Ich finde es auch nicht gut, daß manche Leute das meiner Meinung nach prinzipiell gute und notwendige soziale Netz ausnutzen und sich durchs Leben schmarotzen. Ich weiß auch, daß dies ein Trend ist, der sich immer mehr verbreitet und der leider in bestimmten Kreisen sogar Anerkennung findet, nach dem Motto, "ich bin so toll, weil ich den Staat verarsche" und dies dann auch noch großspurig in Daily-Talk-Shows verkündet. Dem müßte tatsächlich ein Riegel vorgeschoben werden, ist aber nun mal nicht so einfach.
Es würde sicher einfacher mit den von BigKing gemachten Vorschlägen gehen, doch meiner Meinung nach würde es zu vielen Ungerechtigkeiten führen.
Ich bin nämlich nicht der Meinung, daß ein Arbeitsloser jeden Job annehmen muß.
Ich denke mal, ein großer Teil der Arbeitslosen wird sich immer noch zusammensetzen aus "normalen" Leuten, die eine Ausbildung zum was-weiß-ich oder ein Studium abgeschlossen haben, in ihrem Beruf gearbeitet haben und jetzt aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage unverschuldet Arbeitslos geworden sind. An deren Stelle fänd ich es schon sehr hart, jetzt zu jedem Hiwi-Job verdonnert werden zu können. Schließlich haben sie zu ihrern aktiven Arbeitszeiten mit den entsprechenden Sozialzahlungen in das System eingezahlt für den Fall, das eine Arbeitslosigkeit droht. Wenn sie jetzt jeden Blöd-Job annehmen müßten, wären diese Zahlungen ja völlig umsonst gewesen. Wie will man denn normalen Arbeitnehmern vermitteln, daß es einen Sinn hat, in die Sozialkassen einzuzahlen, wenn ihnen dann im Fall der Fälle eine Zahlung aus diesen Kassen verweigert wird, mit der Begründung, es gibt noch genügend andere Jobs als die, die man gelernt hat, mit der man seine Notlage finanzieren kann. Ich denke mal, redliche Bürger werden schon ernsthaft nach Jobs suchen, die ihren Qualifikationen entsprechen, besonders nach Hartz IV, denn ein gut verdienender Arbeitnehmer mit entsprechenden Lebensstill und laufenden Kosten (wie z.B. Hypotheken fürs Häuschen usw.), der plötzlich Arbeitslos wird, liegt nach einem Jahr komplett am Boden, wenn er bis dahin keinen neuen Job gefunden hat, da dann ja nicht mehr das normale Arbeitslosengeld sondern der Hartz IV-Satz gezahlt wird. Die Eingangs erwähnten Schmarotzer können auf diesem Niveau wohl ganz gut Leben, da sie offensichtlich auf einer Entwicklungsstufe stehengeblieben sind und sich mit ner Flasche Bier aufm Bauch vorm Fernseher offensichtlich wohl fühlen. Für einen normal sozialisierten Menschen, der Ausbildung/Studium, Berufsjahre hinter sich hat ist das aber sehr schwer, es wird ihm viel Lebensqualität genommen. Ich denke daher, daß diese Leute sehr daran interessiert sind, sich ernsthaft um einen neuen, ihren Bedürfnissen und Qualifikationen entsprechenden Job zu finden.
Ich weiß, ist heutzutage sehr schwierig, so einen Job zu finden, aber noch schwieriger wird es, wenn die ernsthaft Suchenden den ganzen Tag auf einem Feld ackern müssen und dadurch keine Zeit haben, sich um einen Job mit Perspektive zu bemühen. Wenn sie dazu verdonnert werden würden, fürchte ich, daß die Perspektivlosigkeit zu einer Abstumpfung und letztendlich Rückentwicklung führen könnte auf ein Niveau, wo einem dann alles egal ist, auch daß man auf Kosten anderer lebt, man sich also auch zu einem "echten" Schmarotzer entwickelt.
Und diese Billigjobs bringen natürlich auch kein Geld in die Sozialkassen.
Natürlich heißt das nicht, das jemand mit guter Ausbildung das Recht haben sollte, ewig nach seinem Traumjob suchen zu dürfen. Aber es ist heute eben nicht mehr so leicht, nach Eintritt in die Arbeitslosigkeit einen neuen Job zu finden. Man muß sich im Sinne einer sozialen Gemeinschaft diesem Umstand anpassen und jedem, der in der Vergangenheit seine Beiträge für das soziale System geleistet hat auch genügend Zeit lassen, wieder etwas zu finden, wofür er ausgebildet wurde. Diese Ausbildung hat doch auch einen Wert und sollte nicht auf Spargelfeldern vergeudet werden.
Wenn nach angemessener Zeit zur Suche immer noch kein neuer Job winkt sollte man über Umschulungsmaßnahmen oder Weiterbildung in Bereichen, wo Leute gesucht werden, nachdenken.
Was hat die Gesellschaft davon, Akademiker an den Unis auszubilden und diese dann wegen der schlechten Wirtschaftslage auf die Felder zu schicken.
Die Probleme liegen meiner Meinung nach nicht bei den Arbeitslosen sondern im Bereich der schlechten Wirtschaftslage, der schlechten Konjunktur. Die Leute, die verdienen und in Jobs sind, geben nichts aus, weil sie Angst vor schlechteren Zeiten haben. Ich finde, man sollte diese Angst nicht noch schüren, in dem man das Gefühl vermittelt, daß man nach einer eventuellen unverschuldeten Arbeitslosigkeit auf einem Spargelfeld endet.
Ist leider ein großes Problem das nicht leicht zu handeln sein wird. Aber wir leben nunmal in einer sozialen Marktwirtschaft, die sich meiner Meinung nach bisher Bewährt hat. Marktwirtschaft heißt dabei, daß der Markt/die Wirtschaft für die Arbeitsplätze zu Sorgen hat, sozial heißt, daß man darauf vertrauen können sollte, auch in Krisensituationen von der Gemeinschaft gestützt zu werden.
Hoffe, die Deutsche Gesellschaft kriegt dies in absehbarer Zeit hin.
Grüße
Wurstwasser