Konradin schrieb:
Darüber reden ist auch eine Art Intervention. Schliesslich hast du sie dadurch gezwungen, darauf zu reagieren (einerlei ob dies nun Ausweichen, darüber Nachdenken oder was auch immer ist), und nur das zählt.
Wie gesagt, es geht mir hier nicht darum, ihr zu helfen (dazu ist meines Erachtens professionelle Hilfe vor Ort nötig) und die können wir hier allesamt nicht leisten.
Was wir aber tun können, das ist, die Situation von allen Seiten zu beleuchten und etwas auf den Tisch zu legen, womit du persönlich etwas anfangen kannst. [...]
Ich bin überzeugt, dass „professionelle“ Hilfe hier nicht mehr zu leisten in der Lage wäre, als die bisherigen Diskussionsbeitrage (ich lebte einige Jahre mit einer Diplompsychologin/Psychotherapeutin zusammen, die mich jedes Mal um Rat fragte, wenn es um eine ad hoc-Einschätzung ging). Es liegt jetzt an @Felix, daraus – für sich – Schlüsse zu ziehen.
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Es gibt bestimmt hunderte Formen des „Stalking“. Ich habe mich jetzt darüber nicht tiefgehender informiert, will nur zwei Beispiele aus meinem Bereich kurz „zum Besten“ geben.
Leider nicht mit drei Worten abzuhandeln.
Ist schon einige Jahre her ...
Habe meiner – damaligen – LAP vormittags um 10:00 Uhr eröffnet, dass ich sie spätestens um 16:00 Uhr nicht mehr sehen möchte; sie soll ihr Zeug packen und verschwinden. Der Grund: Ich verstehe Partnerschaft als gleichberechtigtes Mit- und (manchmal) Nebeneinander. Sie, ganz offensichtlich in ihrer vorangegangenen Ehe die Unterdrückte, missverstand dies als Unterordnung meinerseits (mich zu unterdrücken – darauf lief es hinaus – dürfte schwierig sein). Nach sechs (!) Jahren reichte es mir.
Da ich durch das Leben erzogen bin, auch in schwierigsten Situationen Contenance zu bewahren, möglichst keine Gemütsregung zu zeigen (es ist mir bewusst, das dies ein Handicap ist) , merkte sie nie, dass es mir allmählich reichte. Meine Reaktionen bemerkte sie entweder nicht, oder ordnete sie falsch ein.
Gut. Auf meine Aufforderung, die Wohnung zu räumen, sie: „
Ich bringe mich um. Ich springe aus dem Fenster“ (dritter Stock). Darauf öffnete ich das Fenster:
„O.K., jetzt; die Straße ist frei, keine Fußgänger, auf die du fallen könntest!“ – Sie sprang nicht. Um 16:00 Uhr war ich frei (buchstäblich!).
Auf ihren Weg zurück in den Osten nahm sie noch mein Auto mit, offensichtlich in der Hoffnung, dass ich des Autos wegen nachreisen würde. Ich schickte ihr den Kfz-Brief nebst Schreiben, dass ich ihr das Auto schenke. So weit, so gut. Auto weg: Nicht so gut; sie weg: gut. Also ausgeglichen.
Was folgte, war wohl das, was Telefonterror genannt wird. Buchstäblich alle zwei bis drei Minuten klingelte das Telefon. Entweder wurde gleich wieder aufgelegt, oder es folgten „Wiedervereinigungswünsche“.
Als ich einem meiner Schüler aus der mittleren Führungsebene bei der Telekom die Misere schilderte und ihm um Rat betreffs Fangschaltung fragte, riet er mir davon ab (ich weiß nicht mehr, aus welchen Gründen). Er empfahl mir einen ISDN-Monitor, der die Möglichkeit bot, Telefonnummern bei Anruf auf „besetzt“ zu schalten (da die Anrufrückverfolgung damals noch illegal war, besorgte ich mir das Programm dazu in der Schweiz). Wirkte eine Zeitlang, die Anrufe wurden allerdings nach einiger Zeit – Anruf bei Unterdrückung der Nummer – wieder lästig.
So griff ich zum letzten Mittel (die Damen mögen entschuldigen): Erneuter Anruf, am anderen Ende Katja
„bla bla bla“. Ich:
„Katja, du störst gerade wirklich, [Susi] bläst mir gerade einen“.
Seit nunmehr acht Jahren kein Anruf mehr.
Ist schon einige Monate her ...
Eine Schülerin – Medizinstudentin in München – weiß nicht, was sie machen soll: Seit Monaten verfolgt sie ein Typ. Er sitzt auf der Bank vor der Uni, steht – jeweils ganz zufällig – vor ihrem Wohnungseingang, steigt in den gleichen Bus, usw., usf.. Während dieser „Zusammentreffen“ starrt er sie an, ohne etwas zu sagen. Er belästigt sie weder durch Worte, noch durch Taten.
Auf meine Frage, ob sie ihn als Eingeborener oder Ausländer einordnen würde, „Eingeborener“.
Kurzes Überlegen, dann:
Ich gehe mit meiner Schülerin ihren gewohnten Weg zur Uni. Tatsächlich: „Er“ sitzt da, geschätzt achtundzwanzig bis dreißig Jahre alt. Meine Frage an das Mädchen (so, dass es ihr Stalker hören kann):
„Ist das der Typ?“.
„Ja“.
Darauf nehme ich die Videokamera, stelle sie auf diesen Mann ein und gehe filmend auf ihn – bis auf etwa zwei Meter – zu. Er steht auf und geht kommentarlos weg.
Die junge Dame hat ihn nie wieder gesehen.
Beide geschilderte Fälle sind real. Beide geschilderten Fälle zeigen, dass „mitleidloses“ Begegnen mit dem Belästiger (deutsch: Stalker) durchaus zum Erfolg führen kann.