Moin cditfurth
auch wenn ich inzwischen in vielen analogen Bereichen meines Lebens als tendenziell harmonie-süchtig gelte, gilt dies nicht zwangsläufig für Diskussionen dieser Art
Da du u.a. Inhalte auch meiner Posts eher in deinem Sinne/Verständnis umformulierst, oder, ich unterstelle einmal provokativ
- bewusst oder unbewusst - um-interpretierst,
möchte ich einige Inhalte deiner Passagen des letzten Beitrags mal genauer abklopfen.
Ich stimme zu, dass es genügend nicht-juristische Argumente gibt, die Diebstahl
jeder Art nicht nur missbilligen,
sondern auch deren fatale gesellschaftliche Folgen aufzeigen.
Es wäre aber zu kurz gedacht, dies als Dogma hinzustellen ohne die Ursachen, z.B. von unterschiedlich definierten Formen von Diebstahldelikten nicht auch umfassender zu beleuchten.
Diebstahl ist nun einmal, flapsig ausgedrückt, auch Teil unseres "kulturellen" Erbes

Von dem die "westliche" Welt, dass wird all zu gerne ja verdrängt, immer noch unverhältnismässig 'profitiert.
Insofern werden diesbezügliche Verweise zu gerne aus (teils unbewussten) egoistischen Interessen verdrängt oder zumindest ausgelassen.
Und so wie es in vielen Kulturen auch hierzu oft Ausnahmeregelungen gab (Mundraub) sowie unklare bzw. unterschiedlich interpretierbare Eigentumsrechte sogar noch andere Auslegungen möglich machen,
so werden auch hier die verschiedenen Sichtarten und Interpretationen anders Denkender eher ausgeblendet mit Verweis auf (hierzulande) aktuell geltende Regelungen.
Das mag bzgl. der aktuellen juristischer Sachlage hilfreich sein als Grundlage einer Diskussion.
Leider führt es aber in fast allen mir bekannten Debatten schlimmstenfalls dazu, dass teils eben sogar Andersdenkende als potentielle Unterstützer und sicherlich aber anders Handelnde kriminalisiert werden, ohne überhaupt dezidierter deren Hintergründe zu beachten bzw. in eigene Überlegungen überhaupt mit ein zu beziehen.
Ernst zu nehmende, sogenannte 'faire' Abwägungen in Gegenüberstellung der Interessen beider Seiten habe ich zumindest noch selten bzw. umfassend noch nirgendwo gefunden.
Und genau das ist für mich der grundlegende Unterschied auch zu Teilen deiner bisherigen Ausführungen.
Denn eine
faire Diskussion beleuchtet bestenfalls die Bedürfnisse aller beteiligten Seiten, um erst dann auf Folgen, Konsequenzen, Rückschlüsse und letztlich Lösungsmöglichkeiten - bestenfalls für beide Seiten akzeptabel - an zu visieren bzw. im Konsens als Ziel fest zu legen.
Denn wenn wir uns (auch) hier, wie schon (auch hier viel zu oft) angeklungen, rein auf die kapital-orientierte Verwertung menschlicher Arbeit kaprizieren, wird allerdings vieles an zudem moralisch gefärbten/ethisch unterlegten "Argumenten" obsolet.
Das in marktwirtschaftlichen Regelungen manifestierte Recht des Stärkeren kennt eben nur Gewinner und Verlierer,
wie sehr dies auch auf die Zukunft bezogen so manchem von uns unsinnig oder gar selbstmörderisch erscheinen mag.
Im hiesigen Fall hieße das in letzter Konsequenz vielleicht eben auch, dass "freie" Autoren (was immer 'man' unter Freiheit auch verstehen mag *g*) sicherlich einen Part der Verliererseite stellen werden. Andere Verlierer wären unter anderem der Anteil derer bisherigen "Konsumenten"...
Kultur, deren "Produkte" und Signale, sind für mich aber wesentlich mehr als nur 'Unter'haltung im Sinne von panem et circensis (Brot und Spiele).
Das dies dem momentanen Zeitgeist kapital-orientierter Verwerter weitgehend widerspricht, zeigen nicht nur die Entwicklungen der digitalen Märkte.
Kunst und Kultur sind vermehrt nur noch kurz-, mittel- oder gar langfristige Investments,
weitgehend beherrscht von den Interessen Einzelner oder deren Lobbies.
Das hingegen, um den obigen Exkurs zu verlassen und zum konkreten Thema zurück zu kehren, viele ursächlich an der heutigen Entwicklung Beteiligte, als Scanner, K-Leser(Lektoren) und Releaser(Verteiler) von ebooks ganz andere Intentionen mit der Digitalisierung von Büchern verbanden, wird zumeist schlichtweg ignoriert und in weitergehende Überlegungen nur dann involviert, sofern für die kommerzielle Verwertung interessant.
Seitdem ich seit der Jahrtausendwende diese Entwicklung verfolge, gab es bei den Vorreitern - nach entsprechender Reflexion - immer auch den Anspruch des "Leben und Leben lassen".
Schonfristen von 2 Jahren für Neuerscheinungen etc.pp..
Wenn man so will ein Ehrenkodex, der u.a. auch für meist auch undifferenziert kriminalisierte Hacker, Coder, Programmierer so wie andere "Spezialisten" der digitalen Welt galt.
Die alte "Garde" der Scanner/Releaser ist inzwischen sogar vermehrt dazu übergegangen, weitgehend nur noch 40-50 Jahre alte Produkte zu bearbeiten bzw. besser gesagt zu erhalten.
Was aber die Frage der Legalität allerdings auch nicht löst
Verschweigen will ich aber beileibe auch nicht, dass es auch gierige Profiteure der Arbeit Anderer im Internet gibt, die teils aus Gründen der eigenen Profilierung, aber auch aus reiner Gewinnsucht Formen digitaler Nutzungsmöglichkeiten (unverhältnismäßig) missbrauchen.
Von daher, ich möchte hier beileibe ja keine Seminarvorlage posten, lasst uns die leidigen, übrigen Entwicklungen bitte auch unter den o.g., wie auch bisher ungenannten Aspekten beleuchten.
so far
PS
Sorry,
Konradin,
I.P. sollte ich dir zwar zu stimmen

,
da aber dieses Thema Wesentliches nicht nur für dieses Boards anspricht,
zudem dieses Kritikforum auch für ungereggte Mitleser eher ins Auge springt,
halte ich dein Votum zur Zeit noch für etwas verfrüht.