Die Türkei ist seit Kemal Atatürk eigentlich ein laizistischer Staat, mit Trennung von Staat und Religion.
Bislang hat der Staat auch dafür gesorgt, dass Vorbeter (Imame) eine staatliche Ausbildung und Zulassung benötigen, um eine (öffentliche) Moschee leiten zu dürfen. Ebenso hat die Türkei bislang entsprechende Imame nach Deutschland entsandt. Diese stehen ebenfalls Moscheen vor, die bei uns vom türkischen Staat anerkannt/genehmigt sind.
Jetzt kommen aber verschiedene Dinge ins Spiel. Das Militär und die früheren Regierungen waren und sind undemokratisch, nicht selten korrupt und wenig volksnah. Die Kurden und andere Minderheiten bekamen das jahrzehntelang zu spüren.
Als Erneuerer und Sprecher der breiten Bevölkerung sieht sich die Regierungspartei AKP. Mit Erdogan (Regierungschef) und Gül (Präsident) stehen ihnen aber zwei konservativ-islamische Führungsfiguren vor, die am liebsten den Islam als alleinige Staatsreligion einführen und die Trennung von Staat und Religion aufheben würden. Die Ziele werden inzwischen etwas behutsamer und verdeckter in Angriff genommen, da einflußreiche Militärs ihnen immer noch entgegen stehen. Man denke nur an die Versuche, das Kopftuchverbot an den Schulen und Unis auszuhebeln, was teilweise schon gelang.
Andere Religionen, wie die orthodoxen Christen, deren einstiges Zentrum Konstantinopel (= Istanbul) war, sind mit zahlreichen Verboten und Einschränkungen überzogen worden, z.B. dürfen keine Priester ausgebildet werden und 'Werbung' (= Missionierung) ist untersagt. Es gibt zwar in Istanbul zahlreiche alte Kirchen, die meisten sind inzwischen aber verfallen und funktionslos.
Während beispielsweise in Deutschland die Muslime (und andere Religionsangehörige) weitgehende Freizügigkeit genießen, sogar Islamunterricht an öffentlichen Schulen inzwischen ein Thema ist, kann man in der Türkei absolut nicht von einer religiösen Freizügigkeit reden. Weder die Bevölkerung als solche noch staatliche Behörden tolerieren so etwas. Christlicher Religionsunterricht an einer öffentlichen türkischen Schule würde vermutlich in Massenprotesten und Gewalt enden - dies ist keine bloße Spekulation, sondern die Intoleranz leider weitgehend gängige Praxis.
Fundamentalistische türkische/türkischstämmige Muslime in Deutschland treiben ihre politisch-religiöse Agitation hier immer intensiver. Vielen bei uns ist gar nicht bewusst, was hier in diesen Einwanderergruppen so vor sich geht.
Der Islam mag nach außen eine friedfertige Religion sein und ganz sicher sind es die allermeisten Muslime auch, aber das bedeutet nicht, dass Toleranz zu anderen Religionen oder gar Atheisten wirklich gelebt wird. Die Vorschriften, die ein (streng) gläubiger Muslim zu beachten hat, die religiös beeinflusste Rechtssprechung sowie die absolut anderen Auffassungen von Kultur und Gesellschaft trennen diese Menschen, gerade in Deutschland, extrem von Nichtmuslimen.
Ich kenne durchaus Muslime hier, mit denen ich gut auskomme, mit denen ich aber nie in ein normales Restaurant gehen, sie nicht mal zum Essen bei mir einladen könnte, da sie permanent Angst davor haben, Dinge zu sich zu nehmen, die nicht helal (= gut) sondern haram (= schlecht) sind im Sinne ihrer Religion. Mal abgesehen von ihren Frauen, die man nie zu Gesicht bekommt, da diese nicht der Unmoral westlicher Frauen verfallen sollen --> Gleichberechtigung und Freizügigkeit sind Angstthemen für die gläubigen Muslime. Viel mehr als bei uns, dreht sich das gesamte Leben nur um die Religion, um Allah und den letzten Propheten, Mohammed.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Ich halte die Türkei in ihrer heutigen Verfassung in den Bereichen Gesellschaft, Politik, Religion und Kultur nicht geeignet als Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Wirtschaftliche Gründe, sprich die krasse Unterentwicklung des ländlichen Raums dort, stehen ebenfalls einer Aufnahme entgegen. Würde das doch eine unzählige Anzahl an zig Milliarden Euro an Entwicklungshilfe der EU an die Türkei bedeuten.