Für das Proletariat bleiben dann entweder die vorderen Plätze vor der heimischen Glotze oder das 'Öffentliche Anglotzen eines aufgebahrten Toten', was 'Public Viewing' eigentlich bedeutet.
Um Inhalte geht es schon lange nicht mehr, denn Image ist wichtiger als Inhalte und wenn schon glotzen, dann bitteschön auf englisch. Das ist dann zwar völlig sinnfrei, vom Image her aber deutlich besser als das wohl als minderwertig geltende Deutsch.
Fußball ist inzwischen ein völlig eigenes Territorium, eine Scheinwelt mit eigenen gesellschaflichen Regeln. Inzwischen steht Europa nicht nur vor der Tür, sondern wir befinden uns mitten drin. Kein Mensch würde mehr von den Franzosen als Erbfeinden reden, da hat sich schon einiges getan. Anders beim Fussball. Die Mannheimer sind immer noch die Erbfeinde der Offenbacher und je leistungschwächer eine Mannschaft ist, desto kriegerischer wollen ihre Strassenproleten erscheinen; man denkt mitunter fast, sie ziehen in den Krieg.
Ausserhalb der Fussbalwelt ist ein Ausländer ein Ausländer und man lässt ihn dies auch oftmals spüren (selbst wenn man dessen Migrationshintergrund blumig umschreibt). Auf dem Fussballplatz ist dies anders. Da darf ein Ausländer ruhig ein Ausländer sein und selbst ein Schwarzer ein Schwarzer. Wenigstens solange er für die 'eigene' Mannschaft spielt, denn dann ist dort 'nichts unmöglich'.
Brot und Spiele, gutbezahlte Söldner des Ballsports und verfehdetes Pack, beim Fussball trift sich eben alles und merkt nicht, wie die Daumenschrauben ausserhalb der Fussball(schein)welt immer enger angezogen werden.
Mit und ohne Hartz IV.