingegen nirgendwo. Bezeichnend ebenso, daß nur da über Frauenquoten gesprochen wird, wo diese untererfüllt sind. Bei der Post hat damals nicht eine einzige Frau eine Frauenquote gefordert. Schließlich war der Anteil der Frauen bei der Post über 50%. Von den Möbelpackern erst gar nicht zu reden.
Wenn ein Schwarzer Präsident wird, nur weil er ein Schwarzer ist, dann ist dies genauso Rassismus, als wenn er es nur nicht wird, weil er ein Schwarzer ist. Bei Frauen ist dies ähnlich.
Die Sprache wird von denen, die auf eine "politisch korrekte" Ausdrucksweise dringen als Herrschaftsinstrument mißbraucht. Denn oftmals geht es garnicht um Gleichberechtigung oder gar um Gleichstellung, sondern schlicht und einfach um Verschleierung der eigenen Ineressen und beibehaltung eigener Privilegien.
Wenn also jemand von mir eine "politisch korrekte" Ausdrucksweise erwartet, dann kann er mich (frei nach Luther) am Arsche lecken...
lg Konradin